Der auf Sardinien geborene Trompeter und Komponist gilt als einer der bedeutensden Jazzmusiker Europas und ist bekannt für seinen lyrischen und expressiven Spielstil, der traditionelle Jazz-Elemente mit mediterranen Klängen und zeitgenössischen Einflüssen kombiniert. Fresu hat zahlreiche Alben veröffentlicht und mit renommierten Künstlern wie Charles Lloyd und Enrico Rava zusammengearbeitet. Neben seiner Karriere als Musiker und Bandleader ist er auch als Lehrer und Förderer der Jazzszene aktiv . Paolo Fresu hat mit seinem einzigartigen Klang und seiner musikalischen Vielfalt entscheidend zur Weiterentwicklung des europäischen Jazz beigetragen.
Fresu - Galliano - Lundgren - Mare Nostrum IVCD / Vinyl / digital
Paolo Fresu trumpet, fluegelhorn
Richard Galliano accordion, bandoneon, accordina
Jan Lundgren piano
Was im Jahr 2005 mit drei Konzerten in Schweden als ein Experiment begann, drei der profiliertesten Charaktere des europäischen Jazz zusammen zu bringen, hat sich in 20 Jahren zu einem der prägendsten Besetzungen des „Sound of Europe“ entwickelt: Der sardische Trompeter Paolo Fresu, der französische Akkordeonist Richard Galliano und der schwedischer Pianist Jan Lundgren erzählen mit Mare Nostrum musikalische Geschichten vom nördlichsten bis zum südlichsten Ende des Kontinents – mit Einflüssen aus folkloristischer, klassischer und populärer Musik in Verbindung mit der Freiheit des Jazz.
Auf hunderten Konzerten und drei gefeierten Alben wurde aus dem All-Star-Projekt eine höchst sensibel aufeinander eingespielte Working Band – und die drei Musiker wurden enge Freunde. Beides hört und spürt man auf Mare Nostrum IV. Die Meisterschaft von Fresu, Galliano und Lundgren liegt in den Nuancen, dem gemeinsamen Fluss melancholisch-anrührender Melodien, in den schillernden Texturen und subtilen Wendungen der Musik. Und sie liegt in der Tiefe des schieren Klangs, von der Artikulation jeder einzelnen Note, bis zum inzwischen ikonisch geworden Trio-Sound.
Die zwölf Stücke auf Mare Nostrum IV, die Fresu, Galliano und Lundgren speziell füreinander geschrieben oder arrangiert haben, sind cineastische Miniaturen aus nordischer Melancholie und mediterraner Wärme. Und sie sind eine in der Musik Wirklichkeit gewordene Utopie von Schönheit und Gemeinschaft, die in unserer Zeit so wertvoll und bedeutsam scheint, wie vielleicht noch nie zuvor. Seit drei Jahrzehnten ist der Trompeter Paolo Fresu ist eine Institution des Jazz aus Italien. Als Leader und Sideman hat er an über 350 Aufnahmen mitgewirkt, mehrere davon bei ACT, angefangen mit seinem Musik-/Filmprojekt „Sonos 'E Memoria“ im Jahr 2001, gefolgt von mittlerweile vier Alben in der "Mare Nostrum"-Serie, dem Duo-Album "Summerwind" mit Lars Danielsson (2018) und Gastauftritten auf Alben von Adam Bałdych, Nguyên Lê und Jens Thomas. Paolo Fresu ist künstlerischer Leiter des Berchidda-Festivals "Time In Jazz" und leitet seit 25 Jahren als Dozent die Jazz-Seminare in Nuoro (Sardinien). Er lebt zwischen Paris, Bologna und Sardinien. Richard Galliano ist ein einzigartiger Erneuerer des Akkordeons und eine unverwechselbare Stimme seines Instruments. Ermutigt von Astor Piazzolla schuf er die „New Musette", seine Version der traditionellen Musik seiner französischen Heimat. Richard Galliano hat mehr als 50 Alben unter seinem eigenen Namen aufgenommen - in Jazz, Klassik und verschiedenen Musikstilen aus aller Welt. Die beeindruckende Liste seiner Zusammenarbeiten umfasst Künstler:innen wie Chet Baker, Eddy Louiss, Ron Carter, Wynton Marsalis, Serge Reggiani, Claude Nougaro, Juliette Greco, Nigel Kennedy und verschiedene renommierte Orchester. Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde Richard Galliano von der französischen Regierung zum "Officier" und "Commandeur des Arts et des Lettres" ernannt. Der Pianist Jan Lundgren ist ein Pionier des europäischen Jazz, der klassische Musik, Folklore, amerikanischen Jazz und Improvisation verbindet. Neben Mare Nostrum besonders eindrucksvoll nachzuhören auf "European Standards" und "Swedish Standards" oder „Potsdamer Platz“ von Lundgrens eigenem Trio, der Verbindung von Renaissance-Chormusik und Jazz auf "Magnum Mysterium" und Co-Leader Aufnahmen mit Nils Landgren, Hans Backenroth, Wolfgang Haffner, Lars Danielsson oder Emile Parisien. Jan Lundgren ist Mitglied der Schwedischen Royal Academy of Music, trat als erster skandinavischer Jazzmusiker in der Carnegie Hall auf und gründete 2010 das Ystad Sweden Jazz Festival, das er bis heute leitet.CreditsRecorded and mixed by Rémi Bourcereau at Studio La Menuiserie, France, on September 30th, October 1st, and October 2nd, 2024, mastered at Studio Sequenza by Thomas Vingtrinier.
Cover art by Martin Assig, “Berg” (detail), 2023
Various Artists - Magic Moments 15: In the Spirit of JazzCD / digitalBestes Jazzinfotainment zum 30 jährigen Jubiläum von ACT: 16 Tracks, 65 Minuten Musik in the Spirit of Jazz, u.a. mit Nils Landgren, Emile Parisien & Theo Croker, Iiro Rantala, Vincent Peirani Trio, Michael Wollny Trio, Joel Lyssarides, Jakob Manz & Johanna Summer, uvm.Credits:
Compilation by Siggi Loch
Mastered by Klaus Scheuermann
Adam Bałdych
- PoetryCD / Vinyl / digital
Adam Bałdych violin, renaissance violin
Paolo Fresu trumpet, flugelhorn
Marek Konarski tenor saxophone Krzysztof Dys piano
Michał Barański double bass
Dawid Fortuna drums
Der polnische Geiger Adam Bałdych gehört nicht nur zu den einzigartigen Virtuosen, sondern auch zu den großen Poeten des aktuellen Jazz. Dass seine Musik eine besonders lyrische Ader hat, gespeist aus der klassisch-romantischen Tradition seines Instruments, aus den typischen Melismen der polnischen Volksmusik, aber auch durch die „Blue Notes“ des Jazz, darauf verweisen fast alle Laudatoren des schon vielfach Ausgezeichneten, ob beim ECHO Jazz, beim Grand Prix Jazz Melomani und dem „Frederyk“ – den wichtigsten polnischen Jazzpreisen -, bei der Ehrung mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Republik Polen oder kürzlich beim BMW Welt Jazz Award. Es sind tatsächlich eher Gedichte denn Geschichten, die Bałdych mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln kreiert, vom Pizzicato und Battuto über butterweichen Bogenstrich bis zu Verfremdungen und Loops. Es brauchte freilich erst noch einen Freund, der, nachdem Bałdych ihm einige seiner neuesten Kompositionen angespielt hatte, sagte: „Junge, du bist wirklich ein Poet auf der Geige“, bis der naheliegende Titel für sein neues Album gefunden war: „Poetry“. Weil Bałdych es seit jeher liebt, passende Partner in seine Projekte einzubinden - zunächst vor allem Pianisten wie Iiro Rantala, Yaron Herman und Helge Lien, zuletzt den Cellistenen Vincent Courtois – begab er sich auf die Suche nach einem Gast, der zur Beschreibung musikalischer Dichtung passt. Und kam auf jemanden, den man nach kurzem Nachdenken nicht nur als ebenfalls naheliegend, sondern geradezu als Traumbesetzung ansehen darf: den italienischen Trompeter Paolo Fresu, einem Meister des mediterran leuchtenden Jazz voller poetischer Kraft. „Ich hatte Paolo schon vor einiger Zeit kennengelernt, als ich auf seinem Festival auf Sardinien spielte,“ erzählt Bałdych. „Schon im Gespräch erkannte ich damals eine Art Seelenverwandtschaft, und nach allem, was ich von ihm gehört hatte, konnte ich mir jetzt gut vorstellen, dass sein Sound perfekt passen und mein Album ideal erweitern könnte. Ich lud ihn ein und schickte ihm Material aus den Proben. Er antwortete sofort mit Demoaufzeichnungen, aus denen ich sehen konnte, dass er mühelos Raum gefunden hatte, sich auszudrücken. Bei den Aufnahmen spürte ich dann diese besondere Verbindung, noch bevor wir einen Ton gespielt hatten. Es war eine fantastische Zusammenarbeit.“ Wobei es sicher hilfreich war, dass Baldych den Bogen auf „Poetry“ diesmal weiter spannt als vielleicht je zuvor. So unverkennbar sein Geigenton und die hymnischen Qualitäten seiner Kompositionen sind, so vielfältig sind doch die Formen, Farben und stilistischen Einflüsse. Weit weniger „klassisch“ als noch auf „Sacrum Profanum“, als er heilige Musik vieler Jahrhunderte elegisch auflud. Vielfältiger auch deshalb, weil er sein polnisches Quartett – in dem vor allem Schlagzeuger Dawid Fortuna nun viel kräftiger und jazziger zu Werke geht - noch um den Saxofonisten Marek Konarski erweitert hat.
