Bugge Wesseltoft - It's still snowing on my pianoLiveCD / Vinyl / Limited Sky Blue
Vinyl / digital Bugge Wesseltoft piano
Das Solo-Piano-Album It‘s Snowing On My Piano des Norwegers Bugge Wesseltoft zählt zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen in der Geschichte von ACT. Und für viele Menschen, besonders in Deutschland und Norwegen, gehört das Album seit seinem Erscheinen 1997 fest zur Weihnachtszeit. Dabei ist es alles andere als ein typisches Weihnachtsalbum. Schon der erste Ton offenbart die meditative Kraft dieser Musik und schafft einen Ort des Friedens und der Ruhe – ein Zustand, der heute noch kostbarer erscheint als damals. Seitdem hat Bugge Wesseltoft die Musik des Albums immer wieder live gespielt – und jedes Mal neu interpretiert. Die Kompositionen und Melodien dienen dabei als Ausgangspunkt für musikalische Meditationen. Nach fast 20 Jahren war es an der Zeit, diese Entwicklung festzuhalten - uns so erscheint nun mit It’s still snowing on my piano erstmals eine Live-Version des vielgeliebten Albums, aufgenommen bei Konzerten in fünf norwegischen Kulturhäusern und Kirchen.
Als Bugge Wesseltoft die Musik von Snowing vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal live spielte, im Kalkmølla, einem kleinen, gemütlichen Kulturzentrum außerhalb von Oslo, war er zunächst unsicher, ob sich die magische Atmosphäre der Studioaufnahme wiederherstellen ließe. Er erinnert sich: „Hundert Menschen saßen in einem kleinen akustischen Raum. Ich begann leise und langsam zu spielen, genau wie auf dem Album. Nach ein paar Songs konnte ich das tiefe Atmen des Publikums hören. ‚Oh Gott, das muss für sie so langweilig sein‘, dachte ich und war mir sicher, dass sie zur Pause alle gehen würden.“ Gegangen ist natürlich niemand. Im Gegenteil: „Nach dem Konzert erzählten mir alle, was für eine großartige Erfahrung das für sie gewesen war. Seitdem spiele ich diese Musik jedes Jahr im Dezember in Norwegen vor großem Publikum. Es ist unglaublich, die gemeinsame Energie zu spüren, die Musik und Publikum zusammen im Konzertsaal erzeugen.“
Von der Idee des ACT-Gründers Siggi Loch, ein Weihnachtsalbum aufzunehmen, war Bugge Wesseltoft im 1997 zunächst wenig begeistert. Und er kann auch heute noch gut erklären, warum: „Ich bin kein großer Fan des Weihnachts-Shoppingwahns und des gestressten Glücks. In den frühen Neunzigerjahren hatte ich in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und schockiert festgestellt, dass Weihnachten eine Hochsaison für Depressionen, Nervenzusammenbrüche und Familienprobleme war. Ich schätzte mich glücklich, in einer Familie aufgewachsen zu sein, in der Heiligabend ein herzerwärmender, ruhiger Abend im Kreise der engsten Familie war.“ Das brachte Wesseltoft schließlich auf die Idee, ein Weihnachtsalbum in diesem Geiste aufzunehmen – eines, das seiner damals zweieinhalbjährigen Tochter Maren später vielleicht einmal gefallen würde. In seinen Worten: „Ruhig, langsam, mit Schwerpunkt auf liebevollen Kindheitserinnerungen und den Liedern, die wir sangen, während wir uns an den Händen hielten und um den Weihnachtsbaum herumstanden.“ Große Erwartungen waren mit der tatsächlich noch vor Weihnachten 1997 erscheinenden Einspielung nicht verbunden. Und erst einmal passierte auch nicht viel. Im folgenden Jahr aber breitete sich die Kunde von dieser ganz besonderen Weihnachtsmusik aus, die Menschen schlossen das Album ins Herz, empfahlen und verschenkten es immer wieder, bis heute.
Die Liveaufnahme It’s still snowing on my piano wirkt vertraut und neu zugleich. Die Melodien der zumeist traditionellen Originalkompositionen bleiben erhalten. Wesseltofts Umgang mit den Stücken ist nicht der des Dekonstruierens oder Re-Komponierens, eher der eines behutsamen Durchwanderns und Erkundens der Räume zwischen den Noten. Doch genau auf diesem Weg entsteht innerhalb der Songs ganz neue Musik. Es scheint, als wiese jeder vorhergehende Ton dem nächsten den Weg, als folge auf jede Verzweigung eine weitere. Oft scheint es, als sei Wesseltoft dabei selbst gleichermaßen Spieler und Zuhörer. Bei den Aufnahmen zum Originalalbum saß Tochter Maren auf seinem Schoß - kein typisches Verhältnis von Künstler und Publikum, eher die eines gemeinsamen Lauschens und Fühlens. Genauso ist es auch bei den Konzerten und im heimischen Wohnzimmer. Und es ist genau dieses Gefühl der Verbindung zwischen Musiker und Zuhörer, die besondere Magie dieser Musik ausmacht.CreditsMusic arranged and produced by Bugge Wesseltoft
Mixed and mastered by Klaus ScheuermannCover art by Ardy Strüwer
Wolfgang Haffner - Life Rhythm Live2-CD / Doppelvinyl / digitalWolfgang Haffner drums Sebastian Studnitzky trumpet Arto Mäkelä guitar Simon Oslender keyboards Thomas Stieger bass Wolfgang Haffner ist ein vielbeschäftigter Mann. Eben noch Konzerte in Japan, dann quer durch Europa, kurze Pause zum Meeting in Ingolstadt, wo er seit vergangenem Jahr die Programmleitung der Jazztage übernommen hat, dann wieder weiter. Und Wolfgang Haffner ist das Kunststück gelungen, als einer der gefragtesten Schlagzeuger der europäischen Jazzwelt aus dem Bühnenhintergrund von Kollegen wie Al Jarreau, Jan Garbarek oder Nils Landgren herauszutreten, um als Bandleader den Ton anzugeben. Während seine Studioalben wie zuletzt „Life Rhythm“ einen starken Fokus auf einer raffinierten Produktion mit tiefenentspannter Stimmung setzen, hält das neue Album „Life Rhythm Life“ neben diesen Stimmungen besonders die mitreißende Energie und Dynamik von Haffners Konzerten fest. Und das Album macht hörbar, warum es Haffner wie aktuell keinem anderen europäischen Jazz-Drummer gelingt, mit seiner eigenen Musik auch die größten Konzerthäuser zu füllen. Für das Album und die Tour zu „Life Rhythm“ hat sich Wolfgang Haffner seine Idealbesetzung zusammengestellt. „Simon Oslender an den Keyboards und Thomas Stieger am Bass sind bei fast allen meinen musikalischen Unternehmungen der vergangenen Jahre dabei“, erzählt er. „Trompeter Sebastian Studnitzky war schon Teil einiger meiner früheren Bands. Und den Gitarristen Arto Mäkelä habe ich etwa vor zwei Jahren kennengelernt und war sofort von seinem einfühlsamen Spiel begeistert. Mit ihm war die Band komplett und ich hatte mein Dream-Team zusammen". Mit dieser Besetzung im Hinterkopf schrieb Haffner die Songs zum Album "Life Rhythm", welches im Sommer 2024 erschien. Im Herbst desselben Jahres ging es dann auf Tournee durch viele der schönsten Konzerthäuser Deutschlands. Und auch hier erfüllte sich Haffner einen Traum: „Das war eine ziemlich aufwändige Produktion inklusive 5-köpfiger Crew, ausgeklügeltem Licht und Ton, eine wirkliche Inszenierung von Anfang bis Ende, ohne Abstriche oder Kompromisse.“ Der Plan ging auf, wie Haffner sich erinnert: „Die Band hat von der ersten Sekunde an super harmoniert, und ist von Tag zu Tag noch weitergewachsen. Es war schon ein ziemliches Brett, was wir zusammen Abend für Abend hingestellt haben. Und mir war von Anfang an klar, dass wir das unbedingt auf einem Livealbum festhalten sollten.