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Peter Somuah

Peter Somuah ist ein begnadeter Jazztrompeter, der sein Spiel durch das unablässige Hören seiner Trompetenhelden Miles Davis und Roy Hargrove erlernte. Somuah besticht durch seinen warmen und melancholischen Klang sowie durch seine rhythmische Gewandtheit, die seine künstlerische Sozialisierung inmitten der Musikstile Westafrikas widerspiegelt. Er berührt seine Zuhörer und bringt sie zum Grooven. Im Jahr 2021 wurde Somuah mit dem Erasmus Jazz Award für junge Jazzkünstler ausgezeichnet, und 2022 gewann er mit seinem Debütalbum Outer Space den prestigeträchtigen Edison Jazz Award. In seinen Kompositionen lotet Somuah die Grenzen zwischen Jazz, Funk und traditioneller ghanaischer Musik aus, gespickt mit einem Hauch elektronischer Musik. 


Veröffentlichungen

Highlife
Peter Somuah - HighlifeCD / Vinyl / digital Peter Somuah trumpet, vocals, cowbell Jesse Schilderink tenor saxophone Anton de Bruin keyboard, rhodes, synth Jens Meijer drums Danny Rombout congas, shekere Marijn van de Ven double & electric bass Lamisi Akuka vocals Thomas Botchway talking drum & shekere on #09 Pat Thomas vocals Gyedu-Blay Ambolley vocals Bright Osei Baffour guitar on #02, #05 and #09 Die Geschichte von Peter Somuah ist eine Geschichte des Reisens. Der aus Ghana stammende, in Rotterdam lebende Trompeter hat sich einmal um die Welt gespielt – und das nicht nur wortwörtlich mit Festival-Auftritten zwischen Stockholm und Peking. Auch seine Musik begab sich auf Pionierwege: Zwischen Accra, der Hauptstadt Ghanas und seiner holländische Wahlheimat erzählt Somuah seine ganz eigene Geschichte. Eine Geschichte, die so disparate Vorbilder wie Miles Davis, Freddie Hubbard oder Roy Hargrove auf der Jazz-Seite mit den ghanaischen Highlife-Rhythmen aus den 60er Jahren zusammenführt. „Letter to the Universe“, das ACT-Debüt des jungen Welteneroberers, war ein ambitioniertes biographisches Mosaik, eine kosmopolitische Fusion der Vielzahl von Somuahs Einflüssen – und für die Süddeutsche Zeitung „ein Beweis, wie komplex der Jazz als Weltsprache funktioniert.“ Mit dem Nachfolge-Album „Highlife“ kehrt Peter Somuah zu seinen Ursprüngen und seiner ersten musikalischen Liebe zurück. Die gleichnamige, ikonische Musik seiner Heimat spielt er seit seiner Kindheit – und brachte später in Highlife-Bands vier Tage die Woche sein Publikum zum Tanzen. „Der Highlife hat die Art wie ich Trompete spiele, wie ich Musik höre und komponiere grundlegend beeinflusst“ sagt Somuah. Das habe sich auch in einem ganz eigenen Trompetensound niedergeschlagen: Diesem mal strahlenden, mal nuanciert-brüchigen Ton, den er als junger Mann auf den Platten von Highlife-Ikonen wie ‚ET Mensah‘ oder ‚The Ramblers‘ gehört hatte. Nun sieht er sich als Mittler zwischen „verwandten Welten“: Mit einem Fuß im modernen Jazz, mit dem anderen in einer traditionellen Highlife-Bar. Und das gemeinsam mit einer Band, die aus holländischen Musikern besteht. „Meine Mitspieler sind nicht in Ghana aufgewachsen“, sagt Somuah. „Aber das macht überhaupt nichts. Denn viel wichtiger ist ihre tiefe Leidenschaft für Highlife und Afrobeat und das Gespür, das sie für diese Musik entwickelt haben.