Schon die Titel der Stücke zeugen vom weiten Horizont. „Stars“, „Wish“, „Birds“, „Grace“ oder „Open Sky“ – große Themen und klare Begriffe sind es, die Baldych hier aus dem Spielen heraus imaginiert. Schon beim Opener „Heart Beats“, wenn kontinuierliche Doppelschläge an den Herzschlag denken lassen, der dann melodisch quasi vom Fluss des Bluts umspielt wird. Bei der Inkarnation des Heiter-Spielerischen, wie sie bei der Hommage an seinen Sohn „Teodor“ erklingt. Oder beim dramatisch rhythmisierten, aber gleichmäßig rollenden „Psalmody“, das tatsächlich die alten gregorianischen Gesänge in sich trägt. Auch bei dem von einer einfachen, aber kraftvollen „Hookline“ getragenen „Hyperballad“ von Björk, dem einzigen nicht selbst komponierten Stück des Albums. Dass „Poetry“ so außergewöhnlich harmonisch und intim klingt, und dass Paolo Fresu wie ein langjähriges Bandmitglied wirkt, hängt auch mit der Aufnahme zusammen. „Wir sind alle zusammen ins Monochrom Studio im schlesischen Gniewoszów gefahren, ganz abgeschieden zu Füßen der Berge. Mir war wichtig, dass wir uns gerade in Corona-Zeiten frei bewegen konnten, dass wir diese Brüderschaft im Studio leben, uns ohne äußere Einflüsse gegenseitig inspirieren und neues entwickeln konnten. Musikalisch hatte ich alles sehr genau vorbereitet, umso besser konnten wir dann in den Fluss kommen.“ Das hört man, und so ist es alles andere als flapsig, wenn man feststellt: Dieses Album ist ein Gedicht.Credits:
Music written, arranged & produced by Adam Bałdych, except Hyperballad, composed by Björk Recorded by Ignacy Gruszecki at Monochrom Studio, June 18 & 19, 2021 Mixed and mastered by Piotr Taraszkiewicz Piano tuned by Zbigniew Wajdzik
Various Artists - Fahrt ins Blaue III - dreamin in the spirit of jazzCD / digital
Esbjörn Svensson E.S.T. Symphony Youn Sun Nah, Ulf Wakenius & Lars Danielsson Wolfgang Haffner Quartet feat. Dusko Goykovich Nils Landgren Quartet Paolo Fresu, Richard Galliano &Jan Lundgren Julian & Roman Wasserfuhr, Tim Lefebvre & Nate Wood Viktoria Tolstoy Cæcilie Norby & Lars Danielsson Matthieu Saglio &Vincent Peirani Ulf Wakenius Norah Jones, Joel Harrison & David Binney Jan Lundgren Quartet Michael Wollny & Vincent Peirani Natalia Mateo Jens Thomas & Christof Lauer
Tagträume und Gutenachtgeschichten in the Spirit of Jazz
„There's a place for us, somewhere a place for us. Peace and quiet and open air wait for us. Somewhere…“, Worte aus Leonard Bernsteins West Side Story-Klassiker dienen der „Fahrt ins Blaue III - dreamin’ in the spirit of jazz“ als Leitmo-tiv: Erhebende Musik als Zufluchtsort für Geist und Seele, Alltagsintermezzo und Kraftquelle. Abschalten heißt ein-schalten: Ruhig, intim, manchmal fast meditativ fließen die 16 Stücke der Zusammenstellung dahin und lassen den Hörer in ganz unterschiedliche musikalische Traumwelten ent-schwinden… Die Zeit scheint still zu stehen, wenn Esbjörn Svenssons erste Klaviernoten erklingen. „Ajar“ und das anschließende „e.s.t. Prelude“ bereiten den Nährboden für den sich über 67 Minuten eröffnenden Klangkosmos. Behutsam erwächst daraus Youn Sun Nahs bittersüßes „Lento“, das auf der Musik des russischen Komponisten Alexander Skrjabin basiert. Nahtlos gefolgt vom melancholischen Jazz-Standard „Autumn Leaves“ in der Interpretation von Wolfgang Haffners „Kind of Cool“-Ensemble. Dann gibt sich Sänger und Posaunist Nils Landgren die Ehre mit dem sanft vorgetragenem und schwerelos im Raum zirkulierenden „Somewhere“. Voller Poesie und Originalität zeigen sich auch Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren im Mare Nostrum-Trio. Der schwedische Pianist Lundgren steuert mit seinem eigenen Quartett und „No. 9“ eine weitere ohrwurmverdächtige Ballade bei, die den finnischen Saxofonisten Jukka Perko featured. Auf der „Fahrt ins Blaue III“ treffen sich Michael Wollny und Vincent Peirani zum deutsch-französischen Rendezvous. Bei „The Kiss“ bilden die zwei Feingeister ein musikalisches Tan-dem par excellence. Mit dem Cellisten Matthieu Saglio geht Akkordeonist Peirani eine weitere Liaison ein: Auf „Bolero triste“ wird mediterrane Folklore in die Freiheit des Jazz entlassen. Mit ihrer entspannt groovenden Jazz-Ballade „Carlo“ versetzen uns die Gebrüder Wasserfuhr gedanklich an die Brooklyn Bridge New Yorks mit schweifendem Blick auf die schimmernde Skyline von Manhattan in der Abenddämmerung. Ruhe und Inspiration: Ein Mann und seiner Gitarre, Ulf Wakenius spielt Keith Jarretts „My Song“ und das Duo Caecilie Norby und Lars Danielsson präsentiert eine intime, ganz auf den Kern des Songs reduzierte Version von Leonard Cohens Hallelujah. Zwei andere Sängerinnen entführen uns in die Welt des Kinos: In ihrer polnischen Muttersprache interpre-tiert Natalia Mateo das aus Roman Polańskis gleichnamigen Film weltbekannte Wiegenlied „Rosemary’s Baby“. Und Vik-toria Tolstoy bedient sich mit ihrer Version von „Why Should I Care“ einer Songperle aus dem Clint Eastwood Film „True Crime“ .