“ Wolfgang Haffner liebt die Live-Situation mit allem, was auch zwischen den Noten passiert. Dabei gelingt es ihm, die Waage zwischen Planung und Freiheit zu halten, zwischen kleinen Akustik-Passagen und großen, exakt geplanten und in Sachen Sound und Licht durchchoreographierten Momenten. Seine Mitmusiker, allesamt erfahren sowohl in Jazz als auch im Pop, folgen dem Leader mit Leichtigkeit und Präzision in dessen ganz eigene, charakteristische Zwischenwelt von Fusion, elektrischem Jazz und Passagen, die eher an Rock als Jazz erinnern. Und das Publikum zog mit. Standing Ovations allerorts. Neben den Stücken aus der letzten Studioproduktion ist „Life Rhythm Live“ eine Art "Best of" durch den Haffner-Kosmos. Songs wie "Leo", „Nacho“, "Simple Life", „Homerun“ oder das mittlerweile zum Klassiker gewordene "Keep Going" hat der Bandleader für die aktuelle Besetzung neu arrangiert und sie fügen sich nahtlos in eine sehr dynamische Choreographie mit den neueren Stücken ein. So ist das Album auf der einen Seite eine Positionsbestimmung, auf der anderen ein Resümee, das bereits die Seiten zu den nächsten Kapiteln aufschlägt. Denn Wolfgang Haffner, der in diesem Jahr sein 50jähriges Bühnenjubiläum feiert, hat noch viel vor: „Ich bin sehr dankbar dafür, mein Leben mit Musik bestreiten zu dürfen. Mehr denn je macht es mir ungeheuren Spaß Schlagzeug zu spielen, neue Musik zu schreiben, neue musikalische Ideen mit wunderbaren Menschen auf Bühnen in aller Welt für mein geliebtes Publikum zu spielen". So einfach und ehrlich lässt sich ein Erfolgsrezept auf den Punkt bringen.Credits:Album produced, arranged & mixed by Wolfgang Haffner Mastered by Marko Schneider at Skywalk Mastering
Recorded live by Jochen Etzel during the Life Rhythm tour in Germany, November 2024
Tour organized by Karsten Jahnke Konzertdirektion Cover art by Peter Krüll
Stefano Bollani & iiro Rantala - Jazz at Berlin Philharmonic XVCD / Vinyl / digitalStefano Bollani pianoiiro Rantala pianoEin Humorist lässt aufhorchen, bringt Lächeln, manchmal Lachen mit. Das klingt einfach, ist aber eine bewundernswert anspruchsvolle Kunst. Denn es geht nicht um die einfache Komik des Scheiterns, sondern um überraschendes, befreiendes Wohlwollen. Eine neue Perspektive kann das sein, ein zuvor kaum beachtetes, cleveres Detail oder auch einmal ein unerwarteter Zusammenhang. Eine Arie bekommt zum Beispiel eine Stride-Piano-Begleitung, ein Motiv wird aberwitzig transponiert, der Nachdruck eines Themas pianistisch perlend kommentiert. Man verbeugt sich vor dem Original, aber zieht ihm ein anderes Gewand an. Es kann ein Versteckspiel sein, aber man braucht und achtet die Vorlage. Sonst wird es witzlos.Humoristen wie der Mailänder Stefano Bollani und Iiro Rantala aus Helsinki sind Meister der musikalischen Wertschätzung. Sie lieben, was sie spielen. Und sie verbeugen sich vor der Kunst des jeweils anderen, vor den Ahnen des Melodischen und auch den Möglichkeiten ihrer Instrumente. Sie lieben es überhaupt zu spielen, und da beide Virtuosen sind, ist ein Duo-Konzert ein Erlebnis der gemeinsamen Gestaltungslust. Er sei glücklich darüber, meint Iiro Rantala, die italienische Musik „mit dem bestmöglichen Klavierpartner, il Maestro Bollani“ hochleben zu lassen. Man treffe im Laufe der Jahre viele Kollegen, mit denen man gerne arbeite, erwidert Stefano Bollani, und ergänzt: „Aber wie viel mehr Spaß macht es, die Bühne mit einem Freund zu teilen, der einen sehr ähnlichen musikalischen Geschmack und Zugang hat, wie man selbst“.Zwei Künstler, die zusammenklingen. Sie haben sich am 1. Februar 2023 auf der Bühne der Berliner Philharmonie getroffen, um ihre auf den ersten Blick unerwartete gemeinsame Leidenschaft zu feiern. Denn beide verehren die italienische Oper. „Ich gehe jetzt mal so weit zu behaupten, dass einige der besten Melodien der Welt aus Italien kommen und da im speziellen Fall aus der italienischen Oper“, erklärt Iiro Rantala. „Es gibt nichts Besseres in der Musik, als eine gute, einfache und packende Melodie. Das kann man nicht beibringen, in keiner Musikschule gibt es eine Melodieklasse. Verdi, Donizetti, Rossini und Puccini hatten die Gabe der Melodie! Und wie großartig setzten sie ihr Talent ein!“
Das hatte zu deren Lebzeiten auch etwas mit der Hochachtung vor dem Publikum zu tun. Denn die Opernkomponisten des 19.Jahrhunderts wollten den Hörenden etwas bieten. Sie wollten erzählen und unterhalten, durchaus mit Anspruch, manchmal mit Botschaft, aber immer mit dem Blick auf die Begeisterung im Saal. Wer Hymnen und Ohrwürmer komponierte, konnte sicher sein, gehört zu werden. Das Konzept funktioniert bis heute. „La Traviata“, „La Bohème“ oder „Nabucco“ stehen wie Monumente auf den Spielplänen der Opernhäuser, auch wenn die Libretti manchmal überholt wirken. Sie sind voll mit Melodien, die sich in das kollektive Gedächtnis der Kulturwelt eingegraben haben, so sehr, dass auch Stefano Bollani und Iiro Rantala nur ein paar Töne andeuten müssen und schon wogt die Philharmonie im Walzertakt einer Musetta oder summt einen Gefangenenchor mit.Dabei gelingt es dem Piano-Duo mit dem Feingefühl der Erfahrung, das Opernhafte aus der Perspektive der Improvisation zu feiern, ohne es dafür in Frage stellen zu müssen. Die Musiker schwelgen und schmunzeln musikalisch. Sie gönnen sich den Spaß, das jazzgetönte Repertoire um Traditionen zu erweitern, die aus der Sicht eines guten Songs eigentlich schon lange dazu gehören. Es ist diese Mischung, die bezaubert. Zwei Humoristen, denen man bei dem Vergnügen zuhören kann, sich gegenseitig musikalisch zu entdecken. Und das mit den Melodien der italienischen Oper, die ihnen wichtig und die für beide auch ein wenig neu sind.Credits:Recorded at the Berlin Philharmonie, Germany on 1st February 2023
Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann
Cover art by Peter Krüll
Vincent Peirani - Jokers (Live at Bimhuis)CD / digitalVincent Peirani accordion, accordinaFrederico Casagrande guitarZiv Ravitz drumsVincent Peirani, eine Schlüsselfigur des zeitgenössischen Jazz, schlüpft in die Rolle des Jokers. In Anlehnung an den Hofnarren - einen Archetyp seit dem Mittelalter - formt Peirani zusammen mit Ziv Ravitz am Schlagzeug und Federico Casagrande an der Gitarre ein Trio schelmischer Charaktere. Gemeinsam sind sie bereit, sich in jede musikalische Herausforderung zu stürzen. Das außergewöhnliche Trio verbindet mit verblüffender Leichtigkeit Jazz, Rock und Improvisation und jeder der drei Musiker wechselt fließend die Rolle vom Ensemblespieler zum umwerfenden Solisten. "Live at Bimhuis" ist mehr als nur ein Album; es ist ein Eintauchen in Peiranis Welt der Verspieltheit und des Draufgängertums. Jedes Stück ist ein Abenteuer, ein Spiel der Perspektiven, in dem sich das Akkordeon, das sonst oft die Rolle eines Begleitinstruments einnimmt, als vielschichtige Sound-Wunderkiste erweist. Peiranis Musik ist sowohl fröhlich als auch schelmisch, er mag der Figur Jokers ein verschmitztes Lächeln schenken, aber er liefert auch musikalische Reflexionen von echter Tiefe. Aufgenommen in der Intimität und Lebendigkeit des kultigen Amsterdamer Bimhuis, fängt das Album die Essenz großer improvisierter Musik ein. Jede Note die erklingt ist ein Anlass zum Feiern der grenzenlosen Kreativität Freiheit dieses außergewöhnlichen Trios.Credits:Produced by Amélie Salembier & Vincent Peirani/ Yes les Guy´zzRecorded live at Bimhuis, Amsterdam, on October 13th 2023Cover Art by Alice ThibaultDesign by Siggi Loch
