Aus ACT Archiv: Limitierte Testpressung des Albums von Jakob Manz: The Answer (2024)
Ein seltenes Sammlerstück: Eine Testpressung ist die erste Probeplatte eines Albums und dient der Qualitätskontrolle vor der finalen Pressung. Sie entspricht klanglich nicht immer exakt der späteren Veröffentlichung, was sie jedoch zu einem besonderen Sammlerstück mit eigener Geschichte macht. Jede Testpressung ist eine Limited Edition – ideal für Sammler:innen und alle, die Jazz-Vinyl, Raritäten und exklusive Ausgaben schätzen.
Unser Vinyl Testpressung-Paket beinhaltet:1 Bio-Vinyl-Testpressung in der originalen weißen Schutzhülle. Eine schön gestaltete Karte mit handgeschriebenen Schlüsseldetails zur Veröffentlichung, wie Künstlernamen, Albumtitel, Produktionsjahr und Anzahl der Testpressungen. Album-Booklet im PDF-Format. Dieses enthält einen umfassenden Einblick in das Album mit dem Cover-Artwork, einem Text über das Album, der Tracklist, vollständigen Produktions- und Performance-Credits sowie Details zur Instrumentierung.
Echtheitszertifikat der Testpressung
Dieses Zertifikat bestätigt die Echtheit der Testpressung, die im Rahmen des Qualitätskontrollprozesses vor der finalen Vinylpressung hergestellt wurde. Testpressungen werden nur in begrenzter Stückzahl produziert, um höchste Klangtreue und Fertigungsqualität zu gewährleisten.
Jede Testpressung wird sorgfältig geprüft und von unserem Team freigegeben, bevor die Produktion fortgesetzt wird. Dieses Dokument dient als Nachweis für ihre Authentizität und Einzigartigkeit.
Zur offiziellen Bestätigung trägt dieses Zertifikat den Firmenstempel. Hinweis:
Eine Testpressung ist eine Vorabversion der Vinylplatte, die zur Überprüfung der Pressqualität vor der Serienproduktion verwendet wird. Die Audioqualität kann leicht von der finalen Version abweichen und kleine Unregelmäßigkeiten aufweisen, die Teil des Testprozesses sind. Sie besitzt historischen Wert als Bestandteil des Produktionsprozesses.
Nils Kugelmann - Life ScoreCD / Vinyl / digitalNils Kugelmann double bassLuca Zambito pianoSebastian Wolfgruber drumsNils Kugelmann will erzählen. Man merkt es an den Titeln seiner Stücke, den Ansagen bei seinen Konzerten und natürlich an der Musik selbst. „Die Verbindung von Musik mit Geschichten, Gefühlen und Situationen ist für mich essenziell“, meint der Wahl-Berliner Bassist, Komponist und Bandleader. „Bei Konzerten spreche ich bewusst und gerne mit dem Publikum und gehe ausführlich auf die jeweiligen Hintergründe der Stücke ein. Ohne diese Art der Kommunikation kann ich mir kaum vorstellen, Musik auf der Bühne zu präsentieren.“ Vor allem aber spielt und komponiert Nils Kugelmann musikalisch nachdrücklich und mit betörender Energie. Und es gelingt ihm wie keinem anderen deutschen Kontrabassisten der U30-Generation, sein Instrument zur Front-Figur seiner Musik zu machen. Direkt nach seinem Master im Jahr 2022 startete Kugelmann mit dem Debüt-Album „Stormy Beauty“ auf ACT durch: „Bass-Berserker“ (SZ), „Mega-Talent.“ (BR Klassik), Auszeichnungen, ausverkaufte Konzerte. Und auch über sein Kern-Trio hinaus spielt Kugelmann stiloffen, was ihm gefällt. Im Duo mit der Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar beispielsweise begibt er sich in verhalten kontemplative und der Klassik zugewandte Klangwelten, neben dem Kontrabass hauptsächlich mit der im Jazz-Kontext selten verwendeten Kontra-Alt-Klarinette. Als Teil des Shuteen Erdenebaatar Quartetts wiederum agiert er kraftvoll und mit profunder gestalterischer Kraft. Es sind viele Schattierungen seiner Musikerpersönlichkeit, die Kugelmann in seinem eigenen Trio mit dem Pianisten Luca Zambito und dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber besonders prägnant formuliert. „Life Score“ ist in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung und Konzentration der Qualitäten der Band und ihres Leaders. „Unser erstes Album kam ja noch aus der Corona-Zeit heraus. Wir hatten kaum Möglichkeiten, live zu spielen und die Aufnahmen im Studio waren die erste richtige Gelegenheit, die Stücke auszuprobieren.“ erinnert sich Kugelmann. „Mit ‚Life Score‘ ist das ganz anders. Inzwischen haben wir viele Konzerte hinter uns, das Trio ist enger zusammengewachsen. Die Stücke wirken viel kompakter und konkreter“. Wesentlichen Anteil daran hat ACT-Chef und Produzent Andreas Brandis. Auf mehreren Livekonzerten testete das Trio das neue, von Nils Kugelmann geschriebenen Repertoire. Es folgten intensive gemeinsame Diskussionen über Stückauswahl, Arrangements, Sound und Dynamik. So konnte das Trio zusammen mit seinem Produzenten perfekt vorbereitet ins Studio gehen, sich auf die Arbeit an Feinheiten konzentrieren und die idealen Album-Fassungen der Stücke finden. Andreas Brandis sagt: „Nils Kugelmann ist nicht nur ein unglaublicher Bassist, sondern vor allem auch ein großartiger Songwriter. Und gerade weil seine Musik so prägnant und eingängig ist, war es wichtig, die Stücke auf ihren Kern zu reduzieren.“ Die Kompositionen des Albums haben allesamt eine cineastische Qualität, sind kurze Lebensfilme ihrer Protagonisten, „Life Scores“, die sich von Erlebnissen auf Tournee wie einem Besuch der Galapagos-Inseln, aber auch von allgemeineren Stimmungen wie dem Gefühl von lauen Sommerabenden, dem Duft der Nacht und dem unvergleichlich Erleben der Liebe inspirieren lassen. Das sind alles Geschichten, die sich in den Kompositionen wiederfinden, in klaren, präsenten Melodien, im groovenden, fließenden Rhythmus eines homogen klingenden Trios und auch in der Natürlichkeit melodischer Musik. Denn Nils Kugelmann will nicht nur erzählen. Er will auch gehört und verstanden werden – von einem breiten Publikum und auch von Zuhörer:innen seiner eigenen Generation. „Life Score“ bietet dafür, als so komplexer, wie mitreißender Entwurf eines cineastischen Gen-Z-Trio-Jazz, perfekte Voraussetzungen.Credits:Recorded by Klaus Scheuermann, on September 24–25, 2024, at Soundfabrik in Berlin, Germany Mixed and mastered by Klaus ScheuermannCover art by Bernd Zimmer, “Cosmos”, 2003
MALAKOFF KOWALSKI ÜBER DAS ALBUM "UPRIGHT"Am Tag einer Klavieraufnahme dreht sich frühmorgens als Erstes alles um die Stimmung. Die pianistischen Vorlieben, die Anforderungen des Repertoires und die Methoden des Klavierbauers werden miteinander in Einklang gebracht, und sobald das Instrument bereit ist, angespielt zu werden, beginnt sich das Adrenalin bemerkbar zu machen. Wir waren für Aufnahmen zu meinem Album „Songs With Words“ verabredet. Auch mit den Pianisten Igor Levit und Chilly Gonzales hatte ich hierfür schon ein paar Stücke aufgenommen. Nun also traf Johanna Summer morgens bei mir im Studio ein, und als sie das Klavier nach der Stimmung ausprobierte, hörte ich etwas, das vollkommen neu war für meine Ohren. Jazz! Jazz hatte auf meinem Upright-Klavier, einem „Krauss“ aus den 1920er-Jahren, noch nie jemand gespielt. Noch dazu war das Klavier mit einem Filz zwischen Hämmern und Saiten präpariert, um einen ungewöhnlich warmen und gedämpften Klang zu erzeugen, der in Teilen beinah einem Fender Rhodes oder einer Celesta ähnelt. Altmodisch und dabei sehr modern. Während ich so dastand und hoffte, die Stimmung würde Johanna gefallen, spürte ich, dass Johannas Klangprobe eine ganz eigenständige Solomusik war, die es geradezu einforderte, ebenfalls aufgenommen zu werden. Wir sprachen darüber und einigten uns darauf, ein paar Wochen später einen Tag lang alles aufzunehmen, was Johanna an diesem Klavier in den Sinn kommen würde. Die Beschaffenheit des Instruments in Verbindung mit dem Filz fördert aus mechanischen Gründen einen recht lyrischen, introspektiven Ausdruck, gleichzeitig sind hierbei zu schnellen und zu lauten Passagen kaum spielbar. Johanna, – die üblicherweise auf dem modernen Flügel mit ihren entfesselten Improvisationen über klassisches Repertoire keine Grenzen kennt – gewissen Restriktionen auszusetzen, schien ihr als Pianistin und mir als Produzenten eine aufregende Aussicht zu sein. Wir rechneten mit zwei bis drei Stücken, die entstehen könnten. Aus denen sich dann vielleicht irgendwann einmal mehr machen ließe. Dass nach einem langen Tag im Studio sieben Stücke fertig wurden, war kaum zu glauben. Schon am nächsten Morgen, beim ersten Durchhören, zeichnete sich ab, dass diese Musik ein in sich geschlossener Zyklus war: zwei eigene Improvisationen eröffnen ihn. Wollte man heimlich behaupten, diese Musik sei geschrieben und nicht improvisiert, sie stünde für eine Kompositionsfertigkeit, wie sie zeitgenössisch kaum jemand beherrscht. GIANT STEPS, STELLA BY STARLIGHT und I REMEMBER YOU bilden den Kern aus Jazz-Standards. Auch diese Einspielungen (es gab jeweils mehrere Takes) leisten Außerordentliches: Soweit ich weiß, wurden diese Standards noch nie auf diese Art gedacht und gespielt, schon gar nicht auf einem gedämpften Klavier von vor hundert Jahren. Vielleicht erinnern die freien Einleitungen entfernt an Mompou oder Bartók, ich weiß es nicht, jedenfalls sind sie schon nach wenigen Tönen unverwechselbar als Johanna Summer identifizierbar. Die berühmten Standards werden heruntergebrochen auf die zurückgenommensten Grundsäulen ihrer Themen und die kurzen Soli verflüchtigen sich genauso unbemerkt wie sie sich lautlos aus dem Nichts ihren Weg suchen. Wo TEARDROP von Massive Attack auf einmal herkam in dieser Reihung, lässt sich kaum noch nachvollziehen, aber mehr Glück kann ein Einfall im Studio kaum bringen. Das Ende des Zyklus' bildet Richard Wagners sagenumwobene, dissonierende „Elegie in As-Dur“ – ein wahrscheinlich aus „Tristan & Isolde“ verworfenes Thema, das lange Zeit als seine letzte fragmentarische Niederschrift galt. Das alles war eine große Überraschung für uns. Fast wie etwas, das einem widerfährt. Ein sehr aus der Zeit gefallener Vorgang. Eine Verbindung aus größter Freiheit und einiger Beschränkungen, aus völliger Absichtslosigkeit und einigem Verlangen nach einer Musik, für die es kaum Worte gibt, aber nun einen Namen: UPRIGHT.
