Der in Trondheim geborene Jazzsaxophonist ist für seinen lyrischen und emotionalen Stil bekannt. Brunbor gehört zu den bedeutensden Musikern der skandinavischen Jazzszene und spielte im Laufe seiner Karriere bereits mit Künstlern wie Arild Anderson und Manu Katché. Sein Spiel zeichnet sich durch eine tiefe melodische Sensibilität und Improvisation aus. Neben seiner Arbeit als Solist ist Brunberg auch als Sideman aktiv und prägt als gefragter Musiker die europäische Jazzlandschaft mit seinem charakteristischen Sound.
Various Artists - Christmas in the Spirit of JazzCD / digitalSo unterschiedlich wie Weinachten gefeiert wird, kann auch Weihnachtsmusik klingen. Nils Landgrens „Christmas With My Friends“ ist seit nunmehr 15 Jahren aus der Adventszeit nicht mehr wegzudenken, doch er ist lange nicht der Einzige. Viele weitere ACT Künstler.innen haben ihre ganz eigenen Weihnachtsklänge erschaffen: Von den stillen und ruhigen Tönen Bugge Wesseltofts, über Tore Brunborgs „Nordic Christmas“, Musik von Laila Biali oder den Echoes of Swing bis hin zum jungem Sound der Jazzrausch Bigband. Sie alle und viele mehr kommen zusammen auf “Christmas in the Spirit of Jazz“, der ACT Weihnachtssoundtrack 2021.
Rückgrat dieser Weihnachtscompilation sind ausgewählte Titel aus allen acht „Christmas With My Friends“-Alben. Mit „Coming‘ Home for Christmas“ macht Nils Landgren den Anfang. Im Laufe der insgesamt 18 Stücke der Zusammen-stellung treten dann weitere Solisten seines Ensembles hervor: Jessica Pilnäs, Johan Norberg und Jonas Knutson mit dem swingenden Klassiker „Sleigh Ride“, Sharon Dyall mit ihrer bluesgetränkten Stimme auf dem lebensfrohen „Just Another Christmas Song“ sowie Ida Sand und Jeanette Köhn, die den „Angel’s Carol“ im sanft voranschreitenden Duett singen: Musik, die „funkelt wie der Sternenhimmel einer nordischen Winternacht“, urteilte der Stern seinerseits über Nils Landgrens „Christmas with My friends“. Aus Schwedens Nachbarland Norwegen stammt ein anderer Weihnachtsklassiker: Bugge Wesseltoft hat dort mit seinem Pianosolo Album „It’s Snowing On My Piano“ eines der meist gehörtesten Weihnachtalben des Landes eingespielt. In grüblerischen Klängen ertönt daraus „In Dulce Jubilo“ und setzt den Fokus auf das Wesentliche. Janne Mark aus Dänemark knüpft daran und besingt den „Vinter“, eine Hymne, die Skandinaviens dunkle Jahreszeit erstrahlen lässt. Frecher und belebter ist Weihnachten bei der Jazzrausch Bigband: Mal laut, mal leise, aber immer stilvoll und mit feinstem Bigband Sound: „Fröhliche Weihnacht überall“ scheint das Weihnachtsmotto der jungen Bigband zu sein und ist das Gegenstück zu den ruhigen und besinnlichen Klängen auf „Christmas in the Spirit of Jazz“. Ebenso swin-gend, amerikanische Weihnachtsstimmung versprühend kommen die Echoes of Swing und Rebecca Kilgore mit ihrem „Winter Wonderland“ daher.
Auch zwei Stücke, die ursprünglich gar nicht als Weihnachtslieder geschrieben, aber dann Einzug in den Weihnachtska-non gefunden haben, sind zu hören: Laila Bialis Version des Jazzstandards „A Child is Born“ von Thad Jones ist hier erstmals auf CD veröffentlicht. Und der polnische Geiger Adam Bałdych interpretiert Leonard Cohens „Hallelujah“, das eben-falls heute aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken ist. Wie auch Iiro Rantalas Hommage an John Lennon mit “Happy X-mas, War is Over“. Virtuos und mit Tiefgang ist diese Solo-Interpretation eine Botschaft des Friedens und gerade in der heutigen Zeit aktueller und wichtiger denn je. „Have Yourself a Merry Little Christmas” haben Caecilie Norby und Lars Danielsson speziell für „Christmas in the Spirit of Jazz“ aufgenommen. Nur Stimme und Bass im Duo, unbekümmert, aber doch feierlich. Es folgt noch ein besinnli-cher „Christmas Song“ von Viktoria Tolstoy zusammen mit Ida Sand, Ulf Wakenius und Nils Landgren, bevor Mr. Red-horn allein mit seiner Posaune „Christmas in the Spirit of Jazz“ stimmungsvoll zum Ende führt: „Der Mond ist aufge-gangen“ aus seinem jüngst erschienenen Soloalbum „Nature Boy“ lässt seine Posaunentöne schwerelos durch Raum und Zeit zirkulieren und bildet so einen fast meditativen Abschlus.