“ Eingespielt hat Peter Somuah das Album in einem kleinen Hinterhofstudio in Berlin-Neukölln. Dessen zum Teil uraltes Analog-Equipment versprach erdiges Klangbild, wie es den historischen Highlife aus den 50er und 60er Jahren prägte. „Ich wollte diesen sehr besonderen Sound wieder zum Leben erwecken. Dessen Wärme, dessen Schneid, dessen überbordende Freude“. Anschließend flog Peter mit den Instrumentals nach Ghana und besuchte die Helden des alten Highlife wie Pat Thomas und Gyedu Blay-Ambolley. „Sie waren schon da, als ich geboren wurde und ich verehre sie, seitdem ich sie zum ersten Mal im Radio hörte. Damals hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich einmal bei ihnen zu Hause in ihren Wohnzimmern sitzen würde, um sie für mein Album aufzunehmen.“ Peter Somuah lässt sein „Highlife“ Album mit einer Geschichtsstunde beginnen. Für „The Rhythm“ hat er die Highlife-Legende Koo-Nimo in Kumasi aufgesucht, lässt er den Veteranen von den Ursprüngen der Musik erzählen. Damals beschäftigten die britischen Kolonialherren Bands mit ghanaischen Musikern, damit diese für sie Walzer, Samba und westliche Unterhaltungsmusik spielten. Diese Bands traten ausschließlich in britischen Clubs und Casinos zum Vergnügen der Oberschicht auf – daher der Name „Highlife“. Die meisten Einheimischen dagegen durften die Musik nur von außen bewundern: „Später“, sagt Somuah ,“brauten die Musiker aus diesen Stilen ihre eigene Mischung. Sie verbanden westliche Instrumente mit älteren ghanaischen Stilen wie der Palmwein-Musik. Brachten tänzelnde Highlife-Gitarren-Riffs ins Spiel. Und fügten der 4/4-Signatur andere Rhythmen ein, etwa die typische, synkopische ‚Clave‘. Nun nimmt Peter Somuah diesen alchemistischen Prozess wieder auf und führt die Musik mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer goldenen Zeit zu neuen Ufern. „Zwischenzeitlich war der ursprüngliche Highlife fast in Vergessenheit geraten“, sagt Somuah. „Viele der jungen Menschen kennen ihn nicht mehr“. Zwar hatte Präsident Kwame Nkrumah den Highlife nach der Unabhängigkeit Ghanas zum Nationaltanz erklärt, tourten Bands wie die von ET Mensah, dem „King of Highlife“ durch ganz Afrika. Aber in den 80er Jahren machte ein Militärputsch die lebendige Musikszene Accras zunichte. Die monatelange abendliche Ausgangssperre führte zur Schließung aller Clubs. Die meisten Musiker gingen ins Exil. „Hier bekam die Musik ganz neue Einflüsse“, erklärt Somuah. „Rock, Funk und vor allem Disco-Elemente wurden aufgenommen, Studio-produzierte Tracks und Keyboards ersetzten die großen Orchester“. Es war die ghanaische Exil-Gemeinde in Hamburg, die eine neue Spielart, den sogenannten „Burger-Highlife“ hervorbrachte. Peter Somuah selbst praktizierte als Teil verschiedener Bands diesen populären Highlife-Stil, bevor er seiner Leidenschaft, dem Jazz, folgte. Der Funke sprang von Miles Davis über: Ein Freund hatte ihm dessen Musik vorgespielt – und Somuah verliebte sich auf Anhieb in die Sprache des afroamerikanischen Jazz-Revolutionärs: „Ich jammte im einzigen Jazz-Club Accras, imitierte Miles und Freddie Hubbard – versuchte aber gleichzeitig meinen eigenen Stil hineinzubringen“. Die Art wie Somuah Jazz-Aufbruch und Tradition zusammenbrachte war unerhört. Der Umzug nach Rotterdam sollte ihm und seinem holländischen Quintett einerseits weltweit viele Türen öffnen. Andererseits ermöglicht die Distanz Somuah