Emma Rawicz & Gwilym Simcock - Big VisitCD / Vinyl / digitalEmma Rawicz tenor & soprano saxophoneGwilym Simcock pianoDas Duo von Saxofonistin Emma Rawicz (*2002) und Pianist Gwilym Simcock (*1981) vereint zwei der wichtigsten Figuren zweier Generationen des britischen Jazz. Rawicz und Simcock, beide Leader eigener Bands und großer Projekte für Bigband und Orchester lieben das kompakte, intime Duo-Format. „Das ist eine wirklich beglückende Erfahrung“, sagt Simcock, „wir harmonieren sehr miteinander, Emma schreibt so avanciert, ihr Blick für Details ist außerordentlich.“ Er bewundert Rawiczs technische Meisterschaft auf dem Tenor- und Sopransaxofon, besonders ihre Leichtigkeit in den oberen Registern: „Bei ihr fließen die Ideen unmittelbar ins Instrument, dieses Ideal streben wir alle an.“ Die Begeisterung beruht auf Gegenseitigkeit. „Ich war schon lange Fan von Gwilym“, erinnert sich Emma Rawicz, „deswegen geht mit unserem Duo für mich ein Traum in Erfüllung.“ Obwohl beide unterschiedlichen Generationen entstammen, gibt es in ihrer musikalischen Geschichte starke Berührungspunkte: Simcock and Rawicz studierten sogar bei den gleichen Lehrern an den gleichen Hochschulen. „Deswegen haben wir sehr ähnliche Vorlieben in unserem Musikverständnis“, sagt Rawicz. „Keith Jarrett, Jan Garbarek, Ralph Towner, ebenso die folkbeeinflusste britische Jazzfamilie von John Taylor und Kenny Wheeler bis Norma Winstone. Das alles hatte großen Einfluss.“Die passende Gelegenheit für eine erste Begegnung ergab sich bei einem Konzert im Februar 2023 in der Royal Academy of Music bei einer verspäteten Feier von Simcocks 40. Geburtstag, für die er neue Musik schreiben sollte. Rawicz erinnert sich gern, wie enthusiastisch sie war, als sie für dieses besondere Projekt ausgewählt wurde. Im Gespräch danach waren sie begeistert von der Idee eines Duos, worin sie Andreas Brandis von ACT bestärkte und unterstützte. Das Duo bedeutet für beide Hingabe, Freude und viele Impulse für Weiterentwicklung. „Unsere Begegnungen sind etwas sehr Besonderes“, sagt Simcock. „Wir treffen uns so oft es geht und das Duo entwickelt sich mit jedem Treffen weiter“, teilt Rawicz diese Begeisterung. Die Kritiker liebten schon die ersten Auftritte. „Rawicz and Simcock sind exzellent, sowohl in den ruhigeren Stücken als auch in den energetischeren Aufbrüchen. Ihre Interaktionen und ihre Kommunikation waren superb“, schrieb der polnische Kritiker Krzysztof Komorek über ihr erstes Konzert in London. Für Deutschlandfunk Kultur war ihr Jazz Baltica-Auftritt 2024 ohne Zweifel ein Höhepunkt des Festivals.Das gemeinsame Album „Big Visit“ entstand im idyllisch gelegenen „Curtis Schwartz Studio“ in West Sussex, England. Die Stimmung während der Session war „entspannt und unbeschwert“, erinnert sich Simcock. So entstand ein Album voller faszinierender Kontraste zwischen Momenten der Einkehr und Einstellungen in der musikalischen Totalen – eine Herangehensweise, auf die der Albumtitel anspielt. Alle Stücke auf „Big Visit“ leben von spielerischen Elementen. Den Eröffnungstrack „His Great Adventure“ hat Simcock seinem Sohn gewidmet, Rawiczs „The Drumbledrone“ nutzt das Wort ihres Heimat-Dialekts für Hummel und ist eine Erinnerung an ihre frühe Kindheit in der Grafschaft Devon, als sie lernte, die Sprache ihrer Großmutter vom Standard-Englisch zu unterscheiden. Der Titel von Simcocks „Optimum Friction“ bezieht sich auf dessen spannungsreiche Harmonik. Aber es gibt auch eine eher nachdenkliche Seite: „Shape of a New Sun“ zitiert den Roman „Die Hälfte der Sonne“ der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, ein Buch voller Schmerz und Hoffung. Stevie Wonders „Visions“ beschreibt den Traum von einer besseren Welt und die Ballade „You’ve Changed“ erzählt von erloschener Liebe.Mittlerweile ist das Duo Rawicz-Simcock von einer naheliegenden Idee über eine inspirierte Aufnahmesession zu einem lebendigen, atmenden, sich stetig weiter entwickelnden musikalischen Organismus geworden. Das Repertoire wächst stetig, das Duo ist in ganz Europa unterwegs und es wird spannend sein, die nächsten Kapitel seiner Geschichte zu erleben.Credits:Produced by Gwilym Simcock, Emma Rawicz
Recorded in the U.K at Curtis Schwartz Studio by Curtis Schwartz on the 29th &30th July 2024
Edited and mixed by Gwilym Simcock
Mastered by Curtis Schwartz
The Art in Music: Cover art by Paul Quick (1936–2023), ACT Art Collection
Jakob Manz & Johanna Summer - CameoCD / Vinyl / digital
Johanna Summer piano
Jakob Manz alto saxophone & recorder Das Duo von Pianistin Johanna Summer und Saxofonist Jakob Manz ist ein seltener Glücksfall des jungen deutschen Jazz: Zwei seiner herausragenden Charaktere, virtuos, mutig, mit weitem Horizont, unverwechselbarer Handschrift und einem Verständnis von Jazz als Mittel zum Erzählen neuer, persönlicher Geschichten. Beide sind tief im Jazz-Idiom verwurzelt, erweitern es aber um ihre individuellen Prägungen. Für Johanna Summer ist das besonders die klassische Musik. Mit ihren freien Improvisationen über Bach bis Ligeti tritt sie regelmäßig in großen klassischen Häusern auf - solo und mehrfach im Duo mit Igor Levit. Jakob Manz wiederum vereint auf mitreißende Weise die melodische und rhythmische Kraft des Pop mit der Sensibilität des Jazz - beeinflusst von seiner tiefen Verehrung für Pop-Jazz-Grenzgänger wie David Sanborn oder Marcus Miller sowie jüngst als Special Guest von Sarah Connor auf den größten Bühnen des Landes.Jazz, Pop, Klassik, Improvisation, Komposition - all diese Elemente destillieren Johanna Summer und Jakob Manz auf ihrem zweiten gemeinsamen Album „Cameo“ in das kleinstmögliche Format musikalischer Interaktion: das Duo. Repertoire und Konzept des von Andreas Brandis produzierten Albums unterscheiden sich deutlich von denen des Vorgängers „The Gallery Concerts I“. Johanna Summer erklärt: „Wir wollten dieses Mal Musik schreiben und auswählen, die nicht von jedem gespielt werden können, sondern besonders zu Jakob und mir passen. Auf dem ersten Duo-Album spielen wir Standards und Klassiker, sehr spontan und live. Diesmal haben wir uns die Stücke gegenseitig auf den Leib geschneidert.“ Die Bandbreite der Eigenkompositionen spiegelt die ihrer Protagonisten wider, vom innigen Opener „The Opposite“ über das rasante „The Turmoil“ (mit Jakob Manz virtuos an der Blockflöte) bis zur Soul getränkten Ballade „The Endless Dream“.Zu den acht Originalkompositionen kommen drei außergewöhnliche Bearbeitungen: „Im Schönsten Wiesengrunde“ ist ein Volkslied aus der schwäbischen Heimat von Jakob Manz, welches ihn seit seiner frühsten Kindheit begleitet. „Mahler Neu(n)“ basiert auf dem 4. Satz aus Mahlers 9. Symphonie – für Johanna Summer ein sehr vertrautes Stück mit „fast schon Pop-Songartiger Qualität“, wie sie sagt. Das trifft auch auf Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ zu, wobei sich die Interpretation dieses Stücks als besondere Herausforderung entpuppte. Mit der Art auf die sich Manz und Summer behutsam tastend um das im Original sehr kantige, mehr gesprochene als gesungene Thema herumbewegen gelingt, woran viele Jazz-Bearbeitungen von Popsongs scheitern: Es fügt dem Song eine wirklich neue Ebene hinzu.Überhaupt liegt der besondere Zauber des Duos von Summer und Manz im gemeinsamen Suchen und Finden von neuer Musik, dem Einander-Zuhören und Aufeinander-Reagieren und der Art, wie sich die beiden zugleich so verschiedenen wie einander nahen Protagonisten ergänzen und immer wieder gegenseitig überraschen. Jakob Manz sagt: „Immer, wenn Johanna improvisiert, passiert etwas krass anderes, das man so nicht erwartet. Ihre Soli wirken oft wie komponiert, sind aber tatsächlich immer anders, entstehen stets aus dem Moment heraus. Es gibt ganz wenige Musiker:innen, die das so beherrschen. Das fordert mich immer wieder heraus.“ Und Johanna Summer erwidert: „Ich finde es beeindruckend, wie unendlich musikalisch Jakob ist. Alles, was er spielt, ist unglaublich nachvollziehbar und stark. Selbst wenn es sehr komplexe Dinge sind ist das nie Selbstzweck, sondern immer eingebunden in etwas, dass total Sinn ergibt und sehr klar ist. Es ist eine Klarheit, die sehr menschlich, musikalisch und nachvollziehbar ist. Und es beeindruckt mich, wie Jakob, unabhängig von äußeren Umständen auf den Punkt abliefern und alles aus sich herausholen kann. Er ist immer zu 100% da.“Auch wenn man sich über die persönlichen Biografien und Einflüsse dem nähern kann, was das Duo von Johanna Summer und Jakob Manz ausmacht, lässt sich sein besonderer Reiz eher erfühlen als erklären. Vieles passiert in dieser Musik aus irgendeinem magischen Grund im Einklang, obwohl es bis einen Bruchteil einer Sekunde vorher nicht absehbar war. Das zeugt von der großen Wachheit und Sensibilität der beiden. Jakob Manz sagt: „Wenn ich mit Johanna im Duo spiele funktionieren viele Gewohnheiten, die ich im Zusammenspiel mit anderen Musiker:innen entwickelt habe schlicht nicht mehr. Ständig kann etwas Neues passieren, man muss immer wahnsinnig wach bleiben. Das ist sehr inspirierend!“ Die besondere Magie dieses musikalischen Dialogs überträgt sich beim Zuhören. Man staunt über die Gleichzeitigkeit von Freiheit und Klarheit, über die Art, auf die zwei sehr verschiedene Charaktere zugleich behutsam und selbstbewusst miteinander interagieren - und über die farbenreiche, lebendige, tief empfundene Musik, die so entsteht. Ein seltener Glücksfall eben. Credits:
Music composed by Johanna Summer & Jakob Manz, except #4 (traditional), #7 (Herbert Grönemeyer) and #9 (Gustav Mahler)
Produced by Andreas Brandis Recorded by Emanuel Uch from July 31 to August 1 at the ACT Gallery in Berlin, Germany Mixed and mastered by Emanuel Uch
Anna Gréta - Star of SpringCD / Vinyl / digital
Anna Gréta piano, vocals, backing vocals & all keyboards
Einar Scheving drums and percussion
Skúli Sverrisson electric bass Þorleifur
Gaukur Davíðsson guitar & pedal steel
Birgir Steinn Theodórsson double bass
Magnús Trygvason Eliassen drums
Sigurður Flosason bass clarinet
Albert Finnbogason synthesizer
Das Neue kommt bei Anna Gréta auf leisen Sohlen daher. Die in Reykjavik aufgewachsene, in Stockholm lebende Musikerin zelebriert ruhige, kunstvolle, persönliche Songs, klar in der Tradition des nordischen Vokal-Jazz und besonders inspiriert von der Kraft der Natur ihrer Heimat. War ihr 2021 erschienenes ACT-Debüt „Nightjar in the Northern Sky“ nach einem Vogel benannt, so ist es jetzt bei “Star of Spring” eine Blume, die das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings einläutet.Das Besondere in Anna Grétas Musik zeigt sich beim genaueren Hinhören. Schon die für das Debütalbum titelgebende, seltene Nachtschwalbe, verkörpert genannten Naturbezug, steht jedoch auch als Metapher für die Suche nach dem Besonderen und dem Eigentlichen. Fast alle Songtexte von Anna Gréta besitzen so einen doppelten Boden, erst recht auf “Star of Spring”, das sich noch expliziter aufs Geschichtenerzählen versteht. Wie bei der Blume des Titelstücks, die auf Deutsch ‘Schneesturm’ heißt: “Bei ihr inspirierte mich nicht nur, wie sie im Frühjahr die Wiesen in Besitz nimmt und von Grün in Blau verwandelt. Sondern auch, dass sie blüht, weil sie muss. Sie kann nicht anders.”