Tore Brunborg - Nordic ChristmasCD / digital
Tore Brunborg saxophones, recorder Kjetil Bjerkestrand organ
Die nordische Weihnacht hat so gar nichts zu tun mit Pomp und Kitsch, Überfluss und großen Gesten. Sie ist familiär und traditionell, schöpft ihre Kraft aus der Stille. Kontemplation und Konzentration bestimmt die schönste Zeit des Jahres in den skandinavischen Ländern. Und ihre Musik ist ein Spiegelbild dessen, dieser leisen wie innigen Stimmung: Aus Schweden berühmt geworden ist „Christmas With My Friends“ von Nils Landgren. Wohltönend und wärmend, gefühlvoll und zart begleitet der Starposaunist seit über 10 Jahren die Weihnachtszeit. Ein Klassiker aus Norwegen hat Bugge Wesseltoft bereits 1997 eingespielt: „It's Snowing On My Piano ist in ihrer fast überirdischen Schönheit die größte Weihnachts-CD, die der zeitgenössische Jazz je hervorgebracht hat“ (WAZ). Bis heute ist diese Solopiano-Einspielung von Weihnachtsliedern und alten Volksweisen das meistverkaufte Album in der Geschichte von ACT.
Wer also dem besonderen musikalischen Reiz der skandinavischen Weihnacht verfallen ist, kann nun mit Tore Brunborg und Kjetil Bjerkestrand „Nordic Christmas“ feiern. Wobei diese schon vor vielen Jahren auf dem Höhepunkt der Zusammenarbeit der beiden in der Kirche von Avaldsnes in Norwegen aufgenommene Einspielung eine weitere Facette der Weihnachtsmusik im unverwechselbaren „nordic sound“-Gewand beschert: Nicht in großer Besetzung, sondern im ungewöhnlichen und intimen Duo von Saxofon und Kirchenorgel. Meist übernimmt Tore Brunborgs Tenor- oder Sopransaxofon die tragende Melodiestimme, während Kjetil Bjerkestrands Orgel auf vielfältige Weise die Begleitung übernimmt: vom barocken Kontrapunkt und klassisch zerlegten Kadenzen bis zu fast avantgardistischen Dissonanzen, von filigranen single-note-Entgegnungen bis zu mehrstimmigen Klanggewittern. Stets spielen Brunborg und Bjerkestrand ihre Themen original an, um sich dann von ihnen zu lösen, Variationen zu entwickeln und mitunter in freie Improvisation überzugehen.
Das getragen ruhige „Det Kimer Nå Til Julefest“ von Carl Christian Nicolaj Balle etwa bekommt nach der ersten Strophe einen groovenden Bass und eine Pop-Hookline, ein „Jeg Synger Julekvad“ geht nach dem Anspielen erst in jazzig verspielte Lines, dann in eine breite Hymne über, bei „Ave Maris Stella“ mischt sich das typisch nordisch Melancholische mit spannenden Schnarrlauten und Überblastechniken; das altbekannte „O, du fröhliche“ erklingt durch mächtige und kantig rhythmisierte Akkorde völlig neu, Lewis Henry Redners „O Little Town Of Bethlehem“ schließlich wird gar zum fröhlichen Walzer.
Wie schon diese Beispiele zeigen, reicht das Repertoire von den großen, weltweit geliebten Weihnachts-„Standards“ wie „Det Hev Ei Rose Sprunge“ („Es ist ein Ros entsprungen“) oder „Stille Natt“ („Stille Nacht“) über britische Lieder wie William James Kirkpatricks „Away In Manger“ oder bis zu, bei uns weitgehend unbekannten, norwegischen Weihnachtsliedern wie Lars Sǿraas‘ „Det Lyser I Stille Grender“ oder das Traditional aus Nordmǿre „Et Lite Barn Så Lystelig“.
