Dier norwegische Jazzsängerin studierte Jazzgesang an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo und wurde durch ihren einzigartigen, intimen Gesangsstil bekannt, der Jazz, Pop und Folk-Elemente vereint. Ihr Durchbruch gelang ihr unter anderem mit Alben wie "Pixiedust" oder "Come In From The Rain", die für ihre Arrangements geschätzt wurden. Slettahjell hat international Anerkennung erlangt und mit verschiedenen Musikern und Ensembles, wi Knut Reiersrudzusammengearbeitet. Sie ist eine wichtige Figur der skandinavischen Jazzszene.
Various Artists - Magic Moments 13CD / digitalBestes Jazzinfotainment: 16 Tracks, 75 Minuten Musik in the Spirit of Jazz, u.a. mit Nils Landgren & Jan Lundgren, Wolfgang Haffner,Ulf Wakenius, Solveig Slettahjell, Grégoire Maret, Vincent Peirani & Emile Parisien, Kadri Voorand, Viktoria Tolstoy, Jazzrausch Bigband.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Solveig Slettahjell - Come In From The RainCD / Vinyl / digital
Solveig Slettahjell vocals Andreas Ulvo piano Trygve Waldemar Fiske bass Pål Hausken drums
In der Ruhe liegt die Kraft – diesem unausgesprochenen Credo bleibt die norwegische Sängerin Solveig Slettahjell auch auf “Come In From The Rain” treu. Zwar ist ihr Konzept der Entschleunigung nicht mehr so radikal wie mit ihrem Slow Motion Quintet, das Anfang der Zweitausenderjahre die europäischen Jazzszene aufhorchen ließ. Der prominente britische Kritiker Stuart Nicholson etwa erhob sie zu einem James Joyce des Jazz: „Sie hat die Form völlig auseinander genommen und noch einmal neu angefangen.“ Jetzt dürfen etwa Frederick Loewes “On The Street Where You Live” aus dem Musical ”My Fair Lady” oder auch Walter Donaldsons Klassiker “You’re Driving Me Crazy” schon einmal mit ordentlich Tempo vorwärts stürmen. Und Billie Hollidays Zeilen von “Now Or Never” dürfen sogar im federnden Shuffle-Rhythmus dahinrollen und in einer wilden Scat-Einlage münden. Trotzdem bleibt die Konzentration auf das Essentielle eines Songs und die Fähigkeit, mit Nuancen und Details viel mehr auszudrücken als es mit Lautstärke oder Bombast möglich wäre, nach wie vor Slettahjells Markenzeichen.
Und auch dem marktkonformen Zwang, möglichst jedes Jahr ein Album zu veröffentlichen, beugt sich Slettahjell nicht; sie bereitet ihre Projekte gründlich vor und lässt sie lange reifen. Nach einem Projekt mit Streichquartett 2016 und parallel zu einem Live-Soloalbum bastelte sie seit drei Jahren an der Idee für ihre neue Jazzband. Zusammen mit dem erfahrenen Pianisten Andreas Ulvo, Bandmitglied unter anderem bei Mathias Eick, Karl Seglem und Ellen Andrea Wang, dem „In The Country“-Schlagzeuger und Weggefährten Pål Hausken sowie dem jungen, aufsehenerregenden Bassisten Trygve Waldemar Fiske zieht Slettahjell den Zuhörer nun mit “Come In From The Rain“ buchstäblich aus dem Regen hinein in ihren musikalischen Kosmos, macht es ihm gemütlich und erzählt ihm auf ihre unwiderstehliche Art Geschichten. Alte Stories, zeitlos wie Buddy Johnsons “Since I Fell For You” und Irving Berlins “How Deep Is The Ocean”, oder wiederzuentdeckende wie “I Lost My Sugar In Salt Lake City”; aktuellere wie “Johnsburg, Illinois” von Tom Waits (einem ihrer großen Favoriten, den