Bernd Lhotzky - The Gallery Concerts III: Rag BagCD / digital
Bernd Lhotzky piano
„Mich faszinieren in der Musik, der Kunst und überhaupt im Leben die Widersprüche und Kontraste, die Synkopen, die Risse in der Zeit“, sagt der Pianist Bernd Lhotzky. Und so ist sein Soloalbum „Rag Bag“ eine Reise zwischen Zeiten und Welten, ein Flickenteppich aus unterschiedlichsten Motiven, Stilen und Assoziationen. Keimzelle der Musik des Albums ist der Ragtime, eine der frühsten Formen des Jazz. Lhotzky sagt: „Bis heute liebe ich an dieser Musik, dass sie so warm, lebensbejahend und unverstellt ist und einfach nur so strotzt vor Vitalität und ehrlicher Freude.“ Entfacht wurde diese Liebe bei Bernd Lhotzky früh, im Alter von neun Jahren, auf einem Konzert mit der Musik von Scott Joplin – selbst ein Grenzgänger seiner Zeit, gleichermaßen beeinflusst von afroamerikanischer Folklore und europäischer Klassik. Und es ist eine Liebe, die bis heute andauert: Auf der Grundlage einer atemberaubenden, klassisch geschulten Klavier-Technik gilt Lhotzky seit drei Jahrzehnten als wichtigster deutscher Botschafter des klassischen Jazz-Pianos und als Brückenbauer zwischen dessen Historie und Gegenwart. Mit zahllosen Auftritten und Einspielungen als Solist und im Duo, als Konzert- und Festival-Veranstalter und als impulssetzender Pianist der enorm erfolgreichen Band „Echoes of Swing“ lud er zur Wiederentdeckung des Jazz der Zeit von den Zwanzigern bis zu den Fünfzigern ein. Und auch im weltweiten Vergleich gehört Bernd Lhotzky zu jener Handvoll Pianisten, die den Harlem Stride noch so spielen können wie einst die großen Meister Thomas „Fats“ Waller, Earl „Fatha“ Hines oder Willie „The Lion“ Smith. Die Begeisterung für die Wurzeln des Jazz ließ in Lhotzky über Jahre den Wunsch wachsen, sich als Komponist und Pianist intensiv mit der Verbindung des heutigen Jazz zu dessen Ursprung, dem Ragtime zu befassen. Nachdem er Siggi Loch von seiner Idee erzählt hatte, lud der ihn zu einem Konzert in seine Berliner ACT Art Collection ein – und ließ den Auftritt in weiser Voraussicht mitschneiden. So erblickt jetzt das Album „Rag Bag“ das Licht der Welt, als drittes in der Serie „The Gallery Concerts“ mit exklusiven kammermusikalischen Live-Aufnahmen in diesem besonderen Rahmen, nach den Duo-Alben mit Johanna Summer und Jakob Manz sowie Jan Lundgren und Hans Backenroth. „Rag Bag“ ist in vielerlei Hinsicht ein kleines musikalisches Wunder. Zunächst, weil Lhotzky von der Idee bis zur Aufnahme gerade einmal acht Wochen Zeit hatte, ein Programm zu diesem umfangreichen Thema von solch großer persönlicher Wichtigkeit vorzubereiten. Vor allem aber, weil es ihm gelingt, auf sehr moderne Art eine Musik zu interpretieren, deren Melodien, Mechanismen und Regeln meist weit über hundert Jahre alt sind. „Der ‚Linden Tree Rag‘ etwa“, berichtet Lhotzky, „basiert auf einem Stück von 1850. Das ist eher noch französische Salon-Musik“. Lhotzkys Interpretation des Stücks öffnet eine ganze Welt, in der Jazz die Popmusik seiner Zeit war. Und gleichzeitig klingt diese Musik durch Lhotzkys pianistische Präzision und improvisatorische Vorstellungskraft, sowie den klaren, räumlichen Klang der modernen Aufnahme absolut „heutig“. Diese Art von Parallelen und Kontrasten macht die Einzigartigkeit von „Rag Bag“ aus. Auf dem Album stehen moderne Interpretationen von Originals und Eigenkompositionen nebeneinander, oft abwechselnd und einander kommentierend. Lhotzkys eigene Stücke nehmen die klaren Strukturen und eingängigen Melodien ihrer Vorbilder auf und verarbeiten sie zu eigenen, intuitiven Gedankenspielen - ohne den Bezugsrahmen zu den Originalen zu sprengen, innerhalb dieser Konstellation aber völlig frei. Als Musterbeispiel mag „Out Of Bondage“ dienen. Es lässt kurz Scott Joplins bekanntestes Stück „The Entertainer“ wie im Traum anklingen, um aber sogleich in ein dramatisches Präludium zu münden, in seinem Impressionismus an Grieg oder Debussy erinnernd, mit Brüchen und Knalleffekt am Schluss. „Dieses Album bedeutet für mich eine echte Befreiung“, erzählt Lhotzky. „Das Solo-Format erlaubt es mir ganz und gar ich selbst zu sein und meinen Blick auf eine Musik zu teilen, die mir auch heute noch außerordentlich wertvoll und relevant erscheint.“ Mit der Zugänglichkeit und Fröhlichkeit der frühen Jazz-Entertainer, aber im ganz neuen Licht seiner eigenen Auffassung spannt Lhotzky einen weiten Bogen über mehr als ein Jahrhundert Jazzgeschichte. Mit großem Piano-Handwerk und tiefer Durchdringung, aber gleichzeitig unmittelbar, zugänglich, live und aus dem Moment entstehend. Credits:
Recorded at the ACT Art Gallery, Berlin
Cover art “Welle” (detail) von Manfred Bockelmann
Esbjörn Svensson Trio e.s.t. - e.s.t. Live 95CD / Vinyl / digital
Esbjörn Svensson piano Dan Berglund bass Magnus Öström drums
EST - Die Eingebung des Augenblicks
Als "neuer Klang der alten Welt“, als "Starkstrom aus Schweden" wurde ihre Musik gepriesen - und die Gruppe selbst immer wieder als das "vielleicht beste Jazz-Trio der Welt". Fast schon beängstigend ist der Höhenflug, zu dem das Esbjörn Svensson Trio - kurz: EST - angesetzt hat. Nach dem großen Erfolg in Schweden gab es 1999 den internationalen Durchbruch in Montreux bei der ACT World Jazz Night. Im darauffolgenden Jahr wurde EST in ganz Europa als Sensation gehandelt und ist jetzt auf dem besten Weg, diese Erfolgsstory in den USA fortzusetzen. Kein Wunder, denn gerade live entfesselt EST eine kaum fassbare Energie - und wie es Vielen scheint, von Tournee zu Tournee mehr. Ein aufsteigender Stern, der immer stärker strahlt. Doch manchmal leuchten Sterne schon bedeutend länger, als man denkt. Und hier sind Aufnahmen, die beweisen, dass das auch für EST gilt. Ihren ganz spezifischen Ton fand die 1993 gegründete Band schon früh - er wurde nur außerhalb ihres Heimatlands zunächst nicht wahrgenommen. Vor sechs Jahren, 1995, als der Namensgeber des Trios noch lange Haare und Stirnband trug, entstanden diese im selben Jahr unter dem Titel "Mr. and Mrs. Handkerchief“ veröffentlichten Mitschnitte an verschiedenen Orten Schwedens - ein Jahr, bevor EST mit dem Album "Esbjörn Svensson Trio plays Monk" (vor kurzem wiederveröffentlicht als ACT 9010-2) die nationale Traum-Verkaufszahl von 10000 Exemplaren erreichte. Mölndal, Arhus, Uppsala etwa hießen die Stationen. Und wer hört, wie das Trio schon damals spielte, dem bleibt die Luft weg (zum Schnell-Versuch: Track 5).Vieles von dem, was EST heute auszeichnet, war hier schon stark ausgeprägt: die Geschlossenheit und der kraftvolle Zugriff des Spiels, die griffigen Themen, die den Hörer unmittelbar anspringen und doch nicht klischeehaft werden, die Verschmelzung der Musik von Vorbildern wie Thelonious Monk und Keith Jarrett zu einem eigenen, immer wieder vom Vorwärtsdrang des Rock infizierten Stil. Magische Momente wurden durch diese Mitschnitte für die Ewigkeit gerettet. In Track 3 und 7 spielt Svensson auf einem Upright Piano, das bei weitem nicht die Klangbrillanz eines Flügels hat - und dennoch sind die Aufnahmen Perlen. Spontanes Reagieren auf die Eingebungen des Augenblicks: eine Kunst, die das Trio schon damals aufregend beherrschte.