Fast magisch verschmelzen dabei Tore Brunborgs unverwechselbar warmer Ton und Kjetil Bjerkestrands ebenso eigenwillige, alle Register nutzenden Orgelklänge. Zwei bei uns viel zu wenig gewürdigte Meister bescheren da berührende nordische Weihnachtsmusik: Obwohl er seit 1982 mit eigenen Bands spielt, hat sich der 57-jährige Brunborg vor allem als prägender Sideman bei den wichtigsten „typisch“ norwegischen Jazzern wie Jon Christensen, Jon Balke, Nils Petter Molvaer, Geir Lysne oder Tord Gustavsen, aber auch bei Stars wie Manu Katché oder Pat Metheny einen Namen gemacht - bis er vor zwei Jahren mit seinem ACT-Debüt „Slow Snow“ endlich selbst und mit großem Echo international ins Rampenlicht trat. Der fünf Jahre ältere Bjerkestrand arbeitete lange als Kirchenkantor, bis er die Orgel als Improvisationsinstrument entdeckte und auch als Komponist, Arrangeur und Produzent aktiv wurde. Einige Jahre lang arbeitete er in Paris mit Dee Dee Bridgewater, schrieb Arrangements für Ray Charles und nahm danach mehrere Alben mit der Popgruppe a-ha auf. Er begleitete Sängerinnen wie Rebekka Bakken, gründete mit dem a-ha-Keyboarder Magne Furuholmen die Band Timbersound und spielte mit Eivind Aarset das Projekt „Electronique Noire“ ein. Daneben betätigte er sich erfolgreich als Filmmusiker, der Soundtrack zur Verfilmung des Astrid-Lindgren-Kinderbuchklassikers „Karlsson auf dem Dach“ oder auch zur TV-Serie „Hotel Oslo“ stammen von ihm.
Diese Qualitäten und Erfahrungen fließen hörbar ein, wenn die beiden gemeinsam Weihnachten in typisch skandinavischer Atmosphäre aufleben lassen: Mit Musik, die eigentümlich zwischen Tradition und Moderne, zwischen Klassik und Jazz vermittelt, und bei der vor dem geistigen Auge die herbe norwegische Winterlandschaft einerseits und die von dem schwedischen Künstler Carl Larsson so einzigartig gezeichneten, in warmes Licht getauchten Familienfeste zum Leben erwachen. Fröhliche nordische Weihnachten! Credits:
Music arranged by Tore Brunborg & Kjetil Bjerkestrand, except otherwise noted Recorded by Truls Birkeland & Jens Dreyer at Avaldsnes Church, Norway Mixed by Truls Birkeland at Studio 1, Oslo Mastered by Bjørn Engelmann at Cutting Room, Stockholm Produced by Erik Hillestad
Various Artists - Magic Moments 10 "In The Spirit of Jazz"CD / digitalDer Jubiläums-Sampler Magic Moments 10 gibt einen Einblick über die aktuellen Albumveröffentlichungen aus dem ACT Katalog. 14 Titel, über 1 Stunde bestes Jazz-Infotainment „in the spirit of Jazz“.Credits:
Compilation by Siggi Loch Mastered by Klaus Scheuermann
Tore Brunborg - Slow SnowCD / digital
Tore Brunborg tenor saxophone & piano Eivind Aarset guitars & electronics Steinar Raknes double bass Per Oddvar Johansen drums & electronicsStille Wasser sind tiefAus keinem anderen Land stammen weltweit auf die Bevölkerungszahl gerechnet mehr profilierte Jazzmusiker als aus Norwegen. Jan Garbarek ist der Fixstern, doch war es vor allem auch die zweite, in den 1960er Jahren geborene Generation, die dem „Nordic Jazz“ zu weltweitem Ansehen verhalf: Nils Petter Molvær, Bugge Wesseltoft, Geir Lysne, Eivind Aarset und eben auch der Saxofonist Tore Brunborg. Obwohl in der norwegischen Jazzszene hochangesehen, ist Brunborg international eher als Sideman bekannt. Erst jetzt hat der 54-Jährige mit seinem ACT-Debüt „Slow Snow“ einen internationalen Auftritt in eigener Sache.