Und auch Anna Grétas musikalischer Persönlichkeit ist facettenreich: Ausgangspunkt war und ist das Klavier. Anna Gréta studierte zunächst klassische Musik und wechselte dann zum Jazz. Zum Singen kam sie erst später, als sie die Songs für Nightjar schrieb und sich in Worten ausdrücken wollte. Ihr Debüt als Sängerin, Pianistin und Songwriterin erntete internationale Anerkennung: Downbeat nannte es "ein Album mit der Vielfalt der Jahreszeiten und einer Stimme mit Farben des Nordlichts", France Musique "eine bemerkenswert eindringliche Erfahrung" und Jazzwise "schlichtweg schön".Auf “Star of Spring” entwickelt Anna Gréta ihren ganz eigenen Stil weiter. Ihre Gesangslinien ähneln Klaviermotiven, doppeln diese auch gerne und schwingen in einem eindrucksvollen leisen Vibrato nach, mitunter mit schrägen Intonationen à la Björk und folkigen Betonungen à la Norah Jones garniert. Und auch in Sachen Produktion trägt das Album eine sehr prägnante Handschrift. Für jeden der Songs schuf Anna Gréta eine eigene, kleine Welt aus Stimmen, rhythmischen Texturen und verschiedenen, raffiniert eingesetzten Tasteninstrumenten. Das Spektrum der Stücke des Albums reicht vom Hymnisch-Elegischem wie bei “She Moves” oder dem Titeltrack, geht über Verspielt-Heiteres wie “Space Time” bis zur extrem reduzierten und melancholischen Ballade “Denounment”. Und auch wenn die allgemeine Stimmung vor allem Wärme und Wohlbehagen verströmt, behandelt Anna Gréta durchaus ernste Themen, wie auf die durch Dänemark zwangsverordnete Geburtenkontrolle von Frauen in Grönland während der 60er und 70er Jahre im Song „The Body Remembers“. Sehr sinnlich klingt das, umso mehr, weil die Arrangements für ihre bestens eingespielte Band auf “Star of Spring” noch vielschichtiger geworden sind. So lässt sie ihr helles Timbre und ihr perlendes Klavierspiel auf drei Stücken von einer Bassklarinette kontern – gespielt von ihrem Vater Sigurður Flosason. “Das Album ist spielerischer und experimenteller”, sagt Anna Gréta. “Bei Nightjar war ich noch stark auf meine eigene Welt konzentriert. Dieses Mal hatte ich noch mehr im Blick, was um mich herum passiert.”
Das Resultat ist Musik, die klar im Jazz verwurzelt ist, zugleich aber auf sehr subtile Art nach „mehr“ klingt. Und stets spürt man, dass dies erst der Anfang des eingeschlagenen Weges ist - oder wie die Süddeutsche Zeitung schrieb: “Von Anna Gréta darf man noch viel erwarten.” Credits:
Produced by Anna Gréta
Mikael Máni - Guitar PoetryCD / Vinyl / digital
Mikael Máni Ásmundsson guitar
„Ich liebe die Musik von Joni Mitchell oder Bob Dylan“ sagt der isländische Gitarrist Mikael Máni. „Ich glaube, vor allem deshalb schreibe ich für die Gitarre oft Songs, die man genauso gut auch singen könnte.“ Womit wir bereits beim Kern seines ACT-Debüts „Guitar Poetry“ angelangt wären: Es zeigt einen Instrumentalisten, der die Raffinesse des Komponierens und die Freiheit des Improvisierens gleichermaßen liebt und beides mit der Klarheit und Aufrichtigkeit eines Singer-Songwriters verbindet. Das macht seine Musik so vielschichtig. Mikáel Mani beschreibt diese gerne als Mixtur aus Jazz, Rock und Impressionismus, immer mit dem Ziel, sowohl zugänglich als auch anspruchsvoll zu sein, um Menschen intellektuell anzuregen und gleichzeitig emotional zu berühren.Gleich der erste Song „She’ll Arrive Between 10 & 11“ steckt die Bandbreite dessen ab, was die Hörer im Laufe des Albums „Guitar Poetry“ erwartet: Ein warmer Gitarrenton mit feiner, akustischer Brillanz in einem offenen Hallraum eröffnet das Stück. Es folgt eine einfache, folkloristisch angehauchte Melodie, ein paar sparsame Harmonien - musikalische Idylle. Und dann, in der Mitte von, kippt der Song in Geräuschhafte, wird düster, bedrohlich, fast ausweglos… und kehrt schließlich zurück zum versöhnlichen Thema.Mikael Máni ist ein junger Meister der Kontraste und musikalischen Überraschungen. Und ein Gitarrist mit ganz eigener Handschrift, die sich kaum in Kategorien des gängigen Spektrums des Instruments im Jazz einordnen lässt. Der Jazz-Bezug zeigt sich eher in einer Spielhaltung und weniger in einer wirklichen Genre-Zugehörigkeit. Augenfälliger sind eher das Finger-Picking von Folk-Gitarristen, Einflüsse aus Blues, Americana und nordischen Liedern und immer wieder eine ganz eigene, cineastische Qualität. Und auch wenn Máni seine Musik rein instrumental interpretiert, hat sie einen extrem gesanglichen Charakter. Virtuositäts-Wettbewerbe und Instrumentalisten-Eitelkeiten sind diesem Künstler fremd. Mikael Máni lässt seine Musik fließen und erzeugt Intensität mal durch Ruhe und Entspanntheit, mal durch Energie und kleine Ausbrüche die auch schon mal kurz aus jeder Tonalität ins Geräuschhafte explodieren können, um dann entweder zurückzufinden oder ganz neue Auswege zu entdecken. Und manchmal hat man das Gefühl, zwei oder mehr Gitarristen zu erleben, mehrere Klangschichten parallel wahrzunehmen. Aber es ist, mit Ausnahme zweier in Mehrspurtechnik eingespielter Tracks, immer Mikael solo, der das Talent besitzt, Harmonien, Melodien und Fragmente anzuspielen, die dann als Teile der Arrangements in den Köpfen der Hörenden weiterleben und weiterwachsen.Die Formulierung mag ein Clichée sein, aber hier passt sie einfach: Die Songs auf „Guitar Poetry“ erzählen allesamt Geschichten, öffnen Räume und Landschaften, zeichnen Bilder. Und sie sind das Spiegelbild eines so unkonventionellen, wie musikalisch nahbaren Gitarristen, eines extrovertierten Introvertierten, dem Ausdruck und Emotion über allem zu stehen scheinen. Credits:Produced by
Mikael Máni Ásmundsson
Cover art "untitled" von Guðjón Ketilsson
The Jakob Manz Project - The AnswerCD / Vinyl / digital
Jakob Manz alto saxophone & recorder
Hannes Stollsteimer piano &keyboards
Frieder Klein electric bass
Paul Albrecht drums
Karl-F. Degenhardt percussion
Guests: Lionel Loueke vocals & guitar on 2 Matthias Schriefl alphorn & trumpet on 5 Alexandra Stollsteimer violin on 6
„Wir sind mit Groove-Jazz groß geworden, mit Marcus Miller,
David Sanborn oder den Brecker Brothers, das ist unsere DNA“ sagt der
Altsaxofonist Jakob Manz „aber wir wollten für das zweite Album von The Jakob
Manz Project auch neue Inspirationen, die uns herausfordern und weiterbringen.“
Diese lieferten vor allem ein Aufritt beim Papjazz Festival auf Haiti. Die
Lebensumstände und die Musik des Landes, sowie die dortige Begegnung dem
Pianisten Meddy Gerville aus La Réunion bewegten die Band zutiefst. So hören
wir auf „The Answer“ wieder Jakob Manz atemberaubende Virtuosität, die jedoch
immer im Dienst der Musik steht. Wir hören von amerikanischem Soul- und
Pop-Jazz geprägte Grooves und Melodien. Aber auch neue Farben und
Schattierungen, welche die Beschäftigung mit Musiken jenseits der westlichen
Welt mit sich gebracht hat.