Auch die unnachahmliche Norah Jones ist zu hören, an der Seite von Gitarrist Joel Harrison und Saxofonist David Binney. Den Country-Song-Klassiker „Tennessee Waltz“ nahm sie als Gast für ACT auf, der auf dem Album „Free Country“ zeit-gleich zu ihrem Welterfolg „Come Away With Me“ erschien. Mit melodischem Sentiment entlassen Jens Thomas und Christof Lauer an Klavier und Saxofon den Hörer schließlich wieder in die Stille. Der Epilog zeigt wie unter einem Brenn-glas die ästhetische Ausrichtung der „Fahrt ins Blaue III“: Traumhafte Musik von beeindruckender Intensität und Dichte.Credits:Mastered by Klaus Scheuermann
Various Artists - Romatic Freedom - Blue in GreenCD / digitalAls Siggi Loch 1992 ACT gründete, war seine Leitlinie, eine Plattform und einen Kom pass für den neuen, die alten Genregrenzen sprengenden Jazz zu schaffen, wie er sich insbesondere in Europa entwickelte. Wegen seiner Liebe zur Klaviermusik standen hier von Anfang an besonders die Pianisten im Fokus, die in der Reihe „Piano Works“ präsentiert wurden. Schon bald darauf erkannte die bedeutende britische Tageszeitung „The Guardian“: „ACT ist auf einer Mission, der Welt Europas aufstrebende Jazzpianisten vorzustellen.“ 2006 erschien gewissermaßen eine Quersumme dieser Labelmission: „Romantic Freedom“, eine Zusammenstellung mit Soloaufnahmen von zwölf herausragenden, ACT verbundenen Pianisten. Vierzehn Jahre später ist es jetzt höchste Zeit für eine neue Bestandsaufnahme, mit „Romantic Freedom – Blue in Green“.
Dass „Blue in Green“ aus Miles Davis‘ bahnbrechendem „Kind of Blue“-Album von 1959 den Namenspatron für diese Quintessenz der aktuellen Piano-Szene abgibt und gleich zu Anfang in der schillernden Version von David Helbocks Trio „Random Control“ erklingt, ist kein Zufall: Das refrainlose, modale, von der Harmonik wie Timing revolutionär variable Stück wurde zur Blaupause für experimentelle improvisatorische Exkurse. Nicht nur dafür gibt es hier das Motto vor, es steht als lyrischstes Stück von „Kind of Blue“ auch wieder für die balladeske Seite des Klavierjazz, für „Romantic Freedom“ eben. Fast zwangsläufig folgt deshalb „Believe, Beleft, Below“ des Esbjörn Svensson Trios, ein bewegender Geniestreich, der heute fester Bestandteil des „Great European Songbooks“ ist. Kurz vor Schluss des Albums erklingt sozusagen eine Reprise auf den großen Erneuerer des europäischenJazz, mit Iiro Rantalas Hommage an Svensson: „Tears For Esbjörn“.
Waren 2006 ausschließlich Solostücke vertreten, bilden auf Rom antic Freedom – Blue in Green“ Trioaufnahm en das Gerüst: Die neoromantische Finesse eines Michael Wollny Trios bei „Little Person“, das moderne Fusion-Gewand der „Bubbles“ des Jacob Karlzon Trios, das unverwechselbare Klangbad aus Stakkato und Legato des unermüdlichen Klavier-Pioniers Joachim Kühn mit seinem „New Trio“ bei „Sleep On It“, das Verschmelzen kammermusikalischer und freier Improvisationstraditionen beim Carsten Dahl Trio auf „Sailing with No Wind“, oder der ätherische-sphärische Umgang mit dem Filmmusik-Klassiker „The Windmills of Your Mind“ von Jan Lundgrens „Mare Nostrum“-Trio mit Paolo Fresu und Richard Galliano, all das alles ist Ausdruck und Beweis des enormen Aufschwungs und der kreativen Vielfalt der klassischen Klaviertrio-Besetzung. Aber auch die Duette von Michael Wollny & Nils Landgren (mit ihrer hinreißenden Version von Stings „Fragile“), von Leszek Możdżer & Lars Danielsson („Praying“) oder von Bugge Wesseltoft & Henning Kraggerud (mit dem das Album in vollendetem Schönklang abschließenden „Last Spring“) belegen, dass der europäische Jazz sich zur „Musique Actuelle“ entwickelt hat, die in der Gleichzeitigkeit nahezu aller Musiken der Welt neue ästhetische Positionen findet, und deren Pianisten das ganze Klangspektrum ihres Instruments nutzen. Dazu passt auch, dass sich die zwei verbleibenden Solostücke des Albums auf klassische Vorlagen beziehen: David Helbock destilliert am präparierten Flügel die Jazz-Essenz aus dem berühmten zweiten Satz aus Beethovens Siebter Sinfonie. Und Johanna Summer, das wohl größte junge Talent unter den deutschen Jazzpianisten lässt sich von Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ zu einem fulminanten Meisterwerk des „instant composings“ inspirieren.
So wächst auf Romantic Freedom – Blue in Green“ zusammen, was zusammengehört. Tradition und Innovation. Freiheit und Form Schönheit und Emotion. Selten war es berührender, den Fortschritt des europäischen Jazz zu hören als hier, gebündelt in den großen Persönlichkeiten der ACTPianisten und ihrer Begleiter.Credits:
Curated by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Various Artists - Magic Moments 12CD / digitalOne World Of Music. Vielfalt vereint. Mit Jazz als Epizentrum ohne Berührungsängste zwischen den Genres agiert ACT offen in alle Richtungen, sei es zu Pop, Rock, Singer-Songwriter oder traditioneller Volksmusik wie Flamenco und Tango. So präsentiert auch die mittlerweile zwölfte Magic Moments-Zusammenstellung aufregende Musik „in the Spirit of Jazz“: Fernab eines festgelegten Stils sind 71 Minuten purer Hörgenuss und spannendes Jazz-Infotainment garantiert, mit etablierten Stars, Newcomern und Geheimtipps. Den Anfang macht Iiro Rantala am Klavier mit seinem Portrait des Monats „August“ aus „My Finnish Calendar“, der den Jahreslauf seines Heimatlandes aus ganz persönlicher Sicht vertont. Der argentinische Tango ist, wie auch der Jazz, ein Paradebeispiel für eine lebendige, sich stetig entwickelnde musikalische Tradition. Das Javier Girotto Trio zeigt dies mustergültig mit „Deus Xango“ aus dem Album „Tango Nuevo Revisited“, ein zeitgemäßes Remake des Piazzolla-Mulligan-Klassikers von 1975. „Vier erste-Liga-Jazzer mit reiner Spielfreude“ (ZDF heute Journal), dafür steht „4WD“ von Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner. Jeder lenkt den Reisekurs des Quartetts gleichermaßen. Wo sie ankommen, bemerkt die Neue Zürcher Zeitung: „zu viert im Jazz-Olymp“. „Flamenco und Jazz sind Brüder“, behauptet der spanische Piano-Newcomer Daniel García. Im energiegeladenen Trio plus Special Guest Jorge Pardo zeigt er furios mit „Travesuras“, dass er damit absolut recht hat. Zusammen mit seiner Ehefrau Serena Fisseau erschafft der französische Akkordeonist Vincent Peirani anschließend einen vertrauten musikalischen Rückzugsort. „What A Wonderful World“ ist ein Statement an die Stille. Neue aufregende Klangwelten lässt ACT-Neuzugang Grégoire Maret mit Edmar Castaneda entstehen. Bei „Harp vs. Harp“ trifft Mundharmonika auf Harfe. Ein seltenes Paar, dass auf „Blueserinho“ zum Erlebnis wird.