sie auf fast allen ihren Alben ein Stück widmet) und neue wie beim von ihr selbst geschriebenen “So I Borrow Your Smile”. Ob die Geschichten dem Folk, Jazz oder Pop entstammen, stets machen Slettahjell und ihre Begleiter daraus behutsam ihre eigenen. Schon mit dem Titelstück zeihen die vier den Hörer augenblicklich in ihren Bann, mit perlenden Klavieranschlägen und minimalistischen Trommelrhythmen. Zum Konzept der Konzentration passt auch die Art der Aufnahme: Eingespielt wurde im Osloer Propeller Music Division live auf Tonband, vom Band wurde anschließend auch analog gemixt. Was dem Zusammenspiel und der Improvisation des Quartetts ein besonderes, nicht mehr oft gehörtes Gewicht verleiht. Und spätestens, wenn es dann “‘Round Midnight” ist, und Slettahjell den Besucher mit dem die blaue Stunde verewigenden Standard von Thelonious Monk hauchzart verabschiedet, hat auch ihn die Botschaft erreicht: In der Ruhe liegt die Kraft. Credits:
Recorded live to tape at Propeller Music Division, Oslo, January/February 2020 Engineered by Mike Hartung Assistant: Frida Blomberg Produced by Kåre Christoffer Vestrheim Mixed analog from tape using the Tree Audio Generation 2 console Mastered at Propeller Mastering by Morgan Nicolaysen
Various Artists - Fahrt ins Blaue II - groovi´n in the spirit of jazzCD / Vinyl / digitalVarious ArtistsTurn up the volume!Bot die erste „Fahrt ins Blaue“ noch hochklassige Sundowner-Songs und relaxte Seelenbaumler mit Niveau, ist „Fahrt ins Blaue II - groovin' in the spirit of jazz“ der Soundtrack für die Eröffnung der Tanzfläche. Mit funky Jazz, gritty Blues und ganz viel Soul ist die Compilation ein anregendes Warm-Up für die beginnende Party-Nacht.Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden und der DJ schiebt die Regler rauf: Die tighten Bläser der WDR Big Band leiten in die „Fahrt ins Blaue“ ein, mit einem Klassiker der Art Blakey Jazz Messenger: „Moanin’“. Torsten Goods übernimmt mit dem U2-Cover „When Love Comes To Town“, das mit seinen Disco-Basslines und Wolfgang Haffners „in the pocket“-Groove jedem Stehempfang Goodbye sagt. Die Schwedin Ida Sand übernimmt hier den Part von B.B. King. Zusammen mit Raul Midón singt sie später ein weiteres Duett – „He Ain’t Heavy, He´s My Brother“.Viktoria Tolstoy erinnert mit ihrer Interpretation von „Paradise“ aus dem 1982 erschienenen Album „Lite Me Up!“ an die Disco/Pop-Phase von Herbie Hancock. Dann legen Joe Sample und Nils Landgren los. Die 2014 verstorbene US-Legende am Fender Rhodes und Mr. Redhorn haben nichts für Hollywood übrig, dafür umso mehr für heavy Grooves, wenn sie ohne Schnörkel und Brimborium „Don’t Take My Love To Hollywood“ down-to-earth aufs Parkett nageln. Nahtlos gefolgt von einem ACT-Klassiker aus dem Jahre 1997: „Joshua“ von Bernard Purdies „Soul To Jazz“ ist purer Gospel-Funk!Magnus Lindgrens „Penny Blue” entstand ganze 20 Jahre später. Der jüngste Track auf „Fahrt ins Blaue II“ ist feinster Souljazz, made in Stockholm. Dann wird es Zeit für waschechten Südstaaten-Soul mit ganz viel Louisiana-Feeling: „I Wish I Had A Girl Like You“ des 2015 verstorbenen Mighty Sam McClain. Youn Sun Nah zeigt sich ganz ungewohnt von ihrer tanzbaren Seite mit dem Paul