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The Way
Joachim Kühn French Trio - The WayCD / Vinyl / digital Joachim Kühn piano Thibault Cellier double bass Sylvain Darrifourcq drums Jede neue Band im Schaffen von Joachim Kühn markiert einen neuen Abschnitt und erweitert den Horizont. Mit dem Kontrabassisten Thibault Cellier und dem Schlagzeuger Sylvain Darrifourcq hat er zwei Gleichgesinnte gefunden, mit denen er genau das realisieren kann, worauf es ihm in dieser Phase seines Schaffens, rund um seinen 80. Geburtstag, ankommt: Auf dem Weg zu noch mehr musikalischer Freiheit voranzuschreiten. Das Spiel mit den beiden Jüngeren beschreibt Joachim Kühn als Musizieren "auf französische Art, mit Leichtigkeit, Schnelligkeit und Eleganz". Zu dritt gelingt ihnen das intuitiv, fast ohne Absprachen und mit großer Eindringlichkeit. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Sylvain Darrifourcq war Joachim Kühn seit längerem als Schlagzeuger des Quartetts von Émile Parisien vertraut, auch durch gemeinsame Spielerfahrungen. Zur Begegnung mit Thibault Cellier kam es eher zufällig in einem Pariser Hotel. Doch Thibault war für Joachim kein unbeschriebenes Blatt. Er schätzte dessen Spiel mit Sylvain in der Gruppe "Novembre", von der er eine Platte gehört hatte. Die Kontakte waren schnell gemacht. Vier Monate später standen die beiden Franzosen im heimischen Studio des Pianisten auf Ibiza, um gänzlich frei von Zwängen im Trio zu musizieren und aufzunehmen. Als Joachim Kühn wenig später die Tapes hörte, sagte er: Das ist so, wie ich jetzt klingen will. Mit anderen Worten: The band was born. Das Spiel mit Klaviertrios durchzieht die musikalische Biografie von Joachim Kühn seit sechs Jahrzehnten. Neben dem Solo ist und bleibt es die Königsklasse für einen Pianisten. Bereits mit dem ersten, 1964 in seiner Heimatstadt Leipzig formierten Trio machte er seinen Anspruch manifest, Jazzgeschichte mitschreiben zu wollen. Seit er Ende der sechziger Jahre nach Paris zog, hat er häufig mit französischen Musikern zusammengearbeitet. Die 1974 entstandene und über zweieinhalb Jahrzehnte hocherfolgreiche Spielvereinigung mit dem Bassisten Jean-François Jenny-Clark und dem Schlagzeuger Daniel Humair demonstrierte eine innovative und total interaktive Musik, wie man sie bis dahin noch nicht gehört hatte. Joachim Kühn nennt diese Band "das Trio meines Lebens". Doch auch danach gab es erstaunliche Entwicklungen und Entdeckungen. Im Trio mit dem marokkanischen Guembri-Spieler Majid Bekkas und dem spanischen Perkussionisten Ramón López gelang der Brückenschlag zwischen Jazz, europäischen, afrikanischen und arabischen Kulturen. Und das New Trio mit dem Kontrabassisten Chris Jennings sowie dem Schlagzeuger Eric Schaefer faszinierte mit einem klar konturierten und weithin offenem Spiel. Joachim Kühns neues French Trio knüpft in gewisser Weise an das mit Jean-François Jenny-Clark und Daniel Humair an. Doch die Geschichte wiederholt sich nicht. Und auch der Free Jazz, wie ihn Joachim Kühn versteht, ist längst den Kinderschuhen entwachsen. Heute, sagt der Pianist, gehe es gleichermaßen um Freiheit und spontanes Strukturieren. Um das Essentielle, wie bei allen großen Vorbildern, besonders in deren späten Schaffensphasen. So bei Bach, bei Coltrane, bei Ornette Coleman und bei Joachims Bruder Rolf Kühn. Es ist immer ein Weg, der zum Wesentlichen führt und ins Freie. Credits: Produced by Joachim Kühn The Art in Music: Cover Art von Stanley Whitney

Ab 18,90 €*
Keeping Company
Bill Laurance & Michael League - Keeping CompanyCD / Vinyl / digital Bill Laurance piano Michael League oud, fretless bass, vocals „Ein gemeinsames Projekt voranzutreiben, ist da auch eine Vergewisserung unserer selbst. Wir sind sehr enge Freunde und mit diesem Album feiern wir das.“ Bill Laurance Es gibt Duos, die werden extra zusammengestellt. Andere entstehen von alleine. So wie das von Pianist Bill Laurance und Bassist und Oud-Spieler Michael League. Die beiden kennen einander seit Studientagen. Der eine kam einst aus London nach Denton an die University Of North Texas, um seinen Horizont in andere Richtungen zu öffnen. Der andere hatte in seiner kalifornischen Heimat ursprünglich Gitarre gelernt, dann aber zum Bass gegriffen und war ebenfalls nach Texas gereist, um dort einen für ihn neuen Flow zu erleben. Die Beiden lernten einander schnell kennen und schätzen, sammelten musikalisch Gleichgesinnte um sich. Erlaubt war alles, was Spaß machte, Klassik, Soul, Folk, Jazz. Es war die Gründungsphase eines Kollektivs, das von 2003 an unter dem Namen Snarky Puppy bekannt werden und fortan im großen Tross die Welt bereisen sollte. Das gemeisame Duo von Bill Laurance und Michael League und dessen Album „Keeping Company“ sind so etwas wie der Gegenentwurf zum Snarky Puppy-Großformat. Statt um Energie und Extraversion geht es hier um die gemeinsame Innensicht. Man merkt es an der Wahl der Instrumente. Bill Laurance lässt die Keyboards im Case und konzentriert sich ganz auf das Piano, akustisch im Klang und bestenfalls ein wenig mechanisch präpariert. Michael League wählt eine bundlose Bassgitarre und die Oud, ein extremer Kontrast zum puren Groove voller Legato- und Rubato-Optionen mit transparent karger, aber atmosphärisch reicher Klangwirkung. Und sie verzichten auf die Band. Damit entsteht eine spezielle Freiheit für beide Beteiligten. „Die Oud hat für sich genommen schon einen sehr spezifischen Assoziationsraum“, erzählt Bill Laurance aus der orchestrale Perspektive des Klaviers. „Wenn ich komponiere, dann will ich das Publikum immer auch in andere Räume mitnehmen. Mit dem Klang der Oud funktioniert das. Sie ist keine Gitarre, hat etwas Exotisches. Eine Leinwand, auf die man etwas vieles malen kann. Schon beim ersten Album haben wir viel diskutiert, ob Michael eine bundlose Nylonsaiten-Gitarre spielen sollte. Es hat es ausprobiert, aber es kamen nicht die gleichen Melodien wie mit der Oud heraus. Der Sound und das Spielen ohne Bünde macht jedenfalls andere musikalische Informationen möglich. Das hat uns fasziniert.“ Und die Neugier hat bislang nicht nachgelassen. „Keeping Company“ ist das zweite Album des Duos nach dem international vielbeachteten „Where You Wish You Were“, das im Januar 2023 erschien. Die Vorbereitungsphase war außerordentlich produktiv. Beide Beteiligten schrieben viele Skizzen und Kompositionen, allein Bill Laurance über Wochen hinweg bis zu drei Stücke am Tag. Am Ende musste die Fülle komprimiert und in eine Form gebracht werden, in der die Musik resonierte: „Beim ersten Album ging es eher darum, einen Sound zu etablieren und die Dynamik zu erforschen. Inzwischen wollen wir tiefer einzutauchen. Es ist noch mehr Persönlichkeit in der Musik. Außerdem wollten wir ausprobieren, was wir bislang noch nicht erforscht haben, einen Hauch von Soul Jazz zum Beispiel. Und Musik, die nur zu zweit gespielt wird, ohne Overdubbing. Wir haben viel Schönheit darin gefunden, uns auf das Pure, das Organische zu konzentrieren.“ Das liegt auch daran, dass beide Musiker Ausflüge ins Unbekannte zulassen. Michael League etwa hat nie die traditionelle Spielweise der Oud studiert. Er kennt das Instrument ursprünglich von seinem Bruder, der es in den frühen 2000er Jahren in Griechenland studierte. Später wurde Ara Dinkjian, einer der weltweit angesehensten Meister des Instruments, Michael Leagues Mentor. Dieser war es auch, der ihn immer wieder ermutigte, die Oud aus seiner eigenen, intuitiven Perspektive zu erforschen. Bill Laurance wiederum verzichtet für das Spiel im Duo auf das Raumgreifende des Klaviers. Er bevorzugt kantable Melodien, rhythmisch prägnante, klare Begleitungen und kompakte Improvisationen. Die Stücke selbst wirken wie Miniaturen, auf ihren Kern reduziert, jedes eine kleine Welt für sich. „Keeping Company“ ist eine Momentaufnahme eines ungewöhnlichen Teams, ein Programm wie eine Sammlung klingender Polaroids. Denn Bill Laurance und Michael League sind bislang noch in der wunderbar inspirierenden Phase gemeinsamer Erkundungen. Es ist alles offen. Die Musik klingt spontan und intuitiv. Sie hat die Kraft des Persönlichen und baut auf einer Freundschaft auf, die auch Humor im motivischen Umgarnen verträgt. Vielleicht kommen eines Tages auch andere Player hinzu. Bislang aber ist der Dialog im musikalisch intimen Rahmen für Bill Laurance und Michael League die ideale Form des künstlerischen Gesprächs.Credits: Produced by Bill Laurance, Michael League & Nic Hard

Ab 18,90 €*
Arcs & Rivers
Joel Lyssarides - Arcs & RiversCD / Vinyl / digital Joel Lyssarides piano Georgios Prokopiou bouzouki Wann genau die Langhalslaute Bouzouki nach Griechenland kam, ist unklar. Ihre Wurzeln gehen bis ins vierte Jahrhundert vor Christus zurück. Die heutige Form des Instruments, benannt nach "Βυζί", dem griechischen Wort für die weibliche Brust, ist relativ jung und seit etwa 1920 in Athen und auf dem Peloponnes verbreitet. Ursprünglich in Bars und auf privaten Festen gespielt fand es durch das Revival des „Rebetiko“, dem „griechischen Blues“ ab den 1960er Jahren weitere Verbreitung. „Ursprünglich wurde auf der Bouzouki viel improvisiert“, meint Georgios Propkopiou, „viel mehr als später. Denn ab den Fünfzigerjahren wurde ihr Spiel professionell unterrichtet. Da wurde vieles festgelegter“. Seitdem ist der metallische Klang des Instruments fast zum Synonym für die griechische Folklore als Begleitung von Liedern und Tänzen geworden... vor allem bei dem Komponisten Mikis Theodorakis, der mehr als nur ein paar Ohrwürmer hervorgebracht hat. Die Jazzkarriere der Bouzouki hingegen stand bislang noch aus. Es brauchte einen Umweg über Stockholm, damit etwas in Bewegung kam. „Die Kombination Bouzouki und Jazz liegt erst einmal nicht so nahe“, meint der Pianist Joel Lyssarides. „Für mich persönlich hängt sie mit meinem Großvater zusammen, einem griechischen Zyprioten. Er kam in den 1940ern nach Schweden. Griechische Musik mochte ich immer, ich war aber damit nicht wirklich vertraut. Jedenfalls fand ich die Bouzouki faszinierend. Während der Pandemie habe ich mir ein Instrument gekauft, um es ein wenig zu lernen. Beim Stöbern im Internet entdeckte ich dann Georgios durch ein TV-Konzert, ein Tribute an Theodorakis. Ich war total begeistert und habe in Stockholm herumgefragt, ob ihn jemand kennt. Tatsächlich spielte er zufällig ein paar Tage später in der Nähe in einer Hotelbar ein Konzert“. Das war im Herbst 2022. Joel Lyssarides hörte Georgios Prokopiou zu, sprach ihn an und sie verabredeten sich zu einer Session. Sie jammten und improvisierten, fanden musikalisch schnell zusammen und im Sommer 2023 spielten sie ihr erstes gemeinsames Konzert. „Es ist sehr unüblich, dass jemand mit der Bouzouki über Changes improvisiert,“ erzählt Joel Lyssarides weiter. „Sie ist ja ein traditionelles Instrument mit klar definierter Rolle, meistens Begleitung mit gedoppelten Terzen und Sexten. Georgios aber macht viel mehr. Ich hatte zunächst keine Ahnung, wie unglaublich virtuos und stilistisch variabel er ist. Seine Vielseitigkeit öffnet viele Türen. Wir hatten von Anfang an sehr viel Spaß an den neuen Möglichkeiten. Und ich hatte vorher noch niemanden gehört, der so spielt. Dafür musste ich unbedingt Musik schreiben“.Lyssarides erzählte ACT-Chef und Produzent Andreas Brandis von der Idee für das Duo und auch dieser war sofort begeistert: „In der Lesart von ACT steht der Begriff Jazz vor allem für ein Vokabular mithilfe dessen Musiker:innen ihre eigene Geschichte vor ihrem persönlichen kulturellen Hintergrund erzählen. Es ist faszinierend, dass hier immer wieder Konstellationen entstehen, die es vorher nicht gegeben hat. Und die Musik, die Joel Lyssarides und Georgios Prokopiou gemeinsam kreieren ist einerseits absolut überraschend und neu, klingt jedoch gleichzeitig so organisch und natürlich, als hätte es diese Konstellation schon immer gegeben.“Es sind aber nicht nur die Instrumente Klavier und Bouzouki, die sich getroffen haben, sondern auch die speziellen Charaktere und Geschichten der beiden Duopartner. Der Stockholmer Joel Lyssarides verbindet in seinem Spiel größte Virtuosität mit beeindruckender Leichtigkeit und einem starken Gespür für Stimmung und Dynamik. Er arbeitet mit so unterschiedlichen Künstler:innen wie Anne Sofie von Otter, Benny Anderson, Nils Landgren, Viktoria Tolstoy und ist Teil des Esbjörn Svensson Tributes „e.s.t. 30“. Das ACT-Debüt „Stay Now“ von Lyssarides‘ eigenem Trio wurde seit seinem Erscheinen 2022 allein auf Spotify eindrucksvolle 25 Millionen Mal gehört. Der Athener und Wahl-Stockholmer Georgios Prokopiou spielte zum ersten Mal mit sechseinhalb Jahren Bouzouki, gab mit acht seinen Konzerteinstand und hatte als Zehnjähriger bereits feste Musikengagements in Bars und Bordellen. Seitdem arbeitet er im klassischen Kontext ebenso wie in der Folklore und dem Experimentellen, spielt neben der Bouzouki außerdem Saz und andere Saiteninstrumente.Die Voraussetzungen für das Album „Arcs & Rivers“ waren daher so vielfältig und offen, wie nur möglich. Nach einem Probekonzert in der Berliner ACT Art Collection, von dem das Live-Stück „Zafeirious Solo“ auf das Album übernommen wurde, trafen sich die beiden noch einmal am selben Ort, um mit Studio-Equipment auch andere Facetten aufnehmen zu können. „Wir wollten zum Beispiel leise Stellen dabeihaben, nah mikrofoniert. Außerdem den großartigen Klang des Flügels, der früher einmal Alfred Brendel gehört hat. Insgesamt aber war vieles sehr spontan. Das ganze Album wurde in einem Rutsch aufgenommen, innerhalb von vier Stunden, meistens mit den ersten Takes. Ich bin sonst oft Perfektionist und verbringe Tage mit der Nachbearbeitung von Musik im Studio. Diesmal hingegen sollte es so direkt und spontan wie möglich sein“. Und es funktionierte: „Arc & Rivers“ ist ein Dialogskizzenbuch mit normsetzender Wirkung. Egal ob neue Kompositionen oder Verarbeitungen traditioneller Rhythmen und Muster wie in „Kamilieriko Road“ – diese Musik hat eine schillernde, klangmagische Kraft. Und das Duo selbst strahlt eine Selbstverständlichkeit der Kulturverknüpfung aus, die die Enge der Stile hinter sich lässt. Und es macht klar: Es ist tatsächlich Zeit für etwas mehr Bouzouki im Jazz, in der Improvisation und auf den Bühnen der internationalen Musikwelt. Credits: Produced by Joel Lyssarides, Georgios Prokopiou and Andreas Brandis Recorded by Thomas Schöttl at the ACT Gallery in Berlin, Germany, on 29 - 30 April 2024 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann The Art in Music: Cover art „Landschaft 1994“ (Detail) created by Manfred Bockelmann