Mit seinem „Italian Songbook“ hat Trompeter Luca Aquino eine Hommage and die Musik seiner Heimat aufgenommen. Das Stück „Scalinatella“, von Filmkomponist Giuseppe Cioffi, erklingt in einer berührenden Trio-Version mit dem italienischen Pianistenstar Danilo Rea und Akkordeonist Natalino Marchetti. Die Sängerin Cæcilie Norby vereint auf „Sisters in Jazz“ Musikerinnen aus mehreren Generationen und Ländern. Ihre Komposition „Naked In The Dark“ belegt, dass Jazz nicht nur Männersache ist. „Klinken“ stammt aus dem Young German Jazz-Debüt „Stax“ des erst 25-jährigen Schlagzeugers Max Stadtfeld. Er und seine Mitstreiter posen nicht mit Intellektualität, bewegen sich im rhythmusorientierten Mainstream und weisen doch darüber hinaus. Mit Frische und gleichermaßen erstaunlicher Reife weiß das Quartett zu begeistern.Seit über 10 Jahren ist das Erfolgstrio Mare Nostrum um Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren ein Sinnbild für den Sound Europas. Alle drei sind sie Klangpoeten mit großer Liebe zur Melodie, was auch ihr nunmehr drittes Album unterstreicht und mit dem schwedisch angehauchten „Ronneby“ auf Magic Moments 12 dokumentiert ist. „Joachim Kühn interpretiert die Musik Ornette Colemans auf seine ganz eigene Art: lyrisch, sanft und in sich gekehrt, aber voller überraschender Details”, urteilt das Magazin Galore über das Soloalbum der deutschen Jazzikone. Im zuvor noch nie aufgenommenen Stück „Lost Thoughts“ verarbeitet Kühn seine erfolgreiche Geschichte an der Seite von Jazzlegende Coleman. Am 6. Februar 2019 wurde der Jazz-Baroness Pannonica (Nica) de Koenigswarter (1913 - 1988) mit einem Konzert in der Berliner Philharmonie für ihren unermüdlichen Einsatz für den Jazz Tribut gezollt. Im Mittelpunkt standen Stücke von Musikern, welche Pannonica über viele Jahre mit Geld, Unterkunft, Rat und Freundschaft unterstützt hat und die ihr oft zum Dank eigene Kompositionen widmeten, so auch „Little Butterly“ von Thelonious Monk. Die New Yorker Sängerin Charenée Wade steht hier im Mittelpunkt, begleitet von Iiro Rantala, Dan Beglund und Anton Eger sowie der amerikanische Saxofon-Altmeister Ernie Watts. „Ein israelisches Power-Trio. Heavy Jazz!“, schreibt der Rolling Stone über Shalosh. Hört man das aufbrausende „After The War“ weiß man, warum: Rock und Indie-Jazz verbinden sich hier zu einer spannungsgeladenen Mélange. Der Geiger Adam Baldych ist ein begnadeter Virtuose und laut Stereo-Magazin „einer der technisch brillantesten Interpreten in der improvisierten Musik.“ „Longing“ von seinem Album „Sacrum Profanum“ ist eine sehnsuchtsvoll-melancholische Ballade, einfühlsam im Duo mit dem Pianisten Krzysztof Dys interpretiert. Auf „Painted Music“ entkleidet der Pianist Carsten Dahl konsequent Klassiker des Jazz-Repertoires und macht sich diese mit seinem ganz persönlichen Blick zu Eigen. Das bekannte traditionelle dänische Volkslied „Jeg gik mig ud en sommerdag“ gießt den Sommer in Noten und Klang.
Zum Abschluss der Magic Moments 12 macht Nguyên Lê mit seinem Stück „Hippocampus“ das Thema der Compilation „One World Of Music“ noch einmal deutlich: Als musikalischer Wanderer zwischen den Kulturen verbindet der französische Gitarrist vietnamesischer Abstammung die Freiheit des Jazz mit Rock- und weltmusikalischen Einflüssen.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Jan Lundgren - Mare Nostrum IIICD / Vinyl / digital
Paolo Fresu trumpet, fluegelhorn Richard Galliano accordion, bandoneon, accordina Jan Lundgren piano Das alte Sprichwort, dass aller guten Dinge drei sind, verkommt allzu oft zur Floskel, selten hat es aber so gut gepasst wie beim Mare Nostrum-Trio des sardischen Trompeters Paolo Fresu, des französischen Akkordeonisten Richard Galliano und des schwedischen Pianisten Jan Lundgren. Denn hier hat sich vor zwölf Jahren gewissermaßen eine Troika des europäischen Jazz zusammengefunden. Jeder der Drei wurzelt in der Musiktradition seiner Heimat, hat daraus eine persönliche Musiksprache entwickelt und bringt dies in vielen Projekten des modernen, Grenzen überschreitenden und Genre verbindenden Jazz ein. Alle drei sind sie Poeten des Klangs, die sich in der Liebe zur Melodie verbunden fühlen - was nun ihr neues - drittes - Album mehr denn je unterstreicht. Mit „Mare Nostrum III“ ist eine Album-Trilogie der besonderen Art vollendet. Vom Beginn ihrer mittlerweile über 10 Jahre andauernden, kontinuierlichen Zusammenarbeit an schwebte ihnen die Idee vor, in jedem ihrer Heimatländer ein Album aufzunehmen. Nachdem das Debüt 2007 in Italien entstanden und die zweite CD der Vielbeschäftigten endlich 2016 in Frankreich produziert worden war, ging es nun folgerichtig nach Schweden, ins Nilento Studio in Göteborg. „Wieder einmal war es das reine Vergnügen, zu erleben, mit welcher Leichtigkeit Paolo, Richard und Jan solch großartige Musik entstehen lassen“, erzählt René Hess, der Schweizer Produzent des Albums.
Was jeden Hörer sofort in seinen Bann zieht, ist dieser selbstverständliche Gesprächsfaden, den diese drei Virtuosen in augenfälliger Seelen- und Geistesverwandtschaft spontan entspinnen. Es ist überdies die Kraft einer gleichberechtigten Gemeinschaft, ja sozusagen eines vereinten demokratischen Europas, die alles zusammenfügt: Jeder brachte vier Eigenkompositionen und ein Lieblingsstück zum Interpretieren ein. Fast immer ist zu hören, von wo und von wem ein Stück stammt, und doch wird es in eine universelle Sprache übersetzt, die von jeden verstanden und erfühlt werden kann. Das beginnt mit Richard Gallianos „Blues sur Seine“. Zu einer melancholischen Klaviermelodie, die an Satie ebenso wie an Grieg erinnert, stößt eine verhangene Trompetenlinie, bevor das ganz hell klagende Akkordeon übernimmt.
Paris trifft auf Fjorde, mediterrane Gestade und die Basin Street von New Orleans. Alles ganz einfach und schlicht hinreißend. Das typisch italienische Pathos tritt einem anschließend aus Fresus „Pavese“ entgegen, natürlich umrahmt von spontanen Klangmalereien. Beschwingt, mit sich fröhlich ineinanderschiebenden Stimmen und einem markanten, den Zauber der schwedischen Folklore einfangenden Thema wird es bei Lundgrens „Love Land“. Dann widmen sich die drei mit all ihrer lyrischen Kraft zwei der bittersüßesten Melodien, die je geschrieben wurden, Michel Legrands „The Windmills Of Your Mind“ und Eduardo Di Capuas „I’te vurria vasà“.