nun eine neue Perspektive auf den Highlife. Was Peter Somuah am Herzen liegt, sind nicht nur die Sounds, sondern auch die Erzähltradition dieser Musik: „Typischerweise handelt sie von Alltagsgeschichten, erzählt von Liebe, Freundschaft und Familie, verbunden mit einer gewissen Moral“. Auch der Bandleader selbst erzählt und singt mit dem von ihm geschriebenen „Mental Slavery“ eine Geschichte– und tritt dabei in die Fußstapfen von Fela Kuti, einem weiteren seiner langjährigen Idole und Ideengeber. „Ich rede vom andauernden Erbe der Kolonialzeit: Noch immer sind viele Ghanaer geistig versklavt, betrachten sich als minderwertig. Sie trauen sich nicht, sich selbstbewusst der Welt zu zeigen, sich mit ihrem Können einzubringen“. Peter Somuahs „Highlife“-Album wirkt da wie ein Gegenentwurf. Eine starke Kombination von musikalischer Freiheit und dem Mut zu sich selbst zu stehen. Denn beides gehört für ihn zusammen: Die Rhythmen der Großeltern zu tanzen – und dabei gleichzeitig in die Zukunft des Jazz zu schauen. Credits: Cover art von Mistmeister Arts & Kolinsky

Ab 18,00 €*
Letter to the Universe
Peter Somuah - Letter to the UniverseCD / Vinyl / digital Peter Somuah trumpet, vocals (Soft Touch, Odo), guitar (Odo) Jesse Schilderink tenor saxophone Anton de Bruin keyboards & rhodes Marijn van de Ven double bass & electric bass Jens Meijer drums Danny Rombout conga, bells, shakers & djembe Thomas Nii Lantey Botchway dundun, banana bell, talking drum Lisette Ma Neza spoken words (The Universe) Latanya Alberto vocals (Moonlight) Gyedu Blay Ambolley rap vocals (Reincarnation) Stevo Atambire vocals (The Sky) Lydia Stavraki & Inda Duran vocals (The Universe) Strings on Mission on Earth, Soft Touch & Moonlight: Celeste Engel & Luna Hallenga violin Daniela Rivera viola Jasper den Hond cello Ghana gilt seit vielen Jahrhunderten als Land der Geschichtenerzähler. Diese große Tradition muss aber nicht unbedingt mit Worten oder der Stimme fortgeführt werden. Peter Somuah spinnt das Storytelling mit seinem Instrument: Als junger Trompeter begibt er sich zwischen dem Highlife seiner Heimat, seinem Idol Miles Davis und der kosmopolitischen Musiksprache seines neuen Zuhauses Holland auf eine faszinierende Suche nach Identität. Diese Reise ist sein „Letter To The Universe“.Als Somuah mit seiner Band im Juli 2022 beim North Sea Festival umjubelt von der Bühne geht, ist dem Publikum klar: Hier ist ein außergewöhnlicher neuer Künstler am Start. Es ist sein erster großer Festival-Auftritt, bislang hatte er nur in Clubs gespielt. Und die Frage kommt auf: Wer ist dieser ghanaische Mittzwanziger, der das Auditorium so verblüfft hat?In Ghanas Hauptstadt Accra wächst Peter Somuah mit dem Highlife auf, jener swingenden Mischung aus süßer Palmwine Music und den Bigband-Einflüssen der Kolonialzeit. „Mit 14 kam ich zur Trompete“, erinnert er sich. „Ich spielte in einer Marching Band Highlife und Afrobeat, hörte die Platten von Musikern wie E.T.Mensah und transkribierte ihre Soli.“ Doch Somuah wendet sich durch ein Schlüsselerlebnis einer anderen Jazz-Ära zu: Wenn der Name Miles Davis fällt, geht ein Leuchten über sein Gesicht. Er erinnert sich, wie eines Tages ein Kumpel ihm ein Video von Miles mitbrachte. Somuah ist geflasht: „Ich wollte unbedingt auch so spielen können. Ich hatte keine Ahnung, was er und wie er das machte, ich versuchte einfach, die Noten rauszuhören und ihn nachzuahmen. Die Afroamerikaner und wir sind durch die Sklavengeschichte verbunden, und durch diese Gemeinsamkeit konnte ich eine spirituelle Verbindung zu Miles aufbauen.