Simon-Cover „She Moves On“, begleitet vom US-Gitarristen Marc Ribot. Es folgt eine kurze Verschnaufpause: Solveig Slettahjells „Holy Joe“ bringt eine sanft-bluesige Note ein und Muriel Zoe singt Steely Dan’s „Rikki Don’t Lose That Number“ mit relaxtem Country-Einschlag. Ehe Nils Landgren mit der kompletten Funk Unit abrockt. Unterstützt durch die WDR Big Band bläst Randy Brecker anschließend am Flügelhorn mit Lee Morgans Sou-Jazz-Hit „The Sidewinder“ zum großen Finale. Das DJ-Set scheint beendet, doch es folgt der Ruf nach einer Zugabe: Pete Yorks fetter Orgel-Funk füllt ein allerletztes Mal den Dancefloor. „Fahrt ins Blaue II“, das sind 14 sonnendurchflutete Tracks zum Grooven und Cruisen, zum Gutfühlen, Mitwippen und Abgehen. Musik, die packt und in die Beine geht. Der Sommer kann beginnen. Credits:Compiled by Marco Ostrowski Cover art by Rupprecht Geiger Mastered by Klaus Scheuermann
Solveig Slettahjell - Trail of SoulCD / Vinyl / digital
Solveig Slettahjell vocals Knut Reiersrud guitars & harmonica In The Country : Morten Qvenild piano & synths Roger Arntzen bass Pål Hausken drums & percussion
“Conneting the unexpected” lautet das Motto der Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“, die Siggi Loch seit Dezember 2012 kuratiert und produziert. Jeder Abend soll besonders sein, dafür sorgen außergewöhnliche Programm- Ideen und ungewöhnliche, eigens zusammengestellte Besetzungen. Was nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Musikern begeistert angenommen wird. So erlebten Künstler und Zuschauer auch bei „Norwegian Woods“ im März 2014 eine Sternstunde. Loch brachte hier die Crème de la Crème des norwegischen Jazz zusammen und kombinierte diese unverhofft mit einem Gast aus einem anderen musikalischen Lager:
Mit Solveig Slettahjell kam es zu einem Wiedersehen, hatte doch ACT ihre frühen Alben außerhalb Norwegens weltweit bekannt gemacht. An ihrer Seite, In The Country, das Trio um ihren musikalischen Vertrauten, den Pianist und Soundtüftler Morten Qvenild, der seit Jahren fester Bestandteil in den Slow Motion Ensembles der Sängerin ist. Als Überraschung des Abends kam der Blues-Gitarrist Knut Reiersrud hinzu, den Loch schon lange auf dem Radar hatte und der in Berlin erstmals auf Slettahjell und Co traf – eine ideale Kombination: Der Abend zelebrierte all das, was den „nordischen Sound“ der vergangenen Jahrzehnte so attraktiv und erfolgreich gemacht hat: Die elegische, bluesige, vom Melos der eigenen Volksmusik inspirierte Seite, aber auch die experimentelle, rhythmisch gewagte, elektronische. Der als „Jazz at Berlin Philharmonic II: Norwegian Woods“ veröffentlichte CD-Mitschnitt dokumentiert dies eindrucksvoll.
Für die Beteiligten war danach klar, dass die Sache eine Fortsetzung erfahren muss. Vor allem die erdige, von vielen ethnischen Einflüssen gefärbte Bluesgitarre Reiersruds war eine neue Inspiration. Selbst Solveig Slettahjell, eigentlich Universal-Künstlerin, teilte den spontanen Wunsch, ein gemeinsames Studioalbum zu produzieren. Die passende Idee dafür hatte Loch bereits im Ohr und er schlug den Künstlern vor, die amerikanische Gospel- & Spiritual-Tradition mit der norwegischen Klangästhetik zu verlinken: „Trail Of Souls“.