Gar kein Unterschied zu heute? Insgesamt weniger rau, noch straffer, bei allem Ungestüm noch stärker kontrolliert als in jungwilden Zeiten klang EST auf den letzten Tourneen. Dabei zeigt der Vergleich mit dem Meisterstück "Dodge the Dodo“ aus dem Montreux-Konzert von 1999 (Bonus-CD), dass die Weiterentwicklung des Trios nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich verlief. Wie aktuell jedenfalls ihre Musik von damals für die Band ist, hat Esbjörn Svensson selbst am treffendsten gesagt: "Obviously we develop all the time, both as individuals and as a group. But development isn¹t only about blind progress. So instead of just going forward, in places we’ve chosen to refer back to our earlier sound, to what we had on our first two albums." Schon das ist Grund genug, einem davon neue Aufmerksamkeit zu widmen: "EST LIVE `95”. Credits:
Recorded by Åke Linton in March 1995, except # 11 recorded by Manu Guiot at Montreux Jazz Festival July 16, 1999, # 5 by Per Åke Hermansson, Radio Dalama and # 6 by Verner Kjersgaag, DR Östjüllands Radio Mixed by Åke Linton at Bohus Studio Produced by e.s.t.
Joachim Kühn - Komeda - Jazz at Berlin Philharmonic XIV CD / digital
Joachim Kühn piano Chris Jennings bass Eric Schaefer drums Atom String Quartet Dawid Lubowicz violin Mateusz Smoczyński violin, baritone violin Michał Zaborski viola Krzysztof Lenczowski cello
Krzysztof Komeda - eine Legende des polnischen und Wegweiser des europäischen Jazz. Als Filmkomponist für zahlreiche Roman Polanski Filme wie „Tanz der Vampire“ und „Rosemaries Baby“ wurde er weltberühmt. Früh verstarb diese große Künstlerpersönlichkeit 1969 mit nur 37 Jahren, hinterließ aber in der kurzen Spanne seines Lebens ein einflussreiches Werk. Joachim Kühn, heute selbst eine Ikone des Jazzpianos, ist ein großer Bewunderer von Komeda, den er 1965 in Warschau persönlich kennengelernt hat. Bei Jazz at Berlin Philharmonic, kuratiert von Siggi Loch, widmete er ihm am 14. Oktober 2022 eine Hommage – solo, mit seinem New Trio sowie mit dem polnischen Atom String Quartet. Mag Krzysztof Komeda hierzulande vielen kein Begriff sein, in seiner Heimat hat er einen Rang wie sonst nur Frederik Chopin. Mit ihm verbindet sich der Aufstieg des polnischen Jazz von einer Untergrund-Bewegung zu einem Kultur-Leuchtturm, ja fast zu einer neuen Art Nationalmusik. Mit Strahlkraft über seine Heimat hinaus, denn er avancierte zu einer Schlüsselfigur der Emanzipation des europäischen vom amerikanischen Jazz: Zeitgleich mit Lars Gullin und Jan Johansson in Schweden und auch im Ansatz vergleichbar, verschmolz Komeda die eigene Volksmusik und ihre typischen Melismen mit den Charakteristika des Jazz. Er wurde so einem der großen Lyriker des Klangs. Sein früher Unfalltod machte ihn in seiner Heimat früh zur Kultfigur. In seinen letzten Jahren hatte sich Komeda vor allem auf Filmmusik konzentriert, Roman Polanski holte ihn 1967 nach Hollywood. Ein Höhepunkt seines Jazz-Schaffens war zweifellos das Album „Astigmatic“, dass 1965 unter anderem mit dem Trompeter Tomasz Stanko in einer einzigen nächtlichen Session entstand. Bis heute wird es in Polen jährlich zur wichtigsten Jazzaufnahme gewählt, das britische Magazin Jazzwise führt es als eines der „Jazzalben, die die Welt erschütterten.“ Schon deswegen könnte es für eine musikalische Verbeugung vor Komeda keinen besseren Gastgeber und Interpreten geben als Joachim Kühn. War er doch 1965 bei der Aufnahme von „Astigmatic“ als Zuhörer im Studio, nachdem beide Bands vorher auf der „Jazz Jamboree“ in der Nationalphilharmonie Warschau gespielt hatten. „Für mich war Komeda schon damals einer der großen Visionäre des europäischen Jazz,“ erinnert sich Kühn. Komedas Kompositionen gehören deshalb seitdem zum Repertoire des nicht minder visionären Joachim Kühn, der die kleine Schar der deutschen Jazzer mit internationaler Geltung anführt – und das seit bald 60 Jahren. Mit den drei Stücken des legendären Albums „Astigmatic“, „Kattorna“ und „Svantetic“ beginnt das Jazz at Berlin Philharmonic Konzert auch. Kühn demonstriert sich als als primus inter pares unter den phänomenalen Begleitern des Abends: Seinem „New Trio“ mit Eric Schaefer am Schlagzeug und Chris Jennings am Bass, sowie dem Atom String Quartet, „ein Weltklasse-Quartett mit einer kraftvollen Mischung aus Klassik und Jazz-Improvisation“ (Jazzwise), mit Dawid Lubowicz und Mateusz Smoczyński an den Violinen, Michał Zaborski an der Viola und Krzysztof Lenczowski am Cello. Es ist eine rauschhafte halbe Stunde, die diese sieben Ausnahmemusiker gemeinsam aus diesem Opus magnum erstehen lassen: Spannende freie Improvisationen und Soli wechseln ab mit den wuchtigen Themen des immer bildhaft denkenden Komeda; größtmögliche Individualität mit einem unfassbar antizipierenden Interplay. Mitreißend, modern und von zeitloser Schönheit.