Es folgen drei Stücke, die jeweils ganz persönliche Erinnerungen verarbeiten: Mit dem wundervollen „Le Jardin des Fées“ ehrt Richard Galliano das Andenken seines vor kurzem verstorbenen Landsmannes und Freundes, dem großen Jazzgeiger Didier Lockwood. Paolo Fresu lässt bei „Del Soldato in trincea“ einen seiner Lieblingsfilme vor dem geistigen Auge aufleben, Ermanno Olmis „Torneranno i prati“. Und Jan Lundgren streift mit einer stark rhythmisierten und mit Blues aufgeladenen volksmusikalischen Melodie durch „Ronneby“, dem schwedischen Städtchen, in dem er aufwuchs. An die jeweils eigenen Gestade holen alle drei dann Quincy Jones Liebesthema aus dem Film „The Getaway“, bevor es in die letzten zwei Runden mit eigenen Stücken geht. Ob Fresus ganz auf seine gedämpfte Trompete konzentriertes „Human Requiem“ oder Gallianos völlig entschleunigter „Letter To My Mother“, ob Lundgrens Musical-artiges „The Magic Stroll“ oder das finale, klassisch angehauchte und wie auf den Wogen der Meere daherrollende „Prayer“ aus der Feder von Richard Galliano – hier finden stets drei Ausnahmemusiker zu einer perfekten Symbiose zusammen.
So ist Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren mit „Mare Nostrum III“ erneut ein wunderschönes Balladenalbum gelungen, das sich der Diskussion über die Wesensmerkmale des „Jazz“ entzieht, und stattdessen den Sound Europas zum klingen bringt. Credits:
Produced by René Hess / HR Music Recorded (May 28 - 30, 2018), mixed and mastered by Lars Nilsson at Nilento Studio, Gothenburg Cover art by Federico Herrero
Magic Moments 1167 Minuten pures Hörvergnügen: Die elfte Ausgabe der beliebten Magic Moments bietet einen umfassenden Einblick in unsere neusten ACT-Veröffentlichungen mit Newcommern, ACT-Stars und echten Geheimtipps zum Sonderpreis. Unter anderem mit Michael Wollny, David Helbock, Vincent Peirani, Iiro Rantala, Joachim Kühn New Trio, Ida Sand, Lars Danielsson & Paolo Fresu und vielen mehr.Credits:Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Lars Danielsson - SummerwindLars Danielsson bass & cello Paolo Fresu trumpet & flugelhorn Es gibt Menschen, die kommunizieren viel, andere reduzieren sich auf das Wesentliche und bringen es mit wenigen Worten auf den Punkt. Genauso ist es in der Musik. Mit Lars Danielsson und Paolo Fresu haben sich nun zwei zusammengefunden, die ihre Töne mit Bedacht wählen: Auf „Summerwind“ trifft der schwedische Meister des Wohlklangs an Bass und Cello, mit seinem feinen Gespür für so einfache wie eindringliche Melodien, auf einen der lyrischsten Trompeter Europas, der mit seinen leuchtenden luftigen Tönen dem „cool playing“ eine ganz eigene Ausdruckskraft gibt. Gemeinsam lassen Danielsson und Fresu atmosphärische und farbenreiche Klangbilder mit Gefühl und Tiefe entstehen. Kurzum: Traumhafte Musik im traumhaften Zusammenspiel. Das Format des Duos bietet besonders viel Freiheit und Spielraum, sich musikalisch zu entfalten. Aber für die beiden Protagonisten ist es dabei nicht entscheidend viel zu spielen, sondern was sie spielen. Hier wird der Raum also nicht durch zahlreiche Noten ausgestaltet, sondern durch die Wirkung weniger. So entsteht Poesie an zwei Instrumenten, mit fast meditativem Charakter. „Es geht darum, im richtigen Moment das richtige zu tun. Das ist die Herausforderung des Duos. In dieser Konstellation kann man sich nicht hinter anderen Instrumenten verstecken“, sagt Lars Danielsson und spricht aus Erfahrung, ist er in dieser Disziplin doch ausreichend erprobt, so etwa mit dem polnischen Pianisten Leszek Możdżer (Album: Pasodoble) oder der Sängerin Cæcilie Norby (Album: Just The Two Of Us). Auch Paolo Fresu ist ein Meister darin, jeden musikalischen Augenblick auszukosten. Im länderüberspannenden Mare Nostrum-Trio, mit dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren, stellt er dies besonders unter Beweis (Anmerkung: nur zwei Wochen nach der Aufnahme mit Danielsson fand er sich mit diesem Trio erneut im Nilento Studio ein, um das dritte Mare Nostrum-Album einzuspielen, das im Frühjahr 2019 erscheinen wird).
„Ich liebe Paolos Spiel, es ist spirituell und sein Sound ist einzigartig. Er bringt mich dazu, auf eine neue Art zu improvisieren“, so Danielsson über seinen Duo-Partner, mit dem er für „Summerwind“ erstmals im Studio zusammengearbeitet hat.
Produzent Siggi Loch hatte die Idee, diese zwei Musiker gemeinsam ins Studio zu holen. Wieder einmal zeigt sich sein Gespür, musikalisch Gleichgesinnte in spannenden Konstellationen zusammenzubringen. Dass die beiden eine fast schon telepathische Beziehung bei der Aufnahme aufbauten, zeigt sich zum Beispiel in dem Stück „Dardusó“, das spontan im Studio entstand. Hier verlassen sich Danielsson und Fresu ganz auf den Augenblick. Neben eigens für dieses Duo komponierten Stücken der beiden Protagonisten, befinden sich auf „Summerwind“ ausgewählte Interpretationen bekannter Vorlagen, von einer Bach-Kantate über eine schwedische Volksweise bis hin zu Filmmusik von Krzysztof Komeda. „Summerwind“ ist ein wohltuender musikalischer Strom einnehmender Melodien voller Anmut und Eleganz. In weiten Spannungsbögen wird Kontemplation kultiviert. Und somit ist Danielssons und Fresus Musik wie eine frische Brise, als Kontrapunkt in einer aktuell „hitzigen“ Welt.Credits:Recorded at Nilento Studio, Gothenburg, May 14-15, 2018 Recorded, mixed and mastered by Lars Nilsson Produced by Siggi Loch Cover art by Olav Christopher Jenssen: Journal July 30th. 2011 / ACT Art Collection
Nguyên Lê - Hà Nội DuoCD / digital
Nguyên Lê guitars & programming Ngô Hồng Quang vocals, Vietnamese fiddle, monocorde, lute & jew’s harp Paolo Fresu trumpet & flugelhorn Mieko Miyazaki koto Prabhu Edouard tablas, kanjira & pocket shaker
Es dürfte nur wenige Musiker geben, die den Begriff „Jazz“ und zugleich die Möglichkeiten ihres Instruments derart weit ausloten, wie der 1959 in Paris als Sohn vietnamesischer Eltern geborene Gitarrist Nguyên Lê. Als erster ACT Exklusivkünstler war er vor gut 25 Jahren ein entscheidender Ausgangspunkt für die Label-Philosophie einer Musik „In The Spirit Of Jazz“. Auf „Hà Nôi Duo“, seinem neuen, 18. Album für ACT, trifft er auf den jungen, vietnamesischen Sänger und Multiinstrumentalisten Ngô Hồng Quang – für ein neues Abenteuer zwischen Ost und West, Tradition und Moderne, Folklore, Jazz, Rock und Pop.
