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Beschreibung

Jazz at Berlin Philharmonic XVIII: Jazz Goes Baroque

CD / Vinyl (LP, 180g) / digital 

Bernd Lhotzky harpsichord and musical director
Emile Parisien soprano saxophone
Frédéric Couderc flutes
Henning Sieverts double bass and violoncello
Eric Schaefer drums

Der Pianist Bernd Lhotzky baut mit seiner Musik Brücken zwischen Historie und Gegenwart - und das immer wieder auf neue Weise. Seine beiden letzten Alben für ACT hätten unterschiedlicher kaum sein können. Das Solo-Piano-Album Rag Bag (2024) spannt einen weiten Bogen über mehr als 100 Jahre Jazzgeschichte und erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik, die Lhotzky für seine „brillante Pianistik“ sowie seine „spielerische Leichtigkeit und Stilgefühl“ lobte. Auf dem Vorgänger As An Unperfect Actor (2021) vertonte Lhotzky Shakespeare-Sonette. Die von ihm komponierte und arrangierte Musik wurde von der Band "Quadro Nuevo" und der österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr interpretiert. Das Projekt war bei Kritik und Publikum gleichermaßen bemerkenswert erfolgreich.

Jazz Goes Baroque ist wieder etwas ganz anderes. Es ist die Live-Aufnahme eines besonderen Konzerts, das in doppelter Hinsicht Anlass zum Feiern bot. Zum einen war es die fünfzigste Ausgabe der von ACT-Gründer Siggi Loch kuratierten und äußerst erfolgreichen Reihe Jazz at Berlin Philharmonic. Zum anderen erinnerte es an einen von Lochs frühesten Erfolgen als noch junger Plattenproduzent: George Gruntz’ Jazz Goes Baroque aus dem Jahr 1964. Es war das erste Album des Schweizer Pianisten unter eigenem Namen und ebnete den Weg für eine einzigartige und bemerkenswerte Karriere im Jazz.

Sechs Jahrzehnte später stellte Bernd Lhotzky ein Programm zusammen, das der Originalaufnahme von 1964 Tribut zollt, sich zugleich aber deutlich von ihr löst. Als musikalischer Leiter entwickelte er dafür eigene Arrangements und Kompositionen, die historische Vorlagen nicht lediglich in ein Jazzidiom übertragen, sondern neu deuten und weiterdenken. Und wie Gruntz auf der Originalaufnahme leitet Lhotzky den Abend nicht vom Piano, sondern vom Cembalo aus.

Auch die hochkarätige Besetzung der Neuinterpretation knüpft an jene Gruppe an, die in den 1960er-Jahren Jazz Goes Baroque aufgenommen hatte. Zentraler Solist war damals der Saxofonist Klaus Doldinger, der später zu einer Schlüsselfigur des Jazz aus Deutschland werden sollte. In der Fassung des Jahres 2025 steht eine aktuelle Schlüsselfigur des europäischen Jazz im Mittelpunkt: der französische Sopransaxofonist Emile Parisien. Außerdem dabei: Der französische Flötist und Saxofonist Frédéric Couderc, dessen Virtuosität und stilistische Beweglichkeit zu den Überraschungen des Abends zählen, der Bassist und Cellist Henning Sieverts, in dessen Spiel sich Jazz und klassische Tradition auf ganz natürliche Weise begegnen, sowie der unendlich einfallsreiche Eric Schaefer am Schlagzeug.

Bernd Lhotzky, der vor allem für seine umfassende Kenntnis des frühen Jazz bekannt ist, hat eine ganz eigene Vision davon, wofür Barockmusik steht und was geschieht, wenn Barock und Jazz aufeinandertreffen. Ausgangspunkt seiner Arrangements sind oft sehr persönliche musikalische Entdeckungen. In einer Melodie Bernardo Pasquinis hört er die Stimme Sidney Bechets, ein Satz von Händel erinnert ihn an die weitgespannten Bögen eines Brahms. Hinter einem scheinbar mühelos dahinfließenden Satz Vivaldis entdeckt er ein raffiniertes Zahlenspiel – und einen durchtriebenen Wachtelkönig, der seine Spuren sorgfältig verwischt. Bei Couperin wird aus einem Stolpern eine tödliche Chute fatale, bei Pachelbel ein seit Jahrhunderten im Kreis laufendes Ostinato zu einem Wesen, das jammervoll nach Freiheit schreit. Es sind weniger stilhistorische Beobachtungen als lebendige Bilder, aus denen die Arrangements entstehen – und die den Werken eine unerwartete Gegenwärtigkeit verleihen.

Für Bernd Lhotzky liegt die Nähe von Barock und Jazz in ihrer gemeinsamen Lust an der Variation. Sequenzen, Ostinati und wiederkehrende Muster schaffen einen tragfähigen Rahmen, in dem sich Musiker verständigen und frei bewegen können. „Man hört, was sich im Gespräch am Gartenzaun zeigt, im lebhaften Austausch auf dem Markt, im herzlichen Dialog des Alltags.“ Monteverdi lud Musiker dazu ein, über einem Basso continuo zu improvisieren – mehrere Jahrhunderte, bevor die Jam-Session erfunden wurde. Für Lhotzky begegnen sich Jazz und Barock deshalb nicht als Gegensätze, sondern als Verwandte. Der Jazz verleiht dem Barock neue rhythmische Energie und improvisatorische Weite. Der Barock schenkt dem Jazz historische Tiefe, kontrapunktische Dichte und üppig-florale Formen.

Das Ideal europäischer Harmonie ist ein weiterer Leitgedanke der Gruppe, die in der Berliner Philharmonie spielte. Lhotzky beschreibt sie in seinen Liner Notes als „zwei Bläser französischer Herkunft und eine deutsche Rhythmusgruppe, glücklich vereint in der Musik“. So ist Jazz Goes Baroque auch eine Reflexion darüber, welchen Weg der europäische Jazz zurückgelegt hat. Indem es die Hörerinnen und Hörer dazu anregt, zurückzugehen und sich das Ursprungs-Album aus dem Jahr 1964 anzuhören, erinnert die Fassung von 2026 daran, wie der europäische Jazz im Laufe von sechs Jahrzehnten seine eigene Sprache, sein Erbe und seine Charaktere entwickelt hat. ACT war und ist ein wichtiger Teil dieser Geschichte - und Bernd Lhotzky hat ein weiteres überraschendes, brillant umgesetztes und freudvolles Kapitel darin geschrieben.


Credits
All arrangements by Bernd Lhotzky
Live recorded on 25 September 2025 at the Berlin Philharmonie
Recorded by Klaus Scheuermann
Mixed and mastered by Klaus Scheuermann
Produced by Siggi Loch
Cover art by Edi Rama, Untitled, 2016
Courtesy of Marian Goodman Gallery
Design by Siggi Loch

ACT-Reihen: Jazz at Berlin Philharmonic
Regionen: Mitteleuropa
Herstellerinfo

ACT Music + Vision GmbH & Co.KG
Hardenbergstr. 9
D-10623 Berlin

Phone: + 49 - (0) 30 310 180 10
E-Mail: info@actmusic.com

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Jazz at Berlin Philharmonic

Iiro Rantala, Stefano Bollani: Jazz at Berlin Philharmonic XV / Testpressung
Limitierte Testpressungen des Albums von Iiro Rantala, Stefano Bollani.Album: Jazz at Berlin Philharmonic XV Release Datum: 28.03.2025Diese Testpressungen wurden verwendet, um die höchste Audioqualität vor der Massenproduktion sicherzustellen. Unser Vinyl Testpressung-Paket beinhaltet:1 Bio-Vinyl-Testpressung in der originalen weißen Schutzhülle. Eine schön gestaltete Karte mit handgeschriebenen Schlüsseldetails zur Veröffentlichung, wie Künstlernamen, Albumtitel, Produktionsjahr und Anzahl der Testpressungen. Album-Booklet im PDF-Format. Dieses enthält einen umfassenden Einblick in das Album mit dem Cover-Artwork, einem Text über das Album, der Tracklist, vollständigen Produktions- und Performance-Credits sowie Details zur Instrumentierung.Echtheitszertifikat der Testpressung Dieses Zertifikat bestätigt die Echtheit der Testpressung, die im Rahmen des Qualitätskontrollprozesses vor der finalen Vinylpressung hergestellt wurde. Testpressungen werden nur in begrenzter Stückzahl produziert, um höchste Klangtreue und Fertigungsqualität zu gewährleisten. Jede Testpressung wird sorgfältig geprüft und von unserem Team freigegeben, bevor die Produktion fortgesetzt wird. Dieses Dokument dient als Nachweis für ihre Authentizität und Einzigartigkeit. Zur offiziellen Bestätigung trägt dieses Zertifikat den Firmenstempel. Hinweis: Eine Testpressung ist eine Vorabversion der Vinylplatte, die zur Überprüfung der Pressqualität vor der Serienproduktion verwendet wird. Die Audioqualität kann leicht von der finalen Version abweichen und kleine Unregelmäßigkeiten aufweisen, die Teil des Testprozesses sind. Sie besitzt historischen Wert als Bestandteil des Produktionsprozesses.

120,00 €*
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Jazz At Berlin Philharmonic I
Jazz At Berlin Philharmonic - Jazz At Berlin Philharmonic ICD / digitaliiro rantala, michael wollny & leszek możdżer / piano & Fender Rhodes (on 06 & 08)Die Rückkehr einer Legende:Der berühmt-berüchtigte amerikanische Jazz-Impressario Norman Grantz (1918 – 2001) hatte 1944 eine Vision: Die Einzigartigkeit und Kunstfertigkeit der improvisierten Musik mitten in der Gesellschaft verankern, den Musikern die Würde und Anerkennung zu Teil werden lassen, die ihnen zusteht, und durch die Kombination verschiedenerer Stilrichtungen und Spielhaltungen, spontan in ungewohnten Besetzungen, Neues entstehen lassen. Es konnte nur einen idealen Ort für dieses Vorhaben geben - einen klassischen Konzertsaal: „Jazz at the Philharmonic“ war geboren. 20 Jahre lang hatte Grantz Konzertreihe, die später auch auf Reisen ging, einen großartigen Erfolg beim Publikum. Er stellte die prominentesten Jazzmusiker der Epoche vor, etwa Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Oscar Peterson und Lester Young. Der Jazz wurde sophisticated. Jazz at Berlin Philharmonic: Die neue Konzertreihe im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin greift Norman Grantz bahnbrechende Idee auf. Das dem Jazz mehr Aufmerksamkeit zusteht, davon war die Stiftung Berliner Philharmoniker überzeugt, als ACT-Inhaber Siggi Loch sich der „Jazz at the Philharmonic“-Konzertreihe erinnerte und solch ein Konzept für Berlin vorschlug. Und bei der Premiere von „Jazz at Berlin Philharmonic“ am 11. Dezember 2012 zeigte sich gleich: Der Jazz ist ein gern gesehener Gast. Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte war der Kammermusiksaal bei einem Jazz-Konzert mit 1200 Besuchern restlos ausverkauft. 3 Pianisten - Iiro Rantala, Leszek Możdżer und Michael Wollny - bewiesen solo, in Duos und im Trio, dass der Jazz verrostete Schubladen, die zwischen E und U Musik trennen, sprengen kann. Sie führten einem vorwiegend klassisch orientierten Publikum plastisch vor, dass Klassik und Jazz alles andere als Gegensätze sind. Ein Ereignis „mit Seltenheitswert für Berlin“ schrieb der Tagesspiegel und das ZDF urteilte: „Das war großartig, um nicht zu sagen: Weltklasse". Der Live-Mitschnitt “Jazz at Berlin Philharmonic I” liefert Zeugnis davon ab, was passieren kann, wenn Musiker in ungewohnten Konstellationen aufeinandertreffen, die so bislang noch niemals miteinander aufgetreten sind. Rantala, Wollny und Możdżer gelangen eine Sternstunde, bei der sich „Jazz und Klassik auf Augenhöhe“ begegneten (Tagesspiegel). Kein Wunder, sind doch alle drei stilistische Grenzgänger. Michael Wollny, das immer noch erst 34-jährige Aushängeschild des jungen deutschen Jazz, holt sich seine Inspiration ebenso von Schubert oder Mahler wie von Björk oder Kraftwerk. Was sich dann zu wuchtigen Meisterwerken rundet wie „Hexentanz“, dem Solo-Stück Wollnys auf diesem Album, einem chromatisch wogenden, harmonisch funkelnden und rhythmisch alles mitreißenden Füllhorn seiner unerreichten individuellen Ausdruckskraft. Der Pole Leszek Możdżer kommt von seiner Ausbildung her explizit aus der Klassik, für ihn ist der Austausch zwischen den wichtigsten Strömungen der Kunstmusik ohnehin selbstverständlich, wie sein impressionistisches Solo „Incognitor“ belegt. Wie man im Duett „Suffering“ hören kann, ist der Finne Iiro Rantala ein Geistes- und Seelenverwandter. Der aktuelle Echo Jazz-Preisträger im internationalen Klavierfach steht mit an der Spitze der innovativen Eklektiker, die an die alte Jazztradition anknüpfen, die großen Erfinder der Klaviermusik zu studieren, zu verehren und für eigene Ideen zu verwenden. Es ist so gesehen logisch, dass die Aufnahme mit ihm beginnt: Mit Rantalas Version der Aria und der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, dem Ausgangs- und Endpunkt jeder swingenden und improvisierenden Musik, hier vorbildlich behutsam in die Gegenwart überführt. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass er und Wollny mit „Tears For Esbjörn“ folgen, der ergreifenden Hommage an einen der einflussreichsten Jazzpianisten der letzten 20 Jahre, dem 2008 verstorbenen Esbjörn Svensson. Ohnehin sind es die überwältigenden Duette, die klar machen, dass alle drei im Zusammenspiel die gleiche Qualität haben wie als Solisten. Schließlich haben alle zunächst in Bands Karriere gemacht, Wollny mit seinem Trio [em], Rantala mit dem Trio Töykeät, und Możdżer in diversen Besetzungen, zum Beispiel an der Seite von Lars Danielsson. Wie sie bei „Jazz At Berlin Philharmonic“ am Schluss alle zusammen bei Chick Coreas „Armando‘s Rumba“ loslegen, bleibt erwartungsgemäß kein Auge trocken. Und doch ist selbst bei dieser tosenden, hochvirtuosen Latin Party ein klassisches Fundament herauszuhören. Und spätestens nach dem „fulminanten Start“ (Tagesspiegel) der ersten „Jazz At Berlin Philharmonic“-Ausgabe war klar, dass weitere folgen müssen. Am 25. März treffen sich die Pianisten Joachim Kühn und Yaron Herman mit Michel Portal an der Bassklarinette und dem Geiger Adam Baldych zu einem Abenteuer der freien Improvisation, des musikalischen Dialogs ohne Netz und doppelten Boden. Norman Grantz hätte seine Freude daran gehabt. Credits: Recorded live in concert at the Berlin Philharmonic (Kammermusiksaal), December 11, 2012 Recorded, mixed and mastered by Walter Quintus Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker in cooperation with ACT Produced by Siggi LochACT would like to thank: Sir Simon Rattle, Martin Hoffmann and Alfred Brendel.