Nicht minder bezwingend und dramaturgisch perfekt schließen dann Einzelbearbeitungen aus Komedas Werk an: Kühns fast romantisches, wundervoll weiches Solo über „After the Catastrophe“; sein bewegendes Duo mit Mateusz Smoczyński bei der 1961 entstandenen „Moja Ballada“; die Atom String Quartet-Fassung von „Crazy Girl“ aus Komedas Soundtrack zu Polanskis „Messer im Wasser“; schließlich die schillernde Trio-Bearbeitung des berühmten Wiegenliedes „Sleep Safe and Warm“ aus „Rosemaries Baby“, bevor sich alle noch einmal gemeinsam zum furiosen Finale mit „Roman II“ zusammenfinden. Viele Bögen, musikalische wie historische, runden sich hier. Was Komeda mit Kühn außerdem verbindet und hier nahezu greifbar ist: Für beide war Jazz das Fenster in die Freiheit. So versteckte Krzysztof Trzciński, wie er bürgerlich hieß, seine Musikerexistenz lange hinter seinem Beruf als Hals-Nasen-Ohren-Arzt und dem Pseudonym Komeda, bis seine Popularität vom Staat nicht mehr zu unterdrücken war. Und Joachim Kühn entzog sich der Bevormundung durch das DDR-Regime als 22-Jähriger durch die Flucht in den Westen. Mithilfe seines Bruders Rolf, der ihm auch Starthilfe gab für seine Weltkarriere, die ihn als Kosmopoliten in die USA, nach Frankreich und Spanien, vor allem aber in die künstlerische Freiheit führte. Auch dieser Kreis schließt sich am Ende bei Jazz at „Berlin Philharmonic: Komeda“. Als Zugabe spielt Joachim Kühn zur Erinnerung an den kurz zuvor verstorbenen Bruder das bewegende „My Brother Rolf“. Alleine das rechtfertigt den kürzlich im April an beide verliehenen Ehrenpreis des Deutschen Jazzpreises.Credits:
Recorded live in concert by Thomas Schöttl at Jazz at Berlin Philharmonic, Kammermusiksaal, October 14, 2022 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Produced by Joachim Kühn Curated by Siggi Loch Cover art by Shoshu
Jan Lundgren - The Gallery Concerts II: Jazz PoetryCD / digitalJan Lundgren pianoHans Backenroth bass„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. […] Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“, heißt es in einem der bekanntesten Gedichte Hermann Hesses. „Jazz Poetry“ lebt von dieser Magie des Neubeginns und dem Mut, sich dem Moment hinzugeben: Es ist das erste Konzert des Pianisten Jan Lundgren mit dem Bassisten Hans Backenroth im Duo, die dafür ausgewählten Stücke wurde eigens für den Abend zusammengestellt und bisher ungehörte Kompositionen kamen zur Aufführung. Der Rahmen dafür könnte kaum inspirierender sein. Inmitten zeitgenössischer Werke von Künstlern wie Philip Taaffe, Gerhard Richter, Martin Noël und Martin Assig und mit einem erlesenen Publikum kommt es in der ACT Art Gallery von Produzent Siggi Loch zu exklusiven Musikabenden, den „Gallery Concerts“. Im Zentrum steht der Alfred Brendel Steinway Flügel, auf dem der Starpianist einst in der Berliner Philharmonie seine Konzerte gab.
Dass Jan Lundgren ein wahrer Jazz-Poet ist, hat er im Laufe seiner Karriere schon oft bewiesen, besonders mit dem Mare Nostrum-Trio, aber auch zuletzt mit Emile Parisien und Lars Danielsson auf „Into the Night“. Der Untertitel des „Gallery Concerts II“ könnte deshalb nicht treffender sein: „Wie ein Gedicht regt auch die Musik deine Fantasie an. Ein Klang kann abstrakt wie eine Metapher sein. Wie Schriftsteller erzählen auch wir Musiker Geschichten und erzeugen Bilder im Kopf. Beide wollen wir die Herzen der Menschen erreichen und sie berühren“, so der Pianist. Ein hehres Ziel, das „Jazz Poetry“ einlöst. Lundgren und Backenroth gelingt ein lyrischer Dialog zwischen Jazz und Klassik, Volkslied und Song.
Zwei Schweden, Klavier und Bass im Duett. Unweigerlich fühlt man sich an das legendäre „Jazz på svenska“-Album von Jan Johansson mit Georg Riedel erinnert, bis heute ein Meilenstein des skandinavischen Jazz. Das „Gallery Concert“ spielt an diese historische Aufnahme von 1964 an, besonders mit den beiden Volksmusik-Adaptionen „Polska No.1“ und „Gårdsjänta“, geht aber darüber hinaus, denn das Besondere an Lundgrens Kunst ist seine Fähigkeit, die unterschiedlichsten Musikstile zu vereinen. Nicht nur die Klangsprache seiner Heimat durchzieht sein Spiel, auch die Verwurzelung in der amerikanischen Jazzpianotradition ebenso wie in der abendländischen Kunstmusik sind unüberhörbar.
So folgt auf Leonard Cohen Mozarts „Lacrimosa“ und ein Beatles-Klassiker findet ebenso seinen Platz wie der Jazz-Standard „Stella by Starlight“. Swing, nordische Vemod, (mozartsche) Verspieltheit und impressionistischer Esprit stehen bei Lundgren ganz selbstverständlich nebeneinander. In seinen Eigenkompositionen zeigt er sich als betörender Melodiker. Beeindruckend ist die Leichtigkeit mit der das Duo seinen Premierenauftritt gestaltet. Resultierend in einem Flow, der das Unvorhergesehene ganz selbstverständlich klingen lässt.