“ Somuah hört sich durch alle Phasen seines Vorbilds, studiert daneben auch das Spiel von Freddy Hubbard und Roy Hargrove. Fortan ist es sein Ziel, mit seiner eigenen Musik eine Verbindung zwischen Ghana und Modern Jazz auszuloten. Nach einem Aufenthalt in China bei Freunden und mehreren Jahren in den Reihen einer Band, die durch Frankreich, Belgien und Spanien tourt, folgt er seiner Partnerin nach Holland. An der Codarts Arts School von Rotterdam nimmt seine Vision einer kosmopolitischen Jazzsprache Gestalt an… Er formt ein weltoffenes Sextett und spielt mit ihm die Scheibe „Outer Space“ ein. Ein Debüt, auf dem er einen eigenen Sound modelliert: „Auf ‚Outer Space‘ ging ich raus aus der Box der Vorschriften, in der dich die Puristen halten wollen. Es ging darum, ich selbst zu sein, es ging um die Freiheit, alle Musikstile zu mischen, die ich mag.“ „Outer Space“, mit dem Edison Jazz Award dekoriert, hat viele afrikanische Gerüche, Highlife und Afrobeat leuchten noch kräftig durch. Mit „Letter To The Universe“ hat Peter Somuah sich als reisender Geschichtenerzähler weiter hinausgewagt in den musikalischen Kosmos. Seine neuen Kompositionen spiegeln die Stationen seines jungen Lebens: die ghanaische Vergangenheit, die Arbeit seiner Jazz-Idole und die lebendige afropäische Szene seiner neuen Benelux-Heimat. Im pulsierenden, rasenden „Mission On Earth“ kann man eine unverkennbare Widmung an Miles Davis‘ „Bitches Brew“-Phase und die geschichtete Architektur des heutigen Cosmic Jazz eines Kamasi Washington herauslesen. Das Stück setzt ein kräftiges Ausrufezeichen dafür, wie kompakt und organisch das Zusammenspiel seiner holländischen Band um Keyboarder und Produzent Anton de Bruin sich über das gesamte weitere Album gestaltet. Somuahs Werk ist aber keinesfalls nur Männersache: Gleich den Prolog des Opus überträgt er an die in Ruanda wurzelnde Slam-Poetin Lisette Ma Neza. Wie ein Programm für die Scheibe formuliert sie die großen Identitätsfragen reisender Afrikaner, die im Jahre 2023 zwischen Kontinenten, Philosophien und Livestyles ihre Fragen an das Universum richten. Tastend setzt sich auch Peter Somuahs Musik mit dieser afropäischen Existenz auseinander, mit einem Trompetenton, der nur selten durch Virtuosität auftrumpfen muss. Vielmehr erzeugt er in beredtem Erzählton einen Flow, dem es auch auf Spielfreude und Tanzbarkeit ankommt. Denn ghanaische Farben sind auf dieser Reise auch zu finden, etwa in den lockeren Sechsachtelrhythmen aus der Ashanti-Region („Green Path“), der Verschmelzung der ruppigen Fra Fra-Musik aus dem Norden Ghanas mit Jazz („The Sky“), oder in Highlife-Anleihen beim Auftritt des ghanaischen Altstars Gyedu-Bley Ambolley („Reincarnation“). Peter Somuah auf seiner Suche zwischen den Erdteilen zu begleiten, ist ein Erlebnis auch für europäische Ohren. Der junge Ghanaer fügt dem kosmopolitischen Jazz des 21. Jahrhunderts ungehörte Geschichten hinzu – noch mit offenem, und gerade deshalb so spannendem Ausgang.Credits: Music composed by Peter Somuah

Ab 18,00 €*

Konzerte