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic II: Norwegian Woods
Jazz at Berlin Philharmonic- Jazz at Berlin Philharmonic II: Norwegian WoodsCD / digital Solveig Slettahjell vocals Bugge Wesseltoft piano & synths (except 2 & 5) Knut Reiersrud guitars & harmonica In The Country: Morten Qvenild piano & synths (except 4 - 6) Roger Arntzen bass Pål Hausken drums Eine Bluesgitarre führt die Melodie ein, verhalten, elegisch, aber doch verspielt und energiegeladen; eine klare Frauenstimme übernimmt, deren Kraft durch die eigentümliche Ruhe des Gesangs noch potenziert wird; ein Klavier versammelt das Thema noch einmal, bevor es von allen plus einem dazu stoßenden Trio durch eine mächtige dynamische Schleife geführt wird, bis es am Schluss fast ins Nichts ausklingt. „Ingen Vinner Frem Til Den Evige Ro“ heißt das alte norwegische Kirchenlied, das Knut Reiersrud, Solveig Slettahjell, Bugge Wesseltoft, Morten Qvenild und sein Trio In The Country am 11. März 2014 im ausverkauften Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie so faszinierend in eine moderne nordische Hymne verwandelten. Es war wieder einer dieser magischen Momente, welche die 2012 ins Leben gerufene und von Siggi Loch kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ so sicher generiert. Einmalige Abende sollen es jeweils werden: durch thematische Konzentration, vor allem aber durch spannende, oft erstmalige Begegnungen von herausragenden Musikern. Wie schon beim, ebenfalls auf CD dokumentierten, Auftakt im Dezember 2012 mit dem zaubernden Pianisten-Trio Michael Wollny, Leszek Możdżer und Iiro Rantala oder eben auch beim hier dokumentierten vierten Abend unter dem Motto „Norwegian Woods“. Die Aufnahmen waren nur als Dokumentation und für Rundfunkzwecke gemacht worden aber das musikalische Ergebnis war so überzeugend, dass die beteiligten Künstler selbst eine CD-Veröffentlichung wünschten. Lediglich die Beiträge von Mathias Eick konnten aus rechtlichen Gründen letztlich nicht verwendet werden. Der Mitschnitt veranschaulicht nicht nur beim eingangs beschriebenen Einstieg, wie unter einem Brennglas, auf welche Weise ein Land mit gerade einmal fünf Millionen Einwohnern zum Epizentrum des europäischen Jazz werden sowie über einer der spannendsten Jazzszenen der Welt verfügen kann. Und das weit abseits der alten Zentren des Jazz. Zum einen liegt es an der Besinnung auf die eigenen Wurzeln, also auf die norwegische Volksmusik und Klassik von Johann Nesenus bis Edvard Grieg. Anfangs gar nicht einmal freiwillig – das Land der Fjorde lag einfach zu weit ab von den Tour-Routen amerikanischer Jazzer – half sie, ein eigenes Vokabular zu entwickeln, den typischen „nordic sound“, wie ihn Jan Garbarek und andere Anfang der Siebziger populär machten und wie er noch heute quasi zur DNA des norwegischen Jazz gehört. Der zweite Schlüssel des Erfolgs ist eine nahezu bedingungslose Aufgeschlossenheit für Einflüsse aller Art: In der überschaubaren norwegischen Musikszene arbeiten Jazzer ohne Scheu mit klassischen Musikern und Kollegen von Pop und Rock zusammen, was auch beim „Norwegian Woods“-Stelldichein mit bezwingenden Ergebnissen zu bewundern war. Natürlichkeit und lyrische Sammlung einerseits, kraftvolle Eruptionen und kunstvoller Ausdruck andererseits zeichnen die Stimme des musikalischen Fixpunktes des Abends aus, jene von Solveig Slettahjell. All das und mehr setzt die Erfinderin der gesanglichen Entschleunigung und Verwesentlichung bei ihrer Version von Tom Waits „Take It With Me“ ein. Unterstützt wird sie dabei von ihrem langjährigen Partner vom Slettahjells Slow Motion Quintet, Morton Qvenild. Der geniale Universalist des jungen norwegischen Jazz hat von Pop bis Metal schon alles ausprobiert. Seit 2003 aber spielt sein Trio In The Country mit Drummer Pål Hausken und dem Bassisten Roger Arntzen unangefochten die Hauptrolle. Die hier erprobten Gestaltungsprinzipien - Soundscapes wachsen zu fein differenzierten Dialogen, mächtige Klangdome münden in pastellenen Kammerjazz oder elektronisch verzierte Hörbilder – kommen bei „Norwegian Woods“ insbesondere bei „Can I Come Home Now“ zur Geltung. Der soeben 50 gewordene Pianist Bugge Wesseltoft, einer der Wegbereiter der jungen norwegischen Jazz-Generation, repräsentiert die wichtigsten beiden Stränge des modernen norwegischen Jazz. Beides datiert auf das Jahr 1997: Einerseits brachte Wesseltoft mit „It’s Snowing On My Piano“ seine kontemplative Seite und damit den elegischen norwegischen Jazz auf einer radikal reduzierten, zeitlosen Solo-Piano-Weihnachtsplatte (bis heute mit über 120.000 Einheiten das meistverkaufte ACT-Album überhaupt) zur Vollendung. Gleichzeitig wandte er sich mit „New Conception of Jazz“ der Elektronik zu, mit dem wegweisenden neuen Ansatz, aktuelle Pop-Elemente von Deep House, Ambient Music, Drum’n’Bass, Big Beat bis zu Soul und Funk aufzunehmen. Wie spannend er bis heute beides weiterentwickelt, führt er bei „Norwegian Woods“ unter anderem mit dem lyrischen Solo „Chicken Feathers“ und der effektvoll schillernden Jam-Version von John Hiatts Rock-Klassiker „Have A Little Faith“ vor. Und schließlich ist da noch der Gitarrist Knut Reiersrud, der älteste, am weitesten gereiste und doch bei uns unbekannteste Musiker dieser JABP-Ausgabe. Sein Kraftfeld ist der Blues, in den er mit 18 in den USA von Buddy Guy und Otis Rush eigeführt wurde. Seitdem spielte er mit Stars wie Dr. John, Joe Cocker, Stevie Ray Vaughn oder den Five Blind Boys of Alabama. Doch wäre Reiersrud kein Norweger, dann hätte er neben dem amerikanischen Blueserbe auch nicht diese Sehnsucht nach den eigenen heimatlichen Klangtraditionen sowie diese, durch Aufenthalte in Afrika, Indien, Nepal oder Iran beförderte, unstillbare Neugier auf andere Sphären. Sein JABP-Solo „Jargo“ ist das beste Beispiel dafür. Die norwegischen Individualisten präsentieren sich bei diesem in der Tat einmaligen Abend als starke Gruppe und ihr Land immer noch als Speerspitze des europäischen Jazz. Dieser hat sich schon lange vom Mutterland USA emanzipiert und entscheidende Entwicklungen in Gang gesetzt. Credits: Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie (KMS) Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker Recorded, mixed, edited and mastered by Klaus Scheuermann

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic III
Jazz at Berlin Philharmonic - Jazz at Berlin Philharmonic IIICD / digital Leszek Możdżer piano Lars Danielsson bass & cello Zohar Fresco percussion Atom String Quartet: Dawid Lubowicz violin Mateusz Smoczyński violin Michał Zaborski viola Krzysztof Lenczowski cello Jazz bedeutet, die Dinge immer zum ersten Mal zu machen: Auch die Konzertprogramme von „Jazz at Berlin Philharmonic“ sind diesem Credo verpflichtet. Einzigartig, überraschend und mit offenem Ausgang erklingen im Kammermusiksaal bisher ungehörte Musikerkombinationen und Grenzen überschreitende Projekte. Nicht zuletzt deshalb sind die seit November 2012 stattfindenden und fast immer ausverkauften Konzerte Highlights in der Berliner Musiklandschaft. Am 7. Mai 2014 machte sich „Jazz at Berlin Philharmonic“ zu einer musikalischen Reise in den Osten, in die Jazz-Hochburg Polen, auf. Spricht man vom aktuellen polnischen Jazz, dann kommt man an Leszek Możdżer nicht vorbei. Der 1971 geborene Tastenvirtuose ist in seiner Heimat ein Popstar des Jazz, seine Alben sind durchweg in den polnischen Charts zuhause und verdrängen, wie „Komeda“ 2011, schon mal Sting oder Beyoncé von der Spitze. Możdżers Musik ist tief in der polnischen Musiktradition verwurzelt, aber zugleich auch Aufbruch zu neuen Ufern. In seinem Spiel versöhnt er das Leichte mit dem Schweren. Bei ihm ist alles drin: Klassik, Jazz und Pop. Alles durchdrungen, sich befruchtend: Eine klassische Klavier-Ausbildung ist die Basis, um mit virtuoser Technik eigene Klangwelten zu erforschen. Chopin, der Nationalheld der polnischen Musik, ist bei ihm stets eingewoben. Aber auch moderne polnische Komponisten bis in den Pop hinein inspirieren ihn, ein Witold Lutosławski etwa, der komplexe sinfonische Werke ebenso schrieb wie publikumswirksame „Hits“. Oder ein Krzysztof Komeda, der Begründer einer eigenwillig lyrischen, genuin polnischen Klangsprache im Jazz. Ohne Możdżers musikalische Freunde wäre der Konzertabend nur die Hälfte wert gewesen: Im Duo mit dem schwedischen Bassisten und Cellisten Lars Danielsson oder erweitert zum Trio mit dem israelischen Perkussionisten Zohar Fresco gehen Virtuosität und Musikalität Hand in Hand. Zwei Seelenverwandte, mit denen Możdżer seit nunmehr 10 Jahren eng zusammenarbeitet. Mit dem Atom String Quartet treffen die drei erstmals auf ein Streichquartett, wie es weltweit einmalig ist und das internationalen Vorgängern wie dem amerikanischen Kronos Quartet in nichts nachsteht. Herausragende klassische Technik und stupendes Improvisationstalent ermöglichen diesen vier, ihre Instrumente mit bislang ungekannter Bandbreite zu nutzen. Aus dem Zusammentreffen dieser hochkarätigen Ausnahmemusiker entstehen abwechslungsreiche und dabei stets spannungsgeladene Klanggeflechte: Sind es bei „Praying“, einer bereits auf dem Duo-Album „Pasodoble“ enthaltenen Komposition, die intimen Dialoge zwischen Możdżer und Danielsson, die rhythmische Energie bei „Gsharim“ oder das farbenreiche Wechselspiel zwischen Klavier und Streichern bei „Love Pastas“. Gemeinsam zaubern Leszek Możdżer & Friends, die Protagonisten im ausverkauften Kammermusiksaal, einen umjubelten Konzertabend aufs Parkett, der abermals zeigt, dass die Melange aus Jazz, Klassik und Volksmusik wichtige Impulse für die Zukunft des europäischen Jazz liefert - und Polen hier mit Możdżer am Klavier gehörig seine Finger im Spiel hat.Credits: Produced by Siggi Loch & Leszek Możdżer Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie (KMS) by Klaus Scheuermann and Piotr Taraszkiewicz Mixed and mastered by Grzegorz Czachor and Klaus Scheuermann. Additional mixing by Marek Heimbürger