Es ist erstaunlich, dass Lundgren und Backenroth erst jetzt als Duo zusammengefunden haben, kennen sie sich doch schon aus frühen Jahren als ihre Karrieren begannen. Seitdem haben sich die Wege immer wieder gekreuzt, auch auf Aufnahmen, bei denen beide als Sidemen engagiert wurden. „Wir standen immer in Kontakt, aber bisher hatte es sich nie ergeben, dass wir einmal ein eigenes Projekt starten. Als Siggi Loch mich dann zu einem Konzert in seine Galerie einlud, um ein neues Programm zu probieren, war Hans meine erste Wahl. Er ist ein großartiger Bassist, erstaunliche Technik, ein warmer, voller Ton. Und ein einfühlsamer Begleiter mit einem großen Ohr für Melodien.“ Diese Qualitäten wissen auch andere zu schätzen, vor allem die erste Garde des schwedischen Jazz. Die Saxofonlegende Arne Domnerus bezeichnete Backenroth einst als besten Bassisten, den sein Land hervorgebracht habe. Putte Wickman, Monica Zetterlund, Svante Thuresson und Ulf Wakenius sicherten sich ebenfalls die Dienste von Backenroth…und, was viele nicht wissen, er war der erste Bassist des Esbjörn Svensson Trios. International spielte er mit Scott Hamilton, James Moody, Kenny Barron und vielen mehr. Auf über 150 Alben ist der 1966 in Karlstad geborene Backenroth bis heute zu hören. Dieses Duo wird keine Eintagsfliege bleiben. Mit dem „Gallery Concert“ ist der Anfang gemacht und der Weg bereitet für eine andauernde Zusammenarbeit, die ab Winter 2022 mit weiteren Konzerten fortgeführt wird. Ein hinreißendes Duo: Klangpoesie als feinster Kammerjazz. Credits:
Recorded live in concert at the ACT Art Collection Gallery, Berlin
Curated by Siggi Loch
Cover art by Manfred Bockelmann
Jazz at Berlin Philharmonic XIII: Celebrating Mingus 100CD / digital
Magnus Lindgren baritone saxophone, bass clarinet, leader & arranger
Georg Breinschmid double bass, leader & arranger
Tony Lakatos tenor saxophone
Jakob Manz alto saxophone
Matthias Schriefl trumpet
Shannon Barnett trombone
Gregory Hutchinson drums
Danny Grissett piano
Camille Bertault vocals
Am 22. April 2022 wäre Charles Mingus 100 Jahre alt geworden. Obwohl der Kontrabassist selten in einem Atemzug mit Louis Armstrong, Charlie Parker oder Miles Davies genannt wird, ist seine Bedeutung für die improvisierte Musik nicht geringer zu schätzen. Er konnte wütend, sogar gewalttätig sein, aber auch liebevoll und zärtlich, und all diese Aspekte seines komplexen Charakters hört man in seiner Musik. Mingus sagte einmal selbst über sich: „Ich versuche, die Wahrheit dessen zu spielen, was ich bin. Das ist deshalb so schwierig, weil ich mich ständig verändere.“ Extreme der Emotionen sind der Kern von Mingus' Musik und sie spiegeln sich in seinen sechs Kompositionen wider, die hier auf „Jazz at Berlin Philharmonic XIII - Mingus 100“ zu hören sind. Das Konzert am 13. April 2022 war eine der Hauptveranstaltungen anlässlich des Künstlerjubiläums und fand in der von Siggi Loch kuratierten Konzertreihe statt. Die neun Musiker, die auf der Bühne standen und die sich vor diesem Projekt größtenteils nicht kannten, haben ihr ganzes musikalisches Wesen in dieses Projekt eingebracht und sind dabei dem Geist von Mingus und seiner einzigartigen Art, Trotz und Widerspruch auszudrücken, treu geblieben. Die ersten Klänge des Live-Mitschnitts stammen von dem österreichischen Bassisten Georg Breinschmid. Er ist einer der Co-Leader des Projekts und stellt in Mingus-Manier unverblümte Attacke und streichelnde Zärtlichkeit einander gegenüber, wenn sein Bass „Jelly Roll“ einleitet. „Georg ist ein wunderbarer Kommunikator und ein hervorragender Bassist“, sagt der andere Leiter des Abends, der schwedische Multiinstrumentalist und Arrangeur Magnus Lindgren. Breinschmids Geschichte ist bemerkenswert: Bis zu seinem 25. Lebensjahr ist er einen traditionellen Weg gegangen. Als junger, hochkarätiger klassischer Kontrabassist war er bereits ordentliches Mitglied der Wiener Philharmoniker geworden, eine Rolle, die ihm ein Leben lang sicher war. Aber dann kehrte er dieser Welt den Rücken und geht seither seinen eigenen Weg als Musiker, der im Jazz und in der Wiener Popularmusik verwurzelt ist. Seine Leidenschaft für Mingus wurde schon früh geweckt und hat ihn bis heute nicht losgelassen. „Als ich als Vierzehnjähriger mit dem Bassspielen anfing, haben mich sein Sound, die Kompositionen, das Gesamtpaket sehr geprägt. Es kommt so vieles zusammen“, sagt er. Breinschmid und Magnus Lindgren hatten zuvor noch nicht zusammengearbeitet, aber ihr gegenseitiges Verständnis und ihr Respekt wuchsen im Laufe der Zusammenarbeit: „Magnus ist ein großartiger Musiker“, sagt Breinschmid. „Ein virtuoser Multiinstrumentalist, ein erfahrener Arrangeur, ein großartiger Künstler. Er hat immer ein Gespür für das gesamte Ensemble und dafür, wie es am besten funktionieren wird.“ Lindgren, der eher für das Alt- und Tenorsaxofon sowie die Flöte bekannt ist, ist hier hauptsächlich auf seinem alten Selmer-Baritonsaxophon zu hören, aber auch auf der Bassklarinette. Wie Breinschmid fühlte sich Lindgren ebenfalls schon früh zu den Kompositionen von Mingus hingezogen, was durch eine enge Zusammenarbeit mit Steve Slagle, einem der führenden Köpfe der Mingus Big Band in den 1990er Jahren, noch verstärkt wurde. Über seine Rolle als Instrumentalist der Mingus-Hommage sagt der Schwede: „Ich liebe Pepper Adams - und es macht Spaß, Bariton zu spielen.“
„Wenn Charlie von Lester spricht...“ Es war Joni Mitchell, die Mingus' wunderschönes Klagelied zum Tod von Lester Young, „Goodbye Pork Pie Hat“, auf ihrem „Mingus“-Album in englische Worte fasste. Der Kontext ist hier ein anderer, ebenso wie die Sprache. Aus dem Mingus'schen polyphonen Chaos erhebt sich die eindringliche Gesangsstimme des französischen Gesangsstars Camille Bertault. Die von ihr geschriebenen Lyrics beschwören die Verlustgefühle von Charles Mingus herauf. Dann erhebt sich ihre Stimme wie von Zauberhand wortlos, und wenn sie den letzten Ton ganze fünfzehn Sekunden lang hält, ist das eine atemberaubende Tour de Force an Gelassenheit und Kontrolle. Sie ist auch für die neuen und aufreizend rätselhaften Worte für „Self-Portrait in Three Colours“ verantwortlich. „Jazz at Berlin Philharmonic XIII – Celebrating Mingus 100“ präsentiert weitere starke Stimmen. Zwei US-Amerikaner bilden das Herz der Band: Pianist Danny Grissett ist seit fast zwei Jahrzehnten in der New Yorker Jazzszene aktiv und war Mitglied der Mingus Big Band. Schlagzeuger Gregory Hutchinson hat in unzähligen Kontexten gearbeitet, nicht zuletzt im Joshua Redman Quartet von 1998 - 2001. Daneben sind zwei Musiker vertreten, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben: Der Tenorsaxophonist Tony Lakatos ist seit seiner Übersiedlung von Ungarn nach Deutschland im Jahr 1980 auf über 300 Alben zu hören und war bis 2021 eine feste Größe in der hr-Bigband. Der starke Ton und die Improvisationsfähigkeit der in Australien geborenen und heute in Köln lebenden Posaunistin Shannon Barnett erweisen sich in diesem Kontext ebenfalls als ideal. Die deutsche Heimmannschaft des Abends bilden der Trompeter Matthias Schriefl und der junge Saxophonist Jakob Manz. Voller Hingabe, überbordender Energie und mit waghalsigen Spielfertigkeiten werfen die beiden alle Klischees über deutsche Ordnung und Disziplin über Bord. Dies ist leidenschaftliches Musizieren auf höchstem Niveau.