Wie ein roter Faden zieht sich die Idee „Asia without borders“ durch Nguyên Lês Projekte, besonders in seiner immerwährenden Beschäftigung mit der Musik Vietnams, dem Land seiner Vorfahren. Einem Land voller Gegensätze, kriegs- und krisengeschüttelt, was der zutiefst friedlichen, weltoffenen, freundlichen Grundhaltung seiner Einwohner scheinbar nichts anhaben konnte. Eine junge Gesellschaft im rasanten Wandel und Wachstum, zugleich im tiefen Bewusstsein für ihre Tradition. Exemplarisch für frühere Bearbeitungen vietnamesischer Musik sind die Produktionen mit der Sängerin Huong Thanh auf “Tales from Viet-nam” (1996), “Moon & Wind” (1999), “Dragonfly” (2001), “Mangustao” (2004) und “Fragile Beauty” (2007) und seine Kontinente-umspannenden Projekte „Saiyuki“ (2009) und „Homescape“ (2006).
Das neue Album „Hà Nôi Duo“ setzt die “Asia without borders” Idee auf ganz neue Art fort: Dienten auf früheren „vietnamesischen“ Alben traditionelle Originalsongs als Ausgangsmaterial für Bearbeitungen und Interpretationen, gingen Nguyên Lê und seine Mitmusiker nun den umgekehrten Weg und fingen die Seele der vietnamesischen Musik vor allem in neuen Originalkompositionen ein.
Nguyên Lê lud für das neue Album viele seiner engen Weggefährten früherer Projekte ein. Er sagt: „Es war ein reines Vergnügen, die Anmut der japanischen Koto Spielerin Mieko Miyazaki, die rhythmische Intelligenz von Tablaspieler Prabhu Edouard aus Indien und die überragenden melodischen Fähigkeiten des sardischen Trompeters Paolo Fresu wieder bei mir zu haben.“
Nguyên Lê’s wichtigster neuer musikalischer Partner bei diesem Abenteuer: der aus Vietnam stammende und dort extrem populäre Ngô Hồng Quang. Nguyên Lê: „Wir sind zwei vietnamesische Musiker, deren Herkunft, musikalische Sozialisation und Ausbildung nicht unterschiedlicher hätten sein können…
Und doch verfolgen wir dieselben Ziele: die Seele Vietnams mit der Welt zu teilen und die Wurzeln und die Zukunft der vietnamesischen Musik zu verbinden. Auf diesem Album durchleben wir auf musikalische Weise diese Paradoxe. Es zeigt die Vielfalt dessen, was vietnamesische Musik heute sein kann. Wie das Land selbst, strebt das Album danach, farbenfroh, pluralistisch und stets in Bewegung zu sein. Wir wollen zugleich das Ohr und den Intellekt anregen und den Hörer näher zur Seele Vietnams bringen.“
Ngô Hồng Quang wurde 24 Jahre nach Nguyên Lê in der Nähe von Vietnams Hauptstadt Hà Nôi geboren. Sein Vietnam ist das nach dem Krieg, der Tod und Schrecken über die vorhergegangene Generation brachte. Seine Liebe zur traditionellen Musik machte ihn zu einem landesweit anerkannten Musiker und Lehrer am Konservatorium von Hà Nôi. Neben seinem äußerst wandelbaren, unverwechselbaren Gesang, spielt er zahllose traditionelle Instrumente: die zweisaitige Geige „Đàn Nhị“, das einsaitige Instrument „Đàn Bầu“, die Geige „Đàn Tre“, die Harfen-ähnliche „Đàn Môi“ und die bundlose Laute „Đàn Tính“. Seine Neugier für die westliche Musik brachte ihn nach Amsterdam, wo er zeitgenössische Komposition studierte und sich weiter seiner Beschäftigung mit der Musik der vietnamesischen Minderheit widmet.
Nguyên Lê: „Quang ist ein wunderbares Beispiel für das, was ich einen traditionellen Musiker von heute nennen würde. Virtuose Künstler aus allen Ecken der Welt, die die Tradition ihres Heimatlandes mit größter Tiefe verkörpern und weitertragen und gleichzeitig, aufgrund ihres jungen Alters, eindrucksvoll offen für Neues sind. Musiker, die ihre Identität mit der ganzen Welt teilen und von ihr lernen wollen, ohne dabei ihre Vergangenheit zu verleugnen. Und Musiker, die zeitgenössische Musik auf ihren traditionellen Instrumenten spielen, sich in immer neue musikalische Situationen integrieren können, dabei immer sie selbst bleiben und damit die Tradition mit neuem Leben füllen.“
Damit liefert Nguyên Lê auch gleich und, tief-bescheiden wie er ist, sicher komplett unabsichtlich, die perfekte Beschreibung seiner Selbst: Ein musikalischer Weltbürger, wie es ihn nur selten gibt, der scheinbar selbstverständlich neue Räume öffnet und ganze Kontinente zusammenrücken lässt, jedoch immer mit tiefem Verständnis und Respekt für das Wesen der Anderen. Kurz: Eine Künstlerpersönlichkeit, wie wir sie in unserer Zeit nicht dringlicher brauchen könnten. Credits:
Produced, recorded & mixed by Nguyên Lê at studio Louxor, Paris Barbès from April to August 2016 Mastered by Bruno Gruel at Elektra Mastering Executive Producer: Siggi Loch
Various Artists - Magic Moments 9 "In The Spirit of Jazz"CD / digitalDie neunte Ausgabe der beliebten Magic Moments-Compilations liefert wieder neuen musikalischen Nährstoff für offene Ohren: Eine illustre Leistungsschau und bestes Jazz-Infotainment durch das aktuelle ACT-Programm. Für Jazzkenner wie für Neueinsteiger bietet die handverlesene Zusammenstellung 65 Minuten hochkarätigen Hörgenuss. Musik ohne Grenzen „in the spirit of Jazz“: Musik fernab eines festgelegten Stils mit etablierten Jazzstars, Newcomern und Geheimtipps.
„Jazz ist die Freiheit, viele Formen zu haben.“ Dieses Credo Duke Ellingtons prägt auch das Selbstverständnis von ACT. So liegt der Fokus in dieser Ausgabe insbesondere auf Projekten, die nach den Grenzen zu anderen Genres und Stilen tasten, diese überschreiten und Neues schaffen. Eine sinfonische Interpretation des e.s.t.-Stücks „From Gagarin’s Point Of View“ eröffnet mit einer eindrucksvollen Hommage an den verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson. Mit seinem Projekt „Some other time“ blickt Nils Landgren über den großen Teich und setzt mithilfe der Bochumer Symphoniker dem großen Leonard Bernstein ein Denkmal: „Das hätte dem Großmeister bestimmt gefallen“ (Stern). Jan Lundgren ehrt mit klassischem Streichquartett und „Lycklig resa“ einen der Vorreiter des schwedischen Jazz, Jan Johansson.
„ACT ist auf einer Mission, der Welt Europas aufstrebende Pianisten vorzustellen“, stellte der englische Guardian vor einigen Jahren fest. Diesem Bestreben geht ACT auch in diesem Jahr nach: Einen Einblick in das neue Album von Michael Wollny im Duo mit dem Akkordeonisten Vincent Peirani gibt „The Kiss“. Außerdem werden zwei pianistische Neuzugänge bei ACT präsentiert: David Helbock aus Österreich mit „The Soul“ und der aus Martinique stammende Grégory Privat mit „La Maga“.
Doch auch zwei renommierte Pianisten sind vertreten: Altmeister Joachim Kühn interpretiert im Trio mit den „jungen Wilden“ Eric Schaefer (dr) und Chris Jennings (b) auf erfrischende Weise „Sleep on it“, eine Reggae-Dub-Nummer von „Stand High Patrol“. Iiro Rantala überzeugt im „Super-Trio“ mit Lars Danielsson und Peter Erskine mit finnischer Leichtigkeit durch Kenny Barrons „Voyage“.