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic IV - Accordion Night
Jazz at Berlin Philharmonic - Jazz at Berlin Philharmonic IV - Accordion NightCD / digital Klaus Paier accordion Asja Valcic cello Régis Gizavo accordion & vocals Nguyên Lê guitar Stian Carstensen accordion Adam Bałdych violin Vincent Peirani accordion Emile Parisien soprano saxophone Bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ ist das Programm der Star. Bei der stets ausverkauften Konzertreihe im Kammermusiksaal geht es Kurator und Produzent Siggi Loch darum, bisher ungehörte Musikerkonstellationen unter einem thematischen Fokus zusammenzustellen. Am 13. Februar 2015 stand das Akkordeon im Rampenlicht: Von der Musette in Paris über die Schrammelmusik in Wien und der Sinti- und Roma-Musik aus den Balkanstaaten bis hin zum Tango in Buenos Aires. Das Akkordeon ist vor allem in der populären Musik beliebt, ein gern gesehener Begleiter in der Haus- und Volksmusik, das „Orchester des kleinen Mannes“. In der Klassik und auch im Jazz ist es aber bis heute immer noch ein Exot, auch wenn die Crossover- und Weltmusikwelle ab Anfang der 80er Jahre das Instrument stärker in den Fokus rückte. Vor allem der Argentinier Astor Piazolla mit seinem Tango Nuevo und, auf Seiten des Jazz, dessen Schüler, der Franzose Richard Galliano, machten das Akkordeon hoffähig und ließen es in die sogenannte Hochkultur aufsteigen. Die Entwicklung des europäischen Jazz der letzten zwei Dekaden gab dem Instrument einen festen Platz, suchte er doch vor allem nach einer eigenen Identität durch die Verschmelzung mit der länderspezifischen traditionellen Musik. Dass das Akkordeon bis heute trotzdem noch ein zu Unrecht oft verkanntes Instrument ist, verdeutlicht eine Anekdote von Vincent Peirani, der heute das Instrument „virtuos modernisiert“ (3sat Kulturzeit): „Ich wollte als Kind immer Schlagzeug lernen, das Akkordeon war ein Instrument für Großeltern, aber mein Vater hat mich dazu gezwungen […] Als ich Mendelssohn und Bach darauf spielen gelernt habe, da habe ich erst die Vielseitigkeit des Instruments kapiert und dann habe ich es adoptiert oder es mich…“ Es sind diese Klangvielfalt, der Facettenreichtum und die musikalischen Entfaltungs-möglichkeiten die „Jazz at Berlin Philharmonic IV“ präsentiert. Unter den Fingern von vier weltweit gefeierten Protagonisten wurde das Akkordeon im ausverkauften Kammermusiksaal zur Wunderkiste: Vincent Peirani aus Frankreich, der Österreicher Klaus Paier, Stian Carstensen aus Norwegen und Régis Gizavo aus Madagaskar. Der klassisch ausgebildete Klaus Paier ist ein abenteuerlustiger Klangraumforscher, der mit seiner langjährigen Duopartnerin, ebenfalls aus der abendländischen Kunstmusik kommenden, Asja Valcic am Cello mitreißend arrangierte Grenzgänge zwischen Jazz, Klassik, Musette und Weltmusik, kurz: „Eurojazz vom Besten“ (Der Spiegel) entstehen lässt. Bei Jazz at Berlin Philharmonic zaubern sie einen wilden Tango Nuevo („Tango Loco“) aufs Parkett. „Peirani kann am Akkordeon fast alles“, stellte die FAZ unlängst fest. Die Entdeckung des Jahres 2014 in Frankreich (Victoire du Jazz) gilt laut Fono Forum als „Jahrhunderttalent“ und großer Erneuerer seines Instruments. Mit seinem Alter Ego, Emile Parisien, bildet er ein Traumpaar, das unlängst mit dem ECHO Jazz 2015 für die beste internationale Ensemble-Leistung (für das Album „Belle Époque“) ausgezeichnet wurde. "Connecting the unexpected" - überraschende, nicht selbstverständliche künstlerische Begegnungen können magische Momente entstehen lassen: An diesem Abend initiierte Siggi Loch zwei Duos, die erstmals aufeinandertrafen: Der Hansdampf in allen Genres, Stian Carstensen, bekannt aus seiner multistilistischen Paradeband „Farmers Market“ trifft auf den polnischen Geigen-Wizard Adam Bałdych. Mit zwei Stücken zeichnet er auf „Jazz at Berlin Philharmonic IV“ ein musikalisches Bild seiner skandinavischen Heimat. Régis Gizavo ist ein Exot am Akkordeon, als einziger der vier ein Autodidakt und ohne klassische Ausbildung. Sein Handwerk hat er auf den Straßen Madagaskars gelernt, bei Feiern seines Dorfes und in Kneipen. Gizavo schnappte alles auf, was ihm zu Ohren kam, von der heimischen Volksmusik bis zu portugiesischen und südafrikanischen Klängen, vor allem durch die Radiosender des benachbarten Mosambik. Mit Nguyên Lê, seitjeher eine Gallionsfigur für weltmusikalische Klänge und ein musikalischer Wanderer zwischen Europa, Asien und Afrika, findet er den perfekten Partner an seiner Seite. So virtuos und eigenwillig erweitert haben traditionelle madagassische Klänge noch nie geklungen. Den krönenden Abschluss der „Accordion Night“ bildet Astor Piazollas „Libertango“, das Paradestück für Akkordeonisten schlechthin. Von allen Künstlern zusammen interpretiert, hat man diesen ewigen Klassiker in dieser Besetzung sicher noch nie gehört. Und so findet erneut ein denkwürdiger und umjubelter „Jazz at Berlin Philharmonic“-Konzertabend ein fulminantes Ende.Credits: Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie (KMS), February 13, 2015 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker Produced & curated by Siggi Loch

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic IX: Pannonica
Jazz at Berlin Philharmonic IX: PannonicaCD / digital Iiro Rantala piano & leader Dan Berglund bass Anton Eger drums Angelika Niescier alto saxophone Ernie Watts tenor saxophone Charenée Wade vocals Manchmal sind es nur Momente, die ein Leben für immer verändern. So auch jenes der jüdischen Baroness und Millionenerbin Pannonica (Nica) de Koenigswarter (1913 - 1988), geborene Rothschild. Als diese auf einer Reise nach New York Thelonious Monks „Round Midnight“ hört, ist sie derart gefangen von der Musik, dass sie Anfang der 50er Jahre ihre europäische Heimat und all den Glamour ihres bisherigen Daseins zurücklässt und zu einer der größten Förderinnen des amerikanischen Jazz wird. Auch das Leben des Musikproduzenten Siggi Loch nahm durch ein solches Erweckungserlebnis eine entscheidende Wende: Im Alter von nur 15 Jahren hört er ein Konzert von Sidney Bechet und beschließt, sein Leben fortan dem Jazz zu widmen. Ein Entschluss, der, besonders seit der Gründung von ACT 1992, tiefe Fußspuren in der europäischen Geschichte dieser Musik hinterlassen hat. Es ist diese Seelenverwandtschaft, die Siggi Loch dazu animierte, Pannonica am 6. Februar 2019, dreißig Jahre nach ihrem Tod, einen ganzen Abend in der seit 2012 von ihm kuratierten Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ zu widmen. Im Mittelpunkt stehen Stücke von Musikern, welche die „Jazz-Baronin“ über viele Jahre mit Geld, Unterkunft, Rat und Freundschaft unterstützt hat und die ihr oft zum Dank eigene Kompositionen widmeten: Thelonious Monk, Horace Silver, Bud Powell und Sonny Rollins. Musiker aus fünf Nationen wirkten an dem Abend mit: Die Leitung übernahm der finnische Pianist Iiro Rantala, ein Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne. Er bildet zusammen mit Bassist Dan Berglund aus Schweden und dem norwegischen Schlagzeuger Anton Eger das musikalische Fundament. Dazu kommen drei herausragende Solisten: Der amerikanische Saxofonist Ernie Watts, der selbst noch mit Thelonious Monk auf der Bühne stand, die deutsche Saxofonistin Angelika Niescier und die New Yorker Sängerin Charenée Wade. Zusammen legen sie eindrucksvoll Zeugnis davon ab, dass Momente nicht nur Biografien verändern können, sondern auch die Kraft haben, Kontinente, Kulturen und Zeiten zu überstrahlen.Credits: Recorded live in concert by Klaus Scheuermann, at the Berlin Philharmonie (KMS), February 6, 2019 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Produced by Siggi Loch