Mingus Musik war ein Wechselbad der Gefühle und Stimmungen. All die menschlichen Emotionen von Wut, Angst und Traurigkeit bis hin zu Hoffnung, Freude und Liebe finden sich bei ihm wieder. Das macht sein Schaffen heute immer noch aktuell. Während Mingus' Asche dem Ganges anvertraut wurde, erwachte sein unverwüstlicher Geist in einem bewegenden Konzert in Berlin zu neuem Leben.Credits:
All music composed by Charles Mingus arranged by Magnus Lindgren (02, 03, 05 & 06) and Georg Breinschmid (01 & 04) French lyrics for Goodbye Pork Pie Hat and Self-Portrait in Three Colors written by Camille Bertault Live at Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal, 13.04.2022 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art by Soshu
Wolfgang Haffner - Dream Band live in ConcertCD / Vinyl / digital
Wolfgang Haffner drums, table tubes & log drum
Randy Brecker trumpet
Nils Landgren trombone & vocals (Get Here)
Bill Evans saxohone, vocals & piano (Bones from the Ground)
Christopher Dell vibraphone
Simon Oslender keyboards & piano
Thomas Stieger bass
Stars, Drive und Herz: Brecker, Landgren, Evans und mehr - Die „Dream Band“ des Schlagzeugers Wolfgang Haffner auf einem Live-Doppelalbum.Credits:
Recorded during the Karsten Jahnke JazzNights Tour in Germany, November 2021
Mixed and produced by Wolfgang Haffner Recording engineer: Jochen Etzel
Mastering: Peter Heider at Purecuts
Cover art by Peter Krüll
Jakob Manz & Johanna Summer - The Gallery Concerts ICD / digital
Jakob Manz alto saxophone & recorder (on 5)
Johanna Summer piano
The Art in Music – Jazz und bildende Kunst in ein Spannungsfeld zu bringen, ist seit Gründung von ACT im Jahre 1992 erklärtes Ziel von Siggi Loch. Als Produzent und Kunstsammler liebt er es, nicht nur Musiker der ersten Garde um sich zu versammeln, sondern eben auch bildende Künstler. Werke von Philip Taaffe, Gerhard Richter, Martin Noël, Martin Assig u.v.m. zieren nicht nur die Albumcover, sondern sind auch in der Berliner ACT Gallery ausgestellt. Damit verfolgt Loch seine Idee eines „imaginären Dialogs” zwischen Art und Music. Dort, inmitten dieser Bilder und mit einem erlesenen Publikum, kommt es zu exklusiven Musikabenden, den Gallery Concerts. Eine inspirierende visuelle Kulisse als Experimentierfeld für Künstler, um Neues auszuprobieren. Hier treffen Musiker erstmals aufeinander, ein neues Programm wird probiert oder an Konzepten gefeilt. Wohnzimmerkonzerte der besonderen Art sind das, persönlich, direkt, hautnah. Im Zentrum steht dabei der hervorragend klingende Alfred Brendel Konzertflügel, den der Meisterpianist einst bei seinen Konzerten in der Berliner Philharmonie gespielt hat. Manchmal kommen bei diesen Zusammentreffen außergewöhnliche Konzerte zustande, die der Öffentlichkeit nicht verborgen bleiben sollen: Jakob Manz und Johanna Summer machen den Anfang der „Gallery Concerts“-Albumveröffentlichungen…
Ohne Zweifel zählen die beiden zu den meistbeachteten Entdeckungen im jungen deutschen Jazz der vergangenen Jahre. Nun treten sie im Duo in ein inniges, offenes und schillerndes Zwiegespräch. Mit seinem Jakob Manz Project zeigt sich der erst 2001 geborene Saxofonist vor allem als leidenschaftlicher Vertreter des zeitgenössischen Jazz-Rock mit einer „verblüffend ausgebufften, raffinierten, kraftvollen, soulig-funkig groovenden Musik“, wie die Jazzthing schrieb.
Dass er auch die leisen, lyrischen Töne beherrscht, zeigt er nun im Zusammenspiel mit der 1995 aus Plauen stammenden Johanna Summer. Altmeister Joachim Kühn ist begeistert von seiner jungen Klavierkollegin und schwärmt von ihrer „Musik voller Fantasie ohne jede Kategorie.“ Bei Summer passiert nichts um des Effekts willen, alles steht im Zeichen des musikalischen Storytellings, mit einem weitsichtigen Blick für Dramaturgie, Dynamik und Harmonie.
Manz und Summer kennen und schätzen einander seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Talentschmiede des Bundesjugendjazzorchesters. Und die Tatsache, dass sie, praktisch zeitgleich, im Jahr 2020, Teil der ACT-Labelfamilie wurden, hat dafür gesorgt, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzten, bis sie schließlich im Duo auf der Bühne standen: Am 26. Oktober 2021 spielten sie ein kleines Gesprächskonzert im Foyer des Nikolaisaal Potsdam, die Generalprobe für den tags darauf stattfindenden Galerieabend. Und hier offenbarte sich schnell: In dieser Konstellation entsteht eine besondere Magie und Freiheit im Zusammenspiel, die sich so wohl nur zu zweit erzeugen lässt. Auf Basis von Jakob Manz Eigenkompositionen, Standards wie „Some Day My Price Will Come“ und neueren Jazz-Klassikern wie Pat Methenys „Always And Forever“ oder Esbjörn Svenssons „The Return of Mohammed“ erschaffen Manz und Summer ein eigenes musikalisches Universum, mal zart und zerbrechlich, mal rhythmisch zupackend, mal mitreißend melodisch.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der selbst das Unperfekte reizvoll macht. Beflügelt vom Entdeckergeist und getragen vom Mut der Protagonisten, sich dem Moment des spontanen Musizierens hinzugeben, versprüht das „Gallery Concert“ eine Frische und Unbekümmertheit, die diesen Mitschnitt so besonders macht. Ein musikalischer Prolog, der Neugier weckt, wohin sich diese noch junge musikalische Beziehung entwickeln wird.Credits:
Live in concert at ACT Art Collection Gallery Berlin, 27.10.2021 Recorded, mixed and mastered by Klaus Scheuermann
Curated by Siggi Loch
Cover art "Das Sterben der Blätter" by Manfred Bockelmann / ACT Art Collection
Philip Catherine - Jazz at Berlin Philharmonic XI: The Last CallCD / Vinyl
Larry Coryell guitar Philip Catherine guitar Jan Lundgren piano Lars Danielsson bass Paolo Fresu trumpet Credits:
In memory of Larry Coryell (1943-2017), his last concert Recorded live in concert by Klaus Scheuermann at the Philharmonie Berlin (KMS), January 24, 2017 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art based and inspired by a work of Alain Biltereyst (Original: ACT Art Collection)
Nils Landgren - Live in StockholmCD / Vinyl / digital
Nils Landgren Funk Unit:Nils Landgren Trombone and Lead Vocals Henrik Janson Guitar Jesper Mejlvang Keyboards and Vocals Lars DK Danielsson Fender Bass Per Lindvall Drums, Percussion and Trumpet Åke Sundqvist Drums, Percussion and Trumpet Jan Ugand Sound Wiz Special Guests: Maceo Parker alto sax, vocals Magnum Coltrane Price rap & vocals
Dass Skandinavier es gut verstehen, Pop und Jazz zu machen, weiß man nicht erst seit ABBA, Roxette, Ace of Base oder aber Jan Garbarek und Nils Henning