Diese neuen, erweiterten Klangräume erobert sich Manz mit
seiner Band bestehend aus Hannes Stollsteimer am Piano, Frieder Klein am Bass
und Paul Albrecht am Schlagzeug, nun erweitert um Perkussionisten Karl
Degenhardt. Dazu kommen Gäste aus den unterschiedlichsten Richtungen: Lionel
Loueke steuert mit Gesang und Gitarre eine faszinierende westafrikanische Note
bei, Alexandra Stollsteimer einen klassischen Geigenklang und Matthias Schriefl
Trompete und Alphorn - letzteres sicher ein Novum im Groove-Jazz-Genre. Wie so
oft ist Jazz auch auf „The Answer“ vor allem ein Vokabular, mit dem
Musiker:innen auf der ganzen Welt ausdrücken, was sie bewegt und beeinflusst
und ihr Publikum dies miterleben lassen. Credits:
Produced by the artists
Cover art "California Suite No.7, 2004" by Mimmo Paladino
Das ACT-Debüt, der jungen britischen Saxofonistin mit einem prominent besetzten Quintett mit Pianist Ivo Neame, Bassist Connor Chaplin, Gitarrist Ant Law und Drummer Asaf Sirkis – allesamt feste Größen der UK-Szene. „Chroma“, griechisch für „Farbe“, zeigt das ganze Spektrum einer Künstlerin, die längst über den Status eines Newcomers herausgewachsen ist.Dazu das Jazzwise Magazine: „Emma Rawicz is already the real deal!”high-quality download powered by Qobuz
Nils Kugelmann - Stormy BeautyCD / Vinyl / digital
Nils Kugelmann bass Luca Zambito piano Sebastian Wolfgruber drums
Berlin gilt weithin als Hochburg der deutschen Jazzszene, aber auch ganz im Süden des Landes machen sich vielversprechende Talente auf, dem Jazz neue Facetten zu entlocken. Wie die Jazzrausch Bigband, Alma Naidu oder Philipp Schiepek kommt auch der 1996 geborene Bassist Nils Kugelmann aus München. Sein ACT-Debüt „Stormy Beauty“ verdeutlicht, warum er schon in jungen Jahren zu den besten deutschen Bassisten zählt. Wie es der Albumtitel verspricht, geht es bei Nils Kugelmann um die wichtigsten Dinge, die Musik transportieren kann: Schönheit, Spannung, Leidenschaft. Dass nur wenige aufstrebende Musiker deren Kombination, selbst noch bei vermeintlichen Gegensätzen, so überzeugend, mitreißend und kreativ beherrschen, zeigt schon die Ausbeute an Ehrungen, die ihm alleine in den vergangenen zwei Jahren zuteilwurden: Neben dem BMW Young Artist Jazz Award 2022, dem Förderpreis des bayerischen Jazzverbands sowie dem Musikstipendium der Stadt München gewann Kugelmann mit seinem Trio und Stücken aus dem „Stormy Beauty“-Projekt gerade erst bei der Jazzwoche Burghausen den renommierten Europäischen Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis 2023. Und durfte so vor dem Gitarrenstar Lee Ritenour die umjubelte Festival-Eröffnung bestreiten.
Die Überzeugungskraft seiner Musik entspringt nicht zuletzt dem Phänomen, dass Kugelmann viel mehr ist als nur ein Bassist, er ist ein universeller Musiker und Komponist, ein echter Alleskönner. Von frühester Jugend an hat er alles ausprobiert: Gesang, Klarinette, Piano oder Synthesizer, dann vor allem Bass. Noch als Teenager balancierte er zwischen komponierter und improvisierter, zwischen akademischer Musik und Pop, zwischen Handgemachtem und Elektronik. Seine Ausbildung hat er mit klassischer Klarinette und Kompositionslehre begonnen, er schrieb Orchesterstücke und Musicals, die in München auch aufgeführt wurden.
Dieser eklektische Ansatz wurde im Bass-Studium bei Henning Sieverts an der Münchner Musikhochschule fokussiert, und so ist er als Bassist schon seit einigen Jahren die erste Wahl, wenn Münchener Kollegen eine Rhythmusgruppe zusammenstellen. Und auch so prominente Kollegen wie Benny Golson, Johannes Enders oder das Trio Elf holten ihn schon an ihre Seite. Was Kugelmann freilich nicht daran hindert, im Duo mit dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber auch Klavier zu spielen oder im Lightville-Duo mit seiner Partnerin, der ebenso talentierten Pianistin und Komponistin Shuteen Erdenebaatar, die äußerst seltene Kontra-Altklarinette.
Seinen eigenen Stil hat Nils Kugelmann nun mit seinem Trio mit Luca Zambito am Klavier und Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug gefunden, wie „Stormy Beauty“ beweist. Weil hier alle Kompositionen aus seiner Feder stammen, ist seine Handschrift unverkennbar. Ob nun „Unexpected Love“ und „About the Moment of Beginning“ von zwei Seiten den Zauber des Anfangs musikalisch umreißen, in dem einem der Anfang von etwas Neuem klar wird, ob bei „Finding Your Place“ mit von krachender Rhythmik eingefangenen, überbordenden Improvisationsteilen der Weg zur eigenen Stimme sozusagen nachverfolgt wird, ob die „Symphony for the Rain“ oder „Wild Leaves Falling“ Kugelmanns Ehrfurcht und Begeisterung für die Natur hymnisch einfangen oder mit „Song for a Golden Blossom“ ein machtvolles Liebeslied erklingt – stets gehen die herausragenden Qualitäten Kugelmanns Hand in Hand: Sein Talent, melodische Themen und Motive zu finden, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Seine instrumentale Virtuosität, die den Kontrabass aus der Rolle eines begleitenden Rhythmusinstruments befreien und ihn zum gleichwertigen, ja dominierenden Melodie-Instrument in einem Klaviertrio machen: weil bei Kugelmann jeder einzelne Ton selbst noch im höchsten Tempo definiert ist und Ausdruck hat. Schließlich die hohe Kunst des gleichberechtigten und perfekten Interplays, bei dem Kugelmann mit Luca Zambito und Sebastian Wolfgruber ebenfalls zwei junge Ausnahmekönner zur Seite stehen. „Stormy Beauty“ ist ein wuchtiges Debüt voller Kraft und Leidenschaft, dem man sich als Hörer nicht entziehen kann. Eines, das einen jungen Künstler vorstellt, der dem Jazz Neues zu geben hat und seinen Weg machen wird.Credits:
Recorded by Manfred Mildenberger, April 2022 Mixed by Florian Oestreicher at Realistic Sound Studio Mastered by Christoph Stickel
Jakob Manz - Groove ConnectionCD / Vinyl / digital
Jakob Manz alto saxophone & flute Roberto Di Gioia keyboards Karin Hammar trombone Bruno Müller guitar Tim Lefebvre electric bass Per Lindvall drums Guests: Paolo Fresu trumpet (on 01) Nguyên Lê guitar (on 04) Mark Harrington spoken words (on 01) „Jakob Manz überrascht einen immer wieder“, sagt Pianist und Keyboarder Roberto Di Gioia, der zusammen mit Siggi Loch das neue Album des jungen Saxophonisten produziert hat. „Dass Jakob unglaublich gut Saxofon spielt und das in allen möglichen Richtungen des modernen Jazz, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass er auch in Soul, Funk und Rhythm ’n‘ Blues 100% authentisch klingt, wissen sicher noch nicht alle. Und wenn man meint, man hätte nun wirklich alles von ihm gehört, spielt er ein so tiefes, seelenvolles Blues-Solo, dass man es kaum glauben kann.“ Mit der Veröffentlichung seinem Jazz-rockigen Debüt „Natural Energy“ im Jahr 2020 zeigte Jakob Manz wieviel Potenzial in ihm steckt. Es folgten prominente Auftritte auf den Leverkusener Jazztagen, der Jazz Baltica, in der Porsche Arena Stuttgart (als Gastsolist bei „70 Jahren SWR Big Band“) oder auf den ACT30 Jubiläumskonzerten in der Berliner Philharmonie. Im Jahr 2022 erschien das feingliedrige, akustische Duoalbum „The Gallery Concerts I“ mit der Pianistin Johanna Summer, welches Manz als Improvisator von großer Tiefe und Sensibilität zeigt. Und er erhielt viele prominente Auszeichnungen, zuletzt der Landesjazzpreis seines Heimat-Bundeslandes Baden-Württemberg.
War das Debüt-Album noch ein Querschnitt seines breiten musikalischen Spektrums, ist „Groove Connection“ eine Nahaufnahme von Jakob Manz‘ vielleicht größter Stärke: Sein Publikum mit seelenvollen Melodien, knackigen Soli und starkem Rhythmusgespür in Begeisterung zu versetzen. Diese raren Qualitäten mit einer internationalen Top-Besetzung weiter zu befeuern, war Ausgangspunkt für die Produzenten Roberto Di Gioia und Siggi Loch. Letzterer sagt: „Jakob Manz ist ein unglaubliches Talent und er steht für mich in der Tradition großer Saxofonisten wie Lou Donaldson, seinem Hero David Sanborn und auch von Klaus Doldinger. Alles Musiker, die auf der Basis des Jazz in Verbindung mit Soul und Blues zu ihrem charakteristischen Sound fanden und damit weltweit erfolgreich wurden. Im Fall von Klaus Doldinger habe ich das selbst erlebt, als ich ihn 1969, auf dem Höhepunkt des Erfolgs seines Jazz-Quartetts dazu motivierte, mit dem Album „Motherhood“ etwas ganz Neues auszuprobieren. Die Aufnahme wurde zur Blaupause für „Klaus Doldingers Passport“, seinem bis heute erfolgreichsten und meistbeachteten Projekt.“Und so hing die Messlatte für die „Groove Connection“ von Anfang an hoch: Ein Album von internationalem Niveau, mit Musiker:innen, die, wie Jakob Manz, das Vokabular des Soul-Jazz und Rhythm ’n’ Blues tief durchdringen und mit eigenem Leben füllen. Roberto Di Gioia, an den Tasten und auch als Songwriter, war von Anfang an gesetzt – aufgrund seiner Historie mit Klaus Doldingers Passport, der Kultband „Zappelbude“ und seiner aktuellen Band „Web Web“, aber auch wegen seiner Pop & Soul-Sensibilität als Produzent von Max Herre oder Joy Denalane. Erste Wahl für die tiefen Töne war der Amerikaner Tim Lefebvre, ein Hero von Jakob Manz, eine Instanz seines Instruments und Kollaborateur mit so unterschiedlichen Künstlern wie David Bowie, Wayne Krantz, Tedeschi Trucks Band oder Michael Wollny. Den stilsicheren Groove steuert der Schwede Per Lindvall bei - u.a. Mitglied der ersten Nils Landgren Funk Unit und Drummer bei ABBA. Funkige Würze kommt von Bruno Müller, einem der gefragtesten deutschen Session-Gitarristen. Den weichen, warmen Gegenpart zu Jakob Manz‘ brillantem Alt-Saxofon schafft die schwedische Posaunistin Karin Hammar. Und schließlich setzen Gastauftritte von Gitarrist Nguyên Lê, Trompeter Paolo Fresu und Sprecher Mark Harrington weitere Akzente.Beim Treffen der Groove Connection im Studio machte es unmittelbar Klick, wie sich Roberto Di Gioia erinnert: „Wir hatten alles perfekt vorbereitet, inklusive dem besten Bass-Equipment für Tim. Und dann kommt der an, stöpselt seinen 500€ No-Name-Tour-Bass in den Verstärker, beginnt ein bisschen zu spielen, Per Lindvall steigt mit ein und sofort passiert etwas. Da musste ich das erste Mal in die Regie rufen, dass sie sofort mitschneiden sollten.