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic V: Lost Hero - Tears for Esbjörn
Jazz at Berlin Philharmonic V - Lost Hero - Tears for EsbjörnCD / digital Iiro Rantala piano Viktoria Tolstoy vocals Ulf Wakenius guitar Lars Danielsson bass Morten Lund drums Der 2008 bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommene Schwede Esbjörn Svensson hat mit seiner Musik den europäischen Jazz der letzten 15 Jahre entscheidend geprägt. Der Form des Klaviertrios, der klassischsten aller Jazz-Besetzungen, hat er neues Leben eingehaucht, indem er es wie eine Rockband betrachtete: Vom Erscheinungsbild, über den Zusammenhalt als feste, ganz auf ihr Projekt konzentrierte Gruppe bis zur musikalischen Formel: genial einfachen Melodien durch schleifenförmige dynamische Varianz eine sogartige Wirkung zu verleihen. Konsequenterweise ist Svensson so zum Popstar des Jazz geworden. Zahllose Bands haben die Grundmuster von e.s.t., des Esbjörn Svensson Trios, übernommen, und von Svenssons stilübergreifenden Ansatz sind heute zahlreiche zeitgenössische europäische Jazzpianisten beeinflusst. Auch der finnische Pianist Iiro Rantala zählt Svensson zu seinen Inspirationen, hat aber freilich technisch wie kompositorisch seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Dazu gehört eine ausgeprägte Kunst der musikalischen Heldenverehrung, Diese beweist er aktuell mit der John Lennon-Jazz-Hommage „My Working Class Hero“. Begonnen aber hat diese Vorliebe bereits 2011, mit seinem ACT Debüt „Lost Heroes“. Auf diesem unter anderem mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik und dem ECHO Jazz ausgezeichneten Solopiano-Album zollt er seinen persönlichen musikalischen Vorbildern von Jean Sibelius über Bill Evans und Michel Petrucciani bis hin zu Luciano Pavarotti Tribut. Und eben auch seinem schwedischen Kollegen Esbjörn Svensson mit der ergreifenden Komposition „Tears For Esbjörn“. Aus einem Stück hat sich nun ein ganzer Konzertabend entwickelt und Iiro Rantala hat prominente Musiker-Unterstützung bekommen: Am 1. Oktober erinnerte „Jazz at Berlin Philharmonic“ in einem umjubelten aber auch sentimentalen Konzert an den „verlorenen Held“, Esbjörn Svensson. Alle Musiker dieses Konzertabends stehen in Svenssons Fußstapfen, was die Überwindung der Genregrenzen angeht. Sogar eine Weggefährtin war die Sängerin Viktoria Tolstoy, die man mit einigem Recht Esbjörn Svenssons Stimme nennen könnte. Neben Nils Landgren war sie die einzige, für die Svensson das Diktum brach, sich ganz auf e.s.t. zu konzentrieren. Schon 1997 nahm er die damals 22-Jährige für ihr Debüt „White Russian“ unter seine Fittiche, schrieb mit ihr die melodiösen Pop-Jazz-Songs und produzierte das Album; e.s.t. wurde Tolstoys Begleittrio und ging mit ihr auch auf ihre erste große Tour durch Deutschland. Und noch für ihr ACT-Debüt „Shining On You“ 2004 schrieb und arrangierte Svensson alle Stücke und übernahm für die Aufnahme (unter dem Pseudonym Bror Falk) den Klavierpart. Auch der Gitarrist Ulf Wakenius hat eine besondere Beziehung zu Svensson: Als großer Bewunderer seines Landsmanns hat er schon 2008 als erster ein komplettes Hommage-Album mit dessen Musik eingespielt. Die letzten zwei der All-Star-Besetzung des Abends wiederum waren bereits Rantalas Begleiter auf „My History of Jazz“ und sind auch mit allen anderen Beteiligten über Kreuz verbandelt. Einmal Lars Danielsson, die ragende Gestalt unter den europäischen Jazz-Bassisten und -Cellisten; und schließlich der dänische Schlagzeuger Morten Lund, der schon bei gut 60 Alben zahlreicher internationaler Stars oder auch Mitgliedern der ACT-Musikerfamilie von Cæcilie Norby bis zu Adam Bałdych oder eben Rantala beteiligt war. In wechselnden Besetzungen, Stimmungen und Interpretationsansätzen widmen sich Rantala und seine Mitstreiter hier nun einigen der bekanntesten e.s.t.-Stücken, die inzwischen Eingang in das Great European Songbook gefunden haben: Vom ersten e.s.t. Hit, dem „nordisch“ verhangenen „From Gagarins Point Of View“ über das dramatische, als modernes Improvisationsstück und reines Gitarrentrio angelegte „Seven Days Of Falling“ bis hin zum alles mitreißenden „Dodge The Dodo“, das seinerzeit eine Art Erkennungsmelodie der e.s.t.-Konzerte war. Quasi als Prolog ist mit „Tears For Esbjörn“ Rantalas titelgebende Komposition, hier im Trio mit Danielsson und Wakenius interpretiert, vorangestellt. Und als Epilog erklingt „Imagine“ von John Lennon, dessen optimistische Utopie man hier auch auf die verbindende Kraft von Esbjörn Svenssons Werk beziehen darf. Und dann ist da natürlich noch „Love Is Real“, Svenssons wohl emotionalstes, bereits zum Jazz-Standard gewordenes Stück. Von Tolstoy berührend gesungen, darf sich der Albumtitel „Tears for Esbjörn“ hier beim Publikum erfüllen. Niemand braucht sich da zu schämen, Tränen der Trauer über den unersetzlichen Verlust Svenssons zu vergießen. Und Tränen der Freude über die Musik, die er uns hinterlassen hat.Credits: Curated, produced by Siggi Loch Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie, (KMS), October 1, 2015 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic VI: Celtic Roots
Jazz at Berlin Philharmonic - Jazz at Berlin Philharmonic VI: Celtic RootsCD / digital Knut Reiersrud guitars, Weissenborn lap steel & harmonica Ale Möller mandola, trumpet, shawm (“skalmeja”), overtone flutes, hammered dulcimer & harmonium Fraser Fifield soprano sax, low whistle & Scottish border pipes Tuva Syvertsen vocals, Hardanger fiddle & harmonium Aly Bain fiddle Eric Bibb vocals & guitar Olle Linder percussion & double bass Keltische Stilkreuzung Von Anfang an hat sich die von ACT-Inhaber Siggi Loch erfundene und kuratierte Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ zum Ziel gesetzt, die Entwicklung vor allem des europäischen Jazz in den vergangenen Jahren zu spiegeln. Jedes Konzert führt dabei Musiker in neuen Konstellationen zusammen, die sich einem Motto widmen – was immer einen besonderen, einmaligen Abend ergibt. Dass aus dem Wagnis inzwischen „ein Erfolgsformat geworden ist, das einem Sternstunden beschert“, wie der RBB befand, bezeugen nicht nur viele ähnlich euphorische Pressestimmen, sondern auch die stets ausverkauften Konzerte. Und ein weiterer Beleg ist die sechste CD, die diese Reihe dokumentiert: „Celtic Roots“. Die Suche nach den Spuren, die die keltische Musik auf ihrem Weg über die europäische Musik in den Jazz hinterlassen hat, ist das Thema des Abends. Hat sich doch nicht erst mit dem Aufkommen der Ethno- und Weltmusik ein enormes Spektrum moderner keltischer Musik ergeben. Schon lange vor dem „folkloristic turn“ wurde der Jazz von keltischer Musik beeinflusst: Nach den Auswanderungswellen aus Irland und Schottland im 19. Jahrhundert fanden ihre Elemente Eingang in die Entstehungsgeschichte des amerikanischen Country und Blues, vor allem in den amerikanischen Südstaaten, später aber auch in New York. Auf diese Fährten begaben sich bei „Jazz at Berlin Philharmonic“ mehrheitlich Musiker, die sich eher nicht dem Jazz zurechnen. Dass „Celtic Roots“ unter der Federführung skandinavischer Musiker das Licht der Welt erblickte, ist kein Zufall. Gehört doch die (Wieder-)Entdeckung und Verarbeitung erst der eigenen, dann anderer Volksmusik zur DNA ihrer jüngeren Musikgeschichte. So auch beim norwegischen Gitarristen Knut Reiersrud, dem die künstlerische Leitung oblag. Seit ihn seine Helden Buddy Guy und Muddy Waters mit 18 persönlich nach Chicago einluden, reist er als Bluesgitarrist von Weltrang, aber mit offenem Blick für alle Arten der Musik, durch die Welt. Dabei hat er nicht nur zehn Saiteninstrumente von der Mandoline bis zur Oud erlernt, er hat auch die Musik seiner Stationen von Indien, Nepal oder dem Iran bis nach Afrika in seinen eigenen Mix aus norwegischer Volksmusik und klassischem Delta Blues importiert. Seine Neugier und stilistische Offenheit wurde nun zum Leitpfad für seine Begleiter bei „Celtic Roots“. Da ist zunächst der schwedische Multiinstrumentalist Ale Möller, der nach Ausflügen in die griechische und andere Weltmusik heute als einer der besten Interpreten schwedischer Volksmusik gilt. Seit Jahren in einem Trio mit Ale Möller und schon deswegen eine logische Besetzung für „Celtic Roots“ ist der schottische Fiddle-Spieler Aly Bain. Als Saxofonist nahezu zwangsläufig der einzige „richtige“ Jazzer des Abends ist der Schotte Fraser Fifield. Er ist aber nicht nur Holzbläser, sondern auch ein Piper, wie in Schottland nicht nur Flötisten oder Sackpfeifenspieler, sondern vor allem Dudelsack-Bläser heißen. Diese Kombination aus nationaler Spezialität und universeller Klangsprache hat Fifield zu einem Solitär gemacht, der in der Folkwelt ebenso zu Hause ist wie bei Jazzfestivals und in den Clubs und Konzertsälen von New York über Buenos Aires bis Mumbai. Solche Reiseziele kennt auch der Singer/Songwriter und Bluesgitarrist Eric Bibb, der vielleicht bekannteste Name dieses „Jazz at Berlin Philharmonic“-Abends. Der Neffe des weltberühmten Jazzpianisten John Lewis ist ein Grammy-nominierter Vertreter des klassischen akustischen, von Gospel, Rhythm & Blues und Soul gespeisten und mit einem eigenen Fingerpicking-Style interpretierten US-Blues - zugleich aber auch Teil des Aufbruchs der schwedischen Weltmusikszene, lebt er doch schon seit vielen Jahren in Stockholm. Eine tragende Rolle bei „Celtic Roots“ kommt auch dem Schweden Olle Linder zu. Ebenfalls ein Multiinstrumentalist ist er hier als Schlagzeuger und Perkussionist der Taktgeber des Abends. Last, but not least darf auch eine weibliche Stimme nicht fehlen. Trotz ihrer erst 33 Jahren ist die Sängerin und Multiinstrumentalistin Tuva Syvertsen bereits ein etabliertes Mitglied der norwegischen Folkszene, wohl am bekanntesten als Frontfrau der „Valkyrian Allstars“. Hört man, wie diese illustre Schar von Ausnahmemusikern, die von Fraser Fifields „Psalm“ am Dudelsack hymnisch eingeführte Tradition Stück für Stück mit Innovation verbinden, wie „Willie Murray’s Reel“ vor allem durch verschiedenste Gitarrensounds eine völlig neue Gestalt gewinnt, wie ein „Lament For The Children“ zu einem vielschichtigen und wechselvollen Improvisationsstück wird, oder wie sich der alte Standard „St. James Infirmary“ durch einen echt keltischen Schlussteil mit völlig neuer Kraft auflädt, dann überträgt sich die Begeisterung des Berliner Publikums sofort auf den Hörer der CD. Und man spürt augenblicklich, dass das Kalkül bei diesem „Jazz at Berlin Philharmonic“ wieder aufgegangen ist: Dass auch die „Celtic Roots“ vom Jazz Spirit der musikalischen Freiheit und des Miteinander-Musizierens durchdrungen sind. Credits: Curated, produced by Siggi Loch Recorded live in concert at the Berlin Philharmonie, March 8, 2016 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Presented by Stiftung Berliner Philharmoniker

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic VII - Piano Night
Jazz at Berlin Philharmonic VII - Piano NightCD / Vinyl / digital Leszek Możdżer piano, Fender Rhodes on Summertime Iiro Rantala piano Michael Wollny piano All three play Fender Rhodes, in turn, on La Fiesta „Drei Männer, drei Flügel, ein Gefühl - Jazz“: So fasste das ZDF heute journal den Pianogipfel vom 31. Mai des vergangenen Jahres im ausverkauften großen Saal der Berliner Philharmonie zusammen, der nun exklusiv auf Vinyl nachzuerleben ist. Und ging hymnisch ins Detail: „Iiro Rantala, Leszek Możdżer, Michael Wollny - jeder Einzelne eine Klasse für sich. Spielen sie zusammen, wird es magisch.“ Ein Erlebnis mit Déjà-vu-Charakter, denn diese drei Größen des Jazzpianos hatten drei Jahre zuvor, im Dezember 2012, bereits den fulminanten Startschuss für die von Siggi Loch kuratierte Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ im berühmten Klassiktempel der Hauptstadt gegeben.Mit Leszek Możdżer, Iiro Rantala und Michael Wollny traten nun also zum zweiten Mal drei herausragende, vielfach preisgekrönte und etablierte Vertreter des europäischen Jazz gemeinsam an. Eine Generation, die ihr Instrument auch klassisch erlernt hat und schon deshalb um die eigene Musiktradition weiß; die auf diesem Weg den Jazz und seine Freiheit kennen und lieben gelernt hat; und die schon wegen ihrer Jugend sozusagen zwangsläufig mit Rock- und Popmusik aufgewachsen ist. Musiker also, die, mit ihren Erfahrungen in allen Genres und Stilen, schlicht „Musik machen“, und dies jenseits spieltechnischer Limits „in the spirit of Jazz“, wie das Credo von ACT lautet.Nach einem guten Dutzend stets ausverkaufter und umjubelter „Jazz at Berlin Philharmonic“-Konzerte, bei denen sie einzeln auch in anderen Konstellationen spielten, war es spannend, zu hören, was sich bei den Dreien seitdem entwickelt hat:Der Finne Iiro Rantala hat nach dem Ende seines 18 Jahre bestehenden, unkonventionellen Trio Töykeät seit 2011 ganz neue Farben in sein Spiel integriert. „Melodien voller Klarheit und Schönheit“, wie es der Stern unlängst festgestellt hat, stehen seitdem im Fokus seiner Kunst. Die beiden Soloalben „Lost Heroes“ (2011) und „My Working Class Hero“ (2015), seine Hommage zum 75. Geburtstag John Lennons, katapultierte ihn endgültig ins internationale Rampenlicht. Die dort bewiesene künstlerische Aufrichtigkeit, der Respekt vor der Kraft der Melodien und die im Solo liegende Freiheit, das alles bringt Rantala auch hier beispielsweise bei seiner Komposition „Freedom“ zusammen.Seine künstlerische Freiheit hat auch Michael Wollny gefunden, nachdem er zehn Jahre hart dafür gearbeitet hatte. Mit „Weltentraum“ (2014) und „Nachtfahrten“ (2015) aber sprach sich allgemein herum, dass es in Deutschland einen einmaligen Pianisten gibt; einen „vollkommenen Klaviermeister“ (FAZ), der für jedes musikalische Theorem eine eigene, stets überraschende Lösung findet. Wie hier im Duo mit Iiro Rantala bei „White Moon“, ein Stück seines frühen Entdeckers und wichtigsten Lehrers Chris Beier.Bleibt das polnische „Phänomen“ (Süddeutsche Zeitung) Leszek Możdżer, der große Romantiker unter den europäischen Jazzpianisten. Seine „filigran schattierte Virtuosität ist faszinierendes Entertainment ohne Konkurrenz im gegenwärtigen Klavier-Handwerk“, stellte die FAZ fest. Możdżers Fähigkeit, das Leichte mit dem Schweren zu kombinieren, exerziert er bei Jazz at Berlin Philharmonic unübertrefflich vor, beim bildhaften, fast filmmusikalischen „She Said She Was A Painter“.Wenn dann beim großen Finale alle drei gemeinsam unwiderstehlich über George Gershwins „Summertime“ und Chick Coreas „La Fiesta“ improvisieren, dann wird der Geist beschworen, der die „Jazz at Berlin Philharmonic“-Reihe von Anfang an geprägt hat und auch in Zukunft prägen wird: Sich bei außergewöhnlichen Künstler-Begegnungen der Jazztradition zu erinnern und sie individuell nutzbar zu machen für die Gegenwart und für einmalige, einzigartige Konzertmomente.