„Hier wird Jazzgeschichte geschrieben”, schrieb der Berliner Tagesspiegel über die Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“. Zwei weitere denkwürdige Konzertabende im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie wurden auf CD verewigt und sind auf Magic Moments 9 vertreten: „Tears For Esbjörn“, ein gemeinsames Erinnern an Esbjörn Svensson in ACT-Starbesetzung und „Celtic Roots“, eine folkloristische Spurensuche nach den keltischen Einflüssen im Jazz.
Besonders die Abbildung des Klangs Europas ist die Aufgabe von ACT. So wurde zum Beispiel nach sieben Jahren die zweite Ausgabe des Erfolgsprojekts „Mare Nostrum“ eingespielt: Bei „Kristallen den fina“ verschmelzen Jan Lundgren und Paolo Fresu die Musikkolorite Schwedens und Italiens auf bezaubernde Weise. Das außergewöhnliche Aufeinandertreffen der beiden Gitarristen Gerardo Núñez aus Spanien und Ulf Wakenius aus Schweden zeigt mit „Mirlo“ zu was interkultureller musikalischer Austausch im Stande ist. Das spontane Zusammenspiel der Skandinavier Lars Danielsson (b), Marius Neset (sax) und Morten Lund (dr) als „akustisches Trio mit explodierender Spielfreude“ (Spiegel Online) offenbart sich in „Folksong“. Auch der finnische Jukka Perko und die neue Stimme aus Frankreich Lou Tavano tragen zum europäischen Sound-Profil von ACT bei.
Berauschend und berührend, unterhaltend und anregend sind die Magic Moments 9 eine Momentaufnahme des europäischen zeitgenössischen Jazz und ein Blick darüber hinaus.
Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Various Artists - Fahrt ins BlaueCD / digitalOn Fahrt ins Blaue, atmospheric soundscapes pass by: organic, dynamic, virtuosic, and smooth. The compilation floats effortlessly between electronic textures and acoustic jazz.
The journey begins.
Time seems to stand still at first: A breeze from Sardinia drifts through a mysterious Asian world (“Lacrima Christi”). The sound cosmos of trumpeter Paolo Fresu and guitarist Nguyên Lê is hypnotic and directionless.
A groove sets in — a simple piano melody floats on the surface (“Ironside”): chill-out jazz with blue notes by the master of atmosphere, Lars Danielsson.
The Fahrt ins Blaue continues with “Germany’s coolest drummer” (ARD ttt), Wolfgang Haffner, and his drum & bass-inspired ambient jazz (“Shapes”).
Pianist and sound tinkerer Bugge Wesseltoft offers insight into his “New Conception of Jazz” (“Existence”).
Things become weightless with Jacob Karlzon’s electro-acoustic piano trio jazz (“Bubbles”).
The Esbjörn Svensson Trio takes us on a summery, joyful joyride with their virtuoso fun-hit “Spam-Boo-Limbo.”
Things take a quirky turn when Clint Eastwood rides across the soundscape in “Ecstasy of Gold”, from the Western classic The Good, the Bad and the Ugly, in a jazzed-up version by Swedish jazz cowboys Oddjob.
That feeling of cool summer rain on your skin is evoked by Ida Sand with her haunting cover of the Eurythmics’ “Here Comes The Rain Again.”
And Nils Landgren’s Funk Unit meets us with a funked-out, laid-back take on an ABBA classic (“Gimme! Gimme! Gimme!”).
We make a relaxed stop with Annette Humpe’s McJazz. With charm and a wink, she serves up “Coffee & Tea.”
Nu jazz, minimal electro, and lounge pop intertwine in a unique blend crafted by keyboardist and multi-instrumentalist Roberto Di Gioia. On “Yelloworange,” he’s joined by saxophonist Johannes Enders.
In a moving and elegiac homage, Dan Berglund’s Tonbruket remembers the late Esbjörn Svensson — the shining star of European jazz who passed away in 2008 — with “Song For E,” before the Fahrt ins Blaue ends with the Michael Wollny Trio: “Questions In A World Of Blue.”Credits:
Compilation produced by Marco Ostrowski Mastered by Klaus Scheuermann
Fresu – Galliano – Lundgren - Mare Nostrum IICD / Vinyl / digital
Paolo Fresu trumpet, fluegelhorn Richard Galliano accordion, bandoneon, accordina Jan Lundgren piano
Das Warten hat ein Ende: Der Sound Europas zweiter Teil
Fresu – Galliano – Lundgren. Italien – Frankreich – Schweden. „Mare Nostrum“ verbindet: Die Musikkulturen ihrer Akteure und zahllose Menschen weltweit, die diesem Sound Europas begeistert lauschen.
Als „Mare Nostrum“ 2007 erschien, waren sich die Kritiker länderumspannend einig, dass den drei Musikern ein großer Wurf von zeitloser Schönheit gelungen ist: „Ein lyrisches Jazz-Ensemble mit einem verwegenen Sinn für Gelassenheit“ (Downbeat, USA) kreiert „ein warmes, wundervolles Album“ (Jazz Magazine, Frankeich), das „voller Poesie und Originalität“ (Süddeutsche Zeitung) „ruhig, intim, manchmal fast meditativ“ (Stern) fließt. Schlicht „ein herausragendes musikalisches Fest“ (Morning Star, England). Und auch die Prophezeiung des britischen „Independent“, dass dieser „Klangbogen des europäischen Gegenwartsjazz“ auf der Bühne fantastisch zu klingen verspreche, erfüllte sich: In über 150 Konzerten in mehr als 20 Ländern begeisterten die drei ihr Publikum.
Mit dem sardischen Trompeter Paolo Fresu, dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren hat sich ein Trio unterschiedlicher Charaktere zu einer symbiotischen Allianz zusammengefunden. Eine Jazz-Supergroup dreier Ausnahmemusiker, die trotz unterschiedlicher Herkunft und aus unterschiedlichen Instrumentenfamilien viele Gemeinsamkeiten zu einem Idealklang bündeln konnten. Alle sind sie überragende Melodiker, alle streben sie seit jeher danach, die vermeintlichen Grenzen des Jazz zu erweitern, alle sind sie dabei im nationalen musikalischen Erbe fündig geworden. Und für alle spielt das Meer ihrer Heimat mehr als eine symbolische Rolle, als mentale Inspirationsquelle, die für das Reisen, den Austausch, die Weite steht: „Mare Nostrum“ eben.
Freilich gehören auch alle drei zu den gefragtesten europäischen Musikern überhaupt. Fresu ist in unzähligen Projekten von Film bis Ballett eingebunden und steht mit so verschiedenen Persönlichkeiten wie Nguyên Lê, Ralph Towner, Uri Caine oder Omar Sosa auf der Bühne.
Der nicht minder neugierige, zwischen Jazz und Klassik changierende Galliano ist stets auf der Suche nach immer neuem kreativen Input durch Kollegen von Charlie Haden über Charles Aznavour bis hin zur Sinfonietta Krakau. Nordische Vemod und impressionistischer Esprit, dazu noch die Verwurzelung in der amerikanischen Jazzpianotradition, welche ihn mit traditionellen Jazzern wie Harry Allen und Scott Hamilton zusammenbrachte, machen Lundgrens Personalstil aus, der ihn zum first-call musician macht, zum Beispiel für Wolfgang Haffners „Kind of Cool“-Projekt oder kürzlich für Nils Landgrens Bernstein Tribute „Some Other Time“. Und so dauerte es nun sieben Jahre, bis Fresu, Galliano und Lundgren zu einer Fortsetzung ihrer gemeinsamen Erfolgsgeschichte zusammenfanden.