Und nach gründlicher Vorbereitung sowie vielen Proben im privaten Studio von Morten Qvenild traf man sich schließlich im berühmten Osloer Rainbow Studio, um der Idee eine finale Form zu geben. Bis auf einen von Reiersrud komponierten Song, sind alle elf Titel des Albums im weitesten Sinne Blues- und Gospel-Klassiker. Darunter mit Bill Withers „Grandma‘s Hands“, Peter Gabriels „Mercy Street“ und Leonard Cohens „Come Healing“. drei von Stars der Soul- und Pop-Musik, die anderen freilich nur Insidern wie Reiersrud wirklich bekannt. „Wir haben die alten Worksongs und Spirituals zwar gemeinsam ausgewählt und dafür unsere Plattensammlungen durchforstet, aber Knut ist natürlich der größte Kenner von uns“, sagt Slettahjell. Was Reiersrud gerade erst auf dem ACT-Album „Tears Of The World“ zusammen mit dem famosen, Bluessänger Mighty Sam McClain (der am 16.6.2015, kurz vor der Album-Veröffentlichung, im Alter von 72 Jahren verstarb) bewiesen hat. So reiht sich in den „Trail Of Souls“ zum Beispiel das anrührende Traditional „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ genauso ein wie das in den schwarzen Gottesdiensten allgegenwärtige „His Eye Is On The Sparrow“, und das einprägsame „Don’t Feel Noways Tired“ des „King of Gospel“ Reverend James Cleveland. Über Stücke von Blind Willie Johnson, James Anderson und Richard M. Jones (mit dem Evergreen „Trouble In Mind“) reicht die Auswahl bis zum noch nicht so alten „Is My Living In Vain“ der noch äußerst aktiven, mit zwei Grammys ausgezeichneten Gospel-Lady Elbernita „Twinkie“ Clark.
Alle Songs bekommen hier freilich durch eine konsequente, fast säkulare Entschleunigung eine völlig neue Gestalt. Solveig Slettahjells einzigartig ruhige, jedes Phrasierungsdetail auskostende Stimme verleiht ihnen zusammen mit Knut Reiersruds ebenso temperierten, mit ungewöhnlichen, oft metallisch schillernden Voicings eine atemberaubende Spannung. Für überraschende rhythmische Akzentuierungen und jede Menge verblüffender Sounds von nach Holz und Ton klingender Perkussion über sphärische Flächen bis zu harten Drum & Bass-Schlägen sorgen das Trio von Morten Qvenild. „Wir sind alle ein bisschen seltsam, aber er ist der seltsamste von uns“, sagt Slettahjell lachend über Qvenild. So werden nun aus „Norwegian Wood“ betörende „Norwegian Roots“ und bezwingende „Norwegian Grooves“, die erneut die herausragende Fantasie und Kreativität der Musiker aus dem hohen Norden bezeugen.Credits:Recorded by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo, April 8 – 10, 2015 Mixed and mastered by Jan Erik Kongshaug Cover art: 2014 Thomas Scheibitz (detail) / ACT Art Collection
Various Artists - Magic Moments 8 "Sing Hallelujah"CD / digitalDie achte Ausgabe der beliebten Magic Moments-Reihe: 71 Minuten bestes Jazz-Infotainment durch das aktuelle Programm mit ACT-Stars, Newcomern und Geheimtipps. Unter dem Motto „Sing Hallelujah“ hat ACT-Inhaber und Produzent Siggi Loch 16 Titel zusammengestellt, die vor allem den Bogen vom Jazz zu Soul, Gospel und der afroamerikanischen Rootsmusik spannen. Einmal mehr präsentiert sich das Münchener Label hörbar anders, abseits der ausgetretenen Pfade „in the Spirit of Jazz“: Musik fernab eines festgelegten Stils. Mal mehr, mal weniger Jazz. Zwischen den Genres. Am Puls der Zeit und darüber hinaus.