Ab 17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic X: East - West
Jazz at Berlin Philharmonic X: East - WestCD / digital Majid Bekkas guembri & vocals Nguyên Lê e-guitar NES Nesrine vocals & cello Matthieu Saglio cello & vocals David Gadea percussion Black String Yoon Jeong Heo e-guitar Geomungo Jean Oh e-guitar Aram Lee daegeum & yanggeum Min Wang Hwang ajaeng & janggu Ost trifft West - eine spannende Beziehung East meets West – das war das Lebensthema von Nesuhi Ertegün (1917-1989). Wuchs er doch als Sohn des ersten Botschafters der türkischen Republik in Washington auf. Um selbst zu einem Botschafter zu werden, zu einem der bedeutendsten Förderer und und Orient. Von der Renaissance bis heute kann man im Westen Wellen der Begeisterung für die östliche Kultur beobachten. Auch der Jazz hat seit seiner Entstehung vor gut hundert Jahren stets Elemente anderer Kulturen aufgenommen und in sein Stilvokabular übernom-men. Andererseits haben KünstlerInnen östlicher Kulturen den Jazz umarmt, mit ihrer Tradition fusioniert und so neue Ausdrucksformen dieser ursprünglich rein afroamerikanischen Musik gefunden. Mit zwei Ensembles; NES und Black String, sowie zwei herausragenden Stilisten ihrer Instrumente, Nguyên Lê und Majid Bekkas, ging Jazz at Berlin Philharmonic nun auf Spurensuche, nach der fruchtbaren musikalischen Begegnung zwischen Ost und West: Das südkoreanische Quartett Black String der Geomungo-Spielerin Yoon Jeong Heo trägt die eineinhalb Jahrtausende umspannende koreanische Musiktradition mitreißend und kunstvoll in die Moderne. Heo hat das Instrument von alten Meistern gelernt, doch sie verharrt nicht in der Tradition. Zusammen mit dem in Paris und New York ausgebildeten, bereits an der Seite von John Scofield, Uri Caine oder Steve Coleman zu sehenden Gitarristen Jean Oh, mit Aram Lee an den Bambusflöten Daegeum und Yonggeum sowie mit Min Wang Hwang an der zweifelligen Trommel Janggu und der Webbrettzither Ajaeng erweitert sie das tonale Spektrum der traditionellen koreanischen Instrumente mit dem Mitteln aktueller westlicher Stile zu einer völlig neuen, eigenen Mu-sik. Das Trio NES der charismatischen Sängerin, Mandolinen-Spielerin und Cellistin Nesrine Belmokh hat in kurzer Zeit Kritik und Publikum im Sturm genommen. Die drei schöpfen aus dem musikalischen Schmelztiegel der Mittelmeer-Region ihren eigenen Sound, verbinden nordafrikanische Arabesken und andalusischen Flamenco mit klassischer Virtuosität, der Ausdruckskraft von Pop oder Chanson, dem Soul von R’n‘B sowie der Freiheit des Jazz. Etwa im hypnotischen „Bye Bye“, dessen Textzeile „Music is my exorcism“ man Belmokh sofort glaubt. Dieser Mitschnitt ist zugleich das Dokument der vorerst letzten Aufnahme, da die drei sich nun Solo-Projekten zuwenden. Und als perfektes Bindeglied fungiert der französisch-vietnamesische Gitarrist Nguyên Lê, ein Pionier der Vermittlung zwischen Jazz, Rock und asiatischer Volksmusik. Der Mann, der erst mit 16 als Autodidakt zur Gitarre griff, darauf seinen völlig eigenen Stil entwickelte und ihn, von der Karibikband Ultramarin über das Orchestre National du Jazz bis zum Trio E_L_B und vielen anderen eigenen Projekten, in die unterschiedlichsten Zusammenhänge stellte, spielt beim letzten Stück von Black String und der ersten beiden von NES mit. Und steuert dazwischen mit „Origin“ seinen eigenen Beitrag zum Thema des musikalischen Austauschs der Kulturen bei. In diesem Zwischenspiel stößt auch noch der marokkanische Oud- und Gimbri-Spieler Majid Bekkas dazu, der den Gnawa-Blues seiner Heimat schon oft in die verschiedensten Projekte eingebracht hat - von der „folklore imaginaire“ bis zum Avantgarde-Jazz, etwa mit dem Trompeter Flavio Boltro und vor allem im bahnbrechenden, vielfach preisgekrönten Trio mit Joachim Kühn und Ramon Lopez. Jahrhundertealte Musikkultur, filigrane Klänge und volles Brett, Exotik und Verblüffendes – East meets West auf dem Impro-Terrain: Der Jazz at Berlin Philharmonic-Abend sorgte für einen mitreißenden Clash der Kulturen. Nesui Ertegün wäre von dieser Begegnung von Ost und West sicher begeistert gewesen.Credits: Recorded live in concert by Klaus Scheuermann at the Berlin Philharmonie (KMS), November 20, 2019 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art by Philip Taaffe, Isfahan (2009), by courtesy of Jablonka Galerie Cologne

17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last Call
Philip Catherine - Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last CallCD / Vinyl Larry Coryell guitar Philip Catherine guitar Jan Lundgren piano Lars Danielsson bass Paolo Fresu trumpet Credits: In memory of Larry Coryell (1943-2017), his last concert Recorded live in concert by Klaus Scheuermann at the Philharmonie Berlin (KMS), January 24, 2017 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art based and inspired by a work of Alain Biltereyst (Original: ACT Art Collection)

Ab 17,50 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XII: Sketches of Miles
Jazz at Berlin Philharmonic XII: Sketches of MilesCD / Vinyl / digital Theo Croker Quartet Theo Croker trumpet & leader Danny Grissett piano Joshua Ginsburg double bass Gregory Hutchinson drums Magnus Lindgren conductor Tenor saxophone on So What Flute on All Blues Members of the Berliner Philharmoniker Michael Hasel & Egor Egorkin flute Matic Kuder, Andraž Golob & Manfred Preis clarinet Markus Weidmann bassoon Andrej Žust & Sarah Willis horn Guillaume Jehl, Lennard Czakaj & Marc Ullrich trumpet Olaf Ott, Thomas Richter & Susann Ziegler trombone Peter Kanya tuba Guests: Matic Kuder, Marc Ullrich, Thomas Richter, Susann Ziegler Karajan-Akademie: Lennard Czakaj, Peter Kanya Wenn Louis Armstrong bis heute die wohl bekannteste Jazzlegende weltweit ist, dann gebührt Miles Davis der Titel des größten Genies und Erneuerers dieser Kunstform. Der 1926 in St. Louis geborene Trompeter war ein Charakterkopf, Visionär und Vordenker, der dem modernen Jazz seit der Erfindung des Bebop in den frühen 1940er Jahren, an der er als 19-jähriger schon beteiligt war, immer wieder neue, entscheidende Impulse gegeben hat. Der Hitze des Bebop setzte er 1949 den Cool Jazz entgegen. Als die bahnbrechenden Aufnahmen aus dieser Zeit, erst 1957, auf „Birth of the Cool“ veröffentlicht wurden, läutete Miles Davis zusammen mit dem kongenialen Arrangeur Gil Evans bereits die nächste kleine Revolution in Form des „modalen Jazz“ ein. In kurzer Folge entstanden zwischen 1957 und 1959 mit „Miles Ahead“, „Milestones“ und „Kind of Blue” drei epochale Alben in diesem Stil, wobei letzteres als das erfolgreichste Jazzalbum aller Zeiten in die Musikgeschichte eingehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war Miles Davis gerade Anfang 30 und er vermochte es mit Hard-Bop, Fusion-Jazz und Jazz-Rock seiner Kunst immer wieder neue Richtungen zu geben. Darüber hinaus hatte Davis ein untrügliches Gespür für Talente. Während seiner gesamten Karriere holte er sich stets die besten aufstrebenden Musiker in seine Bands. Sie wurden dann selbst zu Stars: John Coltrane, Sonny Rollins, Bill Evans, Wayne Shorter, Herbie Hancock, Tony Williams, Ron Carter, Keith Jarrett, Joe Zawinul und viele mehr. Als er 1991 mit nur 65 Jahren in Santa Monica starb, war er zu einem der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts geworden.  In der Berliner Philharmonie ist Miles Davis 1964 beim ersten Jazzfest Berlin aufgetreten und war dort insgesamt achtmal der Stargast. In Erinnerung daran und 30 Jahre nach seinem Tod hat Siggi Loch, der Kurator von „Jazz at Berlin Philharmonic“, diesem genialen Musiker mit “Sketsches of Miles“ ein musikalische Denkmal gesetzt. Der Geist von Miles Davis wehte am 27. November 2021 erneut durch die heilige Halle und hat die Mitwirkenden dieses besonderen Konzertabends beflügelt. Große Fußstapfen, die das Theo Croker Quartet und die Mitglieder der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Magnus Lindgren zu füllen wussten und eine schillernde Hommage an die Jazz-Ikone auf die Bühne brachten. Wie alle “Jazz at Berlin Philharmonic“-Konzerte war auch diese Besetzung ein einmaliges Ereignis. Das zweiteilige Programm war im ersten Teil auf Highlights aus Miles Davis’ Band-Einspielungen fokussiert, ehe dann im zweiten Teil die Mitglieder der Berliner Philharmoniker mit dem Theo Croker Quartet auf der Bühne standen, um gemeinsam drei eigens für den Abend arrangierte Suiten aus den Orchesteralben „Miles Ahead“, „Porgy and Bess“ sowie „Sketches of Spain“ aufzuführen. Als Trompeter an einer Hommage an Miles Davis mitzuwirken, kann einschüchternd sein. Doch Theo Croker meistert die Herausforderung eindrucksvoll. 1985 in Florida geboren gehört er heute zu den meistbeachteten Jazzmusikern seiner Generation. Die Süddeutsche Zeitung nannte ihn einen „Visionär des Post-Hip-Hop-Jazz“ und attestierte ihm ein „geschicktes Gespür für die gesamte afroamerikanische Musikgeschichte“. Croker bringt vieles mit, was Miles Davis auszeichnete. Im Rücken hat er an diesem Abend eine exzellente Band: Pianist Danny Grissett spielt unter anderem seit 2006 in der Band von Tom Harrell und hat bereits sechs eigene, vielbeachtete Alben veröffentlicht. Bassist Joshua Ginsburg ist seit fast zwei Jahrzehnten eine feste Größe der New Yorker Jazz-Szene. Der 51-jährige Schlagzeuger Gregory Hutchinson schließlich hat bereits mit fast allen Größen des Jazz gespielt und gilt dem Jazz Magazine zufolge als „der Drummer seiner Generation“. Offen für Neues sind auch die Mitglieder der Berliner Philharmoniker, die sich neben ihrer Arbeit beim „besten symphonischen Orchester der Welt“ immer wieder in unterschiedlichsten Kleinbesetzungen in neue musikalische Abenteuer stürzen. Unter der Leitung von Magnus Lindgren und an der Seite des Theo Croker Quartet lassen sie den „sinfonischen“ Miles Davis erklingen. Lindgren gilt als Spezialist für Jazz-Klassik-Crossover-Projekte. Erst kürzlich hat sich der Schwede in das Werk eines anderen Granden des Jazz eingefühlt. Mit der SWR Big Band und John Beasley hat Lindgren mit „Bird Lives“ Charlie Parker musikalisch auferstehen lassen. Auch zeichnet er sich als Arrangeur des Abends aus, in Zusammenarbeit mit seinem Landsmann Hans Ek, bekannt als Schöpfer der E.S.T. Symphony.  „Sketches of Miles“ - ein Abend mit Nachhall. Gemeinsam wandeln das Theo Croker Quartet, die Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Magnus Lindgren auf den Spuren des Meisters und hinterlassen mit diesem Konzert ihre eigenen.Credits: Music arranged by Magnus Lindgren (Tracks 01, 03, 04) and Hans Ek (Tracks 02, 03) Curated and produced by Siggi Loch Live at Philharmonie Berlin, 27 November 2021 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Cover art by SHOSHU / ACT Art Collection

Ab 22,00 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XIII: Celebrating Mingus 100
Jazz at Berlin Philharmonic XIII: Celebrating Mingus 100CD / digital Magnus Lindgren baritone saxophone, bass clarinet, leader & arranger Georg Breinschmid double bass, leader & arranger Tony Lakatos tenor saxophone Jakob Manz alto saxophone Matthias Schriefl trumpet Shannon Barnett trombone Gregory Hutchinson drums Danny Grissett piano Camille Bertault vocals Am 22. April 2022 wäre Charles Mingus 100 Jahre alt geworden. Obwohl der Kontrabassist selten in einem Atemzug mit Louis Armstrong, Charlie Parker oder Miles Davies genannt wird, ist seine Bedeutung für die improvisierte Musik nicht geringer zu schätzen. Er konnte wütend, sogar gewalttätig sein, aber auch liebevoll und zärtlich, und all diese Aspekte seines komplexen Charakters hört man in seiner Musik. Mingus sagte einmal selbst über sich: „Ich versuche, die Wahrheit dessen zu spielen, was ich bin. Das ist deshalb so schwierig, weil ich mich ständig verändere.“ Extreme der Emotionen sind der Kern von Mingus' Musik und sie spiegeln sich in seinen sechs Kompositionen wider, die hier auf „Jazz at Berlin Philharmonic XIII - Mingus 100“ zu hören sind. Das Konzert am 13. April 2022 war eine der Hauptveranstaltungen anlässlich des Künstlerjubiläums und fand in der von Siggi Loch kuratierten Konzertreihe statt. Die neun Musiker, die auf der Bühne standen und die sich vor diesem Projekt größtenteils nicht kannten, haben ihr ganzes musikalisches Wesen in dieses Projekt eingebracht und sind dabei dem Geist von Mingus und seiner einzigartigen Art, Trotz und Widerspruch auszudrücken, treu geblieben. Die ersten Klänge des Live-Mitschnitts stammen von dem österreichischen Bassisten Georg Breinschmid. Er ist einer der Co-Leader des Projekts und stellt in Mingus-Manier unverblümte Attacke und streichelnde Zärtlichkeit einander gegenüber, wenn sein Bass „Jelly Roll“ einleitet. „Georg ist ein wunderbarer Kommunikator und ein hervorragender Bassist“, sagt der andere Leiter des Abends, der schwedische Multiinstrumentalist und Arrangeur Magnus Lindgren. Breinschmids Geschichte ist bemerkenswert: Bis zu seinem 25. Lebensjahr ist er einen traditionellen Weg gegangen. Als junger, hochkarätiger klassischer Kontrabassist war er bereits ordentliches Mitglied der Wiener Philharmoniker geworden, eine Rolle, die ihm ein Leben lang sicher war. Aber dann kehrte er dieser Welt den Rücken und geht seither seinen eigenen Weg als Musiker, der im Jazz und in der Wiener Popularmusik verwurzelt ist. Seine Leidenschaft für Mingus wurde schon früh geweckt und hat ihn bis heute nicht losgelassen. „Als ich als Vierzehnjähriger mit dem Bassspielen anfing, haben mich sein Sound, die Kompositionen, das Gesamtpaket sehr geprägt. Es kommt so vieles zusammen“, sagt er. Breinschmid und Magnus Lindgren hatten zuvor noch nicht zusammengearbeitet, aber ihr gegenseitiges Verständnis und ihr Respekt wuchsen im Laufe der Zusammenarbeit: „Magnus ist ein großartiger Musiker“, sagt Breinschmid. „Ein virtuoser Multiinstrumentalist, ein erfahrener Arrangeur, ein großartiger Künstler. Er hat immer ein Gespür für das gesamte Ensemble und dafür, wie es am besten funktionieren wird.“ Lindgren, der eher für das Alt- und Tenorsaxofon sowie die Flöte bekannt ist, ist hier hauptsächlich auf seinem alten Selmer-Baritonsaxophon zu hören, aber auch auf der Bassklarinette. Wie Breinschmid fühlte sich Lindgren ebenfalls schon früh zu den Kompositionen von Mingus hingezogen, was durch eine enge Zusammenarbeit mit Steve Slagle, einem der führenden Köpfe der Mingus Big Band in den 1990er Jahren, noch verstärkt wurde. Über seine Rolle als Instrumentalist der Mingus-Hommage sagt der Schwede: „Ich liebe Pepper Adams - und es macht Spaß, Bariton zu spielen.“  „Wenn Charlie von Lester spricht...“ Es war Joni Mitchell, die Mingus' wunderschönes Klagelied zum Tod von Lester Young, „Goodbye Pork Pie Hat“, auf ihrem „Mingus“-Album in englische Worte fasste. Der Kontext ist hier ein anderer, ebenso wie die Sprache. Aus dem Mingus'schen polyphonen Chaos erhebt sich die eindringliche Gesangsstimme des französischen Gesangsstars Camille Bertault. Die von ihr geschriebenen Lyrics beschwören die Verlustgefühle von Charles Mingus herauf. Dann erhebt sich ihre Stimme wie von Zauberhand wortlos, und wenn sie den letzten Ton ganze fünfzehn Sekunden lang hält, ist das eine atemberaubende Tour de Force an Gelassenheit und Kontrolle. Sie ist auch für die neuen und aufreizend rätselhaften Worte für „Self-Portrait in Three Colours“ verantwortlich. „Jazz at Berlin Philharmonic XIII – Celebrating Mingus 100“ präsentiert weitere starke Stimmen. Zwei US-Amerikaner bilden das Herz der Band: Pianist Danny Grissett ist seit fast zwei Jahrzehnten in der New Yorker Jazzszene aktiv und war Mitglied der Mingus Big Band. Schlagzeuger Gregory Hutchinson hat in unzähligen Kontexten gearbeitet, nicht zuletzt im Joshua Redman Quartet von 1998 - 2001. Daneben sind zwei Musiker vertreten, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben: Der Tenorsaxophonist Tony Lakatos ist seit seiner Übersiedlung von Ungarn nach Deutschland im Jahr 1980 auf über 300 Alben zu hören und war bis 2021 eine feste Größe in der hr-Bigband. Der starke Ton und die Improvisationsfähigkeit der in Australien geborenen und heute in Köln lebenden Posaunistin Shannon Barnett erweisen sich in diesem Kontext ebenfalls als ideal. Die deutsche Heimmannschaft des Abends bilden der Trompeter Matthias Schriefl und der junge Saxophonist Jakob Manz. Voller Hingabe, überbordender Energie und mit waghalsigen Spielfertigkeiten werfen die beiden alle Klischees über deutsche Ordnung und Disziplin über Bord. Dies ist leidenschaftliches Musizieren auf höchstem Niveau.  Mingus Musik war ein Wechselbad der Gefühle und Stimmungen. All die menschlichen Emotionen von Wut, Angst und Traurigkeit bis hin zu Hoffnung, Freude und Liebe finden sich bei ihm wieder. Das macht sein Schaffen heute immer noch aktuell. Während Mingus' Asche dem Ganges anvertraut wurde, erwachte sein unverwüstlicher Geist in einem bewegenden Konzert in Berlin zu neuem Leben.Credits: All music composed by Charles Mingus arranged by Magnus Lindgren (02, 03, 05 & 06) and Georg Breinschmid (01 & 04) French lyrics for Goodbye Pork Pie Hat and Self-Portrait in Three Colors written by Camille Bertault Live at Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal, 13.04.2022 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art by Soshu

18,90 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XV: Stefano Bollani & iiro Rantala
Stefano Bollani & iiro Rantala - Jazz at Berlin Philharmonic XVCD / Vinyl / digitalStefano Bollani pianoiiro Rantala pianoEin Humorist lässt aufhorchen, bringt Lächeln, manchmal Lachen mit. Das klingt einfach, ist aber eine bewundernswert anspruchsvolle Kunst. Denn es geht nicht um die einfache Komik des Scheiterns, sondern um überraschendes, befreiendes Wohlwollen. Eine neue Perspektive kann das sein, ein zuvor kaum beachtetes, cleveres Detail oder auch einmal ein unerwarteter Zusammenhang. Eine Arie bekommt zum Beispiel eine Stride-Piano-Begleitung, ein Motiv wird aberwitzig transponiert, der Nachdruck eines Themas pianistisch perlend kommentiert. Man verbeugt sich vor dem Original, aber zieht ihm ein anderes Gewand an. Es kann ein Versteckspiel sein, aber man braucht und achtet die Vorlage. Sonst wird es witzlos.Humoristen wie der Mailänder Stefano Bollani und Iiro Rantala aus Helsinki sind Meister der musikalischen Wertschätzung. Sie lieben, was sie spielen. Und sie verbeugen sich vor der Kunst des jeweils anderen, vor den Ahnen des Melodischen und auch den Möglichkeiten ihrer Instrumente. Sie lieben es überhaupt zu spielen, und da beide Virtuosen sind, ist ein Duo-Konzert ein Erlebnis der gemeinsamen Gestaltungslust. Er sei glücklich darüber, meint Iiro Rantala, die italienische Musik „mit dem bestmöglichen Klavierpartner, il Maestro Bollani“ hochleben zu lassen. Man treffe im Laufe der Jahre viele Kollegen, mit denen man gerne arbeite, erwidert Stefano Bollani, und ergänzt: „Aber wie viel mehr Spaß macht es, die Bühne mit einem Freund zu teilen, der einen sehr ähnlichen musikalischen Geschmack und Zugang hat, wie man selbst“.Zwei Künstler, die zusammenklingen. Sie haben sich am 1. Februar 2023 auf der Bühne der Berliner Philharmonie getroffen, um ihre auf den ersten Blick unerwartete gemeinsame Leidenschaft zu feiern. Denn beide verehren die italienische Oper. „Ich gehe jetzt mal so weit zu behaupten, dass einige der besten Melodien der Welt aus Italien kommen und da im speziellen Fall aus der italienischen Oper“, erklärt Iiro Rantala. „Es gibt nichts Besseres in der Musik, als eine gute, einfache und packende Melodie. Das kann man nicht beibringen, in keiner Musikschule gibt es eine Melodieklasse. Verdi, Donizetti, Rossini und Puccini hatten die Gabe der Melodie! Und wie großartig setzten sie ihr Talent ein!“ Das hatte zu deren Lebzeiten auch etwas mit der Hochachtung vor dem Publikum zu tun. Denn die Opernkomponisten des 19.Jahrhunderts wollten den Hörenden etwas bieten. Sie wollten erzählen und unterhalten, durchaus mit Anspruch, manchmal mit Botschaft, aber immer mit dem Blick auf die Begeisterung im Saal. Wer Hymnen und Ohrwürmer komponierte, konnte sicher sein, gehört zu werden. Das Konzept funktioniert bis heute. „La Traviata“, „La Bohème“ oder „Nabucco“ stehen wie Monumente auf den Spielplänen der Opernhäuser, auch wenn die Libretti manchmal überholt wirken. Sie sind voll mit Melodien, die sich in das kollektive Gedächtnis der Kulturwelt eingegraben haben, so sehr, dass auch Stefano Bollani und Iiro Rantala nur ein paar Töne andeuten müssen und schon wogt die Philharmonie im Walzertakt einer Musetta oder summt einen Gefangenenchor mit.Dabei gelingt es dem Piano-Duo mit dem Feingefühl der Erfahrung, das Opernhafte aus der Perspektive der Improvisation zu feiern, ohne es dafür in Frage stellen zu müssen. Die Musiker schwelgen und schmunzeln musikalisch. Sie gönnen sich den Spaß, das jazzgetönte Repertoire um Traditionen zu erweitern, die aus der Sicht eines guten Songs eigentlich schon lange dazu gehören. Es ist diese Mischung, die bezaubert. Zwei Humoristen, denen man bei dem Vergnügen zuhören kann, sich gegenseitig musikalisch zu entdecken. Und das mit den Melodien der italienischen Oper, die ihnen wichtig und die für beide auch ein wenig neu sind.Credits:Recorded at the Berlin Philharmonie, Germany on 1st February 2023 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Cover art by Peter Krüll