Doch das Warten auf „Mare Nostrum II“ hat sich gelohnt. Wieder haben die drei Stücke geschrieben, die über eine im modernen Jazz äußerst seltene Ohrwurmqualität verfügen. Wieder ist es die pure Schönheit des Klangs, die den Hörer fesselt. Wieder versinkt man in den perlenden, unaufgeregt lyrischen Akkorden und Läufen Lundgrens, im warmen, unerreicht variablen Trompetensound Fresus und in den sein Instrument sprengenden, kontrapunktischen Klangkaskaden Gallianos. Der Reigen umfasst melancholische Balladen, mal mit Tango-Sehnsucht („Blue Silence“), mal nordisch gefärbt („Kristallen den fina“), mal französisch chansonesk („Giselle“), mal fast als klassische Etüde („Farväl“), hält aber auch strahlende Hymnen bereit („Aurore“) und einen wirbelwilden, boogie-artigen Temporitt („Leklåt“).
Neben den demokratisch von allen beigesteuerten Eigenkompositionen finden sich zwei Klassikeradaptionen: Nicht zufällig geht es da von Claudio Monteverdis ätherisch umspieltem „Si dolce è il tormento“ zur perkussiv aufgeladenen „Gnossienne No. 1“ von Erik Satie – der Bogen vom Neuerer der frühen italienischen Oper bis zum Meister der musikalischen Miniatur und des Hintergrunds, vom Anbeginn des Barock bis zum Fin de siècle zeigt anschaulich das universale Fundament dieser drei Vollblutmusiker, von dem aus sie zu perfekter Interaktion und zum Jazzspirit finden. Die europäische Supergroup meldet sich eindrucksvoll zurück. Credits:
Produced by René Hess / HR Music Executive Producer: Siggi Loch Recorded, mixed and mastered by Gérard de Haro at Studios La Buissonne, Pernes-les-Fontaines (France), February 23-26, 2014Assisted by Nicolas Baillard
Fresu, Galliano, Lundgren - Mare NostrumCD / Vinyl / digital
Paolo Fresu trumpet, fluegelhorn Richard Galliano accordion, bandoneon, accordina Jan Lundgren piano
Ist es Zufall, dass der Sarde Paolo Fresu, der in Südfrankreich aufgewachsene, über italienische Wurzeln verfügende Richard Galliano und der im hohen Norden beheimatete Jan Lundgren zusammengefunden haben? Mitnichten, denn die Zusammenarbeit von drei der wohl ausgeprägtesten "Melodiker" der aktuellen europäischen Jazzszene ist sehr natürlich zusammengewachsen und scheint nur von der Instrumentierung her gewagt und ungewohnt.
Galliano und Lundgren standen erstmal im Herbst 2003 anlässlich eines Festivals in Japan auf derselben Bühne. Eine spontane Jamsession ließ die Funken stieben und die gegenseitige Wertschätzung war enorm. Wenn der reguläre Drummer von Lundgren gleichzeitig auch Mitglied einer der unzähligen Bands von Fresu ist, dann ist unschwer abzuschätzen, dass auch Fresu und Lundgren irgendwann aufeinander aufmerksam werden mussten. Trotzdem grenzt es an ein kleines Wunder, so viel beschäftigte Musiker in ein gänzlich neues Trio einzubinden. Doch alle drei sind neugierig und offen genug, sich der Herausforderung einer so ungewöhnlichen Zusammenarbeit zu stellen.
Der Sarde Paolo Fresu (1961) ist ein unbezähmbarer Poet der Töne. Seine Verwurzelung in der sardischen Kultur, die internationalen Auszeichnungen, die unzähligen Alben unter seinem Namen oder als Gast – all dies sind faszinierende Facetten des Künstlers Fresu. Zutiefst überzeugt davon, dass sich der Jazz für andere musikalische Sprachen öffnen muss, ist diese neue Zusammenarbeit mit Galliano und Lundgren ein weiterer Beweis dafür, dass Fresu sich auch nach 25 Jahren Karriere in seiner grenzenlosen Neugier treu geblieben ist.
Das größte Verdienst des Akkordeonisten Richard Galliano (1950) ist seine Originalität. Auch er hat frühzeitig erkannt, dass nur derjenige, der seine eigenen Wurzeln erkennt und assimiliert, zu einer überragenden Musikerpersönlichkeit heranwachsen kann. Über seine Begegnung und langjährige Freundschaft zu Astor Piazzolla ist viel geschrieben worden. Es wäre aber eine ungerechtfertigte Verkürzung seiner Karriere, ihn als "Erben" Piazzollas zu bezeichnen. Vielmehr hat Galliano es wie wenige verstanden, verschiedenartigste musikalische Erfahrungen in eine persönliche, europäisch geprägte Musiksprache zu übersetzen, in der Jazzimprovisation und mediterrane Einflüsse zu etwas ganz Neuem verschmelzen.
Er hat das bis dahin eher belächelte Akkordeon (und das kleinere Bandoneon) aus den Tiefen der Populärmusik emporgehoben in die Polychromie des klassischen Orchesters und ihm damit zu unerwartetem Glanz verholfen.
Der Schwede Jan Lundgren (1966) fügt sich nahtlos in eine lange Liste ausgezeichneter und innovativer skandinavischer Pianisten wie Jan Johansson und neuerdings Bobo Stenson ein. Er verbindet einen klaren Anschlag, intelligente Phrasierung und außergewöhnliches Timing. Sein fluides Spiel ist spannungsgeladen und erstaunlich relaxed zugleich, es lässt viele Freiräume offen für seinen kontrastreichen Improvisationsstil, der den Zuhörer in den Bann zieht, aber auch atmen lässt. Sein weites musikalisches Spektrum umschließt zeitgenössische Klassikeinflüsse, traditionelle schwedische Folksongs und das Vokabular des Jazz. Lundgren hat zu Beginn seiner Karriere mit vielen Größen des internationalen Jazz gespielt (Johnny Griffin, Benny Golson, Herb Geller etwa), aber er setzt mehr und mehr auf die eigenen musikalischen Wurzeln, was auch in seinen Kompositionen zum Ausdruck kommt.
Aus der Einsicht heraus, dass die Zukunft des Jazz nur in der Öffnung auf andere Musikkulturen liegen kann, schöpft das Trio denn auch aus einer Vielzahl von Themen und Ausdrucksformen unterschiedlichster Herkunft. Der "french touch" – vertreten durch einen unsterblichen Song des großen Charles Trénet – steht neben schwedischen Folksongs, der Stilistik eines Maurice Ravel, brasilianischen Standards sowie stimmungsreichen Eigenkompositionen, die zusammen ein faszinierendes Klanggebilde ergeben. Was auf den ersten Blick schwer zueinander zu passen scheint, wird durch die großartige Musikalität dieser drei herausragenden Instrumentalisten zu einer faszinierenden Einheit verschmolzen. Das ist Jazz der Gegenwart, mit einem offenen Blick in die Zukunft gerichtet: spannend, hochgradig emotional, in seiner Melodiosität unmittelbar ansprechend und ohne Berührungsängste im kreativen künstlerischen Austausch entstanden.Credits:
Produced by René Hess, HR Music Recorded, mixed and mastered by Stefano Amerio at Artesuono Recording Studios, Cavalicco (Udine, Italy) on January 7 - 11, 2007 Cover art based on a painting by Rupprecht Geiger, 1961
Zum 20. Geburtstag von ACT Music präsentiert das Jubilee Album 20 Highlights aus der bewegenden Geschichte des Münchener Labels. Für Kenner, Entdecker, Forscher und Neugierige sowie für alle, die den Spirit of Jazz suchen, ein wahrer Genuss.