Bei „Sing Hallelujah“ stehen die Gesangskünstler von ACT im Rampenlicht: Die kürzlich verstorbene Soul-Blues Legende Mighty Sam McClain eröffnet Magic Moments 8 mit dem norwegischen Gitarristen Knut Reiersrud. Letzterer ist auf einem weiteren Titel zu hören, gemeinsam mit der Sängerin Solveig Slettahjell und dem Trio „In The Country“. Auf „Borrowed“ Time, aus dem Album „Trail of Souls“, verlinkt das Ensemble die amerikanische Gospel- & Spiritual-Tradition mit der norwegischen Klangästhetik.
Torsten Goods interpretiert das Titelstück aus der Feder von Mike Settle in seiner lässig-coolen Art mit Starbesetzung: Roberto Di Gioia, Tim Lefebvre und Wolfgang Haffner. Ida Sand ist mit einer Hommage an Neil Young vertreten. Natalia Mateos Stimme hat „eine ganz eigene Geschichte zu erzählen“ (Die Zeit). In einer ungewöhnlichen Version interpretiert sie „I Put A Spell On You“, den wohl bekanntesten Hit des US-amerikanischen Blues-Sängers Screamin' Jay Hawkins. Und die Norwegerin Randi Tytingvåg betont auf „Steady-going“ ihre Singer-Songwriter-Qualitäten und bedient sich der amerikanischen Folk- & Country-Roots. Schlagzeuger Wolfgang Haffner hat für „Piano Man“ sein „Kind of Cool“-Ensemble um den stimmgewaltigen Soulman Max Mutzke erweitert.
Unterschiedlichste Instrumentalnummern runden Magic Moments 8 ab: Dieter Ilg interpretiert mit seinem Trio Beethoven. Iiro Rantala spielt John Lennons „Imagine“ solo am Klavier und der Saxofonist Rudresh Mahanthappa, 3-facher DownBeat Critic‘s Poll Gewinner 2015, ehrt mit „Bird Calls“ den großen Charlie Parker. „High Noon in Kreuzberg“ heißt es bei dem finnischen, in Berlin lebenden Gitarristen Kalle Kalima, wenn er im Trio den Western-Klassiker „Ghost Riders In The Sky“ von Stan Jones zum Besten gibt. Mit dem Pianisten Frank Woeste ist ein weiteres neues ACT-Gesicht vertreten. In seiner Wahlheimat Frankreich ist der gebürtige Hannoveraner längst eine feste Größe und spielt dort mit Ibrahim Maalouf sowie mit Youn Sun Nah, die ihn bei „Star Gazer“ mit ihrem unnachahmlichen Gesang unterstützt.
„If music be the food of love, play on“ heißt es in Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“. Um die Wörtchen „and life“ möchte man das Zitat erweitern, das als Credo für die Arbeit von ACT stehen kann. Seit nunmehr 23 Jahren liefern Siggi Loch und sein Team mit Leidenschaft und Qualitätsbewusstsein musikalischen Nährstoff. Musik für offene Ohren, für den Geist, für das Herz, die Seele und für alle, die gute Musik lieben – wie die Werkschau auf „Magic Moments 8“ beweist.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Various Artists - Magic Moments 7 - Sound of SurpriseCD / digitalMagic Moments: 16 Titel, über 50 Mitwirkende, 70 Minuten bestes Jazz-Infotainment durch das aktuelle ACT-Angebot. Kontinuität. Vertrauen und Visionen. Nachhaltigkeit und Zusammenhalt. Talente entdecken und reifen lassen. Den Nachwuchs fördern. Erfolgskomponenten und zentrale Bestandteile der ACT-Philosophie, die unsere Arbeit seit nunmehr 22 Jahren leiten: Wir feiern in diesem Jahr die seit 20 Jahren andauernde erfolgreiche Partnerschaft mit Nils Landgren. Wir gratulieren aufstrebenden Künstlern wie Vincent Peirani und Emile Parisien, die mit dem „Victoire du Jazz“ jeweils zum Künstler des Jahres in Frankreich gewählt wurden. Wir freuen uns über die großartige Entwicklung von Michael Wollny zum deutschen Jazzmusiker der Stunde, der der Young German Jazz-Reihe entstammt und die auch weiterhin Talentschmiede für verheißungsvolle Künstlerpersönlichkeiten, wie aktuell der Sänger Tobias Christl, sein soll. Dass nun auch etablierte Jazzgrößen wie Manu Katché, den wir als Neuzugang herzlich in unserer ACT-Family begrüßen, auf unsere Arbeit aufmerksam werden, ehrt uns. Trotzdem bleiben wir uns treu, vor allem die Stars von morgen zu finden.