Ab 18,90 €*
Wonderland
Daniel García - WonderlandCD / Vinyl / digital Daniel García piano, vocals on #10 Reinier “El Negrón” double bass Michael Olivera drums, vocals on #6 special guests Gilad Hekselman guitar on #3 Lau Noah vocals on #7 Verónica Ferreiro vocals on #11 Es tut sich etwas in der spanischen Jazz-Szene. Blieb man in Madrid, Barcelona und Sevilla lange eher unter sich, erlangte in den letzten Jahren eine ganze Generation aktueller spanischer Jazzmusiker:innen internationales Renommee und das in einem Maße, dass man durchaus von einer Bewegung sprechen kann. Elementarer Teil dieser Bewegung: Der 1983 in Salamancha geborene Pianist Daniel García, der sich in den letzten zehn Jahren mit seinem Trio einen Namen als einer der wichtigsten Vertreter des Jazz seines Heimatlands erspielt hat – auf über 300 Konzerten quer durch Europa und bis nach Japan. Die Besetzung der Band steht für eine weitere Besonderheit der spanischen Szene: Viele Musiker:innen aus Kuba fanden hier aufgrund der gemeinsamen Sprache eine zweite Heimat – und brachten ihre hervorragende musikalische Ausbildung und ihre Einflüsse mit. So auch Bassist Reinier „El Negron“ und Schlagzeuger Michael Olivera die die ebenso tight, wie sensibel agierende Rhythmusgruppe des Daniel García Trios bilden. „Wonderland“ ist das dritte Album des Daniel García Trios auf ACT. Waren die Vorgängeralben „Travesuras“ (2019) und „Vía de la Plata“ (2021) noch von deutlichen Einflüssen aus Flamenco und traditioneller spanischer Musik geprägt, hat sich García nun davon emanzipiert. Die Flamenco-Anleihen auf „Wonderland“ sind subtiler und stehen neben einer ganzen Palette von Inspirationen aus Modern Jazz, Klassik, Pop und Einflüssen aus der Karibik und dem mittleren Osten. Zugleich symbolisiert „Wonderland“ eine innere Suche: Daniel García zitiert in den Liner Notes des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung: „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.” García lädt seine Zuhörer, die eigenen Gefühle und Gedanken zu erforschen – in „eine intime Welt aus Träumen und Ängsten, Illusionen und Hoffnungen, die unser Selbst formt und uns hilft, unsere Umgebung zu verstehen“. In den zwölf Songs des Albums durchschreitet Daniel García verschiedene innere Räume und kreiert aus diesen eine zusammenhängende Erzählung. Mit dem kraftvollen „Gates to the Lands of Wonders“ betreten wir die Gefühlslandschaft. Es folgt der Titelsong, in dem als Gast der israelische Gitarrist Gilad Hekselman unisono mit dem Bandleader die sonnige Melodie spielt. „Ich liebe seinen Sound und seine Kompositionen“, so García. „So eine kreative Kraft! Ich mag Gitarristen, die auf solch menschliche Weise durch ihr Instrument sprechen“. Das sanfte „Mi Bolita“, das García seinem neugeborenen Neffen widmet und das verspielt-energische „Witness the Smile“ mit seiner Ohrwurm-tauglichen Melodie zeigen die kubanischen Einflüsse des Pianisten auf - und natürlich auch den seiner Mitstreiter Reinier „El Negron“ und Michael Olivera. „Sie sind meine Brüder“, schwärmt García. „Wenn ich mir von allen auf der Welt zwei Musiker aussuchen dürfte, ich würde trotzdem die beiden wählen! Wir sind eine Einheit.“ „Es fällt mir schwer, meine Musik zu kategorisieren“, sagt García. „Es fühlt sich an, als würde man versuchen, das Meer in eine zu Kiste sperren– sie läuft nur über! Ich liebe Klassik, ich liebe Musik aus dem Mittleren Osten, ich liebe Rock, ich liebe Singer/Songwriter! Inspiration kann von überall kommen. Das Intro von ‚The Gathering‘ wurde beispielsweise durch eine Melodie inspiriert, die ich auf den Straßen von Salamanca gehört habe.“ Zwei bemerkenswerte Stimmen runden das Album ab, die madrilenische Sängerin Verónica Ferreiro und die katalanische, in New York ansässige Sängerin Lau Noah. In „You and Me” singt sie: „Take my hands/Now, come and dance/Time to forget the wounds/All the scars, the pain”. Eine Einladung, den Schmerz im Tanz zu vergessen – und für Daniel eine Art, die Welt zu verbessern, wenn auch nur für einen Moment. Er sagt „Um uns herum passieren so viele Tragödien. Wir können wenig tun, außer an uns selbst zu glauben und gut zu anderen sein.“ Das die Kraft der Musik die Welt verbessert mag utopisch klingen. Aber man nimmt dem eher leisen, immer lächelnden, warmherzigen Daniel García den Glauben daran ab. Und es lohnt sich, ihn auf dem Weg durch sein „Wunderland“ zu begleiten.Credits: Produced and composed by Daniel García except #11, traditional Cover art (Detail) by Alice Baber (1928 - 1982) Courtesy Berry Campbell Gallery, New York

Ab 18,90 €*
Inner Spirits
Jan Lundgren - Inner SpiritsCD / Vinyl / digital Jan Lundgren piano Yamandu Costa guitar „Inner Spirits“ vereint zwei Seelenverwandte aus sehr unterschiedlichen Teilen der Welt: Pianist Jan Lundgren aus dem schwedischen Ystad und Gitarrist Yamandu Costa aus der südlichsten brasilianischen Provinz Rio Grande del Sur. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Verbindung, doch durch die besondere Chemie zwischen den beiden Musikern entsteht etwas Außergewöhnliches. "Für Yamandu Costa ist die Gitarre eine natürliche Erweiterung seines Körpers und seiner Seele", schrieb ein amerikanischer Journalist. Das Spiel des Grammy-Gewinners (und sechsfachen Nominierten) ist geprägt von großer Eleganz, stetem harmonischem Fluss und tiefer Kenntnis der lateinamerikanischen Musik – in den unterschiedlichsten Besetzungen, vom Solo bis zur Arbeit mit Symphonieorchestern. Jan Lundgren hat einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des europäischen Jazz der letzten zwei Jahrzehnte geleistet, ganz besonders durch das Trio „Mare Nostrum“ gemeinsam mit Paolo Fresu und Richard Galliano. Der britische „The Observer“ hört in dessen Musik "ein Gespür für Melodien und eine Leichtigkeit im Anschlag, die den kollektiven Sound sowohl delikat als auch unwiderstehlich macht" - Tugenden, die auch das Duo Lundgren & Costa auszeichnen. Jan Lundgren und Yamandu Costa lernten sich 2019 im südschwedischen Malmö kennen und entdeckten schnell eine tiefe Begeisterung für die Musik des anderen. Lundgren lud Costa ein, auf dem von ihm geleiteten Ystad Sweden Jazz Festival zu spielen und schließlich entstand der Wunsch, gemeinsam im Duo zu spielen. "Es hat mich sehr gefreut, dass die Programm-Macher des Stockholmer Konserthuset die Idee genauso gut fanden wie wir“ erinnert sich Lundgren. Am 17. Februar 2023 standen die beiden erstmals gemeinsam auf der Bühne. Die außergewöhnliche Kombination begeisterte alle Beteiligten, weitere Konzerte folgten und so wuchs auch der Wunsch nach einem gemeinsamen Album. Und so begaben sich Lundgren und Costa ein Jahr nach ihrem ersten Zusammentreffen zunächst für einige Tage der Vorbereitung in die Berliner ACT Art Gallery und schließlich gemeinsam mit Produzent Andreas Brandis ins Studio. Dank des tiefen gegenseitigen Verständnisses zwischen Lundgren und Costa und der Leichtigkeit und Spontaneität ihres Zusammenspiels dauerten die Aufnahmen zu „Inner Spirits“ nur eineinhalb Tage. Andreas Brandis sagt: „Es ist erstaunlich zu hören, wie eng sich das Spiel von Lundgren und Costa verzahnt, wie sie ständig die Rollen von Haupt- und Nebenstimme wechseln. Beide sind Meister von Harmonie und Melodie, jeder vor seinem kulturellen Hintergrund.” Jan Lundgren stimmt zu: „Das verbindet uns am meisten und deshalb mögen wir einander so sehr“. Und Costa ergänzt: „Ich glaube, dass in unseren Eigenkompositionen und dem Zusammenspiel etwas wirklich Aufrichtiges, Echtes entsteht.“ Die Eigenkompositionen und oft auch ihre Titel machen deutlich, wie persönlich dieses Album für beide Musiker ist. Jan Lundgren widmet jeweils ein Stück seinen Mare Nostrum-Partnern Paolo Fresu und Richard Galliano und ein weiteres seiner Frau, der Sängerin Hannah Svensson, die zudem auf einem weiteren Stück als Co-Komponistin fungiert. Sie verkörpern den „Sound Europas“ mit Einflüssen aus klassischer und traditioneller Musik, den Lundgren im Jazz so entscheidend mitgeprägt hat. Die Stücke aus der Feder Yamandu Costas erinnern an dessen Sozialisation durch die Musiken Lateinamerikas. Der Rhythmus von „Para Aprender A Amar" (Lieben lernen) entstammt dem ecuadorianischen Pasillo. Mit dem lebhaften Choro "Diplomata" und dem wenig bekannten Juwel „Garoto“ von Antonio Carlos Jobim erkundet Costa die Musik seiner brasilianischen Heimat. Und auch seine „violão de sete cordas", eine siebensaitige Gitarre, stammt aus der brasilianischen Musiktradition. In seiner Vielfalt der Stile, Tempi und Stimmungen macht „Inner Spirits" süchtig. Jan Lundgren und Yamandu Costas gewinnende Kombination aus Einfühlungsvermögen, gegenseitigem Respekt und tiefer Musikalität haben ein Album hervorgebracht, welches das Zeug hat, zu einem modernen Klassiker des Klavier/Gitarren-Duos zu werden.Credits: Produced by Andreas Brandis Cover art created by Olafur Eliasson “Friend from the ecotone, 2020 (detail) , ACT Art Collection, Courtesy neugerriemschneider Berlin

18,90 €*
The Gallery Concerts III: Rag Bag
Bernd Lhotzky - The Gallery Concerts III: Rag BagCD / digital Bernd Lhotzky piano „Mich faszinieren in der Musik, der Kunst und überhaupt im Leben die Widersprüche und Kontraste, die Synkopen, die Risse in der Zeit“, sagt der Pianist Bernd Lhotzky. Und so ist sein Soloalbum „Rag Bag“ eine Reise zwischen Zeiten und Welten, ein Flickenteppich aus unterschiedlichsten Motiven, Stilen und Assoziationen. Keimzelle der Musik des Albums ist der Ragtime, eine der frühsten Formen des Jazz. Lhotzky sagt: „Bis heute liebe ich an dieser Musik, dass sie so warm, lebensbejahend und unverstellt ist und einfach nur so strotzt vor Vitalität und ehrlicher Freude.“ Entfacht wurde diese Liebe bei Bernd Lhotzky früh, im Alter von neun Jahren, auf einem Konzert mit der Musik von Scott Joplin – selbst ein Grenzgänger seiner Zeit, gleichermaßen beeinflusst von afroamerikanischer Folklore und europäischer Klassik. Und es ist eine Liebe, die bis heute andauert: Auf der Grundlage einer atemberaubenden, klassisch geschulten Klavier-Technik gilt Lhotzky seit drei Jahrzehnten als wichtigster deutscher Botschafter des klassischen Jazz-Pianos und als Brückenbauer zwischen dessen Historie und Gegenwart. Mit zahllosen Auftritten und Einspielungen als Solist und im Duo, als Konzert- und Festival-Veranstalter und als impulssetzender Pianist der enorm erfolgreichen Band „Echoes of Swing“ lud er zur Wiederentdeckung des Jazz der Zeit von den Zwanzigern bis zu den Fünfzigern ein. Und auch im weltweiten Vergleich gehört Bernd Lhotzky zu jener Handvoll Pianisten, die den Harlem Stride noch so spielen können wie einst die großen Meister Thomas „Fats“ Waller, Earl „Fatha“ Hines oder Willie „The Lion“ Smith. Die Begeisterung für die Wurzeln des Jazz ließ in Lhotzky über Jahre den Wunsch wachsen, sich als Komponist und Pianist intensiv mit der Verbindung des heutigen Jazz zu dessen Ursprung, dem Ragtime zu befassen. Nachdem er Siggi Loch von seiner Idee erzählt hatte, lud der ihn zu einem Konzert in seine Berliner ACT Art Collection ein – und ließ den Auftritt in weiser Voraussicht mitschneiden. So erblickt jetzt das Album „Rag Bag“ das Licht der Welt, als drittes in der Serie „The Gallery Concerts“ mit exklusiven kammermusikalischen Live-Aufnahmen in diesem besonderen Rahmen, nach den Duo-Alben mit Johanna Summer und Jakob Manz sowie Jan Lundgren und Hans Backenroth. „Rag Bag“ ist in vielerlei Hinsicht ein kleines musikalisches Wunder. Zunächst, weil Lhotzky von der Idee bis zur Aufnahme gerade einmal acht Wochen Zeit hatte, ein Programm zu diesem umfangreichen Thema von solch großer persönlicher Wichtigkeit vorzubereiten. Vor allem aber, weil es ihm gelingt, auf sehr moderne Art eine Musik zu interpretieren, deren Melodien, Mechanismen und Regeln meist weit über hundert Jahre alt sind. „Der ‚Linden Tree Rag‘ etwa“, berichtet Lhotzky, „basiert auf einem Stück von 1850. Das ist eher noch französische Salon-Musik“. Lhotzkys Interpretation des Stücks öffnet eine ganze Welt, in der Jazz die Popmusik seiner Zeit war. Und gleichzeitig klingt diese Musik durch Lhotzkys pianistische Präzision und improvisatorische Vorstellungskraft, sowie den klaren, räumlichen Klang der modernen Aufnahme absolut „heutig“. Diese Art von Parallelen und Kontrasten macht die Einzigartigkeit von „Rag Bag“ aus. Auf dem Album stehen moderne Interpretationen von Originals und Eigenkompositionen nebeneinander, oft abwechselnd und einander kommentierend. Lhotzkys eigene Stücke nehmen die klaren Strukturen und eingängigen Melodien ihrer Vorbilder auf und verarbeiten sie zu eigenen, intuitiven Gedankenspielen - ohne den Bezugsrahmen zu den Originalen zu sprengen, innerhalb dieser Konstellation aber völlig frei. Als Musterbeispiel mag „Out Of Bondage“ dienen. Es lässt kurz Scott Joplins bekanntestes Stück „The Entertainer“ wie im Traum anklingen, um aber sogleich in ein dramatisches Präludium zu münden, in seinem Impressionismus an Grieg oder Debussy erinnernd, mit Brüchen und Knalleffekt am Schluss. „Dieses Album bedeutet für mich eine echte Befreiung“, erzählt Lhotzky. „Das Solo-Format erlaubt es mir ganz und gar ich selbst zu sein und meinen Blick auf eine Musik zu teilen, die mir auch heute noch außerordentlich wertvoll und relevant erscheint.“ Mit der Zugänglichkeit und Fröhlichkeit der frühen Jazz-Entertainer, aber im ganz neuen Licht seiner eigenen Auffassung spannt Lhotzky einen weiten Bogen über mehr als ein Jahrhundert Jazzgeschichte. Mit großem Piano-Handwerk und tiefer Durchdringung, aber gleichzeitig unmittelbar, zugänglich, live und aus dem Moment entstehend. Credits: Recorded at the ACT Art Gallery, Berlin Cover art “Welle” (detail) von Manfred Bockelmann