Ørsted Pedersen. Schon Quincy Jones hat in den 50ern und 60ern mit der schwedischen Radio Big Band einige seiner schönsten Aufnahmen gemacht. Und Mrs. "Street Life" Randy Crawford hat sich in den vergangenen Jahren regelmäßig von der norwegischen Funk-Jazz Band "Lava" begleiten lassen. Nils Landgren ist ein weiteres skandinavisches Pfund im Funk`n Groove und ein wahres Multi-Talent. Bereits von 1981 bis 1983 hat sich der 38jährige schwedische Posaunist seine ersten internationalen Sporen in der Thad Jones Big Band verdient, um danach mit großem Erfolg den Schritt zum Jazz und Soul zu gehen. Zwischen 1983 und 1987 hat er als Bandleader (Cosmic Beavers sowie Little Mike and the Sweet Soul Music Band) und auch solo in Schweden eine Reihe von Hit-Alben gemacht, auf denen er auch seine stimmlichen Qualitäten entwickelt hat ("Streetfighter" und "You`re My Number One"). Es folgte dann eine Referenz an Duke Ellington und Miles Davis, als er mit dem schwedischen Komponisten und Arrangeur Bengt-Arne Wallin und großem Modern-Jazz-Orchester das Album "Miles from Duke" einspielte. Damit nicht genug, hat er auch mehrere Filmmusiken geschrieben ("Winter of the Rats" und den Thriller "Code Paragon") und ist sogar auch als Schauspieler in TV-Specials, Krimis, Comedy Shows und auf der Bühne zuhause. Seit 1991 ist er Mitglied im Schleswig-Holsteinischen JazzBaltica Ensemble. Als Gastmusiker hat er u.a. 1989 bei den Crusaders ("Life in the modern world"), 1993 bei David Murrays JazzBaltica Projekt und kürzlich auf einer Platte von Peter Johannesson und Herbie Hancock mitgewirkt. Nun nimmt Landgren mit seiner Funk-Unit Anlauf zu einer internationalen Karriere. ACT wird weltweit außerhalb von Schweden die CD "Live in Stockholm" vertreiben. Die Voraussetzungen sind gut, handelt es sich bei dem Live-Mitschnitt um das Stockholmer JazzBaltica Konzert der Nils Landgrens Funk-Unit zusammen mit Maceo Parker. Packender Funk-Jazz mit schönen Grooves sowie melodischen und virtuosen Posaunensoli, besonders in "Traci", "Mr. M" und in der John-Coltrane-Komposition "Impressions" lassen Erinnerungen an die große Zeit der Crusaders Anfang der 70er, damals noch mit Wayne Henderson an der Posaune, aufkommen. Man spürt hier den Einfluss von Maceo Parker, der mit seiner Spritzigkeit und James-Brown-Erfahrung ein ganz großer Saxophonist im Soul und R&B ist, und manchem Stück das Sahnehäubchen aufsetzt. In "Mr. M" und "Red Horn" lassen Parker und Landgren zusammen mit Rapper Magnum Coltrane Price die Stimmung hitziger James-Brown-Auftritte aufkommen. Die eher jazzige Reminiszenz mit Miles Davis´ "So What" rundet das Bild ab.In ähnlicher Form hat die Band im vergangenen Jahr auf dem JazzBaltica Festival die Zuhörer im Sturm eingenommen: "..elegische Vornehmtuerei war wie weggeblasen, als ... eine Programmidee eine musikalische Begegnung war..." (Werner Burkhardt, Süddeutsche Zeitung), denn "es funkte wild und kraftvoll zwischen Schweden und Amerika" ... Landgren fiel zudem als artistisch akrobatischer Posaunenclown auf: das Festival tanzte rhythmisch verzückt (JAZZ PODIUM). So ist es kein Wunder, dass Landgrens Funk-Unit am 10. und 12. Juni 95 für zwei JazzBaltica Konzerte nach Salzau und Lübeck zurückkehrt, diesmal begleitet vom Urgestein des Jazz-Funks Eddie Harris am Saxophon und dem Jazz- und Fusion-Star Randy Brecker an der Trompete. They will kill youCredits:
Recorded live at the Jazz and Bluesfestival in Stockholm on July 4, 1994 and at Jazzclub Fasching on July 5 - 6, 1994 Recording Engineers: Jan Ugand and Erik Olhester Assistant engineer: Pavel Lucki Mixed and Mastered by Bernhard Lööhr at Polar Studios Produced by Henrik Janson, Jan Ugand and Nils Landgren for Tromben Productions AB 1994 in cooperation with the Jazz Baltica Organisation, Kiel, Germany Photos by Axel Nickol
Jazz at Berlin Philharmonic X: East - WestCD / digital
Majid Bekkas guembri & vocals Nguyên Lê e-guitar NES Nesrine vocals & cello Matthieu Saglio cello & vocals David Gadea percussion Black String Yoon Jeong Heo e-guitar Geomungo Jean Oh e-guitar Aram Lee daegeum & yanggeum Min Wang Hwang ajaeng & janggu
Ost trifft West - eine spannende Beziehung
East meets West – das war das Lebensthema von Nesuhi Ertegün (1917-1989). Wuchs er doch als Sohn des ersten Botschafters der türkischen Republik in Washington auf. Um selbst zu einem Botschafter zu werden, zu einem der bedeutendsten Förderer und und Orient. Von der Renaissance bis heute kann man im Westen Wellen der Begeisterung für die östliche Kultur beobachten. Auch der Jazz hat seit seiner Entstehung vor gut hundert Jahren stets Elemente anderer Kulturen aufgenommen und in sein Stilvokabular übernom-men. Andererseits haben KünstlerInnen östlicher Kulturen den Jazz umarmt, mit ihrer Tradition fusioniert und so neue Ausdrucksformen dieser ursprünglich rein afroamerikanischen Musik gefunden.
Mit zwei Ensembles; NES und Black String, sowie zwei herausragenden Stilisten ihrer Instrumente, Nguyên Lê und Majid Bekkas, ging Jazz at Berlin Philharmonic nun auf Spurensuche, nach der fruchtbaren musikalischen Begegnung zwischen Ost und West: Das südkoreanische Quartett Black String der Geomungo-Spielerin Yoon Jeong Heo trägt die eineinhalb Jahrtausende umspannende koreanische Musiktradition mitreißend und kunstvoll in die Moderne. Heo hat das Instrument von alten Meistern gelernt, doch sie verharrt nicht in der Tradition. Zusammen mit dem in Paris und New York ausgebildeten, bereits an der Seite von John Scofield, Uri Caine oder Steve Coleman zu sehenden Gitarristen Jean Oh, mit Aram Lee an den Bambusflöten Daegeum und Yonggeum sowie mit Min Wang Hwang an der zweifelligen Trommel Janggu und der Webbrettzither Ajaeng erweitert sie das tonale Spektrum der traditionellen koreanischen Instrumente mit dem Mitteln aktueller westlicher Stile zu einer völlig neuen, eigenen Mu-sik. Das Trio NES der charismatischen Sängerin, Mandolinen-Spielerin und Cellistin Nesrine Belmokh hat in kurzer Zeit Kritik und Publikum im Sturm genommen. Die drei schöpfen aus dem musikalischen Schmelztiegel der Mittelmeer-Region ihren eigenen Sound, verbinden nordafrikanische Arabesken und andalusischen Flamenco mit klassischer Virtuosität, der Ausdruckskraft von Pop oder Chanson, dem Soul von R’n‘B sowie der Freiheit des Jazz. Etwa im hypnotischen „Bye Bye“, dessen Textzeile „Music is my exorcism“ man Belmokh sofort glaubt. Dieser Mitschnitt ist zugleich das Dokument der vorerst letzten Aufnahme, da die drei sich nun Solo-Projekten zuwenden. Und als perfektes Bindeglied fungiert der französisch-vietnamesische Gitarrist Nguyên Lê, ein Pionier der Vermittlung zwischen Jazz, Rock und asiatischer Volksmusik. Der Mann, der erst mit 16 als Autodidakt zur Gitarre griff, darauf seinen völlig eigenen Stil entwickelte und ihn, von der Karibikband Ultramarin über das Orchestre National du Jazz bis zum Trio E_L_B und vielen anderen eigenen Projekten, in die unterschiedlichsten Zusammenhänge stellte, spielt beim letzten Stück von Black String und der ersten beiden von NES mit. Und steuert dazwischen mit „Origin“ seinen eigenen Beitrag zum Thema des musikalischen Austauschs der Kulturen bei. In diesem Zwischenspiel stößt auch noch der marokkanische Oud- und Gimbri-Spieler Majid Bekkas dazu, der den Gnawa-Blues seiner Heimat schon oft in die verschiedensten Projekte eingebracht hat - von der „folklore imaginaire“ bis zum Avantgarde-Jazz, etwa mit dem Trompeter Flavio Boltro und vor allem im bahnbrechenden, vielfach preisgekrönten Trio mit Joachim Kühn und Ramon Lopez.
Jahrhundertealte Musikkultur, filigrane Klänge und volles Brett, Exotik und Verblüffendes – East meets West auf dem Impro-Terrain: Der Jazