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Living Being IV
Vincent Peirani - Living Being IVCD / Vinyl / Limited red transparent Vinyl / digital Vincent Peirani accordion, accordina Emile Parisien soprano saxophone  Julien Herne bass Tony Paeleman piano, keyboards, Fender Rhodes Yoann Serra drums Mit Living Being IV: Time Reflections präsentiert der französische Akkordeon-Star Vincent Peirani die Fortsetzung seines – neben dem Duo mit Saxofonist Émile Parisien – langjährigsten Projekts. Gemeinsam mit Émile Parisien, Tony Paeleman (Keyboards), Julien Herné (E-Bass) und Yoann Serra (Schlagzeug) entfaltet Peirani ein musikalisches Panorama, das weit über die Grenzen des Jazz hinausreicht. Die Corona-Pandemie zwang die Band Living Being zu einer Pause und raubte ihr die Chance auf ein bereits geplantes drittes Album. Heute, einen großen Schritt weiter, überspringt die Band diesen Plan: Auf Album Nummer zwei folgt deshalb Nummer vier. Sinnbildlich für Peiranis Haltung: immer vorwärts – „geht nicht“ gibt’s nicht. Das gilt auch für seine Beziehung zum Instrument, dem Akkordeon, auf dem Peirani so ziemlich alles erzeugt, nur keine typische „Akkordeon-Musik“.Die Ursprünge von Living Being reichen zurück bis ins Jahr 2011: Fünf Freunde, deren Wege sich – unabhängig voneinander – von Südfrankreich nach Paris kreuzten, verbunden durch eine intuitive musikalische Nähe und ein gemeinsames Ziel: klangliche Freiheit und kollektive Kreativität. Heute bildet dieses Quintett eine eingeschworene Einheit, die auf der Bühne wie im Studio mit beeindruckender Selbstverständlichkeit agiert. Peiranis Ansatz als Leader bleibt dabei unverkennbar: kammermusikalisches Denken – wenige Stimmen, aber jede mit einzigartiger Rolle – und der Fokus auf das Zusammenspiel, nicht den Solisten.Bereits der Auftakt des Albums zeigt mit „Le Cabinet des Énigmes“ Vincent Peiranis Gespür für melodische Klarheit und raffinierte Klangschichtung – ein kindlich anmutendes Thema, kunstvoll überlagert, voller Bewegung und feiner Details. In „Better Days“, entstanden während des Corona-Lockdowns, entwickelt sich eine fragile Walzer-Melodie aus der Dunkelheit – ein Hoffnungsschimmer in der Isolation. Mit den ausladenden Kompositionen „Clessidra“, „Inner Pulse“ und der „Bremain Suite“ lotet das Ensemble erzählerische Tiefe aus. Die Länge ergibt sich organisch aus der Struktur – getragen vom gewachsenen Vertrauen der Musiker. Trotz unterschiedlicher Klangfarben erzählen sie dieselbe Geschichte. Im Zentrum des Albums steht die dreiteilige Suite „Time Reflections“ – ein vielschichtig verschachteltes Werk, das Peiranis architektonisches Denken widerspiegelt. Jedes Detail ist bewusst gesetzt, nichts dem Zufall überlassen. Mit „Phantom Resonanz“ gelingt eine überraschende Verbindung: Renaissance-Polyphonie trifft auf zeitgenössische Improvisation – das Akkordeon als Brücke zwischen den Jahrhunderten. In „L.L.“, einer Hommage an Lionel Loueke, und der „Bremain Suite“, die Songs von Queen, Portishead und den Beatles vereint, spielt Peirani mit Tempi und Formen – mutig, stilübergreifend, hochmusikalisch.Living Being ist mehr als ein Bandname – es ist eine Haltung. Fünf eigenständige Persönlichkeiten verschmelzen zu einem lebendigen Organismus, der atmet, kommuniziert und inspiriert. Mit Time Reflections setzen Vincent Peirani und sein Ensemble ein weiteres Ausrufezeichen in der europäischen Musiklandschaft – ein Album voller Tiefe, Vision und musikalischer Poesie.Credits: All tracks composed by Vincent Peirani except #8 – medley from UnderPressure, Glory Box & I Want YouUnder Pressure composed by Freddie Mercury, David BowieGlory Box composed by Isaac Lee Hayes, Geoff Barrow, Adrian Utley,Beth GibbonsI Want You composed by John Lennon, Paul McCartneyL.L is dedicated to Lionel LouekePhantom Resonanz is dedicated to Céline FoucautRecorded by Boris Darley at Studio des Bruères, FranceProduced by Amélie Salembier & Vincent Peirani / Yes les Guy’zzMixed by Nic HardMastered by Dave McNairArtwork by Jérôme WitzBand photo by Elisa RamirezCover photo by Frank SiemersWith the support of SCPP, CNM    

Ab 18,90 €*
Faces of Night
David Helbock - Faces of NightCD / Vinyl / digital David Helbock pianoJulia Hofer electric bass, fretless bass, celloGuests:Lorenz Raab flugelhornMahan Mirarab guitarVeronika Harcsa vocals  Pianist David Helbock und Bassistin / Cellistin Julia Hofer haben viel gemeinsam. Beide sind verspielt, neugierig und experimentieren gerne. Und beide denken perfektionistisch. Das ist eine musikalische Kombination, die sich ausgeht. „Ich war auf der Suche nach einem neuen Gegenüber für eine kleine Besetzung“, erzählt David Helbock, „denn mein letztes Projekt ‚Austrian Syndicate‘ ist zwar eine Herzensangelegenheit, aber auch sehr aufwändig, mit großer Band und vielen Keyboards. Gemeinsam mit ACT-Chef und Produzent Andreas Brandis entstand schließlich die Idee eines akustischen, auf die emotionale Essenz reduzierten Duos – ein Format, in dem die musikalische Kommunikation so direkt funktioniert wie in keiner anderen Besetzung. Und schnell kam ich dafür auf Julia Hofer. An ihr hat mich vor allem die Vielseitigkeit gereizt – und die Fülle der Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Schon in der ersten Probe hat mich ihre Energie sofort fasziniert. Man merkt ihr den Spaß an der Musik schon bei der ersten gespielten Note an und das motivierte mich enorm und ist außerdem sehr ansteckend.“Bassistin und Cellistin Julia Hofer geht ihren künstlerischen Weg in umgekehrer Reihenfolge als normalerweise üblich. In der Regel lernen Musiker:innen ihre Handwerk, werden bekannt und fangen dann an, Unterricht zu geben. Julia Hofer hatte nach dem Bachelor in Wien und noch während ihres Masters an der Popakademie Mannheim bereits millionenfach geklickte Teaching-Videos für den Online-Musikhändler Thomann am Start. Sie unterrichtet außerdem in Klagenfurt und gehört zum Team der Vereinigten Bühnen in Wien. Julia Hofer ist eine Schnellstarterin der österreichischen Szene, Spross aus musikalischem Elternhaus, klassisch als Cellistin ausgebildet, aber stilistisch umfassend aufgestellt. Sie streicht nicht nur poetisch Cello, sondern groovt auch mit energiebasierter Lässigkeit durch das Pop-, Funk- und Fusion-Repertoire von Earth, Wind & Fire und Jamiroquai bis zu den Yellowjackets. Das Besondere dabei: Julia Hofer klebt nicht am Notenblatt. Sie hört lieber genau zu, transkribiert selbst und  kommt den Originalen besonders nahe, indem sie manchmal auch etwas passend verändert.Kein Wunder, dass David Helbock von seiner neuen Duo-Partnerin begeistert ist. Schließlich ist der Pianist und Komponist aus Vorarlberg selbst extrem wandelbar. Mit dem Trio Random Control hat er seinen Ruf als Grenzgänger mit humorvoll virtuosen Fähigkeiten am Instrument begründet. Projekte wie sein „Playing John Williams“ (2019) oder „Austrian Syndicate“ (2023) wiederum verankern ihn im kammermusikalischen Solo-Klavier ebenso wie im Neo-Fusion mit jazzrockiger Wucht. David Helbock ist einer der vielseitigsten Musiker der österreichischen Musikwelt. Und er liebt eben Duos wie zum Beispiel „Playground“ (2022), das ihn zusammen mit der Sängerin Camille Bertault auf die europäischen Club- und Festivalbühnen geführt hat.„Faces Of Night“ mit Julia Hofer, spannt den stilistischen Bogen noch weiter. Denn zum Repertoire des Albums gehören Songs von Prince ebenso wie Thelonious Monks „‘Round Midnight“, die cellofarbige Version von Georges I. Gurdjieffs „Woman’s Dance“, eine soul-funkige Interpretation von Eddie Harris‘ „Freedom Jazz Dance“ oder die überraschende Adaption von Motiven aus Robert Schumanns „Klavierkonzert A-moll“. „Wir haben am Anfang auch noch Effekte ausprobiert, das wurde aber immer weniger. Inzwischen ist es ein bis auf den E-Bass nahezu akustisches Album. Und wir haben wirklich viel geprobt und ausprobiert. Ein schöner Prozess“.Ein paar Gäste kamen dazu, der balladenhaft lyrische Trompeter Lorenz Raab, mit dem David Helbock schon seit zwei Jahrzehnten spielt und die Sängerin Veronika Harcsa, ebenfalls eine langjährige Bekannte, die bei „Freedom Jazz Dance“ scattend improvisiert und Monks „Round Midnight“ einen ungarischen Text verpasst. „Und mit Mahan Mirarab wollte ich auch lange schon etwas machen. Er spielt eine Gitarre mit zwei Hälsen, einer davon fretless, was wiederum sehr gut zu Gurdjieff passt“, erzählt David Helbock von dem zweiten Beteiligten auf „Faces Of Night“, mit dem er zuvor noch nicht gearbeitet hat.Und so hat schließlich im Studio gemeinsam mit Produzent Andreas Brandis ein sehr kommunikatives und musikalisch wild energisches Team zusammengefunden. Im Zentrum agieren mit großer Spieloffenheit und Präzision Julia Hofer und als Gegenstück der auf inspirierte Art getriebene David Helbock. Die Gäste erweitern die Basis und führen die Musik mit neuen Farben über diese Konstellation hinaus. „Am Ende passt das alles auch gut zu dem Titel ‚Faces Of Night‘. Die Nacht ist für mich ein Grenzraum, wo Gegensätze möglich sind und sich ergänzen“. Die Gesichter der Nacht öffnen die Pforten für ein neues Duo, das mit seinem Debüt-Album voller Spiellust und Energie in die Musikwelt startet.  Credits: Produced by Andreas Brandis & David Helbock  Recorded on May 20th and 21st at Wavegarden Studio, Mitterretzbach, AustriaRecorded and mixed by Werner AngererMastered by Klaus ScheuermannCover art (detail) by Tanka Fonta The Meditative Movements; The Dawn Incantations III (2024) Acrylic on canvas,160 cm x 120 cmDesign by Siggi Loch

Ab 18,90 €*
Al Alba
Matthieu & Camille Saglio - Al AlbaCD / digital Camille Saglio voice, shakers Matthieu Saglio cello, palmas, vocals on #8, 10, 14 Gabriel Saglio bass clarinet on #9 „Al Alba“, Spanisch für „Morgengrauen“ bringt auf musikalischer Ebene zwei Menschen zusammen, die schon ihr ganzes Leben lang eng miteinander verbunden sind: Die Brüder Matthieu und Camille Saglio. Matthieu, der Cellist, hat im bretonischen Rennes klassische Musik studiert und ist von dort aus weiter ins spanische Valencia gezogen. Er folgt seiner Neugier auf verschiedene Klangkulturen und verbindet diese mit Elementen aus Jazz und Klassik. Camille, der Sänger, fing als Zwölfjähriger an, sich ernsthaft und leidenschaftlich mit Musik zu beschäftigen. Sein großer Bruder und dessen Begeisterung für das Cello hatten ihn verzaubert. Er entdeckte die Stimme als sein Instrument.Das gemeinsame Album-Debüt der Brüder ist eine spirituelle Erfahrung. Es geht um Übergänge und Grenzen, um Zustände in der Schwebe und deren Wirkung auf Musik und Menschen. Man ahnt eine Prise Keltisch-Bretonisches, vor allem in der mollgetönten Melodik und einer Tendenz zur Melancholie in der Tongebung. Dazu kommt Flamenco als rhythmisches Modell mit der Querverbindung zu arabesken Linienführungen der mediterranen Klangwelt. Das Ganze wurzelt in Mathieu Saglios profunder klassischer Ausbildung, die ihm große Leichtigkeit der Gestaltung und Feinheit in der Tonbildung ermöglicht. Mit diesem Ansatz, also dem Erschaffen sehr vielschichtiger, grenzüberschreitender Musik auf einem klassischen Fundament, hatte Mathieu Saglio auch schon in der Vergangenheit großen Erfolg - von der Flamenco-Crossover-Formation „Jerez-Texas“ über das Trio „NES“ mit der Sängerin / Cellistin und ACT-Künstlerin „Nesrine“ bis hin zu seinen Solo-Projekten „El camino de los vientos“ (2020) und „Voices“ (2023).Auch Camille Saglio ist ein Wanderer zwischen den Welten. In Toulouse gründete er 2003 die Band „Sôdi“, erkundete gemeinsam mit Flöte und Percussion weltmusikalische Sphären und kam mit der Musik Westafrikas und des Orients ein Kontakt. Camille wurde Teil des Projekts „Manafina“, lernte die Saiteninstrumente Gitarre, N’Goni und Oud und außerdem, sich in verschiedenen Sprachen von Bambara und Arabisch bis Türkisch zurecht zu finden. Er schrieb Kurzgeschichten und Bühnenstücke, produzierte eigene Bühnenshows wie "Dis leur que j'ai vecu" (2010) und arbeitete mit Schauspieler:innen und Tänzer:innen wie Vincent Loiseau, Didier Bardoux und Hervé Maigret. Auf „Al Alba“ singt Camille Saglio neben Englisch, Bambara, Französisch oder Spanisch auch in einer imaginären Sprache, die er aus dem Moment heraus erfindet.So entwickelten sich beide Brüder unabhängig voneinander zu Poeten ihres Genres. Und schließlich fanden sie nach Jahren getrennter Erfahrungen auch musikalisch zusammen. „Al Alba“ ist ein Song-Programm ebenso sanfter wie nachdrücklicher Lieder. Matthieu Saglio setzt sein Cello als Impulsgeber ein und öffnet der Stimme viele Räume. Manchmal wechselt er die Seite und wird mit gestrichenen Linien selbst zum Sänger. Man spürt beim Hören die Nähe zu den Gefühlen seines Bruders. Es ist ein Ineinander der Energielinien, dem auch das Repertoire entgegenkommt. Denn Camille Saglio singt arabische Poesie („Tariq“) ebenso wie einen Standard des politischen Lieds („Strange Fruit“), einen Independent-Klassiker von Noir Désir („Le vent nous portera“), Spanisches oder freie melodische Linien und Ornamente. Für ein Stück stößt außerdem der dritte Bruder Gabriel Saglio mit Bassklarinette zum Team. Aufgenommen wurde auf einer Loire-Insel, inspiriert vom Esprit des Flusses, des fließenden Übergangs der Stimmungen und Gefühle.„Al Alba“ ist eine Musik in der Schwebe, Bruderklang und Kultursynopse. Es ist Musik von innen, sehr persönlich und dabei universell.Credits: Produced by Camille and Matthieu Saglio Music and lyrics by Camille and Matthieu Saglio, except #2 (Lhasa de Sela), #7 (Lewis Allan), and #11 (Bertrand Can-tat, Serge Teyssot-Gay, Jean-Paul Roy, Denis Barthe) Recorded on June 24 and mixed on August 24 at Studio de l'Île, Chalonnes-sur-Loire, France by Alban Cointe Cello bases recorded on April 24 at La Seta Azul Estudis, Benicàssim, Spain, by Juan Carlos Tomás Mastered on September 24 at Blockhaus DY 10, Nantes, France, by Florian Tatard “Strange Fruit” © Edward B. Marks Music Company, all Rights administered by Warner Chappell Music France “Con Toda Palabra” © Éditorial Avenue “Le Vent Nous Portera” © ND Musique, Universal Music Publishing France Cover art by Federico Herrero, “Chorus”, 2021, with kind permission of the artist

18,90 €*
Living Ghosts (Live)
Michael Wollny Trio - Living Ghosts (Live)CD / Doppelvinyl / digitalMichael Wollny pianoTim Lefebvre double bassEric Schaefer drums“Das Michael Wollny Trio erinnert uns daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben und nicht in den 1960ern“ schreibt das britische Jazzwise Magazine mit Referenz an den Ursprung des Piano-Trio-Formats im Jazz. Und gleichzeitig widersetzt sich das neue Album „Living Ghosts“ in vielerlei Hinsicht dem Zeitgeist: Keine kurzen Einzeltracks, sondern vier lange Sets, eine Antithese auf Zapping und Fragmentierung. Musik ohne Kategorien, welche die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörenden fordert und diese mit einem außerordentlich sinnlichen Erlebnis belohnt. Die Ausnahme von der Regel, wie immer bei Michael Wollny.Für Pianist Michael Wollny ist das Trio gemeinsam mit Bassist Tim Lefebvre und Schlagzeuger Eric Schaefer die Konstante in seinem sich ansonsten stetig wandelnden musikalischen Kosmos. Die drei verbindet ein schier unerschöpfliches musikalisches Vokabular, eine herausragende Sensibilität im Zusammenspiel und die Fähigkeit, aus dem Moment heraus immer wieder neue Musik von ungeheurer Spannung und Dynamik zu kreieren. Seit der Veröffentlichung des letzten, gemeinsam mit Andreas Brandis konzeptionierten und produzierten Studioalbums „Ghosts“ im Jahr 2022 hat das Michael Wollny Trio das Material des Albums auf den unterschiedlichsten Bühnen aufgeführt – vom Club über klassische Konzerthäuser bis zu großen Open-Air-Festivals. Manchmal komplett akustisch, manchmal in einer Mischung aus elektronischen und akustischen Klängen. Michael Wollny sagt „Diese Konzerte sind zu wunderbaren Séancen geworden, bei denen uns die Geister aus dem Songbook des Trios immer wieder und oft überraschend zurückkehren. An manchen Abenden tauchen sie nur kurz auf und verschwinden nach ein paar Takten wieder. Dann wieder dehnen sich einzelne Motive innerhalb eines Themas aus und weben so eine ganz neue Geschichte.“Das Repertoire von „Living Ghosts” besteht nicht nur aus Stücken von „Ghosts“, sondern spannt einen Bogen über ein Jahrzehnt der Zusammenarbeit des Trios Wollny / Schaefer / Lefebvre, welche mit der Veröffentlichung des Albums „Weltentraum“ im Jahr 2014 begann. Seinerzeit ein Game-Changer für Wollny, der endgültige Schritt auf die großen Bühnen – und eines dieser Jazzalben, die man auch bei Menschen in Plattenschrank und Playlist findet, die sonst wenig Jazz hören. Durch das fortwährende Live-Spielen hat sich das Repertoire des Trios über die Jahre immer weiter verändert. Wollny, Schaerer und Lefebvre öffnen in den Stücken immer wieder neue Räume, suchen gemeinsam nach neuer, un-gehörter Musik, oft sind es Nuancen, die der Musik im Verlauf eine völlig neue Richtung geben. Die ursprünglichen Kompositionen bilden oft nur einen Startpunkt für diese neuen, kollektiven musikalische Erzählungen.Und so ist auch das Programm des Albums „Living Ghosts“ nicht in eine Reihe von Einzeltiteln unterteilt, sondern in vier lange Kapitel, über die Fragmente aus Kompositionen und deren Weitererzählungen große Bögen spannen. Michael Wollny sagt: „Da sich die Stücke allmählich von bestimmten Arrangements, Tonarten und Stimmungen gelöst haben, gehören auch Setlists der Vergangenheit an. Neues Repertoire mischt sich ungehindert mit altem; in jedem Moment öffnen sich verschiedene Türen, Verbindungen und Neuinterpretationen. Zu Beginn eines Konzerts wissen wir nie, welche Fragmente von welchen Stücken auftauchen werden oder in welcher Reihenfolge sie sich entfalten werden.“Das Album „Living Ghosts“ hält ein solches Konzert aus dem Frühjahr 2024 in der „Illipse“ im Saarländischen Illingen fest, an dem fast nichts vorherbestimmt war. Die Aufnahme zeigt drei unverwechselbare Charaktere als so zupackend wie feinfühlig agierende Einheit. Ihre Musik ist mehr als die Summe ihrer ohnehin beeindruckend vielfältigen Teile: Lange schon gilt Michael Wollny Genre-übergreifend als einer der wichtigsten europäischen Pianisten seiner Generation. Als einer, der „aus jeder nur erdenklichen Musik ein Erlebnis machen kann, das einem den Atem nimmt.“ (Süddeutsche Zeitung). In seinem Spiel verschmelzen Einflüsse aus Jazz, Klassik, Indie-Pop, Neuer und Alter Musik zu einem unverwechselbaren Personalstil. Mit Drummer Eric Schaefer arbeitet Wollny seit mehr als 20 Jahren zusammen. So wie Schaefer spielt niemand Schlagzeug: Flüsterleise bis wuchtig, jenseits der Konventionen des Instruments, mit fast kindlicher Verspieltheit und zugleich tiefster Durchdringung aller möglichen Stile von Neuer Musik bis Heavy Rock. Wollny und Schaefer verbindet eine in tausenden Begegnungen gewachsene, tiefe Vertrautheit und zugleich die Fähigkeit, den anderen immer wieder zu überraschen und herauszufordern. Das Fundament des Trios bildet der US-amerikanische Bassist Tim Lefebvre, eine Ikone seines Instruments an der Seite von so unterschiedlichen Künstlern wie David Bowie, Tedeschi-Trucks Band bis Donny McCaslin oder Wayne Krantz.Gemeinsam erzeugen Wollny, Schaefer und Lefebvre Musik von überbordender Dynamik, grenzenloser Vielfalt und höchster Dringlichkeit. „Living Ghosts“ ist ein tiefer Fluss von mitreißender Intensität, unerwarteten Wendungen und Tiefen, ein echtes Erlebnis zum Ein- und Weg-Tauchen.Credits:Recorded live on April 19, 2024, at Illipse, Illingen (Germany) by Saarländischer Rundfunk The recording is used with the kind permission of Saarländischer Rundfunk Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Cover art by Sean Scully “Midday Blue 3” © 2020, courtesy of the artist

Ab 18,90 €*
Jokers (Live at Bimhuis)
Vincent Peirani - Jokers (Live at Bimhuis)CD / digitalVincent Peirani accordion, accordinaFrederico Casagrande guitarZiv Ravitz drumsVincent Peirani, eine Schlüsselfigur des zeitgenössischen Jazz, schlüpft in die Rolle des Jokers. In Anlehnung an den Hofnarren - einen Archetyp seit dem Mittelalter - formt Peirani zusammen mit Ziv Ravitz am Schlagzeug und Federico Casagrande an der Gitarre ein Trio schelmischer Charaktere. Gemeinsam sind sie bereit, sich in jede musikalische Herausforderung zu stürzen. Das außergewöhnliche Trio verbindet mit verblüffender Leichtigkeit Jazz, Rock und Improvisation und jeder der drei Musiker wechselt fließend die Rolle vom Ensemblespieler zum umwerfenden Solisten. "Live at Bimhuis" ist mehr als nur ein Album; es ist ein Eintauchen in Peiranis Welt der Verspieltheit und des Draufgängertums. Jedes Stück ist ein Abenteuer, ein Spiel der Perspektiven, in dem sich das Akkordeon, das sonst oft die Rolle eines Begleitinstruments einnimmt, als vielschichtige Sound-Wunderkiste erweist. Peiranis Musik ist sowohl fröhlich als auch schelmisch, er mag der Figur Jokers ein verschmitztes Lächeln schenken, aber er liefert auch musikalische Reflexionen von echter Tiefe. Aufgenommen in der Intimität und Lebendigkeit des kultigen Amsterdamer Bimhuis, fängt das Album die Essenz großer improvisierter Musik ein. Jede Note die erklingt ist ein Anlass zum Feiern der grenzenlosen Kreativität Freiheit dieses außergewöhnlichen Trios.Credits:Produced by Amélie Salembier & Vincent Peirani/ Yes les Guy´zzRecorded live at Bimhuis, Amsterdam, on October 13th 2023Cover Art by Alice ThibaultDesign by Siggi Loch

18,90 €*
Portraits
Adam Bałdych- PortraitsCD / digital Adam Bałdych violin, renaissance violin Sebastian Zawadzki piano, upright piano Marek Konarski tenor saxophone Andrzej Święs double bass Dawid Fortuna drums Eindringlichkeit ist eine Herausforderung. Denn was man an den Klassikern so liebt – das Pathos und den Nachdruck im Ausdruck –, wirkt schnell übertrieben in der eigenen Welt. Adam Bałdych lässt sich trotzdem nicht beirren. Schließlich ist Intensität nicht nur eine Frage der Musik, die man spielt, sondern auch der Emotion, die man lebt. „Als ich an den Stücken arbeitete, waren Berichte von Menschen, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, Quelle meiner Inspiration,“ erzählt der polnischen Geiger und Komponist. „Das Thema fühlt sich für mich sehr wichtig an, im Angesicht der wachsenden Konflikte in Europa und in der Welt. Ich habe Zeitzeugenberichte von damals gelesen und ich wollte mich gegen das stellen, was Tausende heute wieder erleiden müssen. Ein Aufruf zum Frieden in der Welt. Es sind verschiedene, sehr emotionale Stücke entstanden, die versuchen, Menschen und Lebensbedingungen und die Zeit, in der wir leben, zu porträtieren. Es geht um Sorgen, aber auch um die unbeschreibliche Schönheit der Welt, die ich versuche, in meinen Klängen und in der Musik festzuhalten“. Das hat etwas Spirituelles. „Portraits“ ist Klage, Gebet, Jubel und Überschwang. Es ist sehr menschlich im Bedürfnis, als Künstler einen Beitrag zur Diskussion zu leisten, auch wenn man als Instrumentalist keine Worte zur Verfügung hat. Sprachlos ist Adam Bałdych deshalb nicht, im Gegenteil. Seine Musik öffnet einen Erfahrungsraum, der über die Grenzen des Gesprochenen hinausreicht. Er ist ein Virtuose, ausgebildet in Katowice und am Berklee College, preisgekrönt und erfahren auf den Jazzbühnen der Welt. Aber er ist auch Teamplayer, der weiß, wie wichtig es ist, die eigenen Ideen in der Gemeinschaft wachsen zu lassen: „Als ich die Musik zur Bandprobe mitbrachte, haben wir zunächst viel Zeit damit verbracht, uns über die Instrumentierung und die Arrangements klar zu werden.“ „Es war ein wenig wie bei klassischer Musik, wir haben die Register der Instrumente angehört und nach dem passenden Raum dafür gesucht.“ erklärt Bałdych weiter. „Es war ein akribischer, nahezu chirurgischer Vorgang. Obwohl wir alle Improvisatoren sind und so viel wie möglich von unserer Natur in die Musik legen wollten, planten wir die Ausführung ungeheuer präzise, um die Freiheit zu bewahren und nichts von unseren Persönlichkeiten zu verlieren. Es war ein sehr inspirierender Prozess.“ So entstand ein Programm mit 15 Stücken, die diese Spannung von innen und außen, von Persönlichkeit und Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt stellen. Adam Bałdychs Geigen leiten die Musik, sowohl das normal gestimmte Instrument, als auch die sonore Renaissance-Violine (ein Nach-bau-Unikat eines österreichischen Geigenbauers), die ihm holztönend tiefere Lagen öffnet. Sein langjähriges polnisches Quintett folgt ihm dabei mit freundschaftlicher Kraft: „Wir haben eine sehr ehrliche Beziehung zueinander, die auf dem Verständnis der Kultur und der Tradition basiert, mit der wir aufgewachsen sind. Und wir verstehen uns intuitiv, geben uns den Raum, Erzählungen zu entwickeln. Es ist wie eine polyphone Komposition, die sich aus vielen Stimmen zusammensetzt, jeweils einen Mitspieler in den Vordergrund lässt, und die anderen fungieren dann als Kontrapunkt. Jeder ist eine eigenständige Persönlichkeit, wir respektieren uns und zugleich die Musik als Ganzes, die wir entwickeln.“ So entsteht „Portraits“ als jazzmusikalisches Kraftfeld, nachdenklich und beglückend zugleich. Denn das Adam Bałdych Quintet kann auch ohne Worte eindringlich erzählen.Credits: Music produced by Adam Bałdych & Mateusz Banasiuk Music composed by Adam Bałdych, except “Prelude” – composed by Sebastian Zawadzki Recorded between October 15th – 17th, 2023, at Boogie Town Studio, Poland Sound engineer, mixing and mastering: Mateusz Banasiuk

18,90 €*
Wonderland
Daniel García - WonderlandCD / Vinyl / digital Daniel García piano, vocals on #10 Reinier “El Negrón” double bass Michael Olivera drums, vocals on #6 special guests Gilad Hekselman guitar on #3 Lau Noah vocals on #7 Verónica Ferreiro vocals on #11 Es tut sich etwas in der spanischen Jazz-Szene. Blieb man in Madrid, Barcelona und Sevilla lange eher unter sich, erlangte in den letzten Jahren eine ganze Generation aktueller spanischer Jazzmusiker:innen internationales Renommee und das in einem Maße, dass man durchaus von einer Bewegung sprechen kann. Elementarer Teil dieser Bewegung: Der 1983 in Salamancha geborene Pianist Daniel García, der sich in den letzten zehn Jahren mit seinem Trio einen Namen als einer der wichtigsten Vertreter des Jazz seines Heimatlands erspielt hat – auf über 300 Konzerten quer durch Europa und bis nach Japan. Die Besetzung der Band steht für eine weitere Besonderheit der spanischen Szene: Viele Musiker:innen aus Kuba fanden hier aufgrund der gemeinsamen Sprache eine zweite Heimat – und brachten ihre hervorragende musikalische Ausbildung und ihre Einflüsse mit. So auch Bassist Reinier „El Negron“ und Schlagzeuger Michael Olivera die die ebenso tight, wie sensibel agierende Rhythmusgruppe des Daniel García Trios bilden. „Wonderland“ ist das dritte Album des Daniel García Trios auf ACT. Waren die Vorgängeralben „Travesuras“ (2019) und „Vía de la Plata“ (2021) noch von deutlichen Einflüssen aus Flamenco und traditioneller spanischer Musik geprägt, hat sich García nun davon emanzipiert. Die Flamenco-Anleihen auf „Wonderland“ sind subtiler und stehen neben einer ganzen Palette von Inspirationen aus Modern Jazz, Klassik, Pop und Einflüssen aus der Karibik und dem mittleren Osten. Zugleich symbolisiert „Wonderland“ eine innere Suche: Daniel García zitiert in den Liner Notes des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung: „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.” García lädt seine Zuhörer, die eigenen Gefühle und Gedanken zu erforschen – in „eine intime Welt aus Träumen und Ängsten, Illusionen und Hoffnungen, die unser Selbst formt und uns hilft, unsere Umgebung zu verstehen“. In den zwölf Songs des Albums durchschreitet Daniel García verschiedene innere Räume und kreiert aus diesen eine zusammenhängende Erzählung. Mit dem kraftvollen „Gates to the Lands of Wonders“ betreten wir die Gefühlslandschaft. Es folgt der Titelsong, in dem als Gast der israelische Gitarrist Gilad Hekselman unisono mit dem Bandleader die sonnige Melodie spielt. „Ich liebe seinen Sound und seine Kompositionen“, so García. „So eine kreative Kraft! Ich mag Gitarristen, die auf solch menschliche Weise durch ihr Instrument sprechen“. Das sanfte „Mi Bolita“, das García seinem neugeborenen Neffen widmet und das verspielt-energische „Witness the Smile“ mit seiner Ohrwurm-tauglichen Melodie zeigen die kubanischen Einflüsse des Pianisten auf - und natürlich auch den seiner Mitstreiter Reinier „El Negron“ und Michael Olivera. „Sie sind meine Brüder“, schwärmt García. „Wenn ich mir von allen auf der Welt zwei Musiker aussuchen dürfte, ich würde trotzdem die beiden wählen! Wir sind eine Einheit.“ „Es fällt mir schwer, meine Musik zu kategorisieren“, sagt García. „Es fühlt sich an, als würde man versuchen, das Meer in eine zu Kiste sperren– sie läuft nur über! Ich liebe Klassik, ich liebe Musik aus dem Mittleren Osten, ich liebe Rock, ich liebe Singer/Songwriter! Inspiration kann von überall kommen. Das Intro von ‚The Gathering‘ wurde beispielsweise durch eine Melodie inspiriert, die ich auf den Straßen von Salamanca gehört habe.“ Zwei bemerkenswerte Stimmen runden das Album ab, die madrilenische Sängerin Verónica Ferreiro und die katalanische, in New York ansässige Sängerin Lau Noah. In „You and Me” singt sie: „Take my hands/Now, come and dance/Time to forget the wounds/All the scars, the pain”. Eine Einladung, den Schmerz im Tanz zu vergessen – und für Daniel eine Art, die Welt zu verbessern, wenn auch nur für einen Moment. Er sagt „Um uns herum passieren so viele Tragödien. Wir können wenig tun, außer an uns selbst zu glauben und gut zu anderen sein.“ Das die Kraft der Musik die Welt verbessert mag utopisch klingen. Aber man nimmt dem eher leisen, immer lächelnden, warmherzigen Daniel García den Glauben daran ab. Und es lohnt sich, ihn auf dem Weg durch sein „Wunderland“ zu begleiten.Credits: Produced and composed by Daniel García except #11, traditional Cover art (Detail) by Alice Baber (1928 - 1982) Courtesy Berry Campbell Gallery, New York

Ab 18,90 €*
Tough Stuff
Iiro Rantala - Tough StuffCD / Vinyl / digital Iiro Rantala piano Conor Chaplin acoustic bass Anton Eger drums Mathias Heise harmonica (guest on Liberty City) Der 11. November 2006 war ein sehr emotionaler Abend. Nach fast 20 gemeinsamen Jahren und tausenden Konzerten weltweit stand das finnische Trio Töykeät rund um den Pianisten Iiro Rantala zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne. Für diesen war es Schlusspunkt und Aufbruch zugleich. Denn so schwer es war, das wahrscheinlich einflussreichste, in jedem Fall aber humorvollste Klaviertrio des finnischen Jazz aufzulösen, so intensiv konnte er sich von da an in den unterschiedlichsten Besetzungen ausprobieren - in Jazz, Klassik und gelegentlichen Ausflügen in Rock und Pop. Rantalas ACT-Debüt Lost Heroes läutete 2011 so etwas wie eine zweite internationale Karriere ein. Es folgten weitere Solo- und Duo-Alben, spektakuläre Piano Summits unter anderem mit Michael Wollny und Leszek Możdżer, sowie Orchester-Einspielungen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Rantala schrieb ein komplettes Weihnachtsoratorium für den Chor Cantores Minores und die Oper Die Zaubermelodika für die Komische Oper Berlin. Nebenbei drehte er mehrere musikalische Formate für das finnische Fernsehen und produziert aktuell einen Podcast Algoyrtmi rund um den europäischen Jazz. Doch das Trio-Thema hat Rantala seit Trio Töykeät nie ganz losgelassen und nun, fast 20 Jahre später, ist es Zeit für das Iiro Rantala HEL Trio. Rantala sagt: „Ich bin sehr froh, dass ich nach Trio Töykeät so viele verschiedene Dinge ausprobiert habe. Aber kurz vor der Pandemie hatte ich ein paar Auftritte mit Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Anton Eger und spätestens seitdem träumte ich davon, endlich wieder ein festes Trio zu haben. Dan Berglund war allerdings viel zu beschäftigt und so empfahl Anton Eger den britischen Bassisten Conor Chaplin, mit dem er bereits lange in der Band von Marius Neset spielte. Es ist immer gut, wenn Bassist und Schlagzeuger schon eng eingespielt sind, die Band hat sofort perfekt funktioniert und auf den ersten Konzerten hatten alle, auf und vor der Bühne, wahnsinnig viel Spaß. Anton und Conor sind extrem viel unterwegs und so bin ich sehr glücklich darüber, dass es gemeinsam geklappt hat.“ Das Iiro Rantala HEL Trio, benannt nach dem Flughafen Helsinki von dem aus Rantalas musikalische Unternehmungen in der Regel starten, klingt neu und vertraut zugleich, wobei die sparsam dosierte Nostalgie gar nicht so sehr vom Bandleader ausgeht:„Da gibt es eine kleine Geschichte“, erinnert sich Rantala. „Anton Eger hatte Trio Töykeät als Kind gemeinsam mit Marius Neset beim Molde Festival gehört. Es war eines ihrer ersten Jazzkonzerte, sie waren richtige Fans. Als wir das Iiro HEL Trio gestartet haben, wollte Anton, der enorm viel Repertoire kennt, unbedingt die Töykeät-Stücke Gadd A Tee und Met By Chance spielen. Ich dachte mir dann, dass das nach zwei Jahrzehnten in Ordnung ist. Wir haben sie ein wenig verändert, das eine heißt jetzt Tee Four Three, das andere Cabaret Perdu.“ In Liberty City, einem wenig gespielten, aber viel geschätzten Titel von Jaco Pastorius, spiegelt sich Rantalas Liebe für amerikanischen Funk und Soul wider. Ganz selbstverständlich steht das Stück neben Eigenkompositionen wie Stockholm Syndrome, bei denen Rantala, augenzwinkernd und doch tief empfunden, mit der typischen Melancholie des skandinavischen Jazz spielt. Es sind die Kontraste, die den Reiz des Iiro Rantala HEL Trios ausmachen. Als Pianist besticht Rantala oft mit großer Leichtigkeit und hinreißend geschmeidiger Linienführung. Und dann verwandelt er sich zu einem humorvollen Wühler im Klavier, der kraftvoll Pathos entfalten kann. Er hat etwas Barockes in der Haltung, lustvoll zugewandt im Spiel, so dass es nur wenige Töne braucht, und das Publikum ist schon auf seiner Seite. Zugleich bringen Anton Eger mit seinem unwiderstehlich filigranen, von den unterschiedlichsten Stilen befeuertem Spiel und Conor Chaplin mit so gewichtigen wie wendigen Grooves am Bass ihre ganz eigene Vorstellung von Sound und Gestaltung in die Musik ein. Und so ist das HEL Trio eben kein nostalgisches Back-to-the-Roots-Projekt: „Für mich soll es in der Musik immer vorwärts gehen“, sagt Rantala. Das Rastlose, fast schon Hyperaktive, der Drang, sich auszuprobieren und sein Publikum immer wieder zu überraschen und die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Genres und Stile authentisch zu spielen und dabei immer nach sich selbst zu klingen machen Iiro Rantala zu einer Ausnahmeerscheinung unter den europäischen Pianisten. Und der Tough Stuff des Iiro Rantala HEL Trios ist ein weiterer Meilenstein auf einer wendungsreichen Entdeckungsreise.

Ab 18,90 €*
Ennio
Grégoire Maret - EnnioCD / digital Grégoire Maret chromatic harmonica Romain Collin steinway piano & keyboards Marcus Gilmore drums Burniss Earl Travis II bass Marvin Sewell guitar Alexandra Sopp flute Special guests: Cassandra Wilson vocals Gregory Porter vocals Wie kann man an ein erfolgreiches Album wie "Americana" anknüpfen? Es wurde im April 2020 veröffentlicht und erhielt nicht nur eine Grammy-Nominierung für das beste zeitgenössische Instrumentalalbum, sondern verzeichnete auch eine Streaming-Statistik von fast zehn Millionen. Es brachte den Mundharmonikaspieler Grégoire Maret und den Pianisten Romain Collin zusammen, die in einem Trio mit Bill Frisell auftraten, in dem die drei eine glückliche Gemeinsamkeit in ihrer "gemeinsamen Liebe zum Jazz, zum Gesang und zur reinen Melodie" (Jazziz) fanden, und bot den Hörern eine "wunderschöne Meditation über den amerikanischen Traum." (Bill Milkowski). "Americana" und die anschließende Zusammenarbeit von Maret und Collin festigten die Freundschaft zwischen diesen beiden feinen New Yorker Musikern mit frankophonen Wurzeln (Genf bzw. Antibes). Wie Collin sagt: "Die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, fühlt sich sehr flüssig und natürlich an." Maret und Collin stellten schnell fest, dass das Anschauen von Filmen mit der Musik von Ennio Morricone für beide ein wichtiger Teil des Familienlebens war und einen großen Teil dessen ausmachte, was sie ursprünglich zur Musik hingezogen hatte. "Diese Filme und die Art und Weise, wie sie die Musik eingebunden haben, sind mir wirklich im Gedächtnis geblieben", erinnert sich Maret. Und als der große Mann im Juli 2020 im Alter von 91 Jahren starb, traf es sie beide tief. Maret bedauerte zum Beispiel, dass ein Plan, ihn in einige von Morricones späteren Konzerten einzubeziehen, leider nie verwirklicht wurde. Vor allem aber fühlten sich die Musiker der Musik Morricones sehr verbunden: "Wir fühlen uns beide von Natur aus zu den europäischen Empfindlichkeiten, der romantischen Sprache hingezogen", sagt Collin.Collin erinnert sich, dass sie eine gewisse Vorsicht verspürten, als sie darüber nachdachten, diesem roten Faden, der sich so tief durch ihre beiden musikalischen Vergangenheiten zieht, zu folgen und ein Album zu machen: "Wenn wir es machen wollen, muss es wirklich etwas bringen", denkt er. Also begannen beide, sich intensiv mit Morricones Werk zu beschäftigen und in es einzutauchen. "Wir wollten unbedingt herausfinden, wie er als Mensch und Musiker wirklich war", erinnert sich Maret. Daraufhin nahmen sie Kontakt zu Morricones offiziellem Biographen Alessandro De Rosa auf. Mit ihm führten sie während der Pandemie mehrere Gespräche. De Rosa hat eine aufschlussreiche Lobrede auf das Album geschrieben. "Wir wollten so viele Klänge und Farben wie möglich einfangen, denn das ist ein wesentlicher Bestandteil von Ennio Morricones Musik", sagt Maret. Die ganze Bandbreite von Morricones Werk kommt in "Ennio" deutlich zum Ausdruck: Ein Stück, in dem starke Emotionen aus der Kindheit der Musiker lebendig werden, ist "Chi Mai" aus dem Film "Le Professionel". Beide erinnern sich daran, den Film als Kinder gesehen zu haben. Logischerweise wird es als Duett für Mundharmonika und Klavier vorgetragen, aber bei genauem Hinhören entdeckt man einen anderen Klang im Bass: die unterschwelligen Resonanzen von Collins Spiel auf einem antiken Pedalharmonium. "Once Upon a Time in the West" - eine Filmmusik, die ungewöhnlicherweise vor den Dreharbeiten komponiert wurde - und die anderen "Spaghetti-Western" von Sergio Leone sind auch dabei. Und das vielleicht am wenigsten Überraschende an "Ennio" ist, wie gut die Musik des Italieners zu Marets "großherzigem Sound" (Ottawa Citizen) passt: Maret wurde von zahllosen Leuten geraten, und zwar schon länger, als er sich erinnern kann...dass es so sein würde. Und doch offenbart ein aufmerksames Anhören dieser Sammlung unerwartete Leckerbissen und Geschenke, die nie zu enden scheinen. Für Überraschungen sorgen zum Beispiel die zahlreichen Gastmusiker. Maret sagt, er habe sich wirklich glücklich gefühlt, als er von Cassandra Wilson hörte, dass sie die Idee, neue englische Worte für Minas "Se Telefonando" zu schreiben, als "Liebesdienst" empfand - Maret ist seit einem Jahrzehnt in ihrer Band. Und er war ebenso begeistert, als Gregory Porter zustimmte, den Song im Duett mit ihr zu singen. Und auch die anderen Instrumentalisten sorgen für Magie: Schlagzeuger Marcus Gilmore "kann so ziemlich alles und ist ein erstaunlicher Mensch", sagt Maret. Gitarrist Marvin Sewell und Bassist Burniss Earl Travis II sind ebenfalls Marets Kollegen aus Cassandra Wilsons Band und sorgen für allerlei faszinierende Klänge. Und auch Collin hat einige Tricks auf Lager: So ergänzt er den Sound von Maret auf "Man with a Harmonica" mit der Unheimlichkeit von Raritäten aus den 1970er/80er Jahren: einem MoogCordovox White Elephant und einem fußbetriebenen Analogsynthesizer, einem Taurus. Alessandro De Rosas Covertext zu "Ennio" fasst das Album sehr gut zusammen: Es "führt den Hörer durch die Komplexität von Morricones vielschichtigem Werk und zeigt anschaulich die emotionale Wirkung, die es auf ihn hatte. Es ist eine Reise, die diesen immens bedeutenden zeitgenössischen Komponisten auf eine neue und authentische Art und Weise vorstellt und erzählt."

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Passacaglia
Adam Bałdych & Leszek Możdżer - PassacagliaCD / Vinyl / digital Adam Bałdych violin, renaissance violin Leszek Możdżer piano Auf „Passacaglia“ treffen zwei der prominentesten Charaktere des Jazz aus Polen aufeinander: Violinist Adam Bałdych und Pianist Leszek Możdżer. Das erste gemeinsame Album „Passacaglia“ ist die musikalische Essenz seiner Protagonisten. Das Repertoire reicht von freien Improvisationen über Werke, die die Musiker selbst geschrieben haben, bis hin zu ihren ganz persönlichen Interpretationen von Themen von Erik Satie, Josquin des Prez und anderen. Die Kombination von Instrumenten, die Bałdych und Możdżer auf dem Album verwenden, ist sehr ungewöhnlich: Eine Renaissance-Violine, zwei Flügel - einer auf 442 Hz und der andere auf 432 Hz gestimmt - und ein präpariertes Klavier. Diese Konstellation ermöglicht eine enorm vielfältige Palette musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten, die sich über Stile, Genres und sogar tonale und harmonische Konventionen hinwegsetzt. Die Welt, die Bałdych und Możdżer erschaffen, ist eine Welt von ausgewogener Schönheit, die sich in der edlen Form der Kammermusik ausdrückt, aber auch in intensiven Improvisationen.Im Kern geht es Bałdych und Możdżer um die Suche nach dem vollkommenden Klang. Und auch wenn der Ausgangspunkt dieser Suche oft das Schöne, Warme, Sanfte ist, wird man immer wieder von den Wendungen überrascht, die die Musik nimmt. Wie viele Alben, die nachhaltig fesseln ist Passacaglia anziehend und nahbar, gibt aber nicht gleich alle seine Geheimnisse preis, sondern lässt einen immer wieder zurückzukehren um mehr zu entdecken.Credits: Produced by the artists

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Let Them Cook
Emile Parisien - Let Them CookCD / Vinyl / digital Emile Parisien soprano saxophone & effects Julien Touéry piano Ivan Gélugne double bass Julien Loutelier drums & electronics Wenn Unfälle passieren, dann normalerweise in Sekunden, manchmal in Minuten. Doch dieser hier dauert schon 20 Jahre an... So lange ist es her, dass die Mitglieder des Emile Parisien Quartetts erstmals auf einer Jamsession zusammenspielten. Am Ende schauten sie einander ungläubig an. Sie waren nicht nur von einem kollektiven musikalischen Blitz getroffen worden, sondern sie wussten auch, dass sie soeben...nun ja...etwas...ins Leben gerufen hatten. Der gemeinsame Nährboden war der Jazz, aber jeder hatte alle möglichen Samen darin zu säen, von klassischer Musik und zeitgenössischen Klängen bis hin zu Rock, Electronica und Chanson. Saxofonist Emile Parisien, Pianist Julien Touéry, Bassist Ivan Gélugne und Schlagzeuger Julien Loutelier reißen Barrieren nieder, ändern Regeln und wissen doch genau, wohin sie wollen. "Das zentrale Anliegen der Band war und ist das Geschichtenerzählen", betont Parisien.Ihr neues Album "Let Them Cook" ist wie ein frischer Wind und die Musik der Band atmet hörbar den Geist des Jahres 2024 und nicht mehr den des Gründungsjahrs 2004. Es gab einen besonderen Wendepunkt auf dem Weg dahin: Bei einem Konzert in Schweden gegen Ende ihrer "Double Screening"-Tournee hatten sie die Chance ergriffen, von einem rein akustischen Sound abzuweichen und etwas Elektronik zu integrieren. Es funktionierte und es schien, dass diese elektronischen Einsprengsel den Sound der Band nie verunreinigten, sondern eher verstärkten. Und der Weg von einem rein akustischen Sound hin zu einer Mischung aus akustischen und elektronischen Elementen ist auch eine Antwort auf die allgegenwärtige Frage: Wie kommt man vom klassischen Jazz-Quartett aus Saxophon, Klavier, Bass und Schlagzeug zu einem neuen, eigenen Sound? "Wir versuchen immer, neue Antworten auf diese Frage zu finden!“ sagt Emile Parisien. „Es hat keinen Sinn, das zu wiederholen, was die Gruppen von John Coltrane und Wayne Shorter gemacht haben, denn in vielerlei Hinsicht wird man ihr Niveau nie erreichen." Und Wayne Shorter selbst, einer der wichtigsten Einflüsse der Band, sagte einmal: "Es gibt einen bestimmten Weg, den die meisten Menschen gehen, weil er ihnen vertraut ist. Ich ziehe es vor, eine andere Abzweigung zu nehmen, von der aus man einen anderen Blick hat. Ich nenne das die weniger befahrene Straße". Seit 20 Jahren nimmt uns das Emile Parisien Quartett mit auf ihren Weg auf dieser Straße voller unerwarteter Abbiegungen und Abenteuer.Credits:Produced by the artists

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Palmer Edition I: Duo
Michael Wollny & Joachim Kühn - DUOCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano Joachim Kühn piano „Michael Wollny und Joachim Kühn - zwei Generationen, zwei künstlerische Sozialisationen, zwei selbstbewusste Individuen, aber ein kongruenter musikalischer Gestaltungswille. […] Eine Sternstunde der Klaviermusik.“- FAZ, Wolfgang SandnerJoachim Kühn (*1944) und Michael Wollny (*1978) sind in jeglicher Hinsicht unverwechselbare Individualisten. Gerade darin liegt auch ein bedeutender Teil ihrer Gemeinsamkeit. Beide sind herausragende Virtuosen, verfügen über einen wachen und enorm kreativen Geist und die Fähigkeit, im richtigen Augenblick das Richtige zu tun und ihr Gegenüber immer wieder zu fordern und zu überraschen. Gemeinsam spannen sie einen großen Bogen über Eigenkompositionen und eine Version von Ornette Colemans „Somewhere“. Am Ende treffen sie sich zu einem gemeinsamen Requiem für Joachims Bruder Rolf.Auf „DUO“ hört man zwei improvisierende Pianisten, die wortlos miteinander im Konsens sind. Die vom ersten Augenblick an wissen, was sie aneinander haben, was sie sich und einander zutrauen und zumuten wollen und können. Die sich Zeit nehmen und geben, die einander nicht unter Druck setzen und gern ein Stück weit begleiten. Und deren Spiel manchmal fast zu verschmelzen scheint. Dieses Album erscheint in Kooperation mit Château Palmer.Credits: Produced by the artists

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Tales of Utopia
Shalosh - Tales of UtopiaCD / Vinyl / digital Gadi Stern piano and keys David Michaeli double bass Matan Assayag drums Wieder sind da der eingängige Groove und die ausgeprägte Melodik, die den typischen Shalosh-Sound definieren. Wieder gibt es diese Dreierkompaktheit, die schon im hebräisch „drei“ bedeutenden Bandnamen steckt. „Heavy-Jazz!“, hörte der deutsche Rolling Stone und der Kritiker der Times eine „Verheißung“. Im Deutschlandfunk war die Rede von „Jazz auf der Überholspur“, der wieder „junge Jazzfans in ganz Europa“ erreicht. Der Tagesspiegel schreibt wiederum begeistert „Diese Band rockt“. Jeder der drei Musiker speist seine musikalischen Vorlieben Jazz, Klassik, Grunge, Rock, Techno oder Folk in den gemeinsamen Organismus ein, der die Elemente zu einem spannungsgeladenen Gemisch verdichtet. In begeisternden Konzerten rund um den Globus ist das weiter verfeinert worden, ohne das Publikum zu unterfordern. Diese Musik zielt gleichermaßen auf Herz, Intellekt und Beine.So hätte es weitergehen können, doch hat sich seit „Broken Balance“ aus dem Jahr 2020 vieles verändert. „Es ist eine andere Welt“, sagt Gadi Stern, „das kann man auf dem neuen Album hören. Damals war alles in Ordnung, fast nichts fehlte. Jetzt ist da ein Gefühl vom Ende der Welt.“ Also stellten sie ihre Musik, die immer schon ein Story-Telling in Tönen gewesen ist, in größere Zusammenhänge. Dazu dachten sie sich eine Geschichte aus, die auf Stoffen aus dem Alten Testament und der Odyssee basiert. Mit ihrer rhapsodischen Mischung aus christlicher und griechischer Mythologie fanden sie eine Verbindung von Weltkulturen und einen roten Faden für ihr Album. Ein junger Held reist ins Unbekannte. Unbekannt jedoch ist nicht nur die äußere Welt, sondern auch das eigene Innere. Doch jede Reise ist auch begleitet von Selbstvergewisserung, die einen stärker macht. „Tales of Utopia“ handelt davon, wie utopisches Denken auf der Beschäftigung mit dem eigenen Ich basiert, auf Konzentration und Meditation als Gegenmittel zum Informationsoverkill.Shalosh formulieren ihre Musik als Zufluchtsort. In einer krisendurchzogenen Welt wollen sie Kraft und Trost spenden, Fantasie beflügeln und Halt geben gegen Pandemie, Panzer und Parolen. Wie in einem Stationendrama schaffen sie Bilder vom Erreichen der großen Stadt mit ihrer Flut neuer Eindrücke, in denen sich der Held zurechtfinden muss, von der Reizüberwältigung auf dem Markt mit Gerüchen, Farben und Bewegungen, vom dramatischen Verlassen der Metropole im Sonnenuntergang, vom schlingernden Boot auf dem Ozean, von den drei Schwestern auf der Insel, die sich um den Helden kümmern, wobei sich deren Stimmen verschränken. Die Träume des Königs sind zweigeteilt in all den Turbulenzen und stimuliert von einem schlechten Berater, bis alles dann doch im Happy End in einem marokkanisch inspirierten Hochzeitslied mündet, bei dem sich die Band mit Freunden zur Party mit Händeklatschen und Gesang in einem Raum trifft." Den Rahmen dieser immer gültigen Geschichte gibt der einprägsame Shalosh-Sound, in den sie die Geschichten fügten wie auf einem großen Gemälde, wobei sie die Chronologie der Ereignisse dem musikalischen Flow angepasst haben. Anders war diesmal der Aufnahmeprozess. Ohne Kopfhörer und Amps haben die drei nah beieinander wie unter Livebedingungen ihre song- und soghaften Geschichten aufgenommen. Rauer und direkter klingt das, denn der Raum war mit Dynamik aufgeladen. Wichtig war, was die Texte musikalisch auslösten. „Drin im Raum konnten wir dem Trouble der Welt entgehen“, erinnert sich Schlagzeuger Matan Assayag. „Für drei, vier Stunden haben wir uns auf die Musik fokussiert und unsere Utopie formuliert. So konnten wir den täglichen Druck ausblenden. Das ist der Sinn hinter dem Titel. Das vorige Album reflektierte die Welt draußen, dieses handelt von innerer Harmonie.“„Tales of Utopia“ dokumentiert eine Suche nach Haltung und Friedfertigkeit. Gadi und Matan sind jüngst Väter geworden. Auch diese positive Energie ist eingeflossen. „Kunst macht die Welt besser“, beschreiben sie ihre Intentionen, „wir wollen Schönheit in die Welt bringen und ein Gefühl erzeugen, dass die Leute mit sich selbst glücklich sein können. Das müssen sie wieder lernen und neben der Informationsflut eine Position finden, damit nicht immer mehr immer weniger bedeutet. Unsere Kinder waren dabei die besten Lehrer, weil sie sich von kleinen Dingen faszinieren lassen. So kann man das Destruktive überwinden.“ Es gibt mehr als den allgegenwärtigen Pragmatismus. Diese packende und farbenreiche Musik lädt dazu ein, sich verzaubern zu lassen und sich auf das Schöne ringsum zu fokussieren. Dazu setzt sie auf einen humanen Faktor, der nicht nach Perfektion strebt, sondern nach kontemplativer Frische, Reibeflächen und Vitalität. Credits: Music composed, arranged and produced by Shalosh Cover art "Blokeret dør, 2000" by Tal R

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Austrian Syndicate
Format: CD
David Helbock - Austrian SyndicateCD / Vinyl / digital David Helbock rhodes, synthesizers & effects Peter Madsen piano Raphael Preuschl bass & bass ukulele Herbert Pirker drums Claudio Spieler percussion Guests: Alex Acuña percussion Lakecia Benjamin saxophone Maria João voice Fred Wesley trombone Dhafer Youssef voice Austrian Syndicate – sofort werden Assoziationen wach zum berühmtesten und einflussreichsten Österreicher im Jazz: Joe Zawinul. Aber das neue Projekt des Tastenspielers David Helbock ist viel mehr als nur eine Reminiszenz. Es ist Rückbesinnung auf die Wurzeln und ihre Fortentwicklung, stilistische Neuausrichtung und Bündelung der Kräfte sowie weltmusikalische Öffnung. Oder wie Helbock schlicht selbst sagt: „Eine Herzensangelegenheit“. Als Syndikatsmitglieder hat er die beste Rhythmusgruppe, die Österreich zu bieten hat, gewinnen können: Raphael Preuschl an Bass und Bass-Ukulele, den Schlagzeuger Herbert Pirker und den Perkussionisten Claudio Spieler. Ein prominenter Wahlösterreicher aus Amerika komplettiert das Quintett: Pianist Peter Madsen. Und wäre diese österreichische Supergroup nicht schon genug, beehren die Star-Gäste MariaJoão, Fred Wesley, Dhafer Youssef, Alex Acuña und Lakecia Benjamin das Austrian Syndicate.Ganz im Geiste von Zawinul, dem Pionier des Einsatzes elektronischer Tasteninstrumente und den Großmeister des Fusion-Jazz – ob bei Miles Davis, Weather Report oder dem eigenen, dann auch den World-Jazz mit ins Rampenlicht stellenden Zawinul Syndicate – ist David Helbock auf „Austrian Syndicate“ erstmals nur an elektronischen Tasteninstrumenten zu hören. Den Platz am Klavierhocker überlässt er voll und ganz Peter Madsen. „Ich habe quasi alles von ihm, was ich über Musik und Jazz weiß“, sagt Helbock über seinen einstigen Lehrer, Mentor und heutigen Freund. Ein wahrer, aber viel zu oft als Geheimtipp gehandelter, Klavier-Hero, der schon 1987 mit Stan Getz auf Welttournee ging und seitdem mit dem “Who is Who” der Jazzszene gespielt hat – ob mit traditionellen Musikern wie Benny Golson oder Stanley Turrentine, Modern-Jazz-Größen wie Chris Potter, Joe Lovano oder Kenny Garrett, Free-Jazzern wie Dewey Redman und Don Cherry oder Funketeers wie Fred Wesley und Maceo Parker. 2001 verschlug es Madsen von New York aus nach Österreich, wo er auf den damals 16-jährigen Helbock traf und ihn unter seine Fittiche nahm. Weshalb Madsen bei „Austrian Syndicate“ neben den Klavierparts sozusagen auch die Rolle des zweiten Bandleaders übernommen hat und als Komponist hervorsticht. Auch Raphael Preuschl und Herbert Pirker sind langjährige Weggefährten von David Helbock und seit über 20 Jahren als eingespieltes Team das gefragteste Bass-Schlagzeug-Gespann in Wien. Preuschl hat sich überdies die ungewöhnliche Bassukulele zu eigen gemacht. Der ebenso vielseitige Pirker sitzt unter anderem in Österreichs Sensationsband Shake Stew am Schlagzeug. Perkussionist Claudio Spieler hat beim afghanischen Meistertrommler Hakim Ludin studiert und gastiert mittlerweile auf den großen Bühnen mit Konstantin Wecker oder Martin Grubinger. Schließlich verleihen außergewöhnliche Gäste dem Album internationalen Glanz und weltmusikalisches Kolorit. Mit dabei sind Portugals große Stimme Maria João; Der Perkussionist Alex Acuña, welcher einst mit Zawinul bei Weather Report spielte; Der gerade erst für sein Album “Streets of Minarets“ gefeierte und vor ausverkauften Häusern spielende tunesische Sänger und Oud-Virtuose Dhafer Youssef; Funk-Mastermind und James-Brown-Weggefährte Fred Wesley; Und die Saxofonistin Lakecia Benjamin, aktuell vielleicht das heißeste Eisen im amerikanischen Jazz-Feuer.So ist es kein Wunder, dass dieses „Austrian Syndicate“ die wohl bunteste, universelle und multinationale Musik präsentiert, die Helbock bisher eingespielt hat. Schon der Einstieg mit Zawinuls „Money in the Pocket“ ist ein wilder Ritt durch elektronisch überwölbte, von Alex Acuña angetriebene und zwischendurch von einer Groove-Passage unterbrochenen, Latin-Rhythmik. Die von Helbock, Madsen und Dhafer Youssef improvisierten, ineinander übergehenden Wien-Reminiszenzen „Hymn to Vienna“ und Madsens „The Third Man“ bewegen sich von geheimnisvollen Arabesken zu einem klassischen Fusion-Stück. Auf seiner „Ballad for Schönenbach“ lässt Helbock den Synthesizer wie eine Panflöte klingen, auf „Grundbira Dance“ wiederum im Kontrast zu indischem Konnakol-Sprechgesang nach Tangerine Dream und Genesis. „The Ups and Downs“ erinnert an den Acid-Jazz der Neunzigerjahre, auch dank Lakecia Benjamins großartigem Saxofon. Sphärisch schwebt „Adventure“ daher, der Funk dominiert bei Preuschls Stück „Dinde et Dindon“ und mischt sich bei Fred Wesleys Posaunen-Solo auf „Crimson Woman“ mit Prog-Rock-Gebilden a la King Crimson. Lyrisch und ruhig wird es bei Madsens „We Need Some Help Down Here“, während sein „Nuyorican“ dann als Latin mit gehöriger Groove-Infusion daherkommt. Noch extravaganter geht es ins Finale, wenn Mozarts „Komm, lieber Mai und mache“ durch Maria Joãos verspielte Vokalisen zur afro-karibischen Hymne wird. Grenzenloser Fusion-Jazz mit unwiderstehlichem Groove – Helbocks „Austrian Syndicate“ steht und spielt für die ganze Welt. Credits:Produced by David Helbock

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Good Morning Susie Soho
Esbjörn Svensson Trio e.s.t. - Good Morning Susie SohoCD / Vinyl / digital Esbjörn Svensson piano Dan Berglund bass Magnus Öström drums Zehn Jahre ist es jetzt alt, das `EST´. Das Esbjörn Svensson Trio lässt sich am liebsten mit seinem Kürzel anreden und signalisiert so sein Selbstverständnis als kompakte Einheit, als Band wie aus einem Guss, in der nicht länger der Leader die Hauptrolle spielt. Die Bandidee erinnert eher an eine Rock- / Popband als an ein Jazz-Pianotrio. Sie beinhaltet eine kollektive Arbeitsweise und einen kollektiven Sound. Der darf durchaus eingängig sein und nachvollziehbar, ohne gleich platt und vordergründig zu werden. Gegenüber dem Populären kennt das EST keine Berührungsängste. Dafür wurde es vom Geheimtipp zur festen Größe auf der europäischen Szene. Sein Erfolg übertrifft den durchschnittlicher Jazz-Acts, und dennoch hat es auch harte Jazzfans und die Kritikerzunft auf seiner Seite. Vor allem aber hat es - welche Jazz-Combo kann das heute von sich behaupten? - ein junges Publikum. Kein Wunder bei einer Band, die immerhin schon ein beachtliches Monk-Album vorgelegt hat (“EST Plays Monk", BMG, 1997), auf die Frage nach ihren Favoriten aber nicht einschlägige Jazzgrößen auflistet, sondern Björk nennt. Das 99er Album “From Gagarin's Point of View" (ACT 9005-2) wurde in Schweden wie eine Pop-Produktion promotet - mit Single, Video und allem, was dazugehört. Es platzierte sich prompt in den Pop-Charts. Als Jazzscheibe, wohl gemerkt. Doch hinterlässt die Affinität des EST zum Pop auch in der Musik ihre Spuren, und sei es nur als augenzwinkernde Referenz. So bietet das aktuelle Album “Good Morning Susie Soho" auch, was bei heutigen Popalben schon fast dazugehört: den obligaten “Hidden Track" mit düstren, ambientartigen Akkorden vom Fender-Rhodes. An anderer Stelle legt das EST funkige Grooves vor, die dem populären Ramsey Lewis Trio der 60er Jahre gut angestanden hätten, und verknüpft sie mit zischelnden Sounds und der Rhythmusauffassung des Drum'n'Bass, mit trockener Snare und Wah-Wah-Bass. Da lassen Svenssons allerfüheste Spielabenteuer mit Drummer Magnus Öström grüßen: “Wir wohnten als Kinder in derselben Straße", verrät Svensson. “Magnus' Vater war Anstreicher, und Magnus spielte auf dessen Farbtöpfen, ich schrammelte auf der Gitarre. Irgendwann bekam er ein Schlagzeug, ich probierte auf Mutters Klavier herum - mit einem Finger. Wir lernten alles gemeinsam und zeigten einander, was wir schon konnten. Vor allem lernten wir zusammenzuspielen." Als Teenies spielten sie in Garagenbands, Svensson betätigte sich als Sänger und E-Gitarrist. Mit 15 entschied er sich fürs Klavier und besann sich auf die Musik im Elternhaus. Die Mutter hatte Chopin, Rachmaninoff, Liszt gespielt, der Vater Monk und Ellington gehört. Aus all dem wollte der Sohn etwas Eigenes entwickeln. Mitte der 80er Jahre ging er nach Stockholm, studierte klassisches Klavier und stieg mit 19 in eine Hard-Bop-Combo ein. Als Öström nach Stockholm folgte, gründeten beide 1990 das EST, dem seit 1993 auch Dan Berglund angehört. Wenig später entstand das erste Album. Seitdem spielte sich das Trio an die Spitze der jüngeren skandinavischen Szene; Svensson wurde in Schweden zweimal zum Jazzmusiker, einmal zum Komponisten des Jahres gekürt; für das Album “Winter in Venice" (ACT 9007-2) erhielt er den schwedischen Grammy. Im EST verbindet er Eingängiges und Anspruchsvolles so schlüssig, dass selbst Hörer auf ihre Kosten kommen, die eigentlich gar keinen Jazz mögen. Für die Kompositionen zeichnet durchweg nicht er allein, sondern das EST verantwortlich. Sie entstehen im kollektiven Spiel, wie Svensson es mit Öström von klein auf eingeübt hat. “Musik ist zuerst Hören, dann Spielen", lautet die Devise, und sie gilt für die Interaktion im Trio wie für die Erarbeitung neuer Kompositionen - klang- und melodiebewußte Stücke mit packendem Groove, gelegentlich mit sparsamem Programming angereichert. “Die Musik muss zu den Leuten rüberkommen. Im Jazz hört man vieles, das nicht über die Rampe kommt. Ich versuche, Komplexes so zu spielen, daß es anspricht. Die Leute mögen Energie in der Musik - vielleicht so eine Art Rock'n'Roll-Energie." Credits: Recorded at Atlantis Studio, March - April 2000 Mixed in May 2000 Technician: Janne Hansson Mastered by Johan Ekelund at Stereolab in June 2000 Produced by e.s.t.

Ab 17,50 €*
HOME.S.
Esbjörn Svensson - HOME.SCD / Vinyl / Colored Vinyl / digitalEsbjörn Svensson pianoEs gibt in jeder Musik Figuren, die mit ihren Werken ein Genre als Ganzes beeinflussen. Im Jazz trifft dies zweifellos auf den Schweden Esbjörn Svensson zu. Mit e.s.t. Esbjörn Svensson Trio prägte der Pianist und Komponist nachhaltig ein neues Verständnis des Pianotrios und begeisterte ein weltweites Publikum jenseits von Alters- und Genre-Grenzen. Sein Einfluss hallt bis heute, bereits in der zweiten und dritten Generation von Musiker*innen, nach. Und auch beim Publikum ist Svensson unvergessen. HOME.S. ist Esbjörn Svenssons einziges Soloalbum und die Existenz einer solchen Aufnahme und ihre Entdeckung über ein Jahrzehnt nach ihrer Entstehung, sind nicht weniger als eine Sensation. Svensson fokussierte seine Schaffenskraft und Aufnahmetätigkeit seit Anfang der 90er Jahre fast ausschließlich auf die Arbeit mit e.s.t.. Somit sind die nun vorliegenden Aufnahmen nicht nur die ersten, sondern praktisch die einzigen, die Svensson in einem anderen Setting als dem des Trios zeigen: Intim, konzentriert und ganz bei sich.Die Musik von HOME.S. entstand in Esbjörn Svenssons Haus in Schweden, nur wenige Wochen vor seinem plötzlichen Tod am 14.6.2008. Fast zehn Jahre lang ruhte die Musik danach ungehört im persönlichen Archiv seiner Frau Eva Svensson. In diesem Interview erzählt sie die Geschichte der Musik und ihrer Entdeckung: Wie genau hast Du diese Musik gefunden? Nach Esbjörns Tod habe ich dafür gesorgt, dass der gesamte Inhalt seines Computers auf Festplatten gesichert wurde. Diese blieben danach für die nächsten zehn Jahre lang unberührt. Als ich mich schließlich bereit fühlte, mich mit dem Material zu befassen, wurde mir schnell klar, dass darin etwas Besonderes verborgen war. Ich nahm die Festplatten und fuhr nach Göteborg, um mich mit Åke Linton zu treffen, dem Tontechniker, der an allen e.s.t.-Alben und Live-Shows gearbeitet hatte. Er war es auch, der mir ursprünglich geholfen hatte, das Material von Esbjörns Computer zu sichern. Er wusste also wahrscheinlich schon, dass dort etwas versteckt war, aber niemand hatte es sich angehört. Wir gingen also in sein Studio. Und wir drückten den Play-Knopf. Während Musik lief, schwiegen wir. Und auch nachdem sie zu Ende war, konnten wir zunächst nichts sagen, weil wir beide so gerührt und überrascht waren – darüber, dass die Musik existierte und so wunderschön war. Die Stücke schienen einander zu folgen wie Perlen auf einer Kette. Nachdem wir eine Weile nur dagesessen hatten, waren wir uns einig: Das ist wirklich gut. Musikalisch, aber auch klanglich. Zuerst war sich Åke nicht sicher, ob Esbjörn das Album zu Hause und ganz allein aufgenommen hatte. Also rief er in verschiedenen Stockholmer Studios an mit denen Esbjörn regelmäßig gearbeitet hatte und fragte sie, ob er dort gewesen sei und etwas aufgenommen habe, aber niemand wusste etwas. Was ich wusste, war, dass er ein paar sehr gute Mikrofone gekauft und von Åke gelernt hatte, wie man sie benutzt. Und so verstand ich schließlich, dass diese Musik im Keller unseres Hauses gespielt und aufgenommen worden sein musste.Es war also niemand bei ihm? Er hat das alles ganz alleine gemacht? Er war ganz alleine. Im Nachhinein haben mich die wenigen Leute, denen ich schließlich von der Aufnahme erzählt habe, gefragt, ob ich etwas geahnt hätte. Was ich wusste, war, dass Esbjörn ständig gearbeitet hat. Er war im Keller und ich konnte ihn spielen hören. Aber für mich warf das keine Fragen auf. Macht er etwas? Ja, natürlich macht er etwas, wie immer. Er probt, übt, komponiert. Ich wusste auch, dass er sich danach sehnte, Zeit zu haben, um zu komponieren und in neuen Konstellationen zu spielen. Aber ich hatte keine Ahnung, dass es dabei um Soloaufnahmen ging. Nur wenige Wochen nach diesen Aufnahmen starb Esbjörn und alles nahm plötzlich eine andere Wendung. Ich konnte mich nicht auf Musik konzentrieren. Das Leben hatte sich plötzlich so dramatisch verändert. Für mich und für uns war es nicht nur Esbjörn, der Musiker, sondern auch mein Mann und der Vater der Kinder, der weg war. Damit mussten wir zurechtkommen und einen Weg finden, ohne ihn zu leben. Alles, was ich damals tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass das gesamte Material, an dem er gearbeitet hatte, sicher aufbewahrt wurde. Wann hast Du die Musik zum ersten Mal gehört? Ich glaube, das war 2017 oder 18, vielleicht. Das war wirklich das erste Mal? Ja, das erste Mal. Nach fast zehn Jahren. Und du hattest bis dahin alles sicher und unangetastet aufbewahrt? Technisch gesehen, ja... Naja, ich weiß nicht, ob es so sicher war. Die Festplatten waren im Wohnzimmerschrank. *lacht* Aber sicher genug, damit diese Musik nun ihre Hörer und Hörerinnen erreicht. Wie haben Sie sich entschieden, dass die Zeit reif ist, die Aufnahmen mit der Öffentlichkeit zu teilen? Es war keine wirkliche Entscheidung. Als ich die Musik hörte, habe ich einfach verstanden, dass es für mich wichtig war sie mit Anderen zu teilen. In Form eines Albums, aber auch in öffentlichen und virtuellen Räumen, in denen sich Menschen treffen, um gemeinsam Esbjörns Stimme zu hören. Weißt du, wie das Repertoire des Albums entstanden ist? Wurde irgendetwas davon vorher komponiert oder denkst du, dass alles komplett improvisiert ist? Ich denke, dass Esbjörn vor den Aufnahmen Stücke geschrieben hat. Zumindest bin ich sicher, dass es Skizzen gab. Ich glaube nicht, dass er sich einfach hingesetzt und von Anfang bis Ende improvisiert hat. Das war schlicht nicht seine Art zu arbeiten. Es gibt noch eine Menge Noten aus seiner Feder und ich bin mir sicher, dass einiges davon mit dieser Aufnahme zusammenhängt. Aber ich war nicht in der Lage, sie alle durchzusehen. Noch nicht. Die Stücke des Albums sind nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt und ein Grund dafür ist Esbjörns Leidenschaft für die Astronomie. Etwas, das auch eines der beliebtesten Stücke von e.s.t. inspiriert hat: From Gagarin's Point of View. Da ist dieses Gefühl, weit weg von allem zu sein, in der Schwerelosigkeit mit einer völlig anderen Perspektive. Und gleichzeitig in großer Gefahr. Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Gagarins Abenteuerlust und sein Drang, neue Orte zu besuchen, für ihn viel aufregender gewesen sein müssen, als seine Angst vor dem Tod. Diesen Sprung ins Universum zu wagen und dieses Risiko einzugehen, anstatt einfach zu Hause zu bleiben. In musikalischer Hinsicht war Esbjörn genauso und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Sterne und der Weltraum so eine große Sache für ihn waren. Gleichzeitig erinnere ich mich, dass er sagte, er bedauerte es in gewisser Weise, mehr darüber gelernt zu haben, weil für ihn so ein Teil des Geheimnisses verloren ging. Esbjörn war immer sehr daran interessiert, Dinge zu erforschen, über die er nicht so viel wusste und dann zu versuchen, herauszufinden, wie sie funktionieren und sie in Beziehung zu setzten. Sowohl im Leben, als auch in der Musik. Das begann schon in seiner Kindheit zusammen mit Dan und Magnus, mit denen er später e.s.t. gründete. Sie hörten etwas, wussten aber weder, was es genau war, noch wie es funktionierte. Sie trafen sich oft gemeinsam in Esbjörns Haus, spielten herum, erkundeten und fanden Dinge heraus – ohne Hilfe von außen und ohne zu wissen, was genau sie da taten. Irgendwelche abschließenden Gedanken? Diese Musik ist wie eine Nachricht, die es auf die andere Seite geschafft hat. Und sie ist wie Esbjörns Stimme in einem Raum. Niemand anderes könnte so spielen. Es ist seine Stimme und sie hat immer noch etwas zu erzählen. Ich habe die Chance, sie die Menschen hören zu lassen und ich habe das Gefühl, dies gemeinsam mit ihm zu tun. ….Danke, Esbjörn. Das ist wunderschön. Credits: Music composed, recorded, mixed and produced by Esbjörn Svensson in spring 2008 Executive Producer: Eva Svensson Mastered by Åke Linton, Eva Svensson and Classe Persson at CRP Recording AB

Ab 18,90 €*
e.s.t. Live ‘95
Esbjörn Svensson Trio e.s.t. - e.s.t. Live 95CD / Vinyl / digital Esbjörn Svensson piano Dan Berglund bass Magnus Öström drums EST - Die Eingebung des Augenblicks Als "neuer Klang der alten Welt“, als "Starkstrom aus Schweden" wurde ihre Musik gepriesen - und die Gruppe selbst immer wieder als das "vielleicht beste Jazz-Trio der Welt". Fast schon beängstigend ist der Höhenflug, zu dem das Esbjörn Svensson Trio - kurz: EST - angesetzt hat. Nach dem großen Erfolg in Schweden gab es 1999 den internationalen Durchbruch in Montreux bei der ACT World Jazz Night. Im darauffolgenden Jahr wurde EST in ganz Europa als Sensation gehandelt und ist jetzt auf dem besten Weg, diese Erfolgsstory in den USA fortzusetzen. Kein Wunder, denn gerade live entfesselt EST eine kaum fassbare Energie - und wie es Vielen scheint, von Tournee zu Tournee mehr. Ein aufsteigender Stern, der immer stärker strahlt. Doch manchmal leuchten Sterne schon bedeutend länger, als man denkt. Und hier sind Aufnahmen, die beweisen, dass das auch für EST gilt. Ihren ganz spezifischen Ton fand die 1993 gegründete Band schon früh - er wurde nur außerhalb ihres Heimatlands zunächst nicht wahrgenommen. Vor sechs Jahren, 1995, als der Namensgeber des Trios noch lange Haare und Stirnband trug, entstanden diese im selben Jahr unter dem Titel "Mr. and Mrs. Handkerchief“ veröffentlichten Mitschnitte an verschiedenen Orten Schwedens - ein Jahr, bevor EST mit dem Album "Esbjörn Svensson Trio plays Monk" (vor kurzem wiederveröffentlicht als ACT 9010-2) die nationale Traum-Verkaufszahl von 10000 Exemplaren erreichte. Mölndal, Arhus, Uppsala etwa hießen die Stationen. Und wer hört, wie das Trio schon damals spielte, dem bleibt die Luft weg (zum Schnell-Versuch: Track 5).Vieles von dem, was EST heute auszeichnet, war hier schon stark ausgeprägt: die Geschlossenheit und der kraftvolle Zugriff des Spiels, die griffigen Themen, die den Hörer unmittelbar anspringen und doch nicht klischeehaft werden, die Verschmelzung der Musik von Vorbildern wie Thelonious Monk und Keith Jarrett zu einem eigenen, immer wieder vom Vorwärtsdrang des Rock infizierten Stil. Magische Momente wurden durch diese Mitschnitte für die Ewigkeit gerettet. In Track 3 und 7 spielt Svensson auf einem Upright Piano, das bei weitem nicht die Klangbrillanz eines Flügels hat - und dennoch sind die Aufnahmen Perlen. Spontanes Reagieren auf die Eingebungen des Augenblicks: eine Kunst, die das Trio schon damals aufregend beherrschte. Gar kein Unterschied zu heute? Insgesamt weniger rau, noch straffer, bei allem Ungestüm noch stärker kontrolliert als in jungwilden Zeiten klang EST auf den letzten Tourneen. Dabei zeigt der Vergleich mit dem Meisterstück "Dodge the Dodo“ aus dem Montreux-Konzert von 1999 (Bonus-CD), dass die Weiterentwicklung des Trios nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich verlief. Wie aktuell jedenfalls ihre Musik von damals für die Band ist, hat Esbjörn Svensson selbst am treffendsten gesagt: "Obviously we develop all the time, both as individuals and as a group. But development isn¹t only about blind progress. So instead of just going forward, in places we’ve chosen to refer back to our earlier sound, to what we had on our first two albums." Schon das ist Grund genug, einem davon neue Aufmerksamkeit zu widmen: "EST LIVE `95”. Credits: Recorded by Åke Linton in March 1995, except # 11 recorded by Manu Guiot at Montreux Jazz Festival July 16, 1999, # 5 by Per Åke Hermansson, Radio Dalama and # 6 by Verner Kjersgaag, DR Östjüllands Radio Mixed by Åke Linton at Bohus Studio Produced by e.s.t.

Ab 17,50 €*
Les Métanuits
Emile Parisien - Les MétanuitsCD / Vinyl / digital Emile Parisien soprano saxophone Roberto Negro piano 100 Jahre Ligeti: Duo-Improvisationen inspiriert von György Ligetis Streichquartett Nr. 1 „Métamorphoses nocturnes“Am 28. Mai 2023 wäre der Komponist György Ligeti 100 Jahre alt geworden. Auch wenn ihn Filmregisseur Stanley Kubrick durch die Verwendung seiner Musik in dem Soundtrack für „2001: Odyssee im Weltraum“ bekannt gemacht hat, ist der Kosmopolit der Neuen Musik kein Publikumsfavorit geworden. Umso mehr Eindruck hat Ligeti bei den Musikern selbst hinterlassen. Mit seiner lebenslangen Suche nach neuen Wegen, von der Klangflächen-Musik über Mikropolyphonie bis zur Mikrotonalität hat er auch Jazzmusiker beeinflusst. Wenn sich ihm nun der herausragende französische Sopransaxofonist Emile Parisien und der Italiener Roberto Negro, den viele wegen seiner eigenen Projekte wie der Zusammenarbeit mit den Ceccaldi-Brüdern für einen der aktuell spannendsten Pianisten Europas halten, auf ihrem Duo-Album „Les Métanuits“ mit Ligeti befassen, dann ist das kein Schnellschuss zum Geburtstag, sondern ein Projekt mit einer langen Vorgeschichte. „Als wir vor acht, neun Jahren erstmals zusammenspielten, trafen Emile und ich uns in meiner Küche, um über Musik zu reden und uns näher kennenzulernen,“ berichtet Negro. Schnell stellten sie fest, dass sie beide Ligeti sehr verehren. Negro sogar dank einer biografischen Parallele: Der gebürtige Turiner wuchs vor seinem Studium in Paris in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa auf; Ligeti selbst verbrachte viel Zeit mit dem Studium afrikanischer Musik, was seine polyrhythmische Ästhetik prägte. Obendrein waren sich die beiden auch über ihr Ligeti-Lieblingsstück einig: Das Streichquartett Nr. 1 ‚Métamorphoses nocturnes‘. So ergaben sich später immer wieder Berührungen damit, zum Beispiel begleitete man einmal das renommierte Streichquartett Quatuor Béla bei einer Aufführung. Jetzt war Zeit und Gelegenheit, sich im Duo eingehend mit dem 1953/54 komponierten Kammermusikwerk zu befassen.„Das Streichquartett ist eine reichhaltige Inspirationsquelle für unsere Improvisationen“, erklärt Parisien. „Als eines seiner frühen Werke aus den Fünfzigerjahren ist es noch stark von Béla Bartók beeinflusst. Deshalb auch dieses starke, bewegende Generalthema, dass sich durch das ganze Stück zieht.“ Besonders die Rhythmik des Stücks, die fast schon an Strawinski erinnert, begeisterte Parisien und Negro seit jeher. Sie verleiht ihrer nach den Tempobezeichnungen in elf Teile gegliederten Adaption nun die entscheidende Struktur. Ligeti schätzte die Improvisation beim Jazz, lehnte sie aber innerhalb seiner Kompositionen ab. Entsprechend respektvoll gingen Parisien und Negro vor: „Die originalen Motive, Stimmungen und Farben blitzen immer wieder hervor. Harmonisch haben wir sie mit unseren Ideen erweitert,“ erklärt Negro. „Das Streichquartett ist im Original ja nur etwa 22 Minuten lang. Bei unserer Albumfassung sind daraus 45 Minuten geworden, und wenn wir es live spielen, wird es noch länger. Dafür haben wir den Titel verkürzt und aus “Métamorphoses nocturnes” die „Métanuits“ gemacht, ergänzt er schmunzelnd.Ein faszinierendes, bei allem ineinandergreifendes Vexierspiel ergibt sich daraus. Hochvirtuos alle klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente nutzend, oft in irrwitzigem Tempo (schnelle Bezeichnungen wie Allegro, Presto oder Prestissimo dominieren, nur am Schluss steht ein Largo), dann wieder mit lyrischem Atem jagen die beiden durch sich ständig ändernde Umrahmungen des abwechselnd mit unwiderstehlichem Ausdruck durchgeführten, durchaus melodiösen Themas. „Die Überschneidungen zwischen klassischer Musik und Jazz liegen mir besonders am Herzen. Die Grenzen zwischen diesen Genres müssen nicht mehr bestehen“, befindet Roberto Negro. Was er und Emile Parisien mit „Les Métanuits“ trefflich beweisen. Halten Sie sich bei ihre Ligeti-Hommage doch erst gar nicht mit historisierenden Konventionen einer alten abstrakten Avantgarde auf. Sondern lassen betörend aktuelle, mitreißend konkrete Musik erklingen. Credits: Produced by Roberto Negro & Emile Parisien Executive production: Full Rhizome

Ab 18,90 €*
Voices
Mattieu Saglio - VoicesCD / digital Matthieu Saglio cello & vocals Steve Shehan percussion & drums Christian Belhomme piano & keys Léo Ullmann violin The Voices: Susana Baca, Alim Qasimov, Natacha Atlas, Nils Landgren, Wasis Diop, Anna Colom, Camille Saglio, Vega Tomás „Die Stimme ist etwas sehr Charakteristisches, ja Intimes eines jeden von uns – und vor allem etwas Hautnahes: Wo beim Klang des Instruments stets noch der Instrumentenkörper zwischen der Musik und uns steht, sind wir beim Singen immer ganz unmittelbar wir selbst.“ Spricht Matthieu Saglio über die menschliche Stimme, gerät der 45-Jährige geradezu ins Schwärmen – und so lag es für ihn auch nahe, sein neues Album eben diesem klingenden Spiegelbild unserer Seele zu widmen: „Voices“. Dabei ist der gebürtige Franzose eigentlich Cellist. Hat sich seit seinem achten Lebensjahr ganz dem Spiel auf den vier Saiten verschrieben und nach seinem klassischen Streicherstudium am Konservatorium von Rennes auf seinem Instrument Brücken zu Jazz und Flamenco, Folk Music und afrikanischen Klängen und Rhythmen geschlagen, westgotische wie arabische Einflüsse in sein Spiel aufgenommen – kein Wunder, lebt der kreative Geist doch seit mehr als zwei Jahrzehnten in Valencia, seit Jahrtausenden ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen. Gerade das Cello aber sei in der Vielfalt seiner Farben und Techniken der menschlichen Stimme sehr nah und offen nach so vielen Richtungen, findet Saglio: „Ich kann mit dem Bogen wie ein Geiger spielen, zupfen wie ein Gitarrist oder mit einer Basslinie die Harmonik eines Stücks tragen. Bei all dem bleibt es doch immer das intimste aller Instrumente, das in jedem Konzert aufs Neue Menschen ganz direkt berührt, egal wo auf der Welt ich auch musiziere.“ So entstand die Idee, eben dieses weltumspannende Moment seines Cellos zu nutzen für eine große musikalische Umarmung der Stimmen unserer Erde: einerseits in seinem Ensemble mit dem Percussionisten und Schlagzeuger Steve Shehan, dem Tastenkünstler Christian Belhomme und dem Geiger Léo Ullmann – „nach meinem letzten Album mit so vielen Gästen wollte ich diesmal gern den Fokus auf meine unglaublichen Quartettkollegen richten“. Andererseits aber eben auch auf die so vielfältigen Klangfarben des menschlichen Lautorgans in den Kulturen dieser Erde. „Natürlich lässt sich in zwölf Songs nicht allen Stimmen unserer Welt sängerisch Tribut zollen“, räumt Saglio ein. „Mir geht es um den Geist, dass in unserer Gesellschaft künstlerisch Raum für eine jede und einen jeden ist und wir alle wunderbar zusammenleben und -musizieren können.“ Und so finden sich auf „Voices“ denn neben vier instrumentalen Titeln sieben Songs mit jeweils ganz unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern, die seine Kompositionen mit ihren Herzenszeilen unterlegt haben. Ob nun die gefeierte Afroperuanerin Susana Baca („Ponte Un Alma“), Musikethnologin und ehemals Kulturministerin in ihrer Heimat, die Saglio nicht allein ob ihrer melancholischen Stimme wie eine Großmutter oder einen Großvater verehrt; die aserbeidschanische Gesangslegende Alim Qasimov („Elevation“), dessen improvisatorischer, zugleich ungemein purer Gesang den Komponisten noch nach der Aufnahme zu einer eigenen musikalischen Antwort auf seinen vier Cello-Saiten angeregt hat – „davon habe ich immer geträumt“; oder der schwedische Jazz-Posaunist Nils Landgren, der in „For the Love that we feel“ einmal mehr seine Liebe zum menschlichen Organ lebt: „Seine Stimme erinnert mich an Chet Baker.“ Ob der in Paris lebende Wasis Diop („Temps Modernes“), der gekonnt Volksmusik seiner senegalesischen Heimat mit Pop und Jazz vermischt, die junge katalanische Flamenco-Sängerin Anna Colom („Divina Tormenta“) mit ihrem „faszinierenden melismatischen Gesang“ oder Natacha Atlas, deren freier Umgang mit Melodie und Rhythmus wie auch ihre Mischung aus arabischer und elektronischer Musik ihn schon seit langem begeistert: allesamt „großartige Künstler“, die der Cellist sängerisch in sein Herz geschlossen hat – bis hin zu seinem Bruder Camille, der nicht nur „eine magische Stimme besitzt, sondern mit ihr auch wunderbar improvisieren kann“. Und doch ist es am Ende kein unmittelbarer Gesang, der Saglios vielleicht größtem Herzensprojekt auf diesem Album eine außergewöhnliche Note verleiht. „Den Song ‚Madiba‘ schrieb ich vor einigen Jahren, nachdem ich eine Biografie von Nelson Mandela gelesen hatte“, erzählt der Cellist. „Sein Leben hat mich inspiriert.“ Eigentlich hatte er diesen Titel lediglich durch einen kleinen Chor stimmlich ausschmücken wollen, doch dann kam ihm der Gedanke, die Komposition durch einen Ausschnitt aus einer Rede der Ikone der südafrikanischen Freiheitsbewegung zu ergänzen… und so findet sich nun am Ende des Titels ein O-Ton aus Mandelas berühmter Verteidigungsrede im Rivonia-Prozess von 1964. „Denn auch in der Musik geht es darum, offen zu sein für alle Stimmen dieser Welt.“Credits: Vocals on Movement by Natacha Atlas, Wasis Diop, Anna Colom, Vega Tomás, Camille and Matthieu Saglio Additional vocals on 1 – 4 by Camille Saglio and Matthieu Saglio Recorded July 2022 – January 2023 Mixed by Juan Carlos Tomás & Matthieu Saglio at La Seta Azul Estudis, Benicassim, Spain Mastered by Pierre Jacquot, Logodio S.A.S., Le Chesnay, France Cover art by Uwe Kowski: Vorhang, 2013, used with the kind permission of the artist

18,90 €*
Collective Heart
Dearest Sister - Collective HeartCD / Vinyl / digital Ylva Almcrantz piano, Rhodes, synthesizers Andrea Hatanmaa lead vocals, synthesizer, backing vocals Ellen Pettersson flugelhorn Joakim Lissmyr double bass Liam Amner drums and percussion Guests: Petter Hängsel trombone Erik Rönér french horn Thomas Lunderquist french horn Jazz-Skills treffen auf Songwriting-Sensibilität. Und: Wieder eine außergewöhnliche Entdeckung aus dem Musik-Wunderland Schweden. Die drei Frauen und zwei Männer der Band „Dearest Sister“ - nein, nicht „Ensemble“, „Projekt“ oder „Quintett“ – sondern „Band", stehen mit ihrem Debütalbum „Collective Heart“ für ein aktuelles Phänomen: Junge Musiker*innen mit weitem Horizont und fundierter, Jazz-geprägter Ausbildung, die ihre Fähigkeiten nicht dazu nutzen, Jazz im herkömmlichen Sinne zu spielen, sondern eine Musik, die sich mit den Einflüssen und Themen ihrer eigenen Generation beschäftigt. Aber zugleich auch eine Musik, die bewusst nicht „Pop“ sein will, sondern vielmehr einen Kontrast zur Art der modernen Mainstream-Musikproduktion setzt und damit die Sehnsucht vieler Hörer*innen nach Authentizität, Originalität und emotionaler Tiefe erfüllt. Die Keimzelle von Dearest Sister bildet ein ganz besonderes Kreativ-Duo: Sängerin und Keyboarderin Andrea Hatanmaa und Pianistin Ylva Almcrantz. Getroffen haben sie sich im Jazz- und Popularmusik-Studium an der Musikhochschule im schwedischen Malmö, wo die Band auch heute zu Hause ist. Die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und musikalische Hintergründe der beiden Front-Frauen und die daraus resultierende Spannung machen einen großen Teil des Reizes der Musik von Dearest Sister aus: Andrea Hatanmaa, aufgewachsen in Finnland mit Rock und Pop, klingt trotz außerordentlich profunder Technik nicht wie eine typische Jazz-Sängerin. Sie sagt: „Ich finde es wichtig, mein Handwerk zu beherrschen und so viel wie möglich aus allen Richtungen zu lernen und zu meistern – um dann, auf der Bühne oder im Studio, alles wieder zu vergessen und eine eigene Stimme und einen persönlichen Ausdruck zu finden.“ Es ist nicht nur ihre eindringliche, Facetten- und Nuancen-reiche Stimme, die die Musik prägt, sondern es sind auch ihre Texte und ihr prägnantes, raffiniertes Songwriting. Letzteres teilt sich Hatanmaa mit ihrer Partnerin-in-Crime Ylva Almcrantz. Sie sagt über ihr Gegenüber: „Ylva ist das musikalische Genie in der Band. Sie erfindet die wunderschönsten Arrangements und hat einfach ein feines Gefühl für Stimmungen, Sounds, Dynamik, kleine und große Melodien“ und fügt lachend hinzu: „ich muss einfach nur aufpassen, dass das alles nicht zu jazzig wird.“ Der Bandname „Dearest Sister“ zeichnet ein Bild der besonderen Verbindung der beiden Frauen. Entliehen ist er dem Märchen „Allrakäraste Syster“ von Astrid Lindgren über ein ungleiches Geschwisterpaar, das in einem geheimen Land magische Abenteuer erlebt. Das Debütalbum „Collective Heart“ ist zuallererst Ergebnis der engen, kontinuierlichen Zusammenarbeit der beiden jungen Bandleaderinnen, wird aber auch getragen von einer höchst sensibel agierenden Band. Es ist eine verblüffend breit gefächerte Palette an Songs, die oft auch in ihrem Verlauf sehr unerwartete Wendungen nehmen: Nordisch-weite Klanglandschaften wechseln sich ab mit „Walls of Sound“. Der Motor der Songs sind die mal zarten, mal ungeraden und dann wieder äußerst treibenden Grooves von Drummer Liam Amner. Dazu gestrichener oder gezupfter Kontrabass von Joakim Lissmyr und weiche Melodien und elektronisch aufgefächerte Flächen von Flügelhornistin Ellen Pettersson. Zwischendrin: Ein fast klassisches, berückend-schönes Bläser-Interlude, dann wieder Synthie-Linien und Effekt-verstärkte Cluster. Zu viele Zutaten, könnte man meinen. Doch die Arrangements sind so intelligent gebaut, ihre Bestandteile so bedacht gewählt und die Ausführung so klar und organisch, dass die Musik, trotz ihrer vielen Elemente, rund und schlüssig wirkt.„Collective Heart“ steckt voller Experimentierfreude und musikalischer Neugier, starkem Musiker-Handwerk, überraschenden Kontrasten und großer Authentizität. Man könnte sagen, Elementen, die auch dem Jazz, wenn auch nicht exklusiv, aber doch von seinen frühesten Ursprüngen, innewohnen. Jazz, das ist heute mehr denn je auch die Schublade für das, was sonst in keine Schublade passen will. Und, wie eigentlich schon immer: Eine Musik in Bewegung, ein Experimentierfeld, dessen Macher*innen und Hörer*innen genau das suchen: Das Neue, Besondere, Echte.Credits: Recorded and mixed by Joakim Lindberg at Studio Sickan Malmö, June and October 2019 Mastered by Magnus Lindberg Productions 2020 The Art in Music: Cover art "Metamorphosis" by Emma Larsson: Metamorphosis

Ab 17,50 €*
Les Égarés
Emile Parisien - Les ÉgarésCD / Vinyl / digital Ballaké Sissoko kora Vincent Segal cello Emile Parisien soprano saxophone Vincent Peirani accordion, accordina „Les Égarés“ ist mehr als ein Musikalbum. Es ist ein Spielplatz und Ort der musikalischen Zusammenkunft, besiedelt von zwei außergewöhnlichen Paaren, die für Genre-Experimente und deren Überschreitungen stehen: Der führende afrikanische Kora-Spieler Ballaké Sissoko und der Cellist Vincent Segal auf der einen, „das französische Spitzen-Duo (3sat), der Akkordeonist Vincent Peirani und der Sopransaxofonist Emile Parisien auf der anderen Seite. Gemeinsam macht zwei plus zwei nicht vier, sondern eins. Denn dieses ungewöhnliche Quartett bildet eine Einheit des Geistes, aus der ein einziger, fließender Klang entspringt. Ihr Zusammenspiel verachtet jede Form von egoistischem Konkurrenzdenken. Alle Teilnehmer stellen sich in den Dienst eines gemeinsamen musikalischen Werts. Weder Jazz noch traditionelle Volksmusik, weder Kammermusik noch Avantgarde für sich ist das, vielmehr von allem etwas und alles auf einmal. Damit ist „Les Égarés“ die Art von Album, die das Ohr zum wichtigsten Instrument macht, ein Album, in der sich Virtuosität in einer besonderen Kunst der Komplizenschaft ausdrückt und wo aus der simplen aber anspruchsvollen Idee des gegenseitigen Zuhörens ein hinreißendes vierstimmiges Lied entspringt. Alles begann mit einem Gipfeltreffen, hoch oben auf einem Hügel mit Blick über Lyon. Im Juni 2019, beim „Les Nuits de Fourvière“ Festival, kamen Sissoko, Segal, Peirani und Parisien erstmals zusammen. Sie schlossen einen Pakt: Nie sollten Planungen und Proben den Vorrang vor dem spontanen Schöpfungsmoment bekommen. Um des Vergnügens willen begannen sie zu jammen. Die Musik floss wie eine Quelle, frisch und klar. „Diejenigen, die sich verirrt haben“ („Les Égarés“), hatten zusammengefunden und formten von nun an ein Quartett. Drei Jahre im Aufnahmestudio war es denn auch genauso wie beim ersten Mal: ein spontaner Austausch von Impulsen, Ideen und Know-how: Vier inspirierte Künstler beseelt von dem Wunsch, sich in der Musik zu unterhalten. Von den ersten Tönen an war alles in Bewegung, vibrierend. Keine Überraschung: Niemand unter diesen vier Freigeistern mag es, gefangen zu sein, sei es in einer bestimmten Rolle, einem bestimmten Stil oder einem Klang, auf den ihr Instrument so leicht festgelegt werden könnte. Jeder Musiker brachte Stück-Ideen mit ins Studio, die in einer akustischen Live-Umgebung zum Leben erweckt wurden: Man nehme zum Beispiel Sissokos „Ta Nyé“ und „Banja“ aus dem Kanon der westafrikanischen Mandika, die wie Start- und Ziellinien den von Les Égarés eingeschlagenen Weg markieren: Zwei Kora-Melodien, die wie von Echos der anderen Instrumente umhüllt und subtil weitergetragen werden. Ein Hauch von Armenien kleidet die ersten Takte von „Izao“ ein, einem Stück, das über die Türkei in Richtung Transsilvanien gleitet, untermauert von einem pulsierenden Bass. „Amenhotep“ setzt eine langsame, aber bestimmt aufsteigende Spirale in Gang, eine Coltrane-artige Trance, die den ineinanderfließenden Atem von Akkordeon und Saxophon in die Höhe treibt. „Dou“ weckt Erinnerungen an einen uralten Blues, die Anmutung eines Wiegenlieds entsteht. Das Titelstück „La Chanson des Égarés" entspringt diesen unwiderstehlichen melodischen Kadenzen, die, wie es Vincent Segal ausdrückt, „einem im Kopf herumschwirren, wenn man geht, ohne zu wissen wohin, sich treiben lässt und sich dem Vergnügen des Verlorenseins hingibt“ - ein Vergnügen, das für sich genommen die Philosophie dieses Albums zusammenfasst. Themen, die aus fremden Quellen entliehen sind, werden auf ähnliche Weise transzendiert: „Esperanza", ein Klassiker des Akkordeonisten Marc Perrone, klingt wie eine Cumbia, gleichzeitig wach und sanft. Ihre akustische Coverversion des „Orient Express“ von joe Zawinul büßt nichts von der Eindringlichkeit und dem ansteckenden Groove des Originals ein, dient vielmehr aber als Sprungbrett für solistische Exkursionen von schwebender Leichtigkeit.Ohne jede Effekthascherei vollbringen die vier Verschworenen eine ganze Reihe von versteckten Heldentaten. „Les Égarés“ ist eine Aufnahme, die es schafft, sich lustvoll zu verlieren und nicht mehr unterscheiden zu können, wer was tut in der intimen Verflechtung der einzelnen Stimmen; eine Aufnahme des achtsamen Miteinanders und genussvollen Davondriftens. Mit feiner Intelligenz und kühner Eleganz: „Ich habe noch nie ein Album in so einer Atmosphäre aufgenommen", sagt Vincent Peirani. „Keiner von uns hat etwas ‚vorgeführt‘, sodass die Musik viel kommuniziert, ohne dass man sie je „erzählen“ muss. Keiner von uns besaß die Wahrheit vorher: Wir haben sie nur gemeinsam gefunden.“ Les Egares – vier Musiker, zwei Paare, eine Einheit, verloren in der Schönheit des gemeinsamen Musizierens. Credits: Produced by Ballaké Sissoko, Vincent Segal, Emile Parisien and Vincent Peirani

Ab 18,90 €*
Silk and Sand
Nguyên Lê - Silk and SandCD / Vinyl / digital Nguyên Lê guitars, synths, vocals Chris Jennings acoustic bass Rhani Krija percussion gumbri, vocal Seit der Gitarrist Nguyên Lê vor über dreißig Jahren der erste exklusive ACT-Artist wurde, hat er sich als eine unverkennbare Stimme seines Instruments etabliert. Und als einer der wichtigsten Vertreter des Jazz als Weltmusik ohne Grenzen. Der der 64-Jährige gehört zu den wenigen, die in Technik, Stil und Komposition einzigartig und von der ersten Note an erkennbar sind – eine Meisterschaft im eigentlichen Sinne also. Mit „Silk and Sand“ kehrt Lê nun zum Format des Trios zurück, mit dem er einst, auf „Million Waves“ seine Karriere als Leader begann.Das Lê so klingt und denkt, wie sonst kein anderer Gitarrist, liegt zum einen daran, dass er ein Autodidakt ist, mit Schlagzeug begann, erst spät zur Gitarre wechselte und vor seiner Musikerkarriere Bildende Kunst und Philosophie studierte. Dass er also sein Instrument völlig unverschult und nach eigenen Kriterien erlernte und sein Horizont weit über die Musik hinausreicht. Zum anderen hat sich Lê von Anfang an als Brückenbauer verstanden, zwischen den Genres, Stilen und Kontinenten. „Ich bin eine personifizierte Fusion der Kulturen,“ sagt er. Und ist dementsprechend ein Weltmusiker im eigentlichen Sinne, in dessen Werk sich stets die europäische, speziell französische Musikkultur und die südostasiatische seiner Wurzeln mit den amerikanischen Traditionen des Jazz und Rock, aber auch Musiken anderer Kontinente begegneten. Angefangen mit seiner ersten, stark afrokaribischen Band Ultramarine über Alben wie „Zanzibar“, „Tales from Vietnam“, über die Beteiligung am bahnbrechenden Neo-Flamenco-Projekt „Jazzpaña“ und seine Zusammenarbeit mit der traditionellen vietnamesischen Sängerin Huong Thanh bis hin zum Trio E_L_B mit Peter Erskine oder seinem vielfach preisgekrönten Jimi-Hendrix-Projekt. Nach vielen Global-Fusion-Rock-Projekten mit internationalen Stars in den vergangenen Jahren geht es mit „Silk and Sand“ wieder weitgehend zurück zu den Wurzeln. Einem wie im Titel schon angedeuteten feineren, leiserem Musizieren mit größerem Jazz-Anteil, das nach eigenem Bekunden an frühe Werke anknüpft: „Auf meinem Album ‚Three Trios‘ von 1996 habe ich zwei Stücke "Silk" und "Sand" genannt: Kostbare, doch starke Seide, die das Zusammenspiel der Musiker verwebt; Wüstensand, der den Traum des Musikers von einem anderen Ort verfolgt... 26 Jahre später bleiben diese Titel wie Kieselsteine auf dem Weg, den man mit seinen Schritten gegangen ist.“ Doch Nguyên Lê wäre nicht er selbst, würde er für ein neues Trio nur auf Zutaten einer klassischen Jazzbesetzung setzen. Seine Wahl für den Rhythmus-Posten fiel auf den marokkanischen Percussionisten Rhani Krjia, einen musikalischen Seelenverwandten mit dem zusammen zu arbeiten für Lê ein lange gehegter Wunsch war und dessen filigrane, farbenreiche Grooves schon die Musik von Stars wie Sting, Keziah Jones oder Dominic Miller bereicherten. Das musikalische Fundament liefert der Kanadier Chris Jennings, ein langjähriger Weggefährte Lês und einer der gefragtesten Bassisten dies- und jenseits des Atlantiks. Der Titeltrack oder auch „Thar Desert Dawn“ veranschaulichen die Magie zwischen den drei Musikern: Inbrünstige, in Improvisationen ausgreifende Melodien legt Lê über die nordafrikanischen Rhythmen des von Rhani Krija und den wuchtigen, aber singenden Bass von Chris Jennings. Vorher führte der Opener „Red City“ wild und dynamisch mitsamt Stimmengewirr und Rufen in den Trubel asiatischer oder afrikanischer Städte. Rockiger wird es auf „Onety-One“ und vor allem auf „Tiger’s Dance“, ruhiger geht es beim hymnischen „Moonstone“ und dem wie ein Fluss weite Bogen schlagenden „The Waters of Ortigia“. „Baraka“ ist stark von funk-unterstützten afrikanischen Rhythmen und Rhani Krijas Intro auf der Gimbri geprägt, das finale „Becoming Water“ bringt dann noch einmal auf unwiderstehliche und berührende Weise die Melodik und die Klangfarben des Maghreb und Südostasiens zusammen. Zum Basis-Trio mit Jennings und Rhani stoßen bei zwei elegischen Stücken Sylvain Barou mit Bansuri- und Duduk-Flöte, bei „Moonstone“ Miron Rafajlovic mit Trompete und Flügelhorn dazu. Den in neuen Ideen mündende Rückgriff auf Lês Anfänge verdeutlicht ein weiterer Gast auf „Silk and Sand“: Bei „Baraka“ spielt Etienne Mbappé den E-Bass, der an der Seite etwa von Joe Zawinul, John McLaughlin oder Salif Keïta berühmt gewordene Kameruner, der schon bei Lês erster Band Ultramarine dabei war. So schlägt Lê „Silk and Sand“ auf für den Hörer unwiderstehliche und genussvolle Art nicht nur erneut eine Brücke zwischen Asien, Afrika und Europa, zwischen Jazz, Rock und Weltmusik, sondern auch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.Credits: Music composed and produced by Nguyên Lê Cover art "Snake" by Lucy Dodd, 2017

Ab 18,90 €*
Ghosts
Michael Wollny Trio - GhostsCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano Tim Lefebvre bass Eric Schaefer drums “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ Brendan Kennelly „Als Improvisator spielt man oft nicht die Kompositionen, sondern vielmehr seine eigenen Erinnerungen an diese. Und diese Erinnerungen kommen im Moment des Spielens wieder zu einem zurück und setzen so ihre Existenz im Hier und Jetzt fort“, sagt Pianist und Komponist Michael Wollny. Man könnte auch sagen: Songs sind wie Geister. Das Album „Ghosts“ ist eine Zusammenkunft einiger dieser Geister, die Wollny regelmäßig heimsuchen. Und wie immer bei Wollny reicht deren Spanne von Klassikern wie Franz Schuberts „Erlkönig“ über Jazz-Standards, Filmmusik, brüchige Lieder eines Nick Cave oder der Band Timber Timbre bis zu dunkel schillernden Eigenkompositionen. Neben seinem Faible fürs Schaurige und Fantastische spielt für Wollny dabei auch der Begriff der „Hauntology“ eine übergeordnete Rolle. Ein Begriff, der seit geraumer Zeit in der Debatte um jene Popmusik herumspukt, die mit geisterhaften Klängen Erinnerungen an längst Vergangenes, Vergessenes und Gespenstisches weckt. Wollny: „Diese Perspektive, diese Klänge und nicht zuletzt der Begriff an sich haben mich in den letzten Monaten enorm interessiert - bis hin zu der Idee, ein Klaviertrio-Album zu produzieren, das sich mit dem Thema beschäftigt.“ Ein Geister-Album also, das sich in die Tiefen von bewussten und unbewussten Erinnerungen wagt und in Geschichten stöbert, die in der Vergangenheit entstanden und Schatten auf die Gegenwart werfen. Und von freundlichen Geistern erzählt, die uns umgeben, aber auch von bösen Gespenstern, von denen wir meinten, sie würden nie wieder zurückkehren. Die Besetzung von „Ghosts“ knüpft an die des Albums „Weltentraum“ an, welches man heute als einen Klassiker in Wollnys Diskographie bezeichnen kann und das seinen Ruf als einen Künstler festigte, „der aus jeder nur erdenklichen Musik, ein Erlebnis macht, das einem den Atem nimmt“ (Die Zeit). Mit dem US-amerikanischen Bassist Tim Lefebvre, der schon der Musik von David Bowie, Wayne Krantz oder Elvis Costello seinen ganz speziellen Sound und Vibe verlieh, begab sich Wollny zuletzt auf das Abenteuer des international vielbeachteten Projektes „XXXX“. Wollny sagt: „Wenn man mit Tim arbeitet, arbeitet man nicht nur mit einem der weltbesten Bassisten - Tim steht immer mit einem Fuß in der Welt des Soundprocessing und erweitert fortwährend sein elektronisches Instrumentarium. Darüber hinaus schafft er eine große musikalische und klangliche Klarheit und diese hat einen unglaublich ordnenden Effekt auf die gesamte Musik, ohne dass sie einen jemals einschränken würde.“ Mit Schlagzeuger Eric Schaefer spielt Wollny seit fast 20 Jahren zusammen. Wie Lefebvre ist auch dieser ein Original, ein Musiker mit einem ganz eigenen, fast schon orchestralen Ansatz, unverkennbaren Groove und beeindruckender Individualität. „Diese spezielle Konstellation macht einfach etwas mit uns dreien und hat einen gewichtigen Effekt“, so Wollny. „Nicht zuletzt verbindet uns eine lange gemeinsame Zeit und ein spezifischer Sound im Trio, den wir jetzt in eine ganz neue Richtung weiterentwickeln.“ Das Trio erzeugt auf „Ghosts“ ein Klangbild, der besonders in der Tradition der Welt des „Southern Gothic“ steht: Tief, erdig, voller schwingender, rasselnd tief gestimmter Saiten und Felle, in Reminiszenz an halbkaputte Gitarren-Amps, verzerrte Lautsprecher-Membranen, an Schwüle, Staub, Schwere. Vor den eigentlichen Aufnahmen zu „Ghosts“ stand noch ein weiteres Trio, bestehend aus Michael Wollny und den beiden Co-Produzenten Andreas Brandis und Guy Sternberg. Brandis, auch schon stark in das Konzept von „XXXX“ involviert, brachte die Idee eines Song-Albums und den passenden personellen Rahmen auf den Tisch. Und Sternberg, mit dem Wollny u.a. schon für sein stark von Sound und Studioarbeit geprägtes Album „Wunderkammer“ zusammenarbeitete, schuf als Toningenieur den Klang, der den Ausgangspunkt bilden sollte. Wollny: „Noch bevor die Setlist für das Album feststand, hatte ich einen ganz klaren Sound im Kopf, den wir vorab ausgiebig mit Guy und Andreas diskutiert haben.“ Die Hall-Fahnen, ätherischen Synthesizer-Sounds, lange klingenden Becken, Trommeln und Saiten bilden dabei den stimmungsvollen musikalischen Bühnenraum für das Trio im neuen Gewand. Manchmal stehen nur noch die akustischen und elektronischen Echos und überhängenden Sounds im Raum und entwickeln ihr eigenes, geisterhaftes Leben, vom ursprünglichen Klangimpuls entkoppelt - manchmal spuken sie kaum hörbar unter der Oberfläche.  Eines haben alle Tracks des Albums gemeinsam: Sie sind Momentaufnahmen im Leben der einzelnen Songs. Wollny: „Gerade im Jazz gibt es nicht die eine, definitive Version eines Stückes. Speziell Standards suchen einen im besten Sinne des Wortes immer wieder heim, sind nie fertig und tauchen immer wieder auf.“ Und so beziehen sich Wollny, Lefebvre und Schaefer bei den Klassikern „I Loves You Porgy“ und „In a Sentimental Mood“ nicht primär auf die ursprünglichen Kompositionen, sondern vor allem auf den Nachhall der Versionen von Nina Simone und John Coltrane/ Duke Ellington. Noch älter als in Jazzstandards sind die Geister, die Folk Songs bevölkern und immer wieder erscheinen, wenn diese Songs gesungen werden. Wie im traditionellen, irischen Volkslied „She Moved Through the Fair“, das beinahe prototypisch zeigt, dass alle Ghost Stories zu einem großen Teil auch immer Love Stories sind. Ganz ähnlich wie der „Willow’s Song“ - ein verführerisches und gefährliches Liebeslied aus dem legendären Soundtrack für den Kino-Thriller „Wicker Man“, einem so merkwürdigen wie erschreckenden Klassiker des nordischen Grusel-Genres. Ebenfalls Folk-Horror und naturbezogen: Ein aufwühlendes Arrangement von Franz Schuberts „Erlkönig“. Dazu, in Referenz zum schwülen „Southern Gothic“: „Hand of God“ von Nick Cave &Warren Ellis, hörbar gewidmet Wollnys großem Vorbild und der „Hand Gottes“, Joachim Kühn. Dazu „Beat the Drum Slowly“ der Band Timber Timbre, einem Dauer-Favoriten Wollnys und „Ghosts“ von der Band Japan - einer klingenden Verkörperung genau der Themen, die das Album „Ghosts“ prägen: Melodien und Klänge als Heimsuchungen verdrängter Erinnerungen, verführerisch, anrührend, geheimnisvoll und tiefgründig. Zwei Original-Kompositionen reihen sich mühelos in die so heterogene wie schlüssige Playlist ein: Wollnys gleichnamiger Beitrag zur „Hauntology“, für ihn „ein Lied ohne Worte aus einer anderen, vergangenen oder seltsamen, parallelen Pop-Welt“ und „Monsters Never Breathe“ mit seiner sich ins Unendliche ziehenden Melodie, die sich nur singen ließe, ohne Luft zu holen.  “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ schreibt Brendan Kennelly in einem seiner bekanntesten Gedichte – für Michael Wollny eine hintersinnige und abgründige Einsicht, die seine Faszination für die Magie der Lieder um eine schaurig-schöne Pointe ergänzt und deshalb wie als Motto über dieser Einspielung steht. Sprechen wir über Geister, dann schauen wir in das scheinbar Vergangene und rufen die Erinnerungen zurück in unser Leben. „Ghosts“ macht die Geister des Michael Wollny Trios hörbar. Credits: Recorded by Guy Sternberg at Clouds Hill Studio Hamburg, June 17 & 18, 2022 Assistant: Sebastian Muxfeldt Mixed and sound design by Guy Sternberg Additional sound processing & synths by Tim Lefebvre Mastered by Darius van Helfteren Produced by Michael Wollny Co-producers: Guy Sternberg and Andreas Brandis

Ab 18,90 €*
Playground
David Helbock & Camille Bertault - PlaygroundCD / Vinyl Camille Bertault voice David Helbock piano, percussion, live-looping, effects Camille Bertault und David Helbock, zwei Ausnahmekönner des jungen europäischen Jazz erkunden das unermesslich-wundersame Spielfeld des Jazz. Sie ist Frankreichs Rising Star des Jazzgesangs und der Österreicher einer der interessantesten Pianisten des Kontinents. Auf den ersten Blick zwei Persönlichkeiten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die quirlige, humorvolle Bertault und der besonnene, in sich ruhende Helbock wirken aber nur äußerlich verschieden, denn musikalisch ticken sie gleich: Beide sind sie beispiellos wandelbar und fesselnde Geschichtenerzähler mit einem tiefen Sinn für Klangfarben und großer Lust, die Grenzen ihres Metiers zu sprengen. „Playground“ präsentiert ein wesensgleiches Klavier-Gesangs-Duo, opulent und vielseitig. Angebahnt wurde diese märchenhafte Konstellation 2019 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Getreu dem Festival-Motto „Song Conversation“ war die Vorgabe an die Eingeladenen, sich einen Wunschpartner auszusuchen, mit dem man noch nie gespielt hat. Helbock nannte Bertault, die wiederum den Trompeter Médéric Collignon – also spielten die drei dort erstmals zusammen. Und Helbock und Bertault merkten, wie gut sie harmonierten, wie viel sie gemeinsam haben: Beide kommen sie ursprünglich von der Klassik, Bertault studierte bis zu 20. Lebensjahr ebenfalls Klavier, bevor sie zum Gesang fand; beide lieben sie das ganze Spektrum der Musik und haben die verschiedensten Vorbilder und Favoriten aus allen Genres; beide sind sie Meister darin, deren Kanon kraft ihrer Persönlichkeiten und ihrem eigenen Stil in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Schnell war den beiden also klar, dass sie ihre Zusammenarbeit ausbauen würden. Wegen der vielen Corona-Pausen kam es erst im letzten Sommer beim INNtöne Jazzfestival zur begeistert aufgenommenen Live-Premiere ihres Duos. Die Grundlage für „Playground“: „Wir haben uns wie schon vor Ludwigsburg per E-Mail darüber ausgetauscht, auf was wir Lust haben, welche Stücke wir mögen“, erinnert sich Bertault. „Wir lieben beide Egberto Gismonti, Hermeto Pascoal, Björk und Thelonious Monk. Und wir wollten ein klassisches Stück dabeihaben,“ erzählt Helbock. Und so bilden nun seine Hommage „Para Hermeto“, Gismontis „Frevo“, Björks „New World“, Monks „Ask Me Now“ und Alexander Scriabins Cis-Moll Etüde Op. 2 No. 1 das Grundgerüst des Albums… die Spielwiese, auf der das Duo ihre besonderen Qualitäten ausbreiten können: Camille Bertault ihre einzigartige Kunst der Vokalise, mit der ihre Stimme die Melodie wie ein Instrument trägt, mal artistisch und in rasender Geschwindigkeit, mal ganz sanft und fast nur gehaucht. Aber auch die Passion der charismatischen 35-Jährigen, die ja auch Schauspiel studiert hat, eigene Texte zu schreiben. David Helbock wiederum seine einzigartige Kreativität im Ausnutzen aller Klangmöglichkeiten seines Instruments, indem er nicht nur die Tasten, sondern auch die Saiten des Flügels dämpft und direkt bespielt, den Korpus als Perkussionsinstrument benutzt und die Klänge elektronisch verfremdet. „Erstmals habe ich hier auch viel mit Loops gearbeitet“, ergänzt er. Eine fast orchestrale Begleitung ergibt sich so, die einer besonderen Stimme einen besonderen Rahmen verleiht. „Camille hat oft sehr konkrete Vorstellungen wie ein Stück aussehen und klingen soll. Es macht dann großen Spaß, mit ihr daran zu feilen.“ Voll ausleben konnten die beiden das bei den sieben eigenen Stücken (vier von Helbock, drei von Bertault), die sie eigens für das Album schrieben. Vom skurril bluesigen „Lonely Supamen“ und dem geheimnisvoll dräuenden „Das Fabelwesen“ über das chansoneske „Aide-moi“ bis zum ätherisch-melancholischen „Bizarre“. „Playground“ ist ein Kaleidoskop der Klangfarben und Emotionen, mitreißend, spannend, immer überraschend. Getragen von atemberaubender Gesangs- und Spieltechnik, bei der doch das Wesentliche nie vergessen wird: „Es geht nicht darum, Stärke oder Virtuosität zu zeigen, sondern darum, die Wahrheit des Augenblicks auszudrücken,“ sagt Camille Bertault. Was sie und David Helbock auf jedem Stück spielend einlösen.Credits: Recorded by Michael Ungerer at Blackbird Music Studio, Berlin, December 15 &16, 2021 Mixed by Michael Ungerer Mastered by Klaus Scheuermann Produced by the artists

Ab 18,90 €*