18,90 €*
e.s.t. 30
Magnus Öström - e.s.t. 30CD / Vinyl / digital Magnus Öström drums Dan Berglund double bass Magnus Lindgren tenor saxophone, flute Joel Lyssarides piano Verneri Pohjola trumpet Ulf Wakenius electric guitar Was bleibt, ist Liebe… Im Jahr 1993 gründeten die drei Schweden Esbjörn Svensson, Dan Berglund und Magnus Öström die Band e.s.t.. Svensson und Öström kannten einander seit der Kindheit und ihren ersten gemeinsamen musikalischen Gehversuchen. Und keiner der Drei ahnte, dass e.s.t. zur einflussreichsten europäischen Jazzband der Nullerjahre werden sollte. Vermutlich wussten sie zum Zeitpunkt ihrer Gründung noch nicht einmal, dass sie eine „Jazz“-Band waren. Alles was sie wollten, war Musik zu spielen, die Ihre Leidenschaften vereinte: Rock, Pop, Klassik, Folk, Improvisation. In den folgenden 15 Jahren spielten e.s.t. tausende Konzerte auf der ganzen Welt, veröffentlichten zehn Studioalben und mehrere Liveaufnahmen, gewannen Auszeichnungen und goldene Schallplatten. Wir alle wissen, wie diese Geschichte endet.Oder hat sie jemals geendet? Wird sie jemals enden? Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums von e.s.t. kamen Magnus Öström und Dan Berglund mit ihren engen musikalischen Freunden Joel Lyssarides, Magnus Lindgren, Verneri Pohjola und Ulf Wakenius für zwei große Konzerte in der Kölner Philharmonie und der Stockholmer Filadelfia Kirche zusammen, um einige der schönsten Stücke des zeitlosen e.s.t. Repertoires zu spielen. Und so wie hier hat man diese noch nicht gehört: Die sechs Musiker, allesamt international vielbeachtete Solokünstler, widmen sich den Kompositionen behutsam und zärtlich, bewahren ihre ikonischen Melodien und Rhythmen, öffnen aber auch immer wieder ganz neue, von Wärme und Licht durchflutete Räume. Füreinander und für das Publikum, welches mit entrücktem Schweigen und frenetischem Schlussapplaus reagiert.Magnus Öström spricht darüber, wie es sich anfühlt, diese Musik heute zu spielen: „Die Emotionen sind vielschichtig, sie haben das Spektrum eines ganzen Lebens. Zunächst fühlt es sich an wie nach Hause zu kommen. Dabei schwingen Freude, Dankbarkeit, aber natürlich auch Traurigkeit mit. Es fühlt sich fast schon surreal an und gleichzeitig wie das Natürlichste auf der Welt. Und irgendwie kann man gar nicht aufhören, darüber zu staunen, wie großartig diese Musik ist. Esbjörns Kompositionen und unsere gemeinsamen Arrangements im Trio fühlen sich einfach zeitlos an.“ Und er betont: „Unterm Strich wird immer wieder klar, dass diese Musik gespielt werden und nicht in einer Schublade verschwinden sollte."e.s.t. 30 gelingt der Zoom aus der maximalen Entfernung hin zur größtmöglichen Nähe. Von der totalen Stille und Schwerelosigkeit des Alls im Opener „From Gagarins Point Of View“ bis zum tiefsten Inneren der menschlichen Seele im Stück „Believe, Beleft, Below“, oder wie es in der späteren Vokalfassung heisst: „Love is Real“. If we meet again, I’d tell you how I feel, I’d tell you from the start, I’d tell you love is real. Was bleibt, ist Liebe.

Ab 18,90 €*
Tough Stuff
Iiro Rantala - Tough StuffCD / Vinyl / digital Iiro Rantala piano Conor Chaplin acoustic bass Anton Eger drums Mathias Heise harmonica (guest on Liberty City) Der 11. November 2006 war ein sehr emotionaler Abend. Nach fast 20 gemeinsamen Jahren und tausenden Konzerten weltweit stand das finnische Trio Töykeät rund um den Pianisten Iiro Rantala zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne. Für diesen war es Schlusspunkt und Aufbruch zugleich. Denn so schwer es war, das wahrscheinlich einflussreichste, in jedem Fall aber humorvollste Klaviertrio des finnischen Jazz aufzulösen, so intensiv konnte er sich von da an in den unterschiedlichsten Besetzungen ausprobieren - in Jazz, Klassik und gelegentlichen Ausflügen in Rock und Pop. Rantalas ACT-Debüt Lost Heroes läutete 2011 so etwas wie eine zweite internationale Karriere ein. Es folgten weitere Solo- und Duo-Alben, spektakuläre Piano Summits unter anderem mit Michael Wollny und Leszek Możdżer, sowie Orchester-Einspielungen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Rantala schrieb ein komplettes Weihnachtsoratorium für den Chor Cantores Minores und die Oper Die Zaubermelodika für die Komische Oper Berlin. Nebenbei drehte er mehrere musikalische Formate für das finnische Fernsehen und produziert aktuell einen Podcast Algoyrtmi rund um den europäischen Jazz. Doch das Trio-Thema hat Rantala seit Trio Töykeät nie ganz losgelassen und nun, fast 20 Jahre später, ist es Zeit für das Iiro Rantala HEL Trio. Rantala sagt: „Ich bin sehr froh, dass ich nach Trio Töykeät so viele verschiedene Dinge ausprobiert habe. Aber kurz vor der Pandemie hatte ich ein paar Auftritte mit Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Anton Eger und spätestens seitdem träumte ich davon, endlich wieder ein festes Trio zu haben. Dan Berglund war allerdings viel zu beschäftigt und so empfahl Anton Eger den britischen Bassisten Conor Chaplin, mit dem er bereits lange in der Band von Marius Neset spielte. Es ist immer gut, wenn Bassist und Schlagzeuger schon eng eingespielt sind, die Band hat sofort perfekt funktioniert und auf den ersten Konzerten hatten alle, auf und vor der Bühne, wahnsinnig viel Spaß. Anton und Conor sind extrem viel unterwegs und so bin ich sehr glücklich darüber, dass es gemeinsam geklappt hat.“ Das Iiro Rantala HEL Trio, benannt nach dem Flughafen Helsinki von dem aus Rantalas musikalische Unternehmungen in der Regel starten, klingt neu und vertraut zugleich, wobei die sparsam dosierte Nostalgie gar nicht so sehr vom Bandleader ausgeht:„Da gibt es eine kleine Geschichte“, erinnert sich Rantala. „Anton Eger hatte Trio Töykeät als Kind gemeinsam mit Marius Neset beim Molde Festival gehört. Es war eines ihrer ersten Jazzkonzerte, sie waren richtige Fans. Als wir das Iiro HEL Trio gestartet haben, wollte Anton, der enorm viel Repertoire kennt, unbedingt die Töykeät-Stücke Gadd A Tee und Met By Chance spielen. Ich dachte mir dann, dass das nach zwei Jahrzehnten in Ordnung ist. Wir haben sie ein wenig verändert, das eine heißt jetzt Tee Four Three, das andere Cabaret Perdu.“ In Liberty City, einem wenig gespielten, aber viel geschätzten Titel von Jaco Pastorius, spiegelt sich Rantalas Liebe für amerikanischen Funk und Soul wider. Ganz selbstverständlich steht das Stück neben Eigenkompositionen wie Stockholm Syndrome, bei denen Rantala, augenzwinkernd und doch tief empfunden, mit der typischen Melancholie des skandinavischen Jazz spielt. Es sind die Kontraste, die den Reiz des Iiro Rantala HEL Trios ausmachen. Als Pianist besticht Rantala oft mit großer Leichtigkeit und hinreißend geschmeidiger Linienführung. Und dann verwandelt er sich zu einem humorvollen Wühler im Klavier, der kraftvoll Pathos entfalten kann. Er hat etwas Barockes in der Haltung, lustvoll zugewandt im Spiel, so dass es nur wenige Töne braucht, und das Publikum ist schon auf seiner Seite. Zugleich bringen Anton Eger mit seinem unwiderstehlich filigranen, von den unterschiedlichsten Stilen befeuertem Spiel und Conor Chaplin mit so gewichtigen wie wendigen Grooves am Bass ihre ganz eigene Vorstellung von Sound und Gestaltung in die Musik ein. Und so ist das HEL Trio eben kein nostalgisches Back-to-the-Roots-Projekt: „Für mich soll es in der Musik immer vorwärts gehen“, sagt Rantala. Das Rastlose, fast schon Hyperaktive, der Drang, sich auszuprobieren und sein Publikum immer wieder zu überraschen und die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Genres und Stile authentisch zu spielen und dabei immer nach sich selbst zu klingen machen Iiro Rantala zu einer Ausnahmeerscheinung unter den europäischen Pianisten. Und der Tough Stuff des Iiro Rantala HEL Trios ist ein weiterer Meilenstein auf einer wendungsreichen Entdeckungsreise.

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Bloom
Bill Laurance & The Untold Orchestra - BloomCD / Vinyl / digital Bill Laurance piano, fender rhodes mk8, osmose expressive, prophet 6 Rory Storm conductor The Untold Orchestra Bloom, das ACT-Debüt des Pianisten und Komponisten Bill Laurance als Leader, vollzieht einen Wandel von der kleinstmöglichen Form musikalischer Interaktion zum Breitbildformat. Nach dem international gefeierten ACT-Album Where You Wish You Were gemeinsam mit seinem Snarky Puppy-Bandkollegen Michael League trifft Bill Laurance nun auf das junge, 18-köpfige Streichorchester The Untold Orchestra. Entstanden ist ein Werk das eine enorme Bandbreite an Emotionen und Stimmungen erzeugt."Der Ausgangspunkt meiner Laufbahn ist meine klassische Klavierausbildung", sagt Bill Laurance, "und dieses Album ist sicher das ‚klassischste‘ das ich je gemacht habe." Gleich das titelgebende Eröffnungsstück zeigt, wie natürlich ihm der Spagat zwischen klassisch geprägtem, orchestralem Sound, der Spielhaltung des Jazz und der Eingängigkeit populärer Musik gelingt: Eine Reihe von dunklen, warmen Streicherakkorden öffnet den Vorhang, bald darauf entwickelt sich ein intensiver Rhythmus, gleichzeitig leicht und treibend. Und über allem entwickelt sich schließlich eine kristalline Klaviermelodie, die in eine fantasievolle, sich hypnotisch steigernde Improvisation mündet. In nur wenigen Minuten wird die Essenz einer Musik hörbar, die trotz der Vielzahl ihrer Bestandteile und Wendungen vollkommen natürlich fließt, unmittelbar erfühlbar ist und gleichzeitig nicht alle ihre Geheimnisse beim ersten Hören preisgibt.Inspiriert wurde die Musik des Albums besonders durch die kindliche Fähigkeit, in der Fantasie neue Welten zu erschaffen. Bill Laurance sagt: "Jede Entscheidung die wir treffen hat ihren Ursprung in unserer Vorstellungskraft. Und das, was wir erreichen können, ist nur durch unsere Fähigkeit zu träumen begrenzt. Diese Fähigkeit den Vorhang der Realität zurückzuziehen hat mich sehr dazu beflügelt meine eigenen Möglichkeiten zu erweitern.“Die Grundidee für Bloom war es, grenzenlose Musik von großer Intensität zu schaffen. Nach einer Phase des Experimentierens machte sich Bill Laurance von seinem Londoner Studio aus an die Komposition und Umsetzung.The Untold Orchestra erwies sich schnell als perfektes Gegenüber: Das erst 2019 gegründete Ensemble aus Englands neuer musikalischer Keimzelle Manchester setzt auf Kollaborationen in den unterschiedlichsten Genres. Das junger Orchester beherrscht den Groove und die Direktheit moderner Popmusik ebenso, wie die Raffinesse und Nuanciertheit der Klassik und zeitgenössischer Musik. Gespielt von diesem außergewöhnlichen Ensemble und arrangiert von Joshua Poole wecken die Kompositionen von Bill Laurance Assoziationen zu italienischem Barock, Vivaldi, Schostakowitsch und Philip Glass. Bloom lebt von seinen Kontrasten. Und von Bill Laurances Fähigkeit, aus diesen ein stimmiges Ganzes zu schaffen, das die Zuhörenden in seinen Bann zieht, unabhängig davon, in welcher Musik sie sich normalerweise zu Hause fühlen. Auf diese Weise knüpft Bloom an sein Vorgängeralbum Where You Wish You Were an, wenn auch mit ganz anderen Mitteln: Es ist Musik die imaginäre Welten erschafft, in denen man sich nur allzu gerne verliert.

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Butterfly Effect
Magnus Lindgren & John Beasley - Butterfly EffectCD / digital Magnus Lindgren flute, tenorsaxophone, clarinet John Beasley piano Kleiner Impuls, große Wirkung - dafür steht der Begriff „Butterfly Effect“.Schon der Flügelschlag eines Schmetterlings an einem Punkt der Erde kann eine Kette von Ereignissen auslösen, die an einem weit entfernten Ort gewaltige Veränderungen zur Folge haben. Im Falle des Duos von Saxofonist, Flötist und Klarinettist Magnus Lindgren und Pianist John Beasley ist der Ausgangspunkt für diese Kette von Ereignissen das kleinst-mögliche Format musikalischer Interaktion: Das Duo.Die elf Eigenkompositionen und eine Bearbeitung des Beatles-Klassikers „Come Together“ erzeugen kleine musikalische Welten, die Lindgren und Beasley gemeinsam erkunden und gestalten. Man könnte dies auch Echtzeit-Arrangieren nennen, also die Beschleunigung der Kunst, für die Lindgren und Beasley seit Jahren weltberühmt sind. Beide zählen zu den wichtigsten und gefragtesten Arrangeuren in Jazz und populärer Musik und gleich ihr erstes gemeinsames Album „Bird Lives“ wurde mit einem GRAMMY ausgezeichnet und weitere drei Mal nominiert.Wie bei „Bird Lives“ liegt auch der Reiz von „Butterfly Effect“ in den vielfältigen Perspektiven seiner Protagonisten. Magnus Lindgren, zuhause in Schweden, schöpft aus der Tiefe europäischer Klassik, der Freiheit des Jazz und der Emotionalität von Soul und Pop. Der Amerikaner John Beasley vereint die imaginative Kraft von Film- und TV-Soundtracks aus seiner Feder mit der Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Stars wie Miles Davis, Freddie Hubbard, Steely Dan oder Dianne Reeves und einem eindrucksvollen Background aus Bigband Arrangements und Kompositionen. „Butterfly Effekt“ wirkt wie ein Destillat aus all diesen Einflüssen. Und zugleich zeigt das Album eine ganz andere Seite von Lindgren und Beasley, jenseits ihrer Arbeit mit großen Orchestern und Big Bands. Man merkt ihnen die Freude an der Leichtigkeit und Spontanität der kleinen Besetzung an - eine Freude, die sich unmittelbar auf die Zuhörer überträgt. Credits:Produced by the artists

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Sons of Revolution
Júlio Resende - Sons of RevolutionCD / digital Júlio Resende piano Bruno Chaveiro portuguese guitar André Rosinha double bass Alexandre Frazão drums Special Guest: Salvador Sobral vocals on 11 „Júlio Resende hat die Fähigkeit, Portugals tief-emotionale Musik am Piano neu zu erfinden“, schreibt das international führende Weltmusik-Magazin Songlines über den portugiesischen Pianisten und Komponisten. Resende ist ein Pionier des „Fado Jazz“ – so der selbst gewählte Name für die von ihm kreierte Mélange. Und damit ist er auch ein exemplarischer Vertreter des Jazz-Begriffes wie ihn ACT vertritt: Jazz als Mittel des individuellen Ausdrucks.Dass sich die Menschen in Portugal frei ausdrücken können, verdanken sie der Nelkenrevolution von 1974, der Júlio Resende die Musik seines neuen Albums „Sons of Revolution“ widmet. Der friedliche Umsturz von António de Oliveira Salazar beendete nicht nur dessen Regime und ebnete den Weg für die Demokratie, er war ebenfalls das Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft und der damit verbundenen blutigen Kriege in Mosambik und Angola. „Ohne die Nelkenrevolution wäre ich nicht auf der Welt“, sagt Júlio Resende. „Mein Vater stammt aus Angola und emigrierte nach der Revolution nach Portugal, wo er meine Mutter kennenlernte. Die Freiheit, das auszudrücken, was ich denke und fühle, bedeutet mir sehr viel. Und das ist auch das Wichtigste im Jazz: Die einzige Konstante in dieser Musik ist die Idee der Freiheit.“ Die Idee, die Musik seiner Heimat mit dem Vokabular des Jazz zu verbinden, ist für Resende also eine ganz natürliche. Und seine Pionierarbeit trägt langsam Früchte. „Kurioserweise fanden gerade die Fado-Musiker den Ansatz von Anfang an toll. Für sie ist Fado eine lebendige Musik, nichts Museales. Eine Kunstform mit tiefen Wurzeln, die sich aber ständig weiterentwickelt und mitten im Leben der Portugiesen passiert. Die Jazzer haben ein bisschen länger gebraucht, aber ich merke, dass sich immer mehr von ihnen trauen, ihre eigenen Traditionen stärker in ihre Musik einfließen zu lassen.“ Dabei ist Resendes Fado Jazz keine Art der Bearbeitungen traditioneller Songs, sondern lebt von seinen oft berückend schönen, Melodiegetragenen Eigenkompositionen, die den Geist beider Welten perfekt verkörpern. Eine Bearbeitung findet sich dennoch auf dem Album - „Fado Ponciana for Ahmad Jamal“ mit dem Resende zum ersten Mal nicht den Jazz zum Fado bringt, sondern umgekehrt. Und das Ergebnis klingt auch hier so leicht und natürlich, als hätte es diese Verbindung schon immer gegeben. Besondere Konstante von Resendes Fado Jazz ist, neben dem Klavier, die für den Fado typische, Lautenähnliche Guitarra portuguesa – eine Farbe, die im Jazz ziemlich einzigartig sein dürfte. Auf „Sons of Revolution“ ist sie Teil von Resendes perfekt eingespieltem Quartett zusammen mit Bassist André Rosinha und dem Schlagzeuger Alexandre Frazão, aber auch in mehreren Duo-Stücken nur zusammen mit dem Klavier zu hören. Gespielt wird sie von Bruno Chaveiro, einer der gefragtesten Spieler dieses Instruments und Begleiter von Fado-Größen wie Carminho oder Ana Moura. Mit dem Sänger und ESC-Gewinner Salvador Sobral ist auf dem Stück „A Casa Dela / Her House“ schließlich ein langjähriger Weggefährte Resendes zu Gast, dessen internationale Popularität ebenso auf einem starken Jazz-Background und der Verwurzelung in der portugiesischen Lied-Tradition fußt. All diese so ungewöhnlichen und gleichzeitig organisch wirkenden Verbindungen machen klar, worum es in der Musik von Júlio Resende geht: Tiefe, echte Emotionalität, musikalische Freiheit, ein Maximum an Ausdruck und eine ganz und gar heutige, lebendige Weiter-Erzählung lange gewachsener Traditionen. Credits: Recorded, mixed and mastered by André Tavares in June 2023, Timbuktu Studios, Lisbon Produced by Júlio Resende

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Tales of Utopia
Shalosh - Tales of UtopiaCD / Vinyl / digital Gadi Stern piano and keys David Michaeli double bass Matan Assayag drums Wieder sind da der eingängige Groove und die ausgeprägte Melodik, die den typischen Shalosh-Sound definieren. Wieder gibt es diese Dreierkompaktheit, die schon im hebräisch „drei“ bedeutenden Bandnamen steckt. „Heavy-Jazz!“, hörte der deutsche Rolling Stone und der Kritiker der Times eine „Verheißung“. Im Deutschlandfunk war die Rede von „Jazz auf der Überholspur“, der wieder „junge Jazzfans in ganz Europa“ erreicht. Der Tagesspiegel schreibt wiederum begeistert „Diese Band rockt“. Jeder der drei Musiker speist seine musikalischen Vorlieben Jazz, Klassik, Grunge, Rock, Techno oder Folk in den gemeinsamen Organismus ein, der die Elemente zu einem spannungsgeladenen Gemisch verdichtet. In begeisternden Konzerten rund um den Globus ist das weiter verfeinert worden, ohne das Publikum zu unterfordern. Diese Musik zielt gleichermaßen auf Herz, Intellekt und Beine.So hätte es weitergehen können, doch hat sich seit „Broken Balance“ aus dem Jahr 2020 vieles verändert. „Es ist eine andere Welt“, sagt Gadi Stern, „das kann man auf dem neuen Album hören. Damals war alles in Ordnung, fast nichts fehlte. Jetzt ist da ein Gefühl vom Ende der Welt.“ Also stellten sie ihre Musik, die immer schon ein Story-Telling in Tönen gewesen ist, in größere Zusammenhänge. Dazu dachten sie sich eine Geschichte aus, die auf Stoffen aus dem Alten Testament und der Odyssee basiert. Mit ihrer rhapsodischen Mischung aus christlicher und griechischer Mythologie fanden sie eine Verbindung von Weltkulturen und einen roten Faden für ihr Album. Ein junger Held reist ins Unbekannte. Unbekannt jedoch ist nicht nur die äußere Welt, sondern auch das eigene Innere. Doch jede Reise ist auch begleitet von Selbstvergewisserung, die einen stärker macht. „Tales of Utopia“ handelt davon, wie utopisches Denken auf der Beschäftigung mit dem eigenen Ich basiert, auf Konzentration und Meditation als Gegenmittel zum Informationsoverkill.Shalosh formulieren ihre Musik als Zufluchtsort. In einer krisendurchzogenen Welt wollen sie Kraft und Trost spenden, Fantasie beflügeln und Halt geben gegen Pandemie, Panzer und Parolen. Wie in einem Stationendrama schaffen sie Bilder vom Erreichen der großen Stadt mit ihrer Flut neuer Eindrücke, in denen sich der Held zurechtfinden muss, von der Reizüberwältigung auf dem Markt mit Gerüchen, Farben und Bewegungen, vom dramatischen Verlassen der Metropole im Sonnenuntergang, vom schlingernden Boot auf dem Ozean, von den drei Schwestern auf der Insel, die sich um den Helden kümmern, wobei sich deren Stimmen verschränken. Die Träume des Königs sind zweigeteilt in all den Turbulenzen und stimuliert von einem schlechten Berater, bis alles dann doch im Happy End in einem marokkanisch inspirierten Hochzeitslied mündet, bei dem sich die Band mit Freunden zur Party mit Händeklatschen und Gesang in einem Raum trifft." Den Rahmen dieser immer gültigen Geschichte gibt der einprägsame Shalosh-Sound, in den sie die Geschichten fügten wie auf einem großen Gemälde, wobei sie die Chronologie der Ereignisse dem musikalischen Flow angepasst haben. Anders war diesmal der Aufnahmeprozess. Ohne Kopfhörer und Amps haben die drei nah beieinander wie unter Livebedingungen ihre song- und soghaften Geschichten aufgenommen. Rauer und direkter klingt das, denn der Raum war mit Dynamik aufgeladen. Wichtig war, was die Texte musikalisch auslösten. „Drin im Raum konnten wir dem Trouble der Welt entgehen“, erinnert sich Schlagzeuger Matan Assayag. „Für drei, vier Stunden haben wir uns auf die Musik fokussiert und unsere Utopie formuliert. So konnten wir den täglichen Druck ausblenden. Das ist der Sinn hinter dem Titel. Das vorige Album reflektierte die Welt draußen, dieses handelt von innerer Harmonie.“„Tales of Utopia“ dokumentiert eine Suche nach Haltung und Friedfertigkeit. Gadi und Matan sind jüngst Väter geworden. Auch diese positive Energie ist eingeflossen. „Kunst macht die Welt besser“, beschreiben sie ihre Intentionen, „wir wollen Schönheit in die Welt bringen und ein Gefühl erzeugen, dass die Leute mit sich selbst glücklich sein können. Das müssen sie wieder lernen und neben der Informationsflut eine Position finden, damit nicht immer mehr immer weniger bedeutet. Unsere Kinder waren dabei die besten Lehrer, weil sie sich von kleinen Dingen faszinieren lassen. So kann man das Destruktive überwinden.“ Es gibt mehr als den allgegenwärtigen Pragmatismus. Diese packende und farbenreiche Musik lädt dazu ein, sich verzaubern zu lassen und sich auf das Schöne ringsum zu fokussieren. Dazu setzt sie auf einen humanen Faktor, der nicht nach Perfektion strebt, sondern nach kontemplativer Frische, Reibeflächen und Vitalität. Credits: Music composed, arranged and produced by Shalosh Cover art "Blokeret dør, 2000" by Tal R

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Austrian Syndicate
Format: CD
David Helbock - Austrian SyndicateCD / Vinyl / digital David Helbock rhodes, synthesizers & effects Peter Madsen piano Raphael Preuschl bass & bass ukulele Herbert Pirker drums Claudio Spieler percussion Guests: Alex Acuña percussion Lakecia Benjamin saxophone Maria João voice Fred Wesley trombone Dhafer Youssef voice Austrian Syndicate – sofort werden Assoziationen wach zum berühmtesten und einflussreichsten Österreicher im Jazz: Joe Zawinul. Aber das neue Projekt des Tastenspielers David Helbock ist viel mehr als nur eine Reminiszenz. Es ist Rückbesinnung auf die Wurzeln und ihre Fortentwicklung, stilistische Neuausrichtung und Bündelung der Kräfte sowie weltmusikalische Öffnung. Oder wie Helbock schlicht selbst sagt: „Eine Herzensangelegenheit“. Als Syndikatsmitglieder hat er die beste Rhythmusgruppe, die Österreich zu bieten hat, gewinnen können: Raphael Preuschl an Bass und Bass-Ukulele, den Schlagzeuger Herbert Pirker und den Perkussionisten Claudio Spieler. Ein prominenter Wahlösterreicher aus Amerika komplettiert das Quintett: Pianist Peter Madsen. Und wäre diese österreichische Supergroup nicht schon genug, beehren die Star-Gäste MariaJoão, Fred Wesley, Dhafer Youssef, Alex Acuña und Lakecia Benjamin das Austrian Syndicate.Ganz im Geiste von Zawinul, dem Pionier des Einsatzes elektronischer Tasteninstrumente und den Großmeister des Fusion-Jazz – ob bei Miles Davis, Weather Report oder dem eigenen, dann auch den World-Jazz mit ins Rampenlicht stellenden Zawinul Syndicate – ist David Helbock auf „Austrian Syndicate“ erstmals nur an elektronischen Tasteninstrumenten zu hören. Den Platz am Klavierhocker überlässt er voll und ganz Peter Madsen. „Ich habe quasi alles von ihm, was ich über Musik und Jazz weiß“, sagt Helbock über seinen einstigen Lehrer, Mentor und heutigen Freund. Ein wahrer, aber viel zu oft als Geheimtipp gehandelter, Klavier-Hero, der schon 1987 mit Stan Getz auf Welttournee ging und seitdem mit dem “Who is Who” der Jazzszene gespielt hat – ob mit traditionellen Musikern wie Benny Golson oder Stanley Turrentine, Modern-Jazz-Größen wie Chris Potter, Joe Lovano oder Kenny Garrett, Free-Jazzern wie Dewey Redman und Don Cherry oder Funketeers wie Fred Wesley und Maceo Parker. 2001 verschlug es Madsen von New York aus nach Österreich, wo er auf den damals 16-jährigen Helbock traf und ihn unter seine Fittiche nahm. Weshalb Madsen bei „Austrian Syndicate“ neben den Klavierparts sozusagen auch die Rolle des zweiten Bandleaders übernommen hat und als Komponist hervorsticht. Auch Raphael Preuschl und Herbert Pirker sind langjährige Weggefährten von David Helbock und seit über 20 Jahren als eingespieltes Team das gefragteste Bass-Schlagzeug-Gespann in Wien. Preuschl hat sich überdies die ungewöhnliche Bassukulele zu eigen gemacht. Der ebenso vielseitige Pirker sitzt unter anderem in Österreichs Sensationsband Shake Stew am Schlagzeug. Perkussionist Claudio Spieler hat beim afghanischen Meistertrommler Hakim Ludin studiert und gastiert mittlerweile auf den großen Bühnen mit Konstantin Wecker oder Martin Grubinger. Schließlich verleihen außergewöhnliche Gäste dem Album internationalen Glanz und weltmusikalisches Kolorit. Mit dabei sind Portugals große Stimme Maria João; Der Perkussionist Alex Acuña, welcher einst mit Zawinul bei Weather Report spielte; Der gerade erst für sein Album “Streets of Minarets“ gefeierte und vor ausverkauften Häusern spielende tunesische Sänger und Oud-Virtuose Dhafer Youssef; Funk-Mastermind und James-Brown-Weggefährte Fred Wesley; Und die Saxofonistin Lakecia Benjamin, aktuell vielleicht das heißeste Eisen im amerikanischen Jazz-Feuer.So ist es kein Wunder, dass dieses „Austrian Syndicate“ die wohl bunteste, universelle und multinationale Musik präsentiert, die Helbock bisher eingespielt hat. Schon der Einstieg mit Zawinuls „Money in the Pocket“ ist ein wilder Ritt durch elektronisch überwölbte, von Alex Acuña angetriebene und zwischendurch von einer Groove-Passage unterbrochenen, Latin-Rhythmik. Die von Helbock, Madsen und Dhafer Youssef improvisierten, ineinander übergehenden Wien-Reminiszenzen „Hymn to Vienna“ und Madsens „The Third Man“ bewegen sich von geheimnisvollen Arabesken zu einem klassischen Fusion-Stück. Auf seiner „Ballad for Schönenbach“ lässt Helbock den Synthesizer wie eine Panflöte klingen, auf „Grundbira Dance“ wiederum im Kontrast zu indischem Konnakol-Sprechgesang nach Tangerine Dream und Genesis. „The Ups and Downs“ erinnert an den Acid-Jazz der Neunzigerjahre, auch dank Lakecia Benjamins großartigem Saxofon. Sphärisch schwebt „Adventure“ daher, der Funk dominiert bei Preuschls Stück „Dinde et Dindon“ und mischt sich bei Fred Wesleys Posaunen-Solo auf „Crimson Woman“ mit Prog-Rock-Gebilden a la King Crimson. Lyrisch und ruhig wird es bei Madsens „We Need Some Help Down Here“, während sein „Nuyorican“ dann als Latin mit gehöriger Groove-Infusion daherkommt. Noch extravaganter geht es ins Finale, wenn Mozarts „Komm, lieber Mai und mache“ durch Maria Joãos verspielte Vokalisen zur afro-karibischen Hymne wird. Grenzenloser Fusion-Jazz mit unwiderstehlichem Groove – Helbocks „Austrian Syndicate“ steht und spielt für die ganze Welt. Credits:Produced by David Helbock

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Resonanzen
Johanna Summer - ResonanzenCD / Vinyl / digital Johanna Summer piano Mit ihrer improvisatorischen Annäherung an die „Kinderszenen“ Robert Schumanns verblüffte und begeisterte die Pianistin Johanna Summer Anfang 2020 Zuhörer:innen, Medien und Kolleg:innen aus verschiedensten Richtungen gleichermaßen. Klassik-Star Igor Levit schwärmt über das Debütalbum „Schumann Kaleidoskop“: „Johanna Summer ist eine herausragende Jazzpianistin. Sie ist so zentriert und bei sich, geht so souverän und frei mit dem Material um und trifft doch die ganze Zeit ihren eigenen Ton.“ Piano-Poet Malakoff Kowalski findet die Musik schlicht „skandalös gut“ und zeigt sich „hingerissen und verblüfft von einer Künstlerin, die furchtlos der Musik folgt.“ Und Jazz-Ikone Joachim Kühn konstatiert: „Johanna Summers Musik ist voller Fantasie und ohne Kategorie. Von der europäischen Klassik kommend, mit wundervollem Anschlag schafft sie etwas Vollkommenes, Eigenes.“ „Resonanzen“ erweitert und vertieft Johanna Summers ganz eigenen Ansatz des improvisatorischen Weiter-Erzählens der Musik klassischer Komponisten. Das Album spannt einen weiten Bogen, ausgehend von Bach über Beethoven, Schubert, Tschaikowski, Grieg und Ravel bis zu Skrjabin, Mompou und Ligeti. Summers tiefe Durchdringung der beiden Welten Komposition und Improvisation hat ihren Ursprung in ihrer musikalischen Entwicklung. In der Kindheit und Jugend beschäftigte sie sich am Klavier viel mit klassischer Musik und kam erst später, dann aber mit starkem Fokus, zum Jazz und dem Freien Spiel. Und auch wenn die klassischen Grundlagen bestehen blieben, musste sie sich für „Schumann Kaleidoskop“ und „Resonanzen“ viele Fertigkeiten neu erarbeiten. Sie sagt: „Mir war es sehr wichtig, zunächst die Originalstücke in verschiedenen Facetten wie Tonarten oder Phrasierungsmöglichkeiten zu beherrschen und ihre Form und Klangsprache wirklich zu verstehen. Das ist bei Resonanzen besonders anspruchsvoll, da die Stücke sehr unterschiedliche spielerische Anforderungen stellen. Gleichzeitig sind auch Improvisation und Ideenfindung Fähigkeiten, die man permanent üben und entwickeln muss, damit die Musik fließen kann und lebendig bleibt. Diesen zwei Seiten gerecht zu werden und eine Balance zwischen ihnen zu finden, ist für mich wirklich eine Lebensaufgabe.“Welche Herausforderung dies darstellt, zeigt die Tatsache, dass „Resonanzen“ zweimal, mit sehr unterschiedlicher Herangehensweise, aufgenommen wurde, bevor die Musik so natürlich und schlüssig klang, wie sie es jetzt tut. Johanna Summer erinnert sich: „Für die erste Session hatte ich alles akribisch vorbereitet und bin mit einer sehr perfektionistischen Einstellung ins Studio gegangen. Und mit der Erwartungshaltung, dass das neue Album unbedingt besser werden müsste als der Vorgänger. Im Prozess des Spielens habe ich dann viel zu viel bewertet und nachgedacht. Das hat mir die Räume so eng gemacht, dass ich mich permanent durch sie hindurchpressen musste. Dem Ergebnis hat man diese Haltung angehört und ich dachte mir, dass ich es der Musik eigentlich schuldig bin, nochmal ganz von vorn zu beginnen.“ Und so fand eine zweite, zuvor ungeplante Studiosession in einer Konzert-Atmosphäre statt: Zwei Durchläufe, ohne Unterbrechungen, vor einem kleinen, ausgewählten Publikum, für das Johanna Summer, stellvertretend für die Hörer:innen des Albums, spielte. „Das hat den entscheidenden Unterschied gemacht“ erinnert sie sich. „Das Gefühl, für Zuhörer im Saal zu musizieren, machte etwas mit mir. Endlich konnte ich befreit spielen, weil ich wusste, dass ich sowieso nicht aufhören und nachbessern kann. Und es zulassen konnte, dass bestimmte Dinge einfach passieren und ihren Lauf nehmen.“ Es scheint, als ginge Johanna Summer nie den einfachen Weg. Schon die Wahl des anspruchsvollen Piano-Solo-Formats für ihr Debüt und die Weiterentwicklung auf „Resonanzen“ sind Beleg dafür. Und erst recht die Tatsache, dass es sich eine junge Künstlerin in den Kopf gesetzt hat, sich gekonnt in zwei musikalischen Disziplinen zu bewegen, von denen jede für sich schon eine Herausforderung darstellt. Es ist erstaunlich, wie souverän dieser Spagat auf „Resonanzen“ gelingt. Johanna Summers Spiel wirkt so selbstbewusst, so lebendig und seelenvoll. Und hinter jeder Abbiegung wartet wieder eine neue Überraschung.Credits: Produced by Andreas Brandis & Emanuel Uch

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Where You Wish You Were
Bill Laurance & Michael League - Where You Wish You WereCD / Vinyl / digital Bill Laurance acoustic piano and voice Michael League oud, fretless acoustic guitar bass, fret-less baritone electric guitar, ngoni and voice Man kann kaum über Michael League und Bill Laurance sprechen, ohne Snarky Puppy zu erwähnen. Der amerikanische Bassist und Multi-Instrumentalist Michael League gründete das weltweit gefeierte, vierfach GRAMMY-prämierte Kollektiv vor knapp 20 Jahren. Und fast genauso lang ist der britische Pianist und Keyboarder Bill Laurance Teil dieses globalen Abenteuers. Dass League und Laurance mit „Where You Wish You Were“ ihr erstes gemeinsames Duoalbum vorlegen, scheint überraschend und folgerichtig zugleich. Besonders mit Blick auf Michael League, der hier, anders als mit Snarky Puppy, vor allem an der Oud und anderen akustischen Saiteninstrumenten zu hören ist und betont: Wir sind so viel mehr, als der Teil der populärsten Band, der wir angehören.“ Und Bill Laurance fügt hinzu: "Ein gemeinsames Album war nur eine Frage der Zeit. Michael und ich sind seit 20 Jahren eng befreundet und haben in so vielen verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet - mit Snarky Puppy, meiner eigenen Band und mit anderen Künstler:innen. Und so kennen wir einander in- und auswendig und es fühlt sich extrem natürlich an, zu zweit zu spielen.“ Anders als mit dem Großprojekt Snarky Puppy, welches jüngst unter anderem die Londoner Wembley Arena füllte, waren Laurance und League für das gemeinsame Duo schier besessen von der Idee der Reduktion. Die Aufnahmen boten eine lang ersehnte Gelegenheit, die Intimität, Zerbrechlichkeit und die Klarheit der Beziehung zwischen zwei Musikern zu erkunden. "Michael und ich wurden lange vor allem von der Idee angetrieben, Grenzen zu verschieben. Das ist wichtig, aber dieses Album ist anders." erinnert sich Laurance. "Jede einzelne kompositorische Idee hat ein großes Gewicht, und alles hat einen ganz bestimmten Zweck. Es gab keine Rhythmusgruppe, hinter der man sich verstecken konnte, es ging wirklich nur um Melodie und Harmonie. Und wir haben instinktiv versucht, einen Ort zu kreieren, an den die Hörer:innen gerne besuchen, der sich friedlich, sicher und warm anfühlt. Denn wir haben das Gefühl, dass es heute, vielleicht mehr denn je, ein Bedürfnis nach solchen Orten gibt." Was neben dem Duo-Format mit seinem reduzierten, konzentrierten Ansatz besonders überrascht, sind die klanglichen und stilistischen Zutaten der Musik. Bill Laurance, der sonst häufig auf eine Verbindung aus Piano und einer Vielzahl von Synthesizern und orchestralen Arrangements setzt, fokussiert sich hier auf den Sound des akustischen und nur mit etwas dämpfendem Filz präparierten Flügels. Und Michael League, sonst vor allem als von Jazz und Groove befeuerter E-Bassist bekannt, spielt hier eine Reihe von meist bundlosen Saiteninstrumenten mediterranen und orientalischen Ursprungs - allen voran die Oud, aber auch speziell für ihn konstruierte, akustische und elektrische Gitarren sowie die westafrikanische Laute „Ngoni“. Alles Instrumente mit einer gesanglichen Qualität und Möglichkeiten der Intonation, die weit über klassische westliche Vorstellungen von Intervallen und Harmonien hinaus gehen. Die musikalische Nähe zum mediterranen Raum begleitet Michael League seit seiner Kindheit und ist noch mehr geprägt durch seine heutige Wahlheimat Spanien: "Meine Familie ist griechischer Abstammung und mein Bruder ist ein Spezialist für griechische Volksmusik. Und so hielt ich zum ersten Mal eine Oud in der Hand, als ich als 14-Jähriger in dessen Zimmer schlich. In unserem Elternhaus spielte immer griechische und türkische Musik und in den letzten knapp zehn Jahren habe immer wieder die Türkei besucht, um mehr über die Musik der Region zu lernen. Ich liebe es, Oud zu spielen, aber da ich nie wirklich Unterricht genommen habe, ist meine Beziehung zu dem Instrument etwas unausgereift. Mein Oud-Mentor, der große armenisch-amerikanische Musiker Ara Dinkjian, hat jedoch darauf bestanden, dass ich meine Stimme auf dem Instrument ohne formale, traditionelle Studien weiterentwickle. Ihm gefällt die unkonventionelle Art, mit der ich es spiele - fast wie eine Blues-Slide-Gitarre. Und er ist gespannt darauf, zu sehen, was passiert, wenn ich diesen Weg weiterverfolge." Und so ist “Where You Wish You Were” kein World-Jazz-Fusion-Album geworden und war auch nie als solches angelegt. "Bill und ich sind uns darüber im Klaren, dass dieses Projekt nichts mit der Nachahmung regionaler, lange gewachsener Stile zu tun hat", betont League. "Wir wollen etwas schaffen, das einzigartig ist, auch wenn es bestimmte Elemente etablierter Musikgenres enthält." Und so ist es wie so oft in der musikalischen Welt, die man heute als „Jazz“ bezeichnet: Der Kosmos der persönlichen, musikalischen und klanglichen Einflüsse der beiden Musiker dienen nicht der Abgrenzung oder Kategorisierung, sondern vielmehr als Vokabular für einen eigenen, unverwechselbaren Ausdruck. Und es schafft mit seinen ganz auf Melodie, Harmonie und Raum fokussierten Kompositionen, seinem warmen Klang und dem beseelten Spiel der beiden Akteure einen Ort, an den man sich beim Hören nur allzu gerne hinträumt und immer wieder zurückkehrt. Credits: Produced by Bill Laurance and Michael League Cover art "Opus 18" by Nadia Attura

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Pasodoble
Lars Danielsson - PasodobleCD / Vinyl / digital Lars Danielsson cello, bass Leszek Mozdzer piano, celesta, harmonium Der schwedische Komponist, Arrangeur, Bassist und Cellist Lars Danielsson hat auf ACT bereits drei Alben unter eigenem Namen eingespielt, ist auf zahlreichen weiteren ACT-Veröffentlichungen als Sideman zu hören und zeichnete als Produzent für das aktuelle Album der Sängerin Viktoria Tolstoy Pictures of Me verantwortlich. Lars Danielsson ist ein Musiker von erstaunlicher Bandbreite. Ursprünglich hörte er Rockmusik von Jimi Hendrix, Cream und Santana, während er zu gleichen Zeit klassisches Cello am Konservatorium in Göteborg studierte. Dann sah er im Fernsehen ein Konzert mit Oscar Peterson und dem dänischen Bassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen: Das war der Beginn seiner Wandlung und von nun an trat für ihn der Bass an die erste Stelle. Mit seinem neuesten Werk Pasodoble (ACT 9458-2) legt er nun ein spannendes Duo-Album mit dem Polen Leszek Możdżer vor, der als der erfolgreichste und vielseitigste Jazz-Pianist seines Landes gilt. Bei ACT war er bereits auf der als Introduktion zu der Reihe "Piano Works" konzipierten Compilation Romantic Freedom (ACT 9749-2) mit einer Komposition zu hören. Lars Danielsson und Leszek Możdżer trafen sich zum ersten Mal vor vier Jahren bei einem Konzert in Warschau. Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Inzwischen haben sie gemeinsam zwei erfolgreiche Alben mit dem israelischen Perkussionisten Zohar Fresco in Polen veröffentlicht: „The Time“ und „Between us and the Light“ und waren auch mit Danielssons letztem Projekt Mélange Bleu (ACT 9604-2) gemeinsam auf Tour. Es war nur eine Frage der Zeit, wann Lars und Leszek ein intimes Duo-Album einspielen würden. Ein harmonisches und zeitloses Werk ist entstanden, das den Hörer sofort in seinen Bann zieht. Die Symbiose zwischen den beiden ist frappierend. „Leszek ist für mich der perfekte Pianist. Musikalisch gesehen sind wir einfach vom selben Planeten. Wir haben angefangen, diese Aufnahme zu planen, nachdem wir auf einer Tour hin und wieder Stücke im Duo gespielt haben. Siegfried Loch hatte dann die Idee, ein reines Duo-Album aufzunehmen. Nur Klavier und Bass – eine intensive Beziehung! Diese Art zu spielen ist für mich wie ein Traum. Mit Leszek habe ich das Gefühl, jederzeit in die Richtung gehen zu können, in die mich die Musik gerade führt. Ich hoffe, Sie als Zuhörer haben daran genauso viel Freude wie ich.“ (Lars Danielsson) Leszek Możdżer ist ein außergewöhnlicher Musiker und Komponist, der in seiner Heimat schon zahlreiche Preise gewonnen hat. Seit seinem fünften Lebensjahr spielt er Klavier, aber erst mit 18 Jahren entdeckte er den Jazz für sich und begann ihn mit Klassik zu verknüpfen. Hochgeschätzt sind seine Improvisationen über Melodien von Frédéric Chopin. Wenn er nicht im Studio oder auf Tournee ist, arbeitet er auch mit den beiden berühmten Film-Komponisten Zbigniew Preisner, dem langjährigen Partner von Krzysztof Kieslowski („Drei Farben“- Trilogie) oder dem jüngst Oscar-prämierten Jan Kaczmarek („Wenn Träume fliegen lernen“) zusammen. Natürlich hat Mozdzer auch bereits mit vielen Stars der internationalen Jazzszene, wie Pat Metheny, Archie Shepp, Tomasz Stańko, Joe Lovano u.v.a. gespielt. Und was haben Pink Floyd und Leszek Możdżer gemeinsam? Auf David Gilmour’s letztem Album „On An Island“ ist der Pianist mit zwei Songs vertreten… „Seit unserem ersten Gig hatte ich das Gefühl, das Lars genau der Bassist ist, mit dem ich spielen möchte. Wenn er dabei ist, brauche ich nicht über die Musik nachzudenken, ich kann sie einfach fühlen. Ob Sie’s glauben oder nicht, ich war ein wenig nervös, bevor wir als Duo ins Studio gingen. Ich hatte das Gefühl, dass wir irgendein Konzept bräuchten, dass es uns gelingen müsste, eine Art magischer Aura zu schaffen, um nicht zu angestrengt oder gekünstelt zu wirken. Aber Lars lächelte nur und sagte: „Wir werden Musik spielen, das ist alles“. Diese Erfahrung inspirierte mich und gab mir ein solches Selbstvertrauen, dass ich am selben Abend im Hotelzimmer noch zwei Stücke komponierte. Sie sind beide auf dem Album. Wenn ich mit Lars musiziere, spiele ich viel besser als sonst. Ich hoffe wirklich, dass diese Zusammenarbeit dauerhaft sein wird.“ (Leszek Możdżer) Beide Musiker sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Ihre große Bewunderung füreinander lässt sich auf ihrem ersten Duo-Album klar erkennen. Wer den einen oder anderen Standard erwartet hat, sieht sich überrascht. Aus Bass und Klavier wuchsen so viele Ideen, dass mit Ausnahme eines Stücks - den traditionellen Folksong „Eja Mitt Hjärta“ hat der Schwede speziell für dieses Album arrangiert - alle Titel Eigenkompositionen von Lars oder Leszek sind. Eine musikalische Ehe, die eine lange gemeinsame Zukunft verspricht. Credits: Produced by Lars Danielsson and Leszek Mozdzer

Ab 17,50 €*
HOME.S.
Esbjörn Svensson - HOME.SCD / Vinyl / Colored Vinyl / digitalEsbjörn Svensson pianoEs gibt in jeder Musik Figuren, die mit ihren Werken ein Genre als Ganzes beeinflussen. Im Jazz trifft dies zweifellos auf den Schweden Esbjörn Svensson zu. Mit e.s.t. Esbjörn Svensson Trio prägte der Pianist und Komponist nachhaltig ein neues Verständnis des Pianotrios und begeisterte ein weltweites Publikum jenseits von Alters- und Genre-Grenzen. Sein Einfluss hallt bis heute, bereits in der zweiten und dritten Generation von Musiker*innen, nach. Und auch beim Publikum ist Svensson unvergessen. HOME.S. ist Esbjörn Svenssons einziges Soloalbum und die Existenz einer solchen Aufnahme und ihre Entdeckung über ein Jahrzehnt nach ihrer Entstehung, sind nicht weniger als eine Sensation. Svensson fokussierte seine Schaffenskraft und Aufnahmetätigkeit seit Anfang der 90er Jahre fast ausschließlich auf die Arbeit mit e.s.t.. Somit sind die nun vorliegenden Aufnahmen nicht nur die ersten, sondern praktisch die einzigen, die Svensson in einem anderen Setting als dem des Trios zeigen: Intim, konzentriert und ganz bei sich.Die Musik von HOME.S. entstand in Esbjörn Svenssons Haus in Schweden, nur wenige Wochen vor seinem plötzlichen Tod am 14.6.2008. Fast zehn Jahre lang ruhte die Musik danach ungehört im persönlichen Archiv seiner Frau Eva Svensson. In diesem Interview erzählt sie die Geschichte der Musik und ihrer Entdeckung: Wie genau hast Du diese Musik gefunden? Nach Esbjörns Tod habe ich dafür gesorgt, dass der gesamte Inhalt seines Computers auf Festplatten gesichert wurde. Diese blieben danach für die nächsten zehn Jahre lang unberührt. Als ich mich schließlich bereit fühlte, mich mit dem Material zu befassen, wurde mir schnell klar, dass darin etwas Besonderes verborgen war. Ich nahm die Festplatten und fuhr nach Göteborg, um mich mit Åke Linton zu treffen, dem Tontechniker, der an allen e.s.t.-Alben und Live-Shows gearbeitet hatte. Er war es auch, der mir ursprünglich geholfen hatte, das Material von Esbjörns Computer zu sichern. Er wusste also wahrscheinlich schon, dass dort etwas versteckt war, aber niemand hatte es sich angehört. Wir gingen also in sein Studio. Und wir drückten den Play-Knopf. Während Musik lief, schwiegen wir. Und auch nachdem sie zu Ende war, konnten wir zunächst nichts sagen, weil wir beide so gerührt und überrascht waren – darüber, dass die Musik existierte und so wunderschön war. Die Stücke schienen einander zu folgen wie Perlen auf einer Kette. Nachdem wir eine Weile nur dagesessen hatten, waren wir uns einig: Das ist wirklich gut. Musikalisch, aber auch klanglich. Zuerst war sich Åke nicht sicher, ob Esbjörn das Album zu Hause und ganz allein aufgenommen hatte. Also rief er in verschiedenen Stockholmer Studios an mit denen Esbjörn regelmäßig gearbeitet hatte und fragte sie, ob er dort gewesen sei und etwas aufgenommen habe, aber niemand wusste etwas. Was ich wusste, war, dass er ein paar sehr gute Mikrofone gekauft und von Åke gelernt hatte, wie man sie benutzt. Und so verstand ich schließlich, dass diese Musik im Keller unseres Hauses gespielt und aufgenommen worden sein musste.Es war also niemand bei ihm? Er hat das alles ganz alleine gemacht? Er war ganz alleine. Im Nachhinein haben mich die wenigen Leute, denen ich schließlich von der Aufnahme erzählt habe, gefragt, ob ich etwas geahnt hätte. Was ich wusste, war, dass Esbjörn ständig gearbeitet hat. Er war im Keller und ich konnte ihn spielen hören. Aber für mich warf das keine Fragen auf. Macht er etwas? Ja, natürlich macht er etwas, wie immer. Er probt, übt, komponiert. Ich wusste auch, dass er sich danach sehnte, Zeit zu haben, um zu komponieren und in neuen Konstellationen zu spielen. Aber ich hatte keine Ahnung, dass es dabei um Soloaufnahmen ging. Nur wenige Wochen nach diesen Aufnahmen starb Esbjörn und alles nahm plötzlich eine andere Wendung. Ich konnte mich nicht auf Musik konzentrieren. Das Leben hatte sich plötzlich so dramatisch verändert. Für mich und für uns war es nicht nur Esbjörn, der Musiker, sondern auch mein Mann und der Vater der Kinder, der weg war. Damit mussten wir zurechtkommen und einen Weg finden, ohne ihn zu leben. Alles, was ich damals tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass das gesamte Material, an dem er gearbeitet hatte, sicher aufbewahrt wurde. Wann hast Du die Musik zum ersten Mal gehört? Ich glaube, das war 2017 oder 18, vielleicht. Das war wirklich das erste Mal? Ja, das erste Mal. Nach fast zehn Jahren. Und du hattest bis dahin alles sicher und unangetastet aufbewahrt? Technisch gesehen, ja... Naja, ich weiß nicht, ob es so sicher war. Die Festplatten waren im Wohnzimmerschrank. *lacht* Aber sicher genug, damit diese Musik nun ihre Hörer und Hörerinnen erreicht. Wie haben Sie sich entschieden, dass die Zeit reif ist, die Aufnahmen mit der Öffentlichkeit zu teilen? Es war keine wirkliche Entscheidung. Als ich die Musik hörte, habe ich einfach verstanden, dass es für mich wichtig war sie mit Anderen zu teilen. In Form eines Albums, aber auch in öffentlichen und virtuellen Räumen, in denen sich Menschen treffen, um gemeinsam Esbjörns Stimme zu hören. Weißt du, wie das Repertoire des Albums entstanden ist? Wurde irgendetwas davon vorher komponiert oder denkst du, dass alles komplett improvisiert ist? Ich denke, dass Esbjörn vor den Aufnahmen Stücke geschrieben hat. Zumindest bin ich sicher, dass es Skizzen gab. Ich glaube nicht, dass er sich einfach hingesetzt und von Anfang bis Ende improvisiert hat. Das war schlicht nicht seine Art zu arbeiten. Es gibt noch eine Menge Noten aus seiner Feder und ich bin mir sicher, dass einiges davon mit dieser Aufnahme zusammenhängt. Aber ich war nicht in der Lage, sie alle durchzusehen. Noch nicht. Die Stücke des Albums sind nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt und ein Grund dafür ist Esbjörns Leidenschaft für die Astronomie. Etwas, das auch eines der beliebtesten Stücke von e.s.t. inspiriert hat: From Gagarin's Point of View. Da ist dieses Gefühl, weit weg von allem zu sein, in der Schwerelosigkeit mit einer völlig anderen Perspektive. Und gleichzeitig in großer Gefahr. Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Gagarins Abenteuerlust und sein Drang, neue Orte zu besuchen, für ihn viel aufregender gewesen sein müssen, als seine Angst vor dem Tod. Diesen Sprung ins Universum zu wagen und dieses Risiko einzugehen, anstatt einfach zu Hause zu bleiben. In musikalischer Hinsicht war Esbjörn genauso und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Sterne und der Weltraum so eine große Sache für ihn waren. Gleichzeitig erinnere ich mich, dass er sagte, er bedauerte es in gewisser Weise, mehr darüber gelernt zu haben, weil für ihn so ein Teil des Geheimnisses verloren ging. Esbjörn war immer sehr daran interessiert, Dinge zu erforschen, über die er nicht so viel wusste und dann zu versuchen, herauszufinden, wie sie funktionieren und sie in Beziehung zu setzten. Sowohl im Leben, als auch in der Musik. Das begann schon in seiner Kindheit zusammen mit Dan und Magnus, mit denen er später e.s.t. gründete. Sie hörten etwas, wussten aber weder, was es genau war, noch wie es funktionierte. Sie trafen sich oft gemeinsam in Esbjörns Haus, spielten herum, erkundeten und fanden Dinge heraus – ohne Hilfe von außen und ohne zu wissen, was genau sie da taten. Irgendwelche abschließenden Gedanken? Diese Musik ist wie eine Nachricht, die es auf die andere Seite geschafft hat. Und sie ist wie Esbjörns Stimme in einem Raum. Niemand anderes könnte so spielen. Es ist seine Stimme und sie hat immer noch etwas zu erzählen. Ich habe die Chance, sie die Menschen hören zu lassen und ich habe das Gefühl, dies gemeinsam mit ihm zu tun. ….Danke, Esbjörn. Das ist wunderschön. Credits: Music composed, recorded, mixed and produced by Esbjörn Svensson in spring 2008 Executive Producer: Eva Svensson Mastered by Åke Linton, Eva Svensson and Classe Persson at CRP Recording AB

Ab 18,90 €*
Ghosts
Michael Wollny Trio - GhostsCD / Vinyl / digital Michael Wollny piano Tim Lefebvre bass Eric Schaefer drums “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ Brendan Kennelly „Als Improvisator spielt man oft nicht die Kompositionen, sondern vielmehr seine eigenen Erinnerungen an diese. Und diese Erinnerungen kommen im Moment des Spielens wieder zu einem zurück und setzen so ihre Existenz im Hier und Jetzt fort“, sagt Pianist und Komponist Michael Wollny. Man könnte auch sagen: Songs sind wie Geister. Das Album „Ghosts“ ist eine Zusammenkunft einiger dieser Geister, die Wollny regelmäßig heimsuchen. Und wie immer bei Wollny reicht deren Spanne von Klassikern wie Franz Schuberts „Erlkönig“ über Jazz-Standards, Filmmusik, brüchige Lieder eines Nick Cave oder der Band Timber Timbre bis zu dunkel schillernden Eigenkompositionen. Neben seinem Faible fürs Schaurige und Fantastische spielt für Wollny dabei auch der Begriff der „Hauntology“ eine übergeordnete Rolle. Ein Begriff, der seit geraumer Zeit in der Debatte um jene Popmusik herumspukt, die mit geisterhaften Klängen Erinnerungen an längst Vergangenes, Vergessenes und Gespenstisches weckt. Wollny: „Diese Perspektive, diese Klänge und nicht zuletzt der Begriff an sich haben mich in den letzten Monaten enorm interessiert - bis hin zu der Idee, ein Klaviertrio-Album zu produzieren, das sich mit dem Thema beschäftigt.“ Ein Geister-Album also, das sich in die Tiefen von bewussten und unbewussten Erinnerungen wagt und in Geschichten stöbert, die in der Vergangenheit entstanden und Schatten auf die Gegenwart werfen. Und von freundlichen Geistern erzählt, die uns umgeben, aber auch von bösen Gespenstern, von denen wir meinten, sie würden nie wieder zurückkehren. Die Besetzung von „Ghosts“ knüpft an die des Albums „Weltentraum“ an, welches man heute als einen Klassiker in Wollnys Diskographie bezeichnen kann und das seinen Ruf als einen Künstler festigte, „der aus jeder nur erdenklichen Musik, ein Erlebnis macht, das einem den Atem nimmt“ (Die Zeit). Mit dem US-amerikanischen Bassist Tim Lefebvre, der schon der Musik von David Bowie, Wayne Krantz oder Elvis Costello seinen ganz speziellen Sound und Vibe verlieh, begab sich Wollny zuletzt auf das Abenteuer des international vielbeachteten Projektes „XXXX“. Wollny sagt: „Wenn man mit Tim arbeitet, arbeitet man nicht nur mit einem der weltbesten Bassisten - Tim steht immer mit einem Fuß in der Welt des Soundprocessing und erweitert fortwährend sein elektronisches Instrumentarium. Darüber hinaus schafft er eine große musikalische und klangliche Klarheit und diese hat einen unglaublich ordnenden Effekt auf die gesamte Musik, ohne dass sie einen jemals einschränken würde.“ Mit Schlagzeuger Eric Schaefer spielt Wollny seit fast 20 Jahren zusammen. Wie Lefebvre ist auch dieser ein Original, ein Musiker mit einem ganz eigenen, fast schon orchestralen Ansatz, unverkennbaren Groove und beeindruckender Individualität. „Diese spezielle Konstellation macht einfach etwas mit uns dreien und hat einen gewichtigen Effekt“, so Wollny. „Nicht zuletzt verbindet uns eine lange gemeinsame Zeit und ein spezifischer Sound im Trio, den wir jetzt in eine ganz neue Richtung weiterentwickeln.“ Das Trio erzeugt auf „Ghosts“ ein Klangbild, der besonders in der Tradition der Welt des „Southern Gothic“ steht: Tief, erdig, voller schwingender, rasselnd tief gestimmter Saiten und Felle, in Reminiszenz an halbkaputte Gitarren-Amps, verzerrte Lautsprecher-Membranen, an Schwüle, Staub, Schwere. Vor den eigentlichen Aufnahmen zu „Ghosts“ stand noch ein weiteres Trio, bestehend aus Michael Wollny und den beiden Co-Produzenten Andreas Brandis und Guy Sternberg. Brandis, auch schon stark in das Konzept von „XXXX“ involviert, brachte die Idee eines Song-Albums und den passenden personellen Rahmen auf den Tisch. Und Sternberg, mit dem Wollny u.a. schon für sein stark von Sound und Studioarbeit geprägtes Album „Wunderkammer“ zusammenarbeitete, schuf als Toningenieur den Klang, der den Ausgangspunkt bilden sollte. Wollny: „Noch bevor die Setlist für das Album feststand, hatte ich einen ganz klaren Sound im Kopf, den wir vorab ausgiebig mit Guy und Andreas diskutiert haben.“ Die Hall-Fahnen, ätherischen Synthesizer-Sounds, lange klingenden Becken, Trommeln und Saiten bilden dabei den stimmungsvollen musikalischen Bühnenraum für das Trio im neuen Gewand. Manchmal stehen nur noch die akustischen und elektronischen Echos und überhängenden Sounds im Raum und entwickeln ihr eigenes, geisterhaftes Leben, vom ursprünglichen Klangimpuls entkoppelt - manchmal spuken sie kaum hörbar unter der Oberfläche.  Eines haben alle Tracks des Albums gemeinsam: Sie sind Momentaufnahmen im Leben der einzelnen Songs. Wollny: „Gerade im Jazz gibt es nicht die eine, definitive Version eines Stückes. Speziell Standards suchen einen im besten Sinne des Wortes immer wieder heim, sind nie fertig und tauchen immer wieder auf.“ Und so beziehen sich Wollny, Lefebvre und Schaefer bei den Klassikern „I Loves You Porgy“ und „In a Sentimental Mood“ nicht primär auf die ursprünglichen Kompositionen, sondern vor allem auf den Nachhall der Versionen von Nina Simone und John Coltrane/ Duke Ellington. Noch älter als in Jazzstandards sind die Geister, die Folk Songs bevölkern und immer wieder erscheinen, wenn diese Songs gesungen werden. Wie im traditionellen, irischen Volkslied „She Moved Through the Fair“, das beinahe prototypisch zeigt, dass alle Ghost Stories zu einem großen Teil auch immer Love Stories sind. Ganz ähnlich wie der „Willow’s Song“ - ein verführerisches und gefährliches Liebeslied aus dem legendären Soundtrack für den Kino-Thriller „Wicker Man“, einem so merkwürdigen wie erschreckenden Klassiker des nordischen Grusel-Genres. Ebenfalls Folk-Horror und naturbezogen: Ein aufwühlendes Arrangement von Franz Schuberts „Erlkönig“. Dazu, in Referenz zum schwülen „Southern Gothic“: „Hand of God“ von Nick Cave &Warren Ellis, hörbar gewidmet Wollnys großem Vorbild und der „Hand Gottes“, Joachim Kühn. Dazu „Beat the Drum Slowly“ der Band Timber Timbre, einem Dauer-Favoriten Wollnys und „Ghosts“ von der Band Japan - einer klingenden Verkörperung genau der Themen, die das Album „Ghosts“ prägen: Melodien und Klänge als Heimsuchungen verdrängter Erinnerungen, verführerisch, anrührend, geheimnisvoll und tiefgründig. Zwei Original-Kompositionen reihen sich mühelos in die so heterogene wie schlüssige Playlist ein: Wollnys gleichnamiger Beitrag zur „Hauntology“, für ihn „ein Lied ohne Worte aus einer anderen, vergangenen oder seltsamen, parallelen Pop-Welt“ und „Monsters Never Breathe“ mit seiner sich ins Unendliche ziehenden Melodie, die sich nur singen ließe, ohne Luft zu holen.  “All the songs are living ghosts and long for a living voice“ schreibt Brendan Kennelly in einem seiner bekanntesten Gedichte – für Michael Wollny eine hintersinnige und abgründige Einsicht, die seine Faszination für die Magie der Lieder um eine schaurig-schöne Pointe ergänzt und deshalb wie als Motto über dieser Einspielung steht. Sprechen wir über Geister, dann schauen wir in das scheinbar Vergangene und rufen die Erinnerungen zurück in unser Leben. „Ghosts“ macht die Geister des Michael Wollny Trios hörbar. Credits: Recorded by Guy Sternberg at Clouds Hill Studio Hamburg, June 17 & 18, 2022 Assistant: Sebastian Muxfeldt Mixed and sound design by Guy Sternberg Additional sound processing & synths by Tim Lefebvre Mastered by Darius van Helfteren Produced by Michael Wollny Co-producers: Guy Sternberg and Andreas Brandis

Ab 18,90 €*
Potsdam
Iiro Rantala - PotsdamCD / Vinyl / digitalIiro Rantala pianoOb Solo, im Trio oder mit Orchester, als Opernkomponist, Jazzimprovisator oder tiefsinniger Interpret bekannter Popmelodien, der Finne Iiro Rantala ist ein Hansdampf in allen Gassen, und vor allem „ein genialer Pianist“, wie das Hamburger Abendblatt feststellt. „Er schafft es, Unterhaltung und Bedeutung, Eigenheit und Esprit in seine Musik zu packen“ (Ralf Dombrowski) und lässt die Grenzen verschwimmen. Spielerisch bewegt sich Rantala zwischen den Genres, und macht, was er am besten kann: Sein ganz eigenes Ding. Es ist dieser musikalische Horizont, der Rantala so heraushebt. Jazz beginnt für ihn nicht bei Armstrong oder Coltrane, sondern bei Bach, und er endet nicht bei üblichen Genregrenzen, sondern bezieht spielerisch leicht Klassik, Pop oder Rock mit ein. Mit stupender Technik, überbordender Fantasie und dem für ihn typischen Humor. Dem jeweiligen Thema entsprechend dominierten auf seinen bisherigen Alben jeweils einige seiner Qualitäten, den ganzen Iiro Rantala durfte man bei vielen seiner Solo-Konzerte erleben. So war ein Live-Album eines dieser Konzerte ein echtes Desiderat. Jetzt ist es da: „Potsdam“, mitgeschnitten ebendort im großartigen Nikolaisaal. Auf „Potsdam“ zeigen sich alle Facetten Rantalas künstlerischer Identität: eine Art Retrospektive auf vergangene Alben gepaart mit neuen Kompositionen, die der Finne in der gezwungenen Konzertauszeit während der Corona-Pandemie schrieb. Mit „Twentytwentyone“ beginnt der begnadete Melodiker Rantala das Konzert mit bittersüßen Noten: ein sentimentales, schwelgerischen Stück, das zwischen Melancholie und Hoffnung changiert und damit den Gemütszustand vieler Menschen im letzten Jahr in Töne einfängt. Hier und auch beim späteren „November“ (aus seinem „Finnish Calender“) zeigt sich Rantalas Vermögen aus einfachen Motiven ohne Scheu vor Pathos oder Hymnik große lyrisches Gemälde zu erschaffen. Bei „Time for Rag“ oder „Can You Be Bop?“ erleben wir den traditionsbewussten Virtuosen, der die klassischen Jazzklavier-Stile wie Ragtime, Stride oder Bebop fulminant in seine Klangwelt überführt. Auf „Peace“, ebenfalls eine Neukomposition, kann man eine Mischung aus klassischer Romantik und elegischem Nordic Sound hören. „Freedom“ demonstriert mit der Präparation des Flügels Rantalas experimentelle Seite – abgesehen von der unwiderstehlichen rhythmischen Wucht des Stücks. „Woman“ aus seinem John Lennon-Programm „My Working Class Hero“ unterstreicht Rantalas Ausnahmekunst, Altbekanntes, ja mitunter Allzubekanntes in einem völlig neuen, strahlenden Licht erscheinen zu lassen. Was in der Klassik-Adaption „Candide Overture“ in einem musikalischen Wirbelsturm mit viel Witz kulminiert. Mit der Zugabe „Somewhere“ hat es eine besondere Bewandtnis: Rantala spielte es spontan zur Erinnerung an den einen Tag vor dem Potsdamer Konzert gestorbenen Textdichter der „West Side Story“ Stephen Sondheim. Ein zu Tränen rührendes Meisterstück, das nicht nur für Rantalas Empathie, sondern auch für seine hohe Kunst der Improvisation steht. So zeichnet „Potsdam“ ein umfassendes, schillerndes Porträt des Künstlers Iiro Rantala. Eines Pianisten, der mit seinen universalen Fähigkeiten selbst Hörer überzeugt, die bisher glaubten, keinen Jazz zu mögen. Und wenn man Jazz als von der Energie im Raum mitgetragene Musik aus dem Augenblick für den Augenblick definiert, dann ist „Potsdam“ Rantalas bislang jazzigstes Album. Credits: Live in concert at Nikolaisaal Potsdam, 27.11.2021 Recorded, mixed and mastered by Martin Ruch Cover art by Karl Horst Hödicke: Rotes Eck, 1979 © Deutsche Bank Collection (The World on Paper)

Ab 18,90 €*
Stay Now
Joel Lyssarides - Stay NowCD / Vinyl / digital Joel Lyssarides piano Niklas Fernqvist bass Rasmus Blixt drums In seiner Heimat Schweden gilt Joel Lyssarides als der Piano-Rising-Star der Stunde. Und obwohl sein Name außerhalb Schwedens bislang vor allem Szene-Kennern Begriff sein dürfte, gehören die Aufnahmen des 1992 geborenen Pianisten bereits jetzt zu den meistgehörten des europäischen Jazz: Über 50 Millionen Mal wurden sie in den letzten Jahren allein auf dem Streamingdienst Spotify aufgerufen. Dahinter steckt kein musikalisches Kalkül, vielmehr folgte Lyssarides stets seiner Intuition. Er sagt: „So sehr wie ich mich auch freue, dass viele Menschen meine Musik offensichtlich sehr mögen und sie immer wieder hören wollen - der Impuls kommt immer aus mir selbst heraus. Ich und mein Piano, das ist Mittelpunkt meiner musikalischen Welt.“ Das ACT Debüt „Stay Now“, Joel Lyssarides drittes Album, ist ein schillerndes, eindringliches Spiegelbild dieser Welt. Und es macht deutlich: Die ist Zeit reif für den Schritt auf die internationale Bühne.  Man kann nur darüber staunen, was Joel Lyssarides im Alter von nicht einmal 30 Jahren musikalisch bereits erreicht hat: Zahllose Konzerte solo und mit seinem Trio, sowie Kollaborationen mit Jazz-, Klassik-, Blues- und Pop-Künstler*innen wie Posaunist Nils Landgren und Sängerin Viktoria Tolstoy, inklusive ihres aktuellen Albums „Stations“, aber auch mit dem YouTube-Phänomen „Dirty Loops“ oder der Mezzo-Sopranistin Anne Sofie von Otter. Bei aller Vielseitigkeit und Neugier ist der Jazz der Ausgangs- und Mittelpunkt von Joel Lyssarides‘ Schaffen. Seit der Kindheit liefen in seinem Elternhaus die Platten von Miles Davis, Charlie Parker und Thelonious Monk – die Initialzündung. Später folgen: Corea, Jarrett, Rubalcaba. Und: Studium an der Royal Academy of Music in Stockholm und dem Conservatorie di Santa Cecilia in Rom. In knapp zehn Jahren erhält Joel Lyssarides an die zwanzig Auszeichnungen, wie den Preis der schwedischen Komponistengesellschaft, den „Bengt Säve-Söderbergh Prisen“, den „Jan Wallander-Award“ und, im Jahr 2019 mit nur 26 Jahren, die Auszeichnung des Schwedischen Radios als Musiker des Jahres. Jazz, das ist für Joel Lyssarides vor allem ein Vokabular auf dem Weg zum ganz persönlichen Ausdruck. Die Stücke für „Stay Now“ hat er in einem abgelegenen Haus im Wald komponiert, eine gute halbe Stunde außerhalb von Stockholm. Bevorzugt nachts, in der Stille, Dunkelheit, Konzentration. Die Atmosphäre dieses Ortes spiegelt sich in der Musik, die stark von Raum, Klang und Stimmung geprägt ist, hörbar wider - verstärkt durch das hochkonzentrierte, differenzierte, subtile Zusammenspiel von Joel Lyssarides mit Bassist Niklas Fernqvist und Schlagzeuger Rasmus Blixt. Das schwedische Magazin Lira schreibt: „Obwohl das Konzept „Jazz“ bereits sehr weit gefasst ist, ist es doch zu eng für die Musik dieses Trios.“ Die drei jungen Musiker verbindet eine enorme Sensibilität und Ausdrucksfähigkeit, ausgehend von einem Vokabular, das sich gleichermaßen aus europäischer Klassik, Jazz dies- und jenseits des Atlantiks und der Tiefe und Zugänglichkeit großen Songwritings speist. Von Crossover jedoch keine Spur. Alles fließt und schwingt, nichts wirkt gewollt oder konstruiert, man hört in jeder Note ein natürliches Verständnis für die Grenzenlosigkeit der Musik. Und den selbstbewussten Drang, alles, was man spielt, in den Dienst des Ausdrucks in der Musik zu stellen. Das Spektakuläre in dieser Musik ist in den allermeisten Momenten verborgen im Innigen, Leisen, im Moment des fokussierten Innehaltens. Der so ist auch der Albumtitel „Stay Now“ vor allem eine Verneigung vor der Kostbarkeit des Hier und Jetzt, dem Wert von gegenwärtigen und verflossenen Begegnungen und dem Hinhören, Verweilen und im Moment Versinken.Credits: Produced by Joel Lyssarides Recorded by Joar Hallgren at Nilento Studio, Gothenburg, September 7-8, 2021 Sound design, mix and mastering by Lars Nilsson Cover art by Manfred Bockelmann

Ab 17,50 €*
Fado Jazz
Júlio Resende - Fado JazzCD / digital Júlio Resende piano Bruno Chaveiro portuguese guitar André Rosinha double bass Alexandre Frazão drums Lina vocals (on Profecia) „Seit 1992 formiert ACT seine eigene, musikalische, Europäische Union, fördert den Austausch zwischen Nationalitäten und Genres und vermittelt uns einen authentischen Eindruck davon, was diese Gemeinschaft ausmacht.“ Man könnte es kaum passender formulieren als die britische TIMES, wenn man über den neuen ACT Künstler, den portugiesischen Pianisten Júlio Resende spricht. Sein ACT-Debüt „Fado Jazz“ zeigt eine weitere, bisher kaum gehörte Seite des europäischen Jazz: Resende übersetzt den bittersüßen „Blues“, aber auch die hellere Seite der Fado-Musik seiner Heimat, in die Sprache des Jazz. Als wahrer Pionier auf diesem Gebiet ist Resende in Portugal bereits ein etablierter Künstler, füllt klassische Konzertsäle, führt mit seinen Aufnahmen die dortigen Pop-Charts an, arbeitet im Duo mit der klassischen Klavier-Ikone Maria João Pires und hat auf seinem Tribute Album „Amália por Júlio Resende“ mit der Fado-Legende Amália Rodri-gues ein posthumes Duett aufgenommen. Auch ist seine Musik Bestandteil von Serien auf HBO und Netflix. Die wichtigste spanische Tageszeitung „El Pais“ konstatiert über seine Musik als Leader: „Resendes Umgang mit Fado erinnert an das, was Keith Jarrett mit Jazzstandards macht“ und Alex Dutilh, renommierter Jazzjournalist aus Frankreich, sagt: „Júlio Resende, die neuste Entdeckung der portugiesischen Szene, ist auch die vielversprechendste und spielt auf Augenhöhe mit Pianisten wie Stefano Bollani oder Yaron Herman.“ Fado, das ist für die Portugiesen nichts Museales, sondern Musik-gewordenes Lebensgefühl, gelebte Historie und zugleich ständig in Bewegung. Von den Geschichten über den Schmerz der Mädchen und Frauen, wenn die Seefahrer den Hafen verließen, über die bittere Zeit des Salazar-Regimes, die Hoffnung der Nel-kenrevolution, bis zum lebendigen, weltoffenen Portugal von heute. Und so haben sich auch die Spielarten und die Rezeption des Fado gewandelt. Die Ikonen dieser Musik sind nationale Held*innen, die jungen Akteure erreichen ganz selbstverständlich ein Publikum ihrer Generation und öffnen den Fado für Einflüsse aus Pop und der Musiktradition anderer Kulturen. Und so ist auch Júlio Resendes Sicht auf den Fado aus dem Blickwinkel des Jazz zwar neu, aber absolut logisch. Seine Musik folgt keiner Crosso-ver-Intention, sondern ist ganz natürlicher Teil einer Entwicklung. Er sagt: „Ich weiß nicht, ob das, was ich mache, nun Fado oder Jazz ist. Vielleicht ist es beides. Ich will mich da nicht festlegen, denn wer sich festlegt, hört auf, sich zu entwickeln. Ich bewege mich lieber frei, wie der Klang.“ Fast alle Stücke auf „Fado Jazz“ sind Eigenkompositionen Júlio Resendes. Ein weiteres Indiz, dass es ihm nicht um Bearbeitung, sondern um Weiterentwicklung geht. Gleich der Opener „Vira Mais Cinco“ steht exemplarisch für diesen Ansatz. Da ist diese unwiderstehliche Melodie, der vertraute Klang der Guitarra Portuguesa, jenem Lauten-artigen Instrument, das zur traditio-nellen Fado-Besetzung gehört, und die eine einzigartige Klang-farbe aus Einflüssen Nordafrikas und Südeuropas erzeugt, welche für diese Musik so prägend sind. Aber da sind auch Klavier, Schlagzeug und Kontrabass, keineswegs klassische Fado-Charaktere, die aber so klingen und spielen, als hätten sie schon immer und ganz selbstverständlich dazu gehört. Und schließlich tänzelt das Stück im ungeraden 5/4 Takt, was ihm einen so ungewöhnlichen, wie organischen Dreh verleiht. Es sind diese Verbindungen, die Resendes Musik so neu und interessant, aber zugleich zugänglich und natürlich klingen lassen.Wenn es, neben den großen Stimmen und ebensolchen Gefühlen, eine Tugend gibt, die den Fado in seiner traditionellen, wie modernen Form weit über die Grenzen Portugals populär gemacht hat, dann sind es seine großen, oft tränentreibend-berührenden Melodien. Und von diesen gibt es auf dem Album „Fado Jazz“ reichlich: Balladen wie „Lira“, „Este Piano Não Te Esquece“, „All The Things - Alfama - Are“ oder der kreisende „Fado Blues“ und das schlicht umwerfend schöne „Tiro No Escuro“ spielen mit dem für Portugal so typischen Gefühl des „Saudade“, der Sehnsucht und Melancholie. Doch es gibt auch genauso viele bewegte, leichte Stücke wie „Vira Mais Cinco“, „Fado Das 7 Cotovias“ (im „krummen“ 7/4 Takt), das lebhafte „Fado Maior Improvisado“ oder das Boleroartige „Tiro No Escuro“. Und ganz am Ende erklingt doch noch eine Gesangsstimme, die der jungen und zugleich enorm populären portugiesischen Sän-gerin „Lina“, welche Júlio Resendes Komposition „Profecia“ mit magischem Ausdruck und ohne jeden Pathos zum Leuchten bringt.Credits: Recorded by André Tavares at Atlantico Blue Studios, July 2020 Mixed by André Tavares and Júlio Resende Mastering by André Tavares Produced by Júlio Resende

17,50 €*
Touch the Light
Joachim Kühn - Touch the LightCD / Vinyl / digitalJoachim Kühn piano„Vielleicht, wenn ich neunzig bin...“ lautete Joachim Kühns Antwort, als Produzent Siggi Loch ihm vor einiger Zeit vorschlug, ein Balladenalbum aufzunehmen. Der heute 76-jährige, international wohl einflussreichste deutsche Jazzer, scheint ja umso kreativer und produktiver zu werden, je älter er wird. „Mich interessiert nur noch meine Musik“, sagt er im fortgeschrittenen Alter gern, und tatsächlich war er damit ausgiebig beschäftigt, als Loch anfragte, zuletzt mit seinem neuen Duo mit dem jungen polnischen Geiger Mateusz Smoczyński und der Hommage an seinen langjährigen Weggefährten Ornette Coleman. Doch die Balladen-Idee wirkte nach und Kühn öffnete sich schließlich dem Thema. Dass er im Corona-Jahr mehr Zeit denn je in seinem Haus auf Ibiza verbrachte, seinem kreativen Rückzugsort, beflügelte die Sache noch: „Hier kann ich mit meinem wundervollen Flügel und meinem DAT-Recorder einfach eine Aufnahme machen, wenn ich will. Wenn das Gefühl kommt, nehme ich einfach auf“, erzählt Kühn. Über einen Zeitraum von rund fünfzehn Monaten schickte er rund vierzig Einzelspuren an Siggi Loch. Sozusagen als Destillat ist nun „Touch the Light“ entstanden – ein Balladen-Album, alleine am Klavier. Wobei jedes einzelne der 13 Stücke für Kühn eine besondere Bedeutung hat: „A Remark You Made“ von Joe Zawinul etwa führt ihn zurück zu einem Wendepunkt seiner Karriere: Zawinul war Juror beim Gulda-Wettbewerb 1966 in Wien, bei dem dem damals 22-jährigen Kühn die Flucht aus der DDR gelang. Gato Barbieris Thema aus „Der Letzte Tango in Paris“ erinnert nicht nur daran, dass Barbieri 1972 Kühn für den Soundtrack engagierte, sondern es ist auch eine Melodie, die er später unzählige Male in seinem erfolgreichen Trio mit Daniel Humair und Jean-Francois Jenny-Clark spielen sollte. Und das Allegretto aus Beethovens 7. Sinfonie rückt nicht nur einen Komponisten in den Vordergrund, dessen Musik Kühn immer tief beeindruckt hat, sondern auch die Tatsache, dass seine optische Ähnlichkeit mit Beethoven dazu führte, dass ihm seine Mitmusiker den Spitznamen „Beethoven“ gaben.Sein eigener Klassiker "Sintra" entstand während eines friedlichen Moments in einem Café im ehemaligen Heiligtum der portugiesischen Könige. Und der jüngst komponierte Titeltrack „Touch the Light“ fängt die Schönheit des Sonnenuntergangs über dem Meer ein, den Kühn oft, am Flügel sitzend, von seinem Musikzimmer aus betrachtet. Wenn es denn noch eines Beweises bedurft hätte, wie monolithisch und unverwechselbar Joachim Kühn in der Jazzwelt dasteht, „Touch the Light“ liefert ihn. Ganz alleine am Flügel und mit einem auf den ersten Blick stark einschränkenden Thema breitet Kühn einen ganzen Klangkosmos aus. Vom der unbeschreiblichen Zartheit des Anschlags in Beethovens „Allegretto“, dem tröstenden, ruhigen Puls von Mal Waldrons „Warm Canto“, dem sanften Rubato-Fluss im Standard „Stardust“ oder dem zu Tränen rührenden Pathos in „Purple Rain“ von Prince, über die würdevolle Version von Bill Evans' „Peace Piece“ und die lässige Weite von Milton Nascimentos „Ponta de Areia“ (zugleich eine Hommage an die luftige, lyrische Saxofon-Stimme von Wayne Shorter), bis hin zum zur energischen Stakkato-Etüde gewandelten Rhythm & Blues-Klassikers „Fever“ und einer Lehrstunde in Freiheit und Improvisation mit „Sintra“. So vielseitig und vielschichtig dies ist, so schlüssig und rund ist doch der Bogen, den „Touch the Light“ schlägt. Und so unverrückbar und unverkennbar nach Joachim Kühn klingt jede Note, nach seiner einzigartigen Stilistik und seiner alchemistischen Kunst, den Zuhörer in Atem zu halten. Den großen Freigeist, Improvisator und Harmonik-Revolutionär hat hier die schiere Lust an der Melodie gepackt, an Balladengefühlen. Und so gilt für das gesamte Album, was Kühn für das Titelstück sagt: „Hier steckt eine Menge Liebe drin. Und Freude.“

Ab 17,50 €*
The New Cool
David Helbock - The New CoolCD / Vinyl / digital David Helbock piano Sebastian Studnitzky trumpet Arne Jansen guitar „Ich habe mich nach musikalischer Entschleunigung gesehnt“, sagt David Helbock, als er über sein neues Trio mit Arne Jansen und Sebastian Studnitzky spricht. Was er meint, wird klar, wenn man auf sein vorheriges Projekt zurückschaut, Random Control: „Mit unzähligen Instrumenten haben wir hier hantiert, sie während der Stücke mehrfach gewechselt und viele Noten gespielt. Das war oft ziemlich wild.“ Und das neue Trio? „Da geht es darum, Stimmungen zu kreieren und um Emotionen. Emotionen sind das wichtigste in der Musik.“ Es gibt aber noch weitere Unterschiede. Hatte sich der österreichische Pianist für seine früheren Projekte stets mit Musikern aus seiner Heimat umgeben, hat er sich nun mit Gleichgesinnten aus Berlin zusammengetan, die wie Helbock in der Jazz-Hauptstadt gestrandet sind. Jansen stammt ursprünglich aus Kiel. Das gelassene norddeutsche Gemüt hört man seinem Spiel an: „Arne ist immer total auf die Musik fokussiert. Er ist ein sehr einfühlsamer und feinsinniger Spie-ler.“ Studnitzky kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald. Helbock liebt an ihm besonders den „luftigen Ton“ und den Farbenreichtum seiner Trompete. Wie fügt sich das zusammen? „Wir alle drei sind Melodie-Spieler. Wir wissen aber auch, wann man sich zurücknehmen sollte, um dem anderen Raum zur Entfaltung zu geben.“ Es wäre aber ein Trugschluss, den elegischen Sound des Albums auf die Corona- Pandemie zurückzuführen, während der es eingespielt wurde. Bereits ein ganzes Jahr vor der Aufnahmesession haben Helbock und Produzent Siggi Loch das Projekt geplant und Ideen ausgetauscht. Lochs Faszination für den Cool Jazz der 1950er Jahre und „wie er wieder ein breiteres Publikum für den Jazz fand“ waren der Motor zur Entstehung des Albums. Und so finden sich in der Musik zahlreiche Referenzen und Verbindungen zu dieser Zeit. Trotzdem verharren die drei Protagonisten nicht in Nostalgie, sondern schaffen eine moderne Übersetzung der Cool-Ästhetik in die Jetztzeit. Obwohl die Stimmung von „The New Cool“ vornehmlich lyrisch und schwebend ist, ist doch die Palette an Ausdrucksweisen auf dem Album überraschend breit. So steht das filigrane Pianointro von „I Feel Free“ in starkem Kontrast zu der hymnischen Steigerung, die das Trio bei „Angel Eyes“ erreicht. In seinen Kompositionen erzählt Helbock musikali-sche Geschichten: Die “Hymn for Sophie Scholl” ist berüh-rend-elegisch und „Truth“ hätte auch als Soundtrack in ei-nem Film seine Berechtigung. Zum ersten Mal hat Helbock auch auf ein Stück („Surrounded by the Night) seines lang-jährigen Lehrers, dem amerikanischen Pianisten Peter Madsen, der ausgiebig mit Stan Getz tourte und auch Maria Schneider unterrichtet hat, zurückgegriffen. Helbock wurde inspiriert vom innovativen Spielkonzept eines Lennie Tristanos. Die Verbundenheit mit diesem Cool-Jazz-Helden sitzt tief. Es sei die Aufgabe des Jazzmusikers, zu fühlen, hat dieser seinerzeit gepredigt. Eine Maxime, die sich Helbock, Jansen und Studnitzky auf „The New Cool“ zu Herzen nehmen: Hier kommt die Musik tief aus dem Innersten der Akteure. Es ist eine ganz natürliche Art des Musizierens, wo es nur darum geht, zu Sein.

Ab 17,50 €*
Kristallen
Nils Landgren - KristallenCD / Vinyl / digital Nils Landgren trombone & vocals Jan Lundgren piano Das Duo ist die konzentrierteste Form des gemeinsamen Musizierens. Es verlangt höchste Aufmerksamkeit, Spontaneität und Verantwortung auf beiden Seiten. Gelingt es, entsteht aus zwei Stimmen ein überraschend vielschichtiger Klangraum. Mit Kristallen stellen sich die beiden Schweden Nils Landgren und Jan Lundgren genau dieser Form. Im Zentrum steht der Klang als Momentaufnahme: facettenreich, transparent, manchmal spröde. Landgren und Lundgren formen daraus ruhige, lyrische Miniaturen. Kristallen ist Kammerjazz in zurückhaltender Haltung – Musik, die nicht auf Wirkung setzt, sondern auf Genauigkeit und Zuhören. Der Opener „Blekinge“ gibt die Richtung vor. Jan Lundgrens Erinnerung an seine Heimat entfaltet sich zwischen Leichtigkeit und Melancholie, geprägt von schwedischer Volksmusik und jazztypischer Harmonik. „Byssan Lull“ knüpft daran an: Eine schlichte Melodie wird ruhig vorgestellt und anschließend in einen dezenten Blues überführt. In „Hornlåtar“ wechseln sich Posaune und Klavier ab und verarbeiten traditionelle schwedische Hornsignale. Dabei entstehen Assoziationen zu Landgrens früher Duoeinspielung Swedish Folk Modern (1997) mit Esbjörn Svensson. Mehrere Stücke haben für Nils Landgren eine persönliche Bedeutung. „Olu“ erschien bereits auf dem Album Gotland (1996), aufgenommen mit dem 2018 verstorbenen Trompeter Tomasz Stańko. „Värmlandsvisan“ ist eine musikalische Rückkehr in seine Heimatregion. Ergänzt wird das Programm durch Kompositionen zweier prägender Pianisten für Jan Lundgren: „Country“ von Keith Jarrett und „The Wedding“ von Abdullah Ibrahim. Stücke aus dem Great American Songbook sowie Songs der Beatles erweitern das Repertoire. Bereits auf Landgrens Leonard-Bernstein-Hommage Some Other Time war das Zusammenspiel der beiden zu hören. Kristallen zeigt diese Begegnung nun in ihrer reinsten Form. Landgren und Lundgren teilen ein ähnliches musikalisches Denken und eine gemeinsame ästhetische Haltung. Nordische Klangtraditionen, lyrische Zurückhaltung, impressionistische Farben und die Verankerung im amerikanischen Jazz prägen dieses Album – ein geschlossenes, fein ausbalanciertes Duo-Projekt.

Ab 17,50 €*