Jazz at Berlin Philharmonic- Jazz at Berlin Philharmonic II: Norwegian WoodsCD / digital
Solveig Slettahjell vocals Bugge Wesseltoft piano & synths (except 2 & 5) Knut Reiersrud guitars & harmonica In The Country: Morten Qvenild piano & synths (except 4 - 6) Roger Arntzen bass Pål Hausken drums
Eine Bluesgitarre führt die Melodie ein, verhalten, elegisch, aber doch verspielt und energiegeladen; eine klare Frauenstimme übernimmt, deren Kraft durch die eigentümliche Ruhe des Gesangs noch potenziert wird; ein Klavier versammelt das Thema noch einmal, bevor es von allen plus einem dazu stoßenden Trio durch eine mächtige dynamische Schleife geführt wird, bis es am Schluss fast ins Nichts ausklingt. „Ingen Vinner Frem Til Den Evige Ro“ heißt das alte norwegische Kirchenlied, das Knut Reiersrud, Solveig Slettahjell, Bugge Wesseltoft, Morten Qvenild und sein Trio In The Country am 11. März 2014 im ausverkauften Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie so faszinierend in eine moderne nordische Hymne verwandelten.
Es war wieder einer dieser magischen Momente, welche die 2012 ins Leben gerufene und von Siggi Loch kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ so sicher generiert. Einmalige Abende sollen es jeweils werden: durch thematische Konzentration, vor allem aber durch spannende, oft erstmalige Begegnungen von herausragenden Musikern. Wie schon beim, ebenfalls auf CD dokumentierten, Auftakt im Dezember 2012 mit dem zaubernden Pianisten-Trio Michael Wollny, Leszek Możdżer und Iiro Rantala oder eben auch beim hier dokumentierten vierten Abend unter dem Motto „Norwegian Woods“. Die Aufnahmen waren nur als Dokumentation und für Rundfunkzwecke gemacht worden aber das musikalische Ergebnis war so überzeugend, dass die beteiligten Künstler selbst eine CD-Veröffentlichung wünschten. Lediglich die Beiträge von Mathias Eick konnten aus rechtlichen Gründen letztlich nicht verwendet werden.
Der Mitschnitt veranschaulicht nicht nur beim eingangs beschriebenen Einstieg, wie unter einem Brennglas, auf welche Weise ein Land mit gerade einmal fünf Millionen Einwohnern zum Epizentrum des europäischen Jazz werden sowie über einer der spannendsten Jazzszenen der Welt verfügen kann. Und das weit abseits der alten Zentren des Jazz. Zum einen liegt es an der Besinnung auf die eigenen Wurzeln, also auf die norwegische Volksmusik und Klassik von Johann Nesenus bis Edvard Grieg. Anfangs gar nicht einmal freiwillig – das Land der Fjorde lag einfach zu weit ab von den Tour-Routen amerikanischer Jazzer – half sie, ein eigenes Vokabular zu entwickeln, den typischen „nordic sound“, wie ihn Jan Garbarek und andere Anfang der Siebziger populär machten und wie er noch heute quasi zur DNA des norwegischen Jazz gehört.
Der zweite Schlüssel des Erfolgs ist eine nahezu bedingungslose Aufgeschlossenheit für Einflüsse aller Art: In der überschaubaren norwegischen Musikszene arbeiten Jazzer ohne Scheu mit klassischen Musikern und Kollegen von Pop und Rock zusammen, was auch beim „Norwegian Woods“-Stelldichein mit bezwingenden Ergebnissen zu bewundern war.
Natürlichkeit und lyrische Sammlung einerseits, kraftvolle Eruptionen und kunstvoller Ausdruck andererseits zeichnen die Stimme des musikalischen Fixpunktes des Abends aus, jene von Solveig Slettahjell. All das und mehr setzt die Erfinderin der gesanglichen Entschleunigung und Verwesentlichung bei ihrer Version von Tom Waits „Take It With Me“ ein. Unterstützt wird sie dabei von ihrem langjährigen Partner vom Slettahjells Slow Motion Quintet, Morton Qvenild. Der geniale Universalist des jungen norwegischen Jazz hat von Pop bis Metal schon alles ausprobiert. Seit 2003 aber spielt sein Trio In The Country mit Drummer Pål Hausken und dem Bassisten Roger Arntzen unangefochten die Hauptrolle. Die hier erprobten Gestaltungsprinzipien - Soundscapes wachsen zu fein differenzierten Dialogen, mächtige Klangdome münden in pastellenen Kammerjazz oder elektronisch verzierte Hörbilder – kommen bei „Norwegian Woods“ insbesondere bei „Can I Come Home Now“ zur Geltung.
Der soeben 50 gewordene Pianist Bugge Wesseltoft, einer der Wegbereiter der jungen norwegischen Jazz-Generation, repräsentiert die wichtigsten beiden Stränge des modernen norwegischen Jazz. Beides datiert auf das Jahr 1997: Einerseits brachte Wesseltoft mit „It’s Snowing On My Piano“ seine kontemplative Seite und damit den elegischen norwegischen Jazz auf einer radikal reduzierten, zeitlosen Solo-Piano-Weihnachtsplatte (bis heute mit über 120.000 Einheiten das meistverkaufte ACT-Album überhaupt) zur Vollendung. Gleichzeitig wandte er sich mit „New Conception of Jazz“ der Elektronik zu, mit dem wegweisenden neuen Ansatz, aktuelle Pop-Elemente von Deep House, Ambient Music, Drum’n’Bass, Big Beat bis zu Soul und Funk aufzunehmen. Wie spannend er bis heute beides weiterentwickelt, führt er bei „Norwegian Woods“ unter anderem mit dem lyrischen Solo „Chicken Feathers“ und der effektvoll schillernden Jam-Version von John Hiatts Rock-Klassiker „Have A Little Faith“ vor.
Und schließlich ist da noch der Gitarrist Knut Reiersrud, der älteste, am weitesten gereiste und doch bei uns unbekannteste Musiker dieser JABP-Ausgabe. Sein Kraftfeld ist der Blues, in den er mit 18 in den USA von Buddy Guy und Otis Rush eigeführt wurde. Seitdem spielte er mit Stars wie Dr. John, Joe Cocker, Stevie Ray Vaughn oder den Five Blind Boys of Alabama. Doch wäre Reiersrud kein Norweger, dann hätte er neben dem amerikanischen Blueserbe auch nicht diese Sehnsucht nach den eigenen heimatlichen Klangtraditionen sowie diese, durch Aufenthalte in Afrika, Indien, Nepal oder Iran beförderte, unstillbare Neugier auf andere Sphären. Sein JABP-Solo „Jargo“ ist das beste Beispiel dafür.
Die norwegischen Individualisten präsentieren sich bei diesem in der Tat einmaligen Abend als starke Gruppe und ihr Land immer noch als Speerspitze des europäischen Jazz. Dieser hat sich schon lange vom Mutterland USA emanzipiert und entscheidende Entwicklungen in Gang gesetzt. Credits:
Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie (KMS) Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker Recorded, mixed, edited and mastered by Klaus Scheuermann
"Solveig Slettahjell ist mit ihrer Neuerfindung der Langsamkeit so sexy wie eh und je und liefert eine nordische Klangaura, fast schon so etwas wie norwegische Klassik"- (FAZ)