Ab 18,90 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XVI: Piano Night II
Jazz at Berlin Philharmonic XVI: Piano Night IICD / Doppelvinyl / digitalLeszek Możdżer pianoGrégory Privat pianoiiro Rantala pianoMichael Wollny pianoVier unverwechselbare Charaktere des europäischen Jazzpianos im ausverkauften großen Saal der Berliner Philharmonie. Grenzenlose Freiheit, grenzenloser Jubel. Und, vielleicht am wichtigsten: Eine große Gemeinschaft, zwei Stunden lang vereint durch die Kraft der Musik. Es war diese besondere Magie, die im Jahr 2012 den Startschuss gab für eine einzigartige Serie von Konzerten und Aufnahmen: Jazz at Berlin Philharmonic. Im Mittelpunkt der Premiere standen damals die Pianisten Iiro Rantala, Michael Wollny und Leszek Mozdzer. Was als einmaliges Experiment gedacht war, ein eigens für den Anlass kuratiertes Jazzkonzert im Klassik-Tempel Berliner Philharmonie, wurde zu einer Institution.Mehr als ein Jahrzehnt später treffen sich Rantala, Wollny und Mozdzer an diesem legendären Ort wieder, diesmal gemeinsam mit Grégory Privat, einem weiteren Unikat an den 88 Tasten. Die Rahmenbedingungen sind also dieselben wie bei der Premiere, die Welt „draußen“ jedoch ist eine ande-re als vor zehn Jahren. Es scheint, als spiegelten Repertoire, Interpretation und Improvisationen die vielen, teils wider-sprüchlichen Facetten unserer Zeit wider. Stärker als beim ersten Zusammentreffen: Ernst, Nachdenklichkeit, Introspek-tion. Aber auch: Hoffnung, Freude, Neugier. Und, wie um all den Wirren und Unsicherheiten der Welt die Stirn zu bieten: Ausbrüche von kindlich-verspieltem Spaß. Rantala, Wollny, Mozdzer und Privat lassen die Zuhörer die Essenz der Kunstform Musik erleben: Als Spiegelbild ihrer Zeit, als Ausdrucksmittel purer Emotion und als eine Form der Kommunikation, die ganz ohne Worte auskommt und Menschen in ihrem Innersten berührt.Credits:Produced by Siggi Loch Recorded live at Philharmonie Berlin on December 3, 2024 Recorded, mixed and mastered by Klaus ScheuermannCover art by Stanley Whitney © 2024, “Song”, ACT Art Collection, Cover design by Siggi Loch

Ab 18,90 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XVII: Gnawa World Blues
Jazz at Berlin Philharmonic XVII: Gnawa World BluesCD / Vinyl / digitalMajid Bekkas guembri, oud & vocalsNguyên Lê guitar & backing vocalsHamid Drake drums Drei Kontinente - drei musikalische Weltbürger: Beim Gipfeltreffen im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie bündeln ein Marokkaner, ein Franko-Vietnamese und ein US-Amerikaner ihre Roots und ihre globalen Erfahrungen zu einem soghaften Bühnengeschehen. Das Ergebnis oszilliert zwischen Desert Blues, Gnawa-Trance, Orient-Jazz, Sixties-Rock und südostasiatischer Gelassenheit. Stimme, Oud und die Bass-Laute Guembri, eine E-Gitarre mit einem weiten Spektrum schillernder Klangfarben, ein Schlagwerkarsenal zwischen Feinsinn und Physis - das sind die Werkzeuge der drei kosmopolitischen Protagonisten Majid Bekkas, Nguyên Lê und Hamid Drake. Im Zentrum des Geschehens steht der Marokkaner Bekkas: Seit einem halben Jahrhundert gilt der Multiinstrumentalist aus Salé als Türenöffner für die marokkanische Musikkultur. Tief verwurzelt vor allem in der Musik der schwarzen Gnawa-Minderheit seines Landes, gleiste er mit Jazz-Granden wie Joachim Kühn, Archie Shepp, Pharoah Sanders und Klaus Doldinger Teamworks auf und hat auf ACT zuletzt mit dem Magic Spirit Quartet eine Brücke zwischen nordischen und afrikanischen Soundwelten geschlagen. Der Franko-Vietnamese Nguyên Lê zählt zu den aufregendsten Persönlichkeiten unter den Gitarristen der Moderne. Eine unverwechselbare Fusion-Handschrift hat der Autodidakt entwickelt: Sie integriert den Melodiefluss Südostasiens, komplexe Jazzharmonik, ruppige und hochvirtuose Rock-Exkursionen, Flamenco und Afro-Töne. Für die weit aufgefächerten Schlagwerk-Impulse in diesem Trio sorgt der in Chicago geborene Hamid Drake: Mit einem Hintergrund von World- bis zum Free Jazz und einem Spielhorizont vom Trompeter Don Cherry über den Saxofonisten Peter Brötzmann bis zur Soul-Diva Melba Moore verfügt Drake über Einfühlungsvermögen in diverse Schlagwerktraditionen der Welt.Das Live-Repertoire dieses denkwürdigen 10. November 2024 spiegelt einen ungeheuren Reichtum an Ideen und Verschmelzungen wider: Eine nachsinnende Bluesmelodie im Unisono von Oud und Stimme über den Liegeflächen der Gitarre im eröffnenden „Gore Blues“, gefolgt von angeregtem, fünftönigem „Trialog“ zwischen Laute, E-Gitarre und feiner Becken-Arbeit. Mit „Mrahba“ begibt sich der Dreier aufs Parkett der traditionellen Gnawa-Musik: Lê und Drake schaffen eine rockig-funkige Grundstimmung, die machtvollen Anrufungen von Bekkas über einem sich aufbäumenden Bass-Riff kreieren Trance. Als Reverenz an John Lee Hooker kommt „Boom Boom“ wie eine schwer heranrollende, doch organische Blues-Maschine in Gang – verblüffend, wie Bekkas sich hier ganz von seinen Roots löst.„Ascending Dragon “ dagegen bietet ein meditatives Interludium mit Daumenklavier und geraunter Melodie, Nguyên Lê spielt hier brillant seine unverkennbar vietnamesische Ornamentik aus. Als aufgekratztes Gegengift hierzu interpretieren Bekkas, Lê und Drake Jimi Hendrix‘ „Purple Haze“ zunächst sehr nah am Original, bevor der neue Mittelteil auf die Reise des Gitarrenhelden in die Gnawa-Hochburg Essaouira im Juli 1969 erinnert. „Tair“ startet als freie Oud-Improvisation, die dann mit gemächlichem Galopp das Wechselspiel der beiden Saitenmeister anregt. Und im Finale „Sidi Bouganga“ zündet das Trio die fröhliche Seite der Gnawa-Sprache mit einem hymnisch-ausgelassenen Ton.Drei Ausnahmekönner schöpfen aus ihren Wurzeln – und schaffen eine Spannung, aus der statt Differenz atemberaubende Diversität erwächst.Credits: Recorded live at Philharmonie Berlin on November 10, 2024 Recorded, mixed and mastered by Klaus ScheuermannCover art by Mohamed Melehi © 1969 (untitled), Casablanca Art School © VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Ab 18,90 €*
Jazz at Berlin Philharmonic XVIII: Jazz goes Baroque
Jazz at Berlin Philharmonic XVIII: Jazz Goes Baroque CD / Vinyl (LP, 180g) / digital  Bernd Lhotzky harpsichord and musical director Emile Parisien soprano saxophone Frédéric Couderc flutes Henning Sieverts double bass and violoncello Eric Schaefer drums Der Pianist Bernd Lhotzky baut mit seiner Musik Brücken zwischen Historie und Gegenwart - und das immer wieder auf neue Weise. Seine beiden letzten Alben für ACT hätten unterschiedlicher kaum sein können. Das Solo-Piano-Album Rag Bag (2024) spannt einen weiten Bogen über mehr als 100 Jahre Jazzgeschichte und erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik, die Lhotzky für seine „brillante Pianistik“ sowie seine „spielerische Leichtigkeit und Stilgefühl“ lobte. Auf dem Vorgänger As An Unperfect Actor (2021) vertonte Lhotzky Shakespeare-Sonette. Die von ihm komponierte und arrangierte Musik wurde von der Band "Quadro Nuevo" und der österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr interpretiert. Das Projekt war bei Kritik und Publikum gleichermaßen bemerkenswert erfolgreich.Jazz Goes Baroque ist wieder etwas ganz anderes. Es ist die Live-Aufnahme eines besonderen Konzerts, das in doppelter Hinsicht Anlass zum Feiern bot. Zum einen war es die fünfzigste Ausgabe der von ACT-Gründer Siggi Loch kuratierten und äußerst erfolgreichen Reihe Jazz at Berlin Philharmonic. Zum anderen erinnerte es an einen von Lochs frühesten Erfolgen als noch junger Plattenproduzent: George Gruntz’ Jazz Goes Baroque aus dem Jahr 1964. Es war das erste Album des Schweizer Pianisten unter eigenem Namen und ebnete den Weg für eine einzigartige und bemerkenswerte Karriere im Jazz.Sechs Jahrzehnte später stellte Bernd Lhotzky ein Programm zusammen, das der Originalaufnahme von 1964 Tribut zollt, sich zugleich aber deutlich von ihr löst. Als musikalischer Leiter entwickelte er dafür eigene Arrangements und Kompositionen, die historische Vorlagen nicht lediglich in ein Jazzidiom übertragen, sondern neu deuten und weiterdenken. Und wie Gruntz auf der Originalaufnahme leitet Lhotzky den Abend nicht vom Piano, sondern vom Cembalo aus.Auch die hochkarätige Besetzung der Neuinterpretation knüpft an jene Gruppe an, die in den 1960er-Jahren Jazz Goes Baroque aufgenommen hatte. Zentraler Solist war damals der Saxofonist Klaus Doldinger, der später zu einer Schlüsselfigur des Jazz aus Deutschland werden sollte. In der Fassung des Jahres 2025 steht eine aktuelle Schlüsselfigur des europäischen Jazz im Mittelpunkt: der französische Sopransaxofonist Emile Parisien. Außerdem dabei: Der französische Flötist und Saxofonist Frédéric Couderc, dessen Virtuosität und stilistische Beweglichkeit zu den Überraschungen des Abends zählen, der Bassist und Cellist Henning Sieverts, in dessen Spiel sich Jazz und klassische Tradition auf ganz natürliche Weise begegnen, sowie der unendlich einfallsreiche Eric Schaefer am Schlagzeug.Bernd Lhotzky, der vor allem für seine umfassende Kenntnis des frühen Jazz bekannt ist, hat eine ganz eigene Vision davon, wofür Barockmusik steht und was geschieht, wenn Barock und Jazz aufeinandertreffen. Ausgangspunkt seiner Arrangements sind oft sehr persönliche musikalische Entdeckungen. In einer Melodie Bernardo Pasquinis hört er die Stimme Sidney Bechets, ein Satz von Händel erinnert ihn an die weitgespannten Bögen eines Brahms. Hinter einem scheinbar mühelos dahinfließenden Satz Vivaldis entdeckt er ein raffiniertes Zahlenspiel – und einen durchtriebenen Wachtelkönig, der seine Spuren sorgfältig verwischt. Bei Couperin wird aus einem Stolpern eine tödliche Chute fatale, bei Pachelbel ein seit Jahrhunderten im Kreis laufendes Ostinato zu einem Wesen, das jammervoll nach Freiheit schreit. Es sind weniger stilhistorische Beobachtungen als lebendige Bilder, aus denen die Arrangements entstehen – und die den Werken eine unerwartete Gegenwärtigkeit verleihen.Für Bernd Lhotzky liegt die Nähe von Barock und Jazz in ihrer gemeinsamen Lust an der Variation. Sequenzen, Ostinati und wiederkehrende Muster schaffen einen tragfähigen Rahmen, in dem sich Musiker verständigen und frei bewegen können. „Man hört, was sich im Gespräch am Gartenzaun zeigt, im lebhaften Austausch auf dem Markt, im herzlichen Dialog des Alltags.“ Monteverdi lud Musiker dazu ein, über einem Basso continuo zu improvisieren – mehrere Jahrhunderte, bevor die Jam-Session erfunden wurde. Für Lhotzky begegnen sich Jazz und Barock deshalb nicht als Gegensätze, sondern als Verwandte. Der Jazz verleiht dem Barock neue rhythmische Energie und improvisatorische Weite. Der Barock schenkt dem Jazz historische Tiefe, kontrapunktische Dichte und üppig-florale Formen. Das Ideal europäischer Harmonie ist ein weiterer Leitgedanke der Gruppe, die in der Berliner Philharmonie spielte. Lhotzky beschreibt sie in seinen Liner Notes als „zwei Bläser französischer Herkunft und eine deutsche Rhythmusgruppe, glücklich vereint in der Musik“. So ist Jazz Goes Baroque auch eine Reflexion darüber, welchen Weg der europäische Jazz zurückgelegt hat. Indem es die Hörerinnen und Hörer dazu anregt, zurückzugehen und sich das Ursprungs-Album aus dem Jahr 1964 anzuhören, erinnert die Fassung von 2026 daran, wie der europäische Jazz im Laufe von sechs Jahrzehnten seine eigene Sprache, sein Erbe und seine Charaktere entwickelt hat. ACT war und ist ein wichtiger Teil dieser Geschichte - und Bernd Lhotzky hat ein weiteres überraschendes, brillant umgesetztes und freudvolles Kapitel darin geschrieben.CreditsAll arrangements by Bernd Lhotzky Live recorded on 25 September 2025 at the Berlin Philharmonie Recorded by Klaus Scheuermann Mixed and mastered by Klaus ScheuermannProduced by Siggi Loch Cover art by Edi Rama, Untitled, 2016 Courtesy of Marian Goodman Gallery Design by Siggi Loch