Der späte Schritt ins Rampenlicht mag am ruhigen, bescheidenen Naturell Brunborgs liegen. Er wuchs im beschaulichen Voss nördlich der Stadt Bergen auf, einem 7000-Einwohner-Ort am Vangsvatnet-See, umrahmt von Bergen, Wäldern und Wasserfällen. Früh entdeckte Brunborg seine Leidenschaft für die Musik, das Saxofon und den Jazz. Mit 19 ging er nach Bergen zum Knut Kristiansen/ Per Jørgensen Quintet, ein Jahr später wurde er am Trondheimer Konservatorium aufgenommen, schon damals eine Art europäisches Gegenmodell zum amerikanischen Berklee College of Music in Boston und neben Oslo die Kaderschmiede des norwegischen Jazz. Brunborg spielte von 1982 an mit seinem eigenen Trio und Quartett, vor allem aber als Sideman bei nahezu allen wichtigen Jazzern seines Landes, von Arild Andersen und Jon Christensen über Jon Balke und Nils Petter Molvær bis zu Geir Lysnes Listening Ensembles oder Tord Gustavsen, und schließlich auch mit internationalen Stars wie Billy Cobham, Pat Metheny und Manu Katché.
Manu Katché, der gerne neue Einflüsse sucht und seine Bands oft umbesetzt, hält seit vielen Jahren an Brunborg fest und hat unlängst erklärt, warum: „Zunächst ist er ein großartiger, bescheidener Mensch, der es einem leicht macht, mit ihm zu arbeiten oder auf Tour zu gehen. Der musikalische Grund ist noch wichtiger. Tore wird rot, wenn ich es ihm sage, aber es ist wirklich so: Wenn er spielt, klingt es immer genau so, wie ich es mir beim Komponieren vorgestellt habe, ohne die Klänge erzeugen zu können. Wenn ich definieren müsste, wie meine melodischen Ideen, meine Sound-Fantasien für Bläser aussehen, dann würde ich immer sagen: Hör dir Tore an. Ich kann es nicht erklären, er macht es einfach.“
Dass er nicht nur für fremde Ideen den perfekten Ausdruck findet, wurde zuletzt so auffällig, dass Tore Brunborg 2012 mit dem „Buddyprisen“, dem wichtigsten Jazzpreis Norwegens, ausgezeichnet wurde. Nun beweist er es auf dem ausschließlich mit eigenen Kompositionen bestückten „Slow Snow“. Das Spiel mit Nähe und Distanz, mit Entspannung und Verdichtung, mit Exzentrik und Schlichtheit, mit elektronischen Sounds und Naturklang charakterisiert das Album. Vor allem der Gegensatz zwischen den ganz reduzierten, mitunter fast knorrigen Basis-Rhythmen und -Motiven und den warmen und lyrischen Saxofonlinien verleiht Stücken wie „History“ oder „Tree Strong, Tall Swaying, Swinging, Sighing“ (der Titel ist fast schon eine allegorische Inhaltsbeschreibung) einen beseelten, kraftvollen Flow, der fesselt. Dafür hat sich Brunborg die passenden Mitstreiter gesucht: Am Schlagzeug den 46-jährigen, fünfmal mit dem „Spellemannprisen“ (dem norwegischen Grammy) ausgezeichneten Per Oddvar Johansen, der auch bei Trygve Seim, The Source oder Solveig Slettahjell seine Vorliebe für feinsinnige Wucht unter Beweis stellte. Am Bass, mit Steinar Raknes, einen der talentiertesten jüngeren Vertreter, der schon mit US-Stars wie Chick Corea, Michael Brecker und Bobby McFerrin spielte. Und schließlich Eivind Aarset, seit Jahren der renommierteste norwegische Gitarren-Experimentator, der auf „Slow Snow“ eine Vielzahl spannender, auch elektronischer Sounds beisteuert.
Wie beim großen Teamplayer Tore Brunborg nicht anders zu erwarten, passt zwischen diese vier kein Blatt Papier. Eine echte Band mit wahrhaftiger, tief empfundener Musik ist hier zu hören. Und ganz nebenbei zeigt Brunborg auf „Slow Snow“ - was viele Kollegen wussten, aber noch nicht das Publikum - schon beim Einstieg mit „Shelter“, dass er auch ein großer Melodiker und feinfühliger Anschlagmeister am Klavier ist.
Es ist an der Zeit, einen stillen Helden des Nordic Jazz zu entdecken. Credits:
Music composed and produced by Tore Brunborg Recorded January 3 - 5, 2014 by Jan Erik Kongshaug at Rainbow Studio, Oslo, Norway Mixed and mastered by Ulf Holand at Holand Sound, Oslo, Norway Cover art by Olafur Eliasson, Seven blue movie, 2010, ACT Art Collection