“ Der Vibe der ersten Minuten setzt sich über die Dauer der Aufnahmen fort. Alles fließt, alle scheinen unterbewusst genau zu erfassen, was die Musik wirklich braucht, welche Noten man spielen sollte und welche eben nicht. Am Ende reichen für die meisten der Stücke des Albums ein oder zwei Takes. Dass dies so scheinbar mühelos gelingt und das Ergebnis so leicht und unangestrengt, aber zugleich so mitreißend klingt, ist Beleg der großen Meisterschaft aller Beteiligten. Jeder beherrscht sein Handwerk und noch viel wichtiger: Alle haben das Vokabular dieser Musik tief verinnerlicht, alle kommunizieren auf Augenhöhe und voller Freude. Einer Freude, die sich vom ersten Takt an auf die Zuhörenden überträgt - mit einer Mischung aus Originals und groove-jazzigen Versionen von Adele, Billie Eilish, Whitney Houston, Lionel Richie u.v.m.. Es gibt nicht viele junge Jazzmusiker, die ihr Instrument so virtuos beherrschen, wie Jakob Manz und deren Spiel gleichzeitig so uneitel, klar, songdienlich und seelenvoll klingt. Dass ihm dies gelingt, liegt einerseits an seinem Talent und an der Zielstrebigkeit, mit der er an seinem musikalischen Ausdruck arbeitet. Und andererseits an seinem Willen, das Publikum mit seiner Musik zu begeistern und zu berühren. Er sagt, ihm sei es wichtig, sein sehr spezielles Instrument, das Altsaxofon, auf eine Weise zu spielen, die den Raum ausfüllt, gleichzeitig aber auch jeden einzelnen Zuhörenden direkt und unmittelbar erreicht. Und man kann festhalten, dass ihm das gelingt, ob nun im Club, in großen Konzertsälen, auf Festivalbühnen oder überall dort, wo man sein neues Album hört. Credits:
Recorded by Arne Schumann at Soundfabrik Berlin, 20. - 22.11.2022 Mixed by Arne Schumann Mastered by Klaus Scheuermann Produced by Roberto Di Gioia & Siggi Loch
Vincent Meissner Trio - Wille CD / Vinyl / digital
Vincent Meissner piano Josef Zeimetz bass Henri Reichmann drums
„Eine neue Hoffnung des deutschen Jazz“, erkannte mdr kultur, was der Deutschlandfunk noch steigerte: „eine Band, die abheben wird wie eine Rakete.“ Der amerikanische Downbeat hörte „Spannung und Begeisterung“ in Vincent Meissners von seinem Mentor Michael Wollny produzierten Debütalbum „Bewegtes Feld“ aus dem Jahr 2021. Gerade mal zwanzig war da der Pianist und schon ordentlich mit Preisen dekoriert. Viel Lob, viel Ehr … Dabei hatte sein junges akustisches Pianotrio mit Bassist Josef Zeimetz und Schlagzeuger Henri Reichmann bis dahin coronabedingt kaum Gelegenheit, das reichhaltige und durchweg vom Bandleader komponierte Material live vorzustellen und zu entwickeln.Das hat sich mittlerweile geändert, was den Spaß an der Sache noch gesteigert hat. Man hört es diesem neuen Album an, wie dieses Trio enger zusammengerückt ist und seine Spielfreude gesteigert hat. Sofort nach den ersten Aufnahmen haben sie neue Stücke ausprobiert, Ideen getestet und wie in einem fließenden Übergang weitergemacht. Nach dem Spiel war vor dem Spiel … Josef studiert jetzt in Basel, Henri ist nach Leipzig gezogen, um an der Hochschule für Theater und Musik Felix Mendelssohn Bartholdy weiter zu studieren, wo Vincents Lehrer im Hauptfach Klavier nun Frank Chastenier ist. Seine beiden Mentoren Wollny und Chastenier nennt Vincent „eine Supercombi“.
Die Band hat ihr Interplay entwickelt, geht die Stücke nun freier an. Durch offenere Passagen hat sich der Sound geändert. Emotionaler agieren sie und lieben komplexere Formen, in denen sie mit Strukturen spielen und Ideen fortführen, die sie teilen. So ist ein kompakter Bandsound entstanden, den sie flexibel laufen lassen können und zu soghaften songhaften Stücken verdichten. Energie und Wucht sind da, aber auch Kontemplation und Innehalt. Alles ist möglich mittlerweile. Variabel, quirlig und eng verzahnt schreitet das voran, wobei sie den Fokus für dieses Album scharfgestellt haben für liedhaft melodiöse Songs.
„Wille“ heißt das in treibendem Fluss durchperlende Album, dessen innere Logik besticht mit einem inneren Zusammenhalt, der beweglich, frisch und agil Authentizität transportiert. Diese drei wissen genau, dass sie viel miteinander erreichen können, wobei sie ein hoher Sympathiebonus begleitet und ihre Souveränität anfeuert. Ziel ist dabei eine markante Eingängigkeit jenseits des Banalen.
Den titelgebenden Willen dabei definiert Vincent als das „Entwickeln von gedanklichen Vorstellungen, die man durch Handeln in die Realität überträgt“, oder als „bewusste Entscheidung für eine Handlung“. Da ist schlicht der Wille zu spielen und seinen Ausdruck zu finden, sich durch künstlerisches Arbeiten zu bekennen. Dieser Tatendrang gibt der Einspielung seine Dringlichkeit und Überzeugungskraft.Aus einem gewachsenen Fundus hat sich das Trio für einen konzeptionellen Rahmen entschieden, der durch eine Nähe zur Popmusik definiert ist. Deswegen wurden erstmals auch Coverversionen aufgenommen. Man höre und staune nur, wie fintenreich sich die drei den durch Whitney Houston bekannt gewordenen Schmachtfetzen „I Wanna Dance With Somebody“ von George Merrill und Shannon Rubicam anverwandeln, den Beatles-Song „In My Life“ oder das eingängige Lied „Young Folks“ von Peter Bjorn and John. In „Things“ nehmen sie Louis Cole beim Wort: Die Dinge funktionieren nicht so, wie man denkt, entweder es geht gut oder schlecht aus, die einzige Gewissheit, die man besitzt, ist, dass es nie so läuft, wie man vermutet. Nichts an diesen Adaptionen wirkt aufgesetzt neben den Kompositionen von Vincent Meissner, der die Cover nicht aufgenommen hat als kommerzielle Verstärkungsmittel, sondern weil die künstlerische bzw. musikalische Auseinandersetzung mit externem Material umso stärker den eigenen Sound der Band manifestiert. Das entspricht der Ehrlichkeit, mit der dieses Trio überzeugt. Offensiv wollen sie ihre Kunst präsentieren und sich positionieren. „Es ist schön, jemanden zuhören zu hören“, konstatiert Vincent Meissner nach den Liveerlebnissen der letzten Monate. Seine Stücke begreift er als Rahmen, der auszufüllen ist, als Raum, der gemeinsam durchschritten wird. Es geht darum, dass sich die Zuhörerin oder der Zuhörer in diesem Raum mit sich selbst konfrontieren kann. Das ist ein kommunikativer Vorgang, bei dem es auch um die Verteidigung der Kunst geht und um Angebote, die sie machen kann und muss. Es geht darum, Eindrücke der Gegenwart zu vermitteln jenseits der Worte, es geht um den Transport emotionaler Erlebnisse, die mit großer Selbstverständlichkeit über den konkreten Moment hinausweisen. Das neue Kapitel des Vincent Meissner Trios ist ein konsequenter nächster Schritt, der schon wieder Lust auf mehr macht. Diese Band ist auf dem Weg.Credits:Produced by Andreas Brandis
Johanna Summer - ResonanzenCD / Vinyl / digital
Johanna Summer piano
Mit ihrer improvisatorischen Annäherung an die „Kinderszenen“ Robert Schumanns verblüffte und begeisterte die Pianistin Johanna Summer Anfang 2020 Zuhörer:innen, Medien und Kolleg:innen aus verschiedensten Richtungen gleichermaßen. Klassik-Star Igor Levit schwärmt über das Debütalbum „Schumann Kaleidoskop“: „Johanna Summer ist eine herausragende Jazzpianistin. Sie ist so zentriert und bei sich, geht so souverän und frei mit dem Material um und trifft doch die ganze Zeit ihren eigenen Ton.“ Piano-Poet Malakoff Kowalski findet die Musik schlicht „skandalös gut“ und zeigt sich „hingerissen und verblüfft von einer Künstlerin, die furchtlos der Musik folgt.“ Und Jazz-Ikone Joachim Kühn konstatiert: „Johanna Summers Musik ist voller Fantasie und ohne Kategorie. Von der europäischen Klassik kommend, mit wundervollem Anschlag schafft sie etwas Vollkommenes, Eigenes.“ „Resonanzen“ erweitert und vertieft Johanna Summers ganz eigenen Ansatz des improvisatorischen Weiter-Erzählens der Musik klassischer Komponisten. Das Album spannt einen weiten Bogen, ausgehend von Bach über Beethoven, Schubert, Tschaikowski, Grieg und Ravel bis zu Skrjabin, Mompou und Ligeti. Summers tiefe Durchdringung der beiden Welten Komposition und Improvisation hat ihren Ursprung in ihrer musikalischen Entwicklung. In der Kindheit und Jugend beschäftigte sie sich am Klavier viel mit klassischer Musik und kam erst später, dann aber mit starkem Fokus, zum Jazz und dem Freien Spiel. Und auch wenn die klassischen Grundlagen bestehen blieben, musste sie sich für „Schumann Kaleidoskop“ und „Resonanzen“ viele Fertigkeiten neu erarbeiten. Sie sagt: „Mir war es sehr wichtig, zunächst die Originalstücke in verschiedenen Facetten wie Tonarten oder Phrasierungsmöglichkeiten zu beherrschen und ihre Form und Klangsprache wirklich zu verstehen. Das ist bei Resonanzen besonders anspruchsvoll, da die Stücke sehr unterschiedliche spielerische Anforderungen stellen. Gleichzeitig sind auch Improvisation und Ideenfindung Fähigkeiten, die man permanent üben und entwickeln muss, damit die Musik fließen kann und lebendig bleibt. Diesen zwei Seiten gerecht zu werden und eine Balance zwischen ihnen zu finden, ist für mich wirklich eine Lebensaufgabe.“Welche Herausforderung dies darstellt, zeigt die Tatsache, dass „Resonanzen“ zweimal, mit sehr unterschiedlicher Herangehensweise, aufgenommen wurde, bevor die Musik so natürlich und schlüssig klang, wie sie es jetzt tut. Johanna Summer erinnert sich: „Für die erste Session hatte ich alles akribisch vorbereitet und bin mit einer sehr perfektionistischen Einstellung ins Studio gegangen. Und mit der Erwartungshaltung, dass das neue Album unbedingt besser werden müsste als der Vorgänger. Im Prozess des Spielens habe ich dann viel zu viel bewertet und nachgedacht. Das hat mir die Räume so eng gemacht, dass ich mich permanent durch sie hindurchpressen musste. Dem Ergebnis hat man diese Haltung angehört und ich dachte mir, dass ich es der Musik eigentlich schuldig bin, nochmal ganz von vorn zu beginnen.“ Und so fand eine zweite, zuvor ungeplante Studiosession in einer Konzert-Atmosphäre statt: Zwei Durchläufe, ohne Unterbrechungen, vor einem kleinen, ausgewählten Publikum, für das Johanna Summer, stellvertretend für die Hörer:innen des Albums, spielte. „Das hat den entscheidenden Unterschied gemacht“ erinnert sie sich. „Das Gefühl, für Zuhörer im Saal zu musizieren, machte etwas mit mir. Endlich konnte ich befreit spielen, weil ich wusste, dass ich sowieso nicht aufhören und nachbessern kann. Und es zulassen konnte, dass bestimmte Dinge einfach passieren und ihren Lauf nehmen.“
Es scheint, als ginge Johanna Summer nie den einfachen Weg. Schon die Wahl des anspruchsvollen Piano-Solo-Formats für ihr Debüt und die Weiterentwicklung auf „Resonanzen“ sind Beleg dafür. Und erst recht die Tatsache, dass es sich eine junge Künstlerin in den Kopf gesetzt hat, sich gekonnt in zwei musikalischen Disziplinen zu bewegen, von denen jede für sich schon eine Herausforderung darstellt. Es ist erstaunlich, wie souverän dieser Spagat auf „Resonanzen“ gelingt. Johanna Summers Spiel wirkt so selbstbewusst, so lebendig und seelenvoll. Und hinter jeder Abbiegung wartet wieder eine neue Überraschung.Credits:
Produced by Andreas Brandis & Emanuel Uch
Jakob Manz & Johanna Summer - The Gallery Concerts ICD / digital
Jakob Manz alto saxophone & recorder (on 5)
Johanna Summer piano
The Art in Music – Jazz und bildende Kunst in ein Spannungsfeld zu bringen, ist seit Gründung von ACT im Jahre 1992 erklärtes Ziel von Siggi Loch. Als Produzent und Kunstsammler liebt er es, nicht nur Musiker der ersten Garde um sich zu versammeln, sondern eben auch bildende Künstler. Werke von Philip Taaffe, Gerhard Richter, Martin Noël, Martin Assig u.v.m. zieren nicht nur die Albumcover, sondern sind auch in der Berliner ACT Gallery ausgestellt. Damit verfolgt Loch seine Idee eines „imaginären Dialogs” zwischen Art und Music. Dort, inmitten dieser Bilder und mit einem erlesenen Publikum, kommt es zu exklusiven Musikabenden, den Gallery Concerts. Eine inspirierende visuelle Kulisse als Experimentierfeld für Künstler, um Neues auszuprobieren. Hier treffen Musiker erstmals aufeinander, ein neues Programm wird probiert oder an Konzepten gefeilt. Wohnzimmerkonzerte der besonderen Art sind das, persönlich, direkt, hautnah. Im Zentrum steht dabei der hervorragend klingende Alfred Brendel Konzertflügel, den der Meisterpianist einst bei seinen Konzerten in der Berliner Philharmonie gespielt hat. Manchmal kommen bei diesen Zusammentreffen außergewöhnliche Konzerte zustande, die der Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben sollen: Jakob Manz und Johanna Summer machen den Anfang der „Gallery Concerts“-Albumveröffentlichungen…
Ohne Zweifel zählen die beiden zu den meistbeachteten Entdeckungen im jungen deutschen Jazz der vergangenen Jahre. Nun treten sie im Duo in ein inniges, offenes und schillerndes Zwiegespräch. Mit seinem Jakob Manz Project zeigt sich der erst 2001 geborene Saxofonist vor allem als leidenschaftlicher Vertreter des zeitgenössischen Jazz-Rock mit einer „verblüffend ausgebufften, raffinierten, kraftvollen, soulig-funkig groovenden Musik“, wie die Jazzthing schrieb.
Dass er auch die leisen, lyrischen Töne beherrscht, zeigt er nun im Zusammenspiel mit der 1995 aus Plauen stammenden Johanna Summer. Altmeister Joachim Kühn ist begeistert von seiner jungen Klavierkollegin und schwärmt von ihrer „Musik voller Fantasie ohne jede Kategorie.“ Bei Summer passiert nichts um des Effekts willen, alles steht im Zeichen des musikalischen Storytellings, mit einem weitsichtigen Blick für Dramaturgie, Dynamik und Harmonie.
Manz und Summer kennen und schätzen einander seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Talentschmiede des Bundesjugendjazzorchesters. Und die Tatsache, dass sie, praktisch zeitgleich, im Jahr 2020, Teil der ACT-Labelfamilie wurden, hat dafür gesorgt, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzten, bis sie schließlich im Duo auf der Bühne standen: Am 26. Oktober 2021 spielten sie ein kleines Gesprächskonzert im Foyer des Nikolaisaal Potsdam, die Generalprobe für den tags darauf stattfindenden Galerieabend. Und hier offenbarte sich schnell: In dieser Konstellation entsteht eine besondere Magie und Freiheit im Zusammenspiel, die sich so wohl nur zu zweit erzeugen lässt. Auf Basis von Jakob Manz Eigenkompositionen, Standards wie „Some Day My Price Will Come“ und neueren Jazz-Klassikern wie Pat Methenys „Always And Forever“ oder Esbjörn Svenssons „The Return of Mohammed“ erschaffen Manz und Summer ein eigenes musikalisches Universum, mal zart und zerbrechlich, mal rhythmisch zupackend, mal mitreißend melodisch.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der selbst das Unperfekte reizvoll macht. Beflügelt vom Entdeckergeist und getragen vom Mut der Protagonisten, sich dem Moment des spontanen Musizierens hinzugeben, versprüht das „Gallery Concert“ eine Frische und Unbekümmertheit, die diesen Mitschnitt so besonders macht. Ein musikalischer Prolog, der Neugier weckt, wohin sich diese noch junge musikalische Beziehung entwickeln wird.Credits:
Live in concert at ACT Art Collection Gallery Berlin, 27.10.2021 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann
Curated by Siggi Loch
Cover art "Das Sterben der Blätter" by Manfred Bockelmann / ACT Art Collection
Anna Gréta - Nightjar in the Northern SkyCD / Vinyl / digital
Anna Gréta piano, keyboards, vocals, backing vocals
Skúli Sverrisson bass
Einar Scheving drums
Hilmar Jensson guitar
Sigurður Flosason saxophone
Johan Tengholm double bass
Ragnheiður Gröndal backing vocals
„Nightjar in the Northern Sky“ - eine Nachschwalbe am nordischen Himmel. Ein ikonisches Bild. Wahrscheinlich, weil es eine solch starke Wirkung auf den Betrachter hat, weil es einen Sehnsuchts-Ort beschreibt, an den man sich nur zu gerne hin-träumt. Das gleichnami-ge Album der Pianistin und Sängerin Anna Gréta erschafft einen sol-chen Ort, aus kühler Weite, diffusem Licht und wärmender Innigkeit. Ihre Musik ist geprägt von diesem so vertraut und zugleich unwirklich wirkenden, nordischen Klang, den ihr ihre Heimat Island in die Wiege gelegt hat. Aufgewachsen ist sie nah der Hauptstadt Reykjavík. Ihr Vater, der auch als Gast auf dem Album mitwirkt, ist Jazz-Saxofonist. Und so ist sie seit ihrer frühsten Kindheit von Musik umgeben. Der erste prägende Einfluss, an den sich Anna Gréta erinnert, ist nicht Jazz, sondern „Let it be“ von den Beatles. „Dieser Song, seine Einfach-heit und Kraft, und die Harmonie zwischen Stimme und Piano, berühren mich bis heute.“ Gleichzeitig ist der Jazz, durch den Vater, ein ständiger Begleiter. Vor allem die Musik von Bill Evans die ihr, im Alter von vielleicht 13 Jahren, eine ganze musikalische Welt öffnet. Schon früh kommt ihr Talent für das Klavier zu Tage, bald schon spielt sie ihren ersten Steady-Jazz-Gig in Reykjavik. Im Jahr 2014 zieht Anna Gréta für ein Musikstudium am „Royal College Of Music“ nach Stockholm, wo bis heute zu Hause ist. Schnell sorgt die junge, talentierte Pianistin für Aufsehen. Sie spielt mit prominenten schwedischen Jazzmusiker*innen wie Joakim Mil-der, Magnus Lindgren, Susanna Risberg oder der Norbotten Bigband. Und sie erhält zahlreiche Auszeichnungen wie das „Monica Zetterlund Scholarship“, eine Nominierung für „Jazzkatten“ vom schwedischen Radio und den Icelandic Music Award als „Newcomerin des Jahres“. Im Jahr 2019 erscheint mit „Brighter“ ihr erstes Album als Co-Leader, zusammen mit dem schwedischen Gitarristen Max Schultz, ein Jahr darauf spielt sie bei der Verleihung der Nobelpreise und 2021 tritt sie erstmals als Leader im Stockholmer Konzerthaus auf. Also: Glück-wunsch, weiter so, alles richtig gemacht! Doch irgendwas, das spürt sie, ist da noch - die Nähe zum Songwriting und dem liedhaften Aus-druck, der sie seit „Let it be“ stets begleitet und beschäftigt hat. Sie erinnert sich: „Ich hatte immer den größten Respekt vor Sänge-rinnen und Instrumentalistinnen wie der wunderbaren Norah Jones. Aber wollte nicht diesem Klischee entsprechen, dass eine Frau in einer Jazzband immer automatisch die Sängerin sein muss. Daher war es für mich wichtig, tiefer in das Klavierspiel einzutauchen, um meinen eigenen Ausdruck zu finden und als Musikerin zu wachsen. Und ich wollte selbst entscheiden, wann und ob ich mich meiner Gesangs-Stimme öffnen möchte." Nun schien die Zeit reif dafür zu sein und über den Zeitraum von zwei Jahren entstanden die Songs für "Nightjar in the Northern Sky", auf denen Anna Gréta nun erstmals nicht nur als Pianistin, sondern auch als Sängerin zu hören ist. Der Albumtitel setzt den Grundton für die Welt des Albums: Eine Metapher auf die skandinavische Weite, Ruhe und die dort so enge Verbundenheit der Menschen zur Natur. „Die Natur ist einfach eine enorme Kraft im Leben. Sie ist so viel größer als die meisten Dinge, die uns sonst als so wichtig erscheinen. Und sie ist die vielleicht größte Inspiration für meine Musik.“ sagt Anna Gréta, und fügt hinzu: „In letzter Zeit habe ich ein Interesse für Vogelbeobachtung entwickelt, daher auch der Albumtitel. Wenn man die Natur genau beobachtet, kann man etwas Einzigartiges erleben. So ähnlich wie auf der Suche nach Liebe. Die Nachschwalbe („Nightjar“) ist ein sehr seltener Vogel, und es ist ein Glück, ihn zu entdecken. Ich habe das Gefühl, dass jeder nach etwas Einzigartigem in seinem Leben sucht. Das kann die Natur uns geben, wenn wir offen dafür sind.“ Und so kreiert sie mit jedem der Titel auf dem Album kleine, in sich geschlossene Welten, die sich zu einem großen Ganzen fügen. Zusammen mit dem Pop-erfahrenen Produzenten Albert Finnbogason suchte Anna Gréta für jede ihrer raffinierten Kompositionen nach dem idealen Setting und der pas-senden Besetzung. Und sie bediente sich für die Arrangements der Songs vielfältigen stilistischen Einflüssen von Elementen aus Jazz und Pop bis zu Auszügen aus Klassik und Folk. Aus all diesen Bestandteilen ist ein in vielschichtiges Album entstanden, das zugleich wie aus ei-nem Guss wirkt. Und das allen, die sich dafür öffnen, ermöglicht, in seine Welt einzutauchen und sich in ihr für eine Weile ganz und gar fallen zu lassen.
Vincent Meissner Trio - Bewegtes FeldCD / digital
Vincent Meissner piano Josef Zeimetz bass Henri Reichmann drums
Das ist die Musik eines Zwanzigjährigen. Und der Schlagzeuger ist noch jünger. Als Vincent Meissner 2019 Vertreter Sachsens bei Jugend jazzt war, wohin jedes Bundesland seinen talentiertesten Vertreter entsendet, wurde das zur Initialzündung. Der Pianist sinnierte für seine Präsentation über einen neuen Ansatz. Er wollte nicht wie bisher aus kleinen Skizzen Stücke wachsen las-sen, sondern ein zusammenhängendes Programm wie eine Suite kreieren. Inzwischen hat Vincent schon den Bechstein Klavierwettbewerb gewonnen, den Konzertpreis der Jazzopen Stuttgart, den Förderpreis der Deutschen Jazzunion, die Jazzhaus Competition Freiburg und den Mitteldeutschen Jazzpreis. Und dieses Suitenhafte durchzieht auch sein Album „Bewegtes Feld“.
Seit drei Semestern studiert Vincent an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, wo Michael Wollny einer seiner Lehrer ist. Der wiederum hört davon, dass eine Aufnahme in den renommierten Bauer Studios in Ludwigsburg geplant ist. O-Ton Wollny: „Da kamen mehrere Dinge auf glückliche Weise zusammen. Ein wirklich hoch talentierter junger Pianist und Komponist mit seiner eigenen echten ‚Working Band‘. Die Möglichkeit, das gerade entstehende Material unter perfekten Bedingungen in einem Top-Studio aufzunehmen. Und parallel dazu, im Rahmen seines Studiums, die kontinuierliche Arbeit an seinen Kompositionen und Ideen. Und plötzlich schien es mir nur folgerichtig, die Aufnahmen des Trios auch als Produzent im Studio zu beglei-ten.“
Aufgewachsen in einem Dorf in Mittelsachsen, hatte alles an den Regalen einer Drogeriemarktkette in der nahen Universitätsstadt Freiberg begonnen. Hier fand der junge Noch-nicht-Pianist eine kleine Abteilung mit Jazz-CDs, die vornehmlich mit ein paar Stücken der beiden renommierten deutschen Dreibuchstabenlabels bestückt war. Hier entdeckte er eine Musik, die seine wer-den sollte, vergrub sich immer mehr, bis sich die Passion zum Lebensziel auswuchs. Mit sechzehn ging er nach Dresden auf das Landesgymnasium für Musik, lernte hier Schlagzeuger Henri Reichmann kennen und eine Freundschaft wuchs, die von einem gemeinsamen musikalischen Erwachen geprägt war. Input, Austausch und Praxis. Ein Feuer wurde geschürt mit immer neuen Entdeckungen: Auf Oscar Peterson, Dave Brubeck und Bud Powell folgten Paul Bley, Monk, Craig Taborn, Vijay Iyer und die Deutschen Held, Kaufmann, Kühn und Wollny. Der Weg war das Ziel. Suchender und Entdecker ist Vincent geblieben, der sich gerade auch in zeitgenössische Klaviermusik vertieft. Das alles schimmert durch auf seinem Album, mit dem sich früh ein Kreis schließ.
Kein Epigonentum hört man, stattdessen das verblüffend ausgewogene Statement eines Individualisten, der die Basisbibliothek kennt und von dort zu Eigenem abspringt. Dabei stand seit dem Beginn des Pianotrios mit Kontrabassist Josef Zeimetz An-fang 2020 die Arbeit unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. Nur einen einzigen Live-Gig gab es wegen Corona. „Wir sind eine hundertprozentige Studioband“, schmunzelt Vincent und meint es nicht so. Die Distanz der aktuellen Lebensmittenpunkte Leipzig, Dresden, Amsterdam überbrückten sie mit intensiven gemein-samen Probewochen. Nun kann sich das Ergebnis hören lassen – ein junges Trio, das nur darauf wartet, die neu erfundene eigene Musik aus dem Studio- und Proberaum auf die Bühnen der Clubs zu transportieren. Um Ehrlichkeit geht es Vincent und seinen Mitspielern, die ist wichtiger, als hyperrevolutionär zu sein. Bilderstürmer sind hier nicht am Werk, dafür sehr formbewusste, mal witzig-euphorische, dann wieder balladesk-melancholische, in jedem Fall sehr facettenreiche Musiker, die auf der Grundlage von Vincents Kompositionen vielfarbige und immer wieder überra-schende Momentaufnahmen extrahieren. Unbändige Spiellust an komplexen Formen und Rhythmen treffen auf viel Lust am Experiment und einen bemerkenswerten Sinn für ungewöhnliche und im Gedächtnis haftende Melodien. Vincent formuliert es so: „Beim Spielen gehen wir jedes Mal wie über eine Wiese und pflücken etwas anderes.“ Das wäre eine Formel für den Albumtitel „Bewegtes Feld“. Dabei bildet das Feld auch einen abgesteckten Rahmen, inmitten dessen sich Vincent, Henri und Josef bewegen. Da wird geforscht und gefunden, werden Kreuz- und Querverbindungen hergestellt, wird das Material geschüttelt und neu kombiniert. Programmmusik ist das insofern, als hier Colla-gen entwickelt werden aus Ranken, Verzierungen und Minithemen, die immer wieder aufscheinen in neuen Formen. So ent-steht ein großes Bild, das dazu einlädt, in die Details einzutauchen und den Drehungen und Wendungen zu folgen. Diese spontane Musik hat auch deswegen nichts Zufälliges, weil hier spielfreudig Ideen entwickelt, verfeinert und vertieft werden. Vincent Meissner beschreibt das: „Meine Kompositionen sind, als hätten wir ein Regal im Zimmer, in das jeder Dinge packt.“ Langen Prozess machen, dann aber immer wieder auf den Punkt kom-men, genau dafür haben sich hier drei gleichberechtigte Musiker gefunden: „Wir sind wie ein junger Wein, der jetzt reift. Es ist erst das zweite Jahr nach der Ernt.“ Mal wild und wuselig, dann wieder perlend und konzis ist diese stets lebensbejahende Musik. Junger, sehr junger deutscher Jazz …Credits:
Recorded by Johannes Kellig at Bauer Studios Ludwigsburg, January 15 -17, 2021, except 01, 02, 04 & 15 recorded by Nico Raschke at Hansahaus Studios Bonn, February 17 -19, 2020 Mixed by Johannes Kellig Mastered by Klaus Scheuermann Produced by Michael Wollny
Johanna Summer - Schumann KaleidoskopCD / Vinyl / digitalJohanna Summer piano„Eine kleine Sensation“ nannte die Süddeutsche Zeitung den Auftritt von Johanna Summer beim Jungen Münchner Jazzpreis 2018. Eine knappe Stunde lang hatte die 1995 in Plauen geborene und heute in Berlin lebende Pianistin einen weiten Bogen gespannt, zwischen der Harmonik, Motivik und Freiheit des Jazz, und der Spielkultur und Präzision ihrer klassischen Ausbildung. Im Zuhörerraum der vollbesetzten Münchner Unterfahrt: Stilles, inniges Lauschen, Lächeln bei den schwelgerischen Passagen, Konzentration und Innehalten in den spannungsreicheren Momenten. Und Staunen über Summers „verblüffende Gabe, bekannte Melodien so überzeugend zu ihren eigenen zu machen, dass daraus Musik auf einem individuellen Niveau gestalterischer Eindringlichkeit entsteht.“ (SZ). Dass Summer den Preis für sich entschied – fast schon Nebensache. Viel wichtiger die Erkenntnis: Hier spielt eine der interessantesten neuen Pianistinnen des europäischen Jazz. „Ich wollte immer Flügel lernen. Nicht Klavier. Flügel. Großes Instrument, passt!“ erinnert sich Johanna Summer. Und: „Ich habe wahnsinnig gerne gespielt, war aber als Kind wirklich übefaul und wollte unzählige Male aufhören. Es interessierten mich auch so viele andere Sachen. Ich wäre auch ganz gerne Fußballerin geworden.“ Die ersten Stationen: Musikschule, Jazzensemble, Jugend musiziert, Jugend jazzt. Es scheint, irgendwas ist dran, am Instrument. Und auch am Jazz. “Spätestens mit sechzehn war Klavierspielen dann ganz klar das, was ich am besten konnte und mich am meisten gecatcht hat.“, sagt sie heute. Es folgen: Studium an der Dresdner Musikhochschule und eine zweijährige Mitgliedschaft im Bundesjugendjazzorchester „BuJazzO“, einer der Jazz-Talentschmieden des Landes.
Während des Studiums in Dresden entdeckt Johanna Summer auch ihre Begeisterung für das freie Spiel. Sie erweitert Ihren Ausdruck in komplett improvisierenden Duo- und Trio-Konstellationen und findet Stück für Stück solo am Piano zu ganz eignen „Weitererzählungen“ unterschiedlichster Vorlagen aus Jazz und Klassik. Wichtiger Impulsgeber ist Professor Günter „Baby“ Sommer. „Am Anfang war das für mich, die ich eher aus Pop- und Klassik kam, wirklich schwierig.“, sagt Summer. „Da sitzt du dann vor diesem Mann, der Ober-Chef ist, was das angeht und hast so etwas vorher noch nie gemacht. Aber genau das war der Grund, warum ich mich daran ausprobieren wollte. Ich fand es sehr spannend und bin dann auch schnell damit auf die Bühne, weil ich es wichtig finde, die Dinge durchzuziehen und es mich reizt, mit musikalisch herausfordernden Situationen umzugehen.“
Waren es bei den ersten Solo-Gehversuchen noch vorrangig Jazz-Standards, die den Ausgangspunkt für Summers Improvisationen bildeten, stellte sich für ihr Debütalbum „Schumann Kaleidoskop“ die Frage nach einem Repertoire, welches den eigenen Wurzeln näher war. Robert Schumanns Klavierzyklen „Kinderszenen“ und „Album für die Jugend“ hatten sie schon seit der Kindheit begleitet, am Instrument, als Zuhörerin und auch - Schumann stammt aus Zwickau - als Sohn ihrer Heimat. Schon früh war sie von der Lied- und Bildhaftigkeit der kurzen Stücke verzaubert, davon, wie „Ritter vom Steckenpferd“, „Von fremden Ländern und Menschen“ oder „Mai, lieber Mai“ den kindlichen Blick auf die Welt in Musik übersetzen. Es war kein einfacher Weg zu der eigenen Verarbeitung sieben dieser vertrauten Schumann-Stücke: „Ich habe sehr lange an der Materialauswahl und Umsetzung gearbeitet, alle Stücke in allen Tonarten und einer Menge verschiedener Taktarten gespielt, viele Miniatur-Interpretationen erarbeitet und bin schließlich zu dieser Auswahl gekommen, über die sich nun ein größerer Bogen spannt.“ Man hört dem Album diese tiefe Durchdringung der Vorlagen an. Und auch eine beeindruckend komplexe Jazz-Musikerpersönlichkeit mit einer enorm breiten Ausdruckspalette, von romantischen Passagen über melodisches Schwelgen und kraftvolle Grooves bis zu spannungsreichen, neutönerischen Elementen. Zugleich hat man nie den Eindruck, es ginge Summer darum, möglichst viele Ideen abzufeuern, oder sich mit ihrem Debüt als Virtuosin zu präsentieren. Alles passiert im Sinne des musikalischen Storytellings, mit einem äußerst reifen, weitsichtigen Blick für Dramaturgie, Dynamik, Spannung und Atmosphäre. Und man kann sich vorstellen, dass Robert Schumann angetan gewesen wäre vom Eigenleben, das Johanna Summer seinen Stücken einhaucht, wenn man ihn schwärmen hört: „Wie unendlich groß ist das Reich der Formen, was gibt es da noch auszubeuten und zu tun auf Jahrhunderte lang.“
Credits:Variations on Robert Schumann by Johanna Summer Recorded by Stefan Deistler at LOFT Cologne, October 21 & 22, 2019Recording supervisor, mixed and mastered by Emanuel Uch Produced by the artist
Jakob Manz - Natural EnergyCD / digital
Jakob Manz alto saxophone & recorder (on 6) Hannes Stollsteimer piano Frieder Klein bass Paul Albrecht drums
Wer vor zwei Jahren beim Biberacher Jazzpreis die Augen schloss, der sah die Großen des Alt-Saxophons vor seinem geistigen Auge: den Schmelz eines Johnny Hodges, den großen Ton eines Eric Dolphy, den Druck eines Cannonball Adderley oder den Funk eines David Sanborn, alles freilich mit einer eigenen Note. Öffnete man die Augen, stand da aber kein Routinier, sondern der 16-jährige Jakob Manz. Logisch, dass der junge Mann aus dem schwäbischen Dettingen mit seinem Quartett The Jakob Manz Project nicht nur den Publikumspreis gewann, sondern auch von der hochkarätigen Jury unter Vorsitz des Ausnahmebassisten Dieter Ilg zum Sieger gekürt wurde. Ein halbes Jahr später setze Jakob Manz dann das nächste Ausrufezeichen mit dem Sieg beim future.sounds Wettbewerb der Leverkusener Jazztage. Prominente Förderer hatte Manz zu dieser Zeit schon einige gewonnen: Parallel zum Gymnasium war er bereits ins BundesJazzorchester (BuJazzo) aufgenommen und bei dessen Auftritten zum heimlichen Star geworden. Und er besuchte bereits als Jungstudent die Stuttgarter Musikhochschule und begeisterte gewiefte Professoren wie Christian Weidner („Jakob wirft sich mit jeder Faser in die Musik hinein“), Klaus Graf („Er hat eine außerordentliche Musikalität, verfügt über ein tolles Blues-Feeling und ein erstaunliches Harmonieverständnis“) und vor allem Wolfgang Schmid, einen der prägenden E-Bassisten des Jazz und langjähriges Mitglied bei Klaus Doldingers Passport. Mit ihm stand er dann auch gemeinsam auf der Bühne, wie auch mit anderen namhaften Musikern wie Randy Brecker, Ack van Rooyen und zuletzt Wolfgang Dauner. Nun erscheint mit “Natural Energy” Jakob Manz Albumdebüt in der “Young German Jazz”-Reihe. Er tritt damit in die Fußstapfen von heute etablierten Künstlern wie Michael Wollny, Roman und Julian Wasserfuhr oder Matthias Schriefl, die ebenfalls ihre ersten Alben in der Nachwuchsserie veröffentlichten. “Natural Energy” ist also nun der erste handfeste Nachweis für ein Ausnahmetalent, das zum Glück früh gefördert wurde. Jakob Manz wuchs als Sohn einer Opernsängerin und eines Musiklehrers auf. Schon mit fünf lernte er Schlagzeug, mit acht kam die Blockflöte, bald danach das Saxophon dazu.
„Durch die Flöte habe ich meine Leidenschaft für Jazz entdeckt“, sagt er, „da habe ich die Freiheit gespürt, durch die ich ganz stark im Moment bin, nicht zuvor und nicht zurückdenke, sondern nur an das, was ich mache.“ Bald war Manz Seriensieger bei “Jugend musiziert” und “Jugend jazzt”. Wie die meisten jungen Musiker von heute ist er neugierig und für alles aufgeschlossen: „Für mich definiert sich gute Musik nicht nach ihrem Stil. Es kommt auf die Qualität eines Stückes an.“ Welch phänomenales Gespür er zum Beispiel für klassischen Jazz hat, kann man auf Youtube mit seinem umwerfenden Solistenduett mit Ack van Rooyen bei der SWR Bigband bewundern.
Doch seine größte Leidenschaft gilt dem groovenden, souligen Jazz. Zu seiner großen Freude hat er auch da früh Gleichgesinnte – kaum älter und ebenso talentiert – gefunden, die ihn beim Jakob Manz Project beflügeln: Hannes Stollsteimer am Klavier, Frieder Klein am Bass und Paul Albrecht am Schlagzeug. Man kann es kaum glauben, wie ausgebufft, mit welcher Wucht, Finesse und Kreativität, mit welchem Sinn für Melodien, Rhythmus und Hooklines diese vier Youngsters auf “Natural Energy” im Geiste von Vorbildern wie den Brecker Brothers oder den Crusaders, von Marcus Miller oder Christian Scott bis hin zu Bill Evans, aber ausschließlich mit eigenen Kompositionen zu Werke gehen. Schon dem Tempo, dem von Bass und Schlagzeug hart vorangetriebenem Groove und den wirbelnden Soli des Openers “Endless Space” kann man sich nicht entziehen, noch weniger den funky Grooves und hypnotischen Motiven von “Eyes Of Crystals”, dem rockigen Drive von “Pauls Vision” oder den Latin-Rhythmen von “Eyes Up”. Fast noch beeindruckender sind die ausdrucksvollen Balladen wie “Soft Like Peanut Butter” oder “Engaged”, bei denen das Saxophon zu fliegen anfängt. Das Weiche und das Energische kommen am Schluss bei “How High Is The Sky” hymnisch zusammen.
“Natural Energy” klingt so virtuos, überzeugend und auch kompositorisch reif, dass es wenig Mut braucht, zu prophezeien, dass man vom Jakob Manz noch einiges hören wird.Credits:
Recorded at Hansahaus Studios Bonn, August 12 - 15, 2019 Recording-, mixing- & mastering engineer: Nico Raschke. Produced by the artists Cover art by Mimmo Paladino, by kind permission of the artist
Limitierte Testpressung des Albums von Mikael Máni.Ein seltenes Sammlerstück: Eine Testpressung ist die erste Probeplatte eines Albums und dient der Qualitätskontrolle vor der finalen Pressung. Sie entspricht klanglich nicht immer exakt der späteren Veröffentlichung, was sie jedoch zu einem besonderen Sammlerstück mit eigener Geschichte macht. Jede Testpressung ist eine Limited Edition – ideal für Sammler:innen und alle, die Jazz-Vinyl, Raritäten und exklusive Ausgaben schätzen.Unser Vinyl Testpressung-Paket beinhaltet:1 Bio-Vinyl-Testpressung in der originalen weißen Schutzhülle. Eine schön gestaltete Karte mit handgeschriebenen Schlüsseldetails zur Veröffentlichung, wie Künstlernamen, Albumtitel, Produktionsjahr und Anzahl der Testpressungen. Album-Booklet im PDF-Format.
Dieses enthält einen umfassenden Einblick in das Album mit dem Cover-Artwork, einem Text über das Album, der Tracklist, vollständigen Produktions- und Performance-Credits sowie Details zur Instrumentierung.
Echtheitszertifikat der Testpressung
Dieses Zertifikat bestätigt die Echtheit der Testpressung, die im Rahmen des Qualitätskontrollprozesses vor der finalen Vinylpressung hergestellt wurde. Testpressungen werden nur in begrenzter Stückzahl produziert, um höchste Klangtreue und Fertigungsqualität zu gewährleisten.
Jede Testpressung wird sorgfältig geprüft und von unserem Team freigegeben, bevor die Produktion fortgesetzt wird. Dieses Dokument dient als Nachweis für ihre Authentizität und Einzigartigkeit.
Zur offiziellen Bestätigung trägt dieses Zertifikat den Firmenstempel. Hinweis:
Eine Testpressung ist eine Vorabversion der Vinylplatte, die zur Überprüfung der Pressqualität vor der Serienproduktion verwendet wird. Die Audioqualität kann leicht von der finalen Version abweichen und kleine Unregelmäßigkeiten aufweisen, die Teil des Testprozesses sind. Sie besitzt historischen Wert als Bestandteil des Produktionsprozesses.
Limitierte Testpressung des Albums von Anna Gréta.Ein seltenes Sammlerstück: Eine Testpressung ist die erste Probeplatte eines Albums und dient der Qualitätskontrolle vor der finalen Pressung. Sie entspricht klanglich nicht immer exakt der späteren Veröffentlichung, was sie jedoch zu einem besonderen Sammlerstück mit eigener Geschichte macht. Jede Testpressung ist eine Limited Edition – ideal für Sammler:innen und alle, die Jazz-Vinyl, Raritäten und exklusive Ausgaben schätzen.
Unser Vinyl Testpressung-Paket beinhaltet:1 Bio-Vinyl-Testpressung in der originalen weißen Schutzhülle. Eine schön gestaltete Karte mit handgeschriebenen Schlüsseldetails zur Veröffentlichung, wie Künstlernamen, Albumtitel, Produktionsjahr und Anzahl der Testpressungen. Album-Booklet im PDF-Format. Dieses enthält einen umfassenden Einblick in das Album mit dem Cover-Artwork, einem Text über das Album, der Tracklist, vollständigen Produktions- und Performance-Credits sowie Details zur Instrumentierung.
Echtheitszertifikat der Testpressung
Dieses Zertifikat bestätigt die Echtheit der Testpressung, die im Rahmen des Qualitätskontrollprozesses vor der finalen Vinylpressung hergestellt wurde. Testpressungen werden nur in begrenzter Stückzahl produziert, um höchste Klangtreue und Fertigungsqualität zu gewährleisten.
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