Ab 18,90 €*
Jazz at Berlin Philharmonic: Mediterraneo
Jazz at Berlin Philharmonic VII - MediterraneoCD / digital Stefano Bollani piano Jesper Bodilsen bass Morten Lund drums Vincent Peirani accordion & accordina Members of the Berliner Philharmoniker Geir Lysne arranger & conductor Den „Sound of Europe“, die Verbindung aus Jazz mit den unterschiedlichsten Einflüssen der europäischen Musik, einem breiten Publikum zu präsentieren, ist eines der wichtigsten Anliegen der von Siggi Loch kuratierten Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“. Vom Aufspüren der „Celtic Roots“ über eine Wanderung durch die „Norwegian Woods“ bis zur Reise durch den Süden mit „Mediterraneo“. Viele Wurzeln der europäischen Musik liegen in Italien. Hier wurde die Oper geboren, eine reiche Folkloretradition wird bis heute begeistert gepflegt und die Lieder der „Cantautore“ sind die Hymnen des Landes. Auch in der Filmmusik setzt Italien Akzente: Nino Rotas und Ennio Morricones film scores sind heute weltbekannt. Aus alledem bedient sich „Mediterraneo“, die umjubelte 17. Ausgabe von „Jazz at Berlin Philharmonic“ und einer der Höhepunkte der Reihe. Im Mittelpunkt: Stefano Bollani, 1972 in Mailand geboren und einer der renommiertesten, erfindungsreichsten und wandelbarsten Jazzpianisten unserer Zeit. Von Jazz-Größen wie Chick Corea, Pat Metheny und natürlich sein langjähriger Partner und Förderer Enrico Rava über Avantgardisten wie Michel Portal oder Martial Solal bis zu Weltmusikern wie Caetano Veloso und Richard Galliano reicht die Bandbreite seiner Zusammenarbeiten. Auch für „Mediterraneo“ war es ihm wichtig, den stilistischen Bogen möglichst weit zu spannen. So stand neben Monteverdi, Rota und Morricone, sowie Puccini und Rossini sogar der durch Adriano Celentano bekannt gewordene Evergreen „Azzurro“ auf dem Programm. Bollani entpuppt sich als idealer Reiseführer für diese italienische Nacht. Mit Witz, Können und Leichtigkeit führt er den Hörer durch die Musik seiner Heimat. Eng an Bollanis Seite: Die zwei Dänen seines bestens eingespielten Trios, Jesper Bodilsen am Bass und Morten Lund am Schlagzeug, sowie 14 wagemutige Mitglieder der Berliner Philharmoniker, die ihre außerordentliche Klang- und Spielkultur in ein ganz neues Umfeld stellen. Das Ensemble komplettiert der aus Nizza stammende Akkordeonist Vincent Peirani, eine der Schlüsselfiguren des aktuellen Jazz aus Frankreich. Die Arrangements des Abends schrieb der Norweger Geir Lysne, der auch das Konzert leitet. Ein idealer Partner für Bollani mit dem er schon eine ECHO Jazz prämierte Aufnahme mit der NDR Big Band veröffentlichte und dessen große stilistische Offenheit und Vielseitigkeit teilt. Auf „Mediterraneo“ zeigt sich die verbindende Kraft des Jazz – Folklore, Klassik, Filmmusik, Lied und Improvisation verschmelzen zu einem so überraschenden, wie beglückenden Hörerlebnis.Credits: Recorded by Nanni Johansson live in concert at the Berlin Philharmonie, Großer Saal, June 12, 2017 Mixed by Klaus Scheuermann with Geir Lysne & Roberto Lioli Mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art by Federico Herrero, Landscape, 2017 by permission of the artist and Sies + Höke, Düsseldorf

17,50 €*
Komeda - Jazz at Berlin Philharmonic XIV
Joachim Kühn - Komeda - Jazz at Berlin Philharmonic XIV CD / digital Joachim Kühn piano Chris Jennings bass Eric Schaefer drums Atom String Quartet Dawid Lubowicz violin Mateusz Smoczyński violin, baritone violin Michał Zaborski viola Krzysztof Lenczowski cello Krzysztof Komeda - eine Legende des polnischen und Wegweiser des europäischen Jazz. Als Filmkomponist für zahlreiche Roman Polanski Filme wie „Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ wurde er weltberühmt. Früh verstarb diese große Künstlerpersönlichkeit 1969 mit nur 37 Jahren, hinterließ aber in der kurzen Spanne seines Lebens ein einflussreiches Werk. Joachim Kühn, heute selbst eine Ikone des Jazzpianos, ist ein großer Bewunderer von Komeda, den er 1965 in Warschau persönlich kennengelernt hat. Bei Jazz at Berlin Philharmonic, kuratiert von Siggi Loch, widmete er ihm am 14. Oktober 2022 eine Hommage – solo, mit seinem New Trio sowie mit dem polnischen Atom String Quartet. Mag Krzysztof Komeda hierzulande vielen kein Begriff sein, in seiner Heimat hat er einen Rang wie sonst nur Frederik Chopin. Mit ihm verbindet sich der Aufstieg des polnischen Jazz von einer Untergrund-Bewegung zu einem Kultur-Leuchtturm, ja fast zu einer neuen Art Nationalmusik. Mit Strahlkraft über seine Heimat hinaus, denn er avancierte zu einer Schlüsselfigur der Emanzipation des europäischen vom amerikanischen Jazz: Zeitgleich mit Lars Gullin und Jan Johansson in Schweden und auch im Ansatz vergleichbar, verschmolz Komeda die eigene Volksmusik und ihre typischen Melismen mit den Charakteristika des Jazz. Er wurde so einem der großen Lyriker des Klangs. Sein früher Unfalltod machte ihn in seiner Heimat früh zur Kultfigur. In seinen letzten Jahren hatte sich Komeda vor allem auf Filmmusik konzentriert, Roman Polanski holte ihn 1967 nach Hollywood. Ein Höhepunkt seines Jazz-Schaffens war zweifellos das Album „Astigmatic“, dass 1965 unter anderem mit dem Trompeter Tomasz Stanko in einer einzigen nächtlichen Session entstand. Bis heute wird es in Polen jährlich zur wichtigsten Jazzaufnahme gewählt, das britische Magazin Jazzwise führt es als eines der „Jazzalben, die die Welt erschütterten.“ Schon deswegen könnte es für eine musikalische Verbeugung vor Komeda keinen besseren Gastgeber und Interpreten geben als Joachim Kühn. War er doch 1965 bei der Aufnahme von „Astigmatic“ als Zuhörer im Studio, nachdem beide Bands vorher auf der „Jazz Jamboree“ in der Nationalphilharmonie Warschau gespielt hatten. „Für mich war Komeda schon damals einer der großen Visionäre des europäischen Jazz,“ erinnert sich Kühn. Komedas Kompositionen gehören deshalb seitdem zum Repertoire des nicht minder visionären Joachim Kühn, der die kleine Schar der deutschen Jazzer mit internationaler Geltung anführt – und das seit bald 60 Jahren. Mit den drei Stücken des legendären Albums „Astigmatic“, „Kattorna“ und „Svantetic“ beginnt das Jazz at Berlin Philharmonic Konzert auch. Kühn demonstriert sich als als primus inter pares unter den phänomenalen Begleitern des Abends: Seinem „New Trio“ mit Eric Schaefer am Schlagzeug und Chris Jennings am Bass, sowie dem Atom String Quartet, „ein Weltklasse-Quartett mit einer kraftvollen Mischung aus Klassik und Jazz-Improvisation“ (Jazzwise), mit Dawid Lubowicz und Mateusz Smoczyński an den Violinen, Michał Zaborski an der Viola und Krzysztof Lenczowski am Cello. Es ist eine rauschhafte halbe Stunde, die diese sieben Ausnahmemusiker gemeinsam aus diesem Opus magnum erstehen lassen: Spannende freie Improvisationen und Soli wechseln ab mit den wuchtigen Themen des immer bildhaft denkenden Komeda; größtmögliche Individualität mit einem unfassbar antizipierenden Interplay. Mitreißend, modern und von zeitloser Schönheit. Nicht minder bezwingend und dramaturgisch perfekt schließen dann Einzelbearbeitungen aus Komedas Werk an: Kühns fast romantisches, wundervoll weiches Solo über „After the Catastrophe“; sein bewegendes Duo mit Mateusz Smoczyński bei der 1961 entstandenen „Moja Ballada“; die Atom String Quartet-Fassung von „Crazy Girl“ aus Komedas Soundtrack zu Polanskis „Messer im Wasser“; schließlich die schillernde Trio-Bearbeitung des berühmten Wiegenliedes „Sleep Safe and Warm“ aus „Rosemaries Baby“, bevor sich alle noch einmal gemeinsam zum furiosen Finale mit „Roman II“ zusammenfinden. Viele Bögen, musikalische wie historische, runden sich hier. Was Komeda mit Kühn außerdem verbindet und hier nahezu greifbar ist: Für beide war Jazz das Fenster in die Freiheit. So versteckte Krzysztof Trzciński, wie er bürgerlich hieß, seine Musikerexistenz lange hinter seinem Beruf als Hals-Nasen-Ohren-Arzt und dem Pseudonym Komeda, bis seine Popularität vom Staat nicht mehr zu unterdrücken war. Und Joachim Kühn entzog sich der Bevormundung durch das DDR-Regime als 22-Jähriger durch die Flucht in den Westen. Mithilfe seines Bruders Rolf, der ihm auch Starthilfe gab für seine Weltkarriere, die ihn als Kosmopoliten in die USA, nach Frankreich und Spanien, vor allem aber in die künstlerische Freiheit führte. Auch dieser Kreis schließt sich am Ende bei Jazz at „Berlin Philharmonic: Komeda“. Als Zugabe spielt Joachim Kühn zur Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Bruder das bewegende „My Brother Rolf“. Alleine das rechtfertigt den kürzlich im April an beide verliehenen Ehrenpreis des Deutschen Jazzpreises.Credits: Recorded live in concert by Thomas Schöttl at Jazz at Berlin Philharmonic, Kammermusiksaal, October 14, 2022 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Produced by Joachim Kühn Curated by Siggi Loch Cover art by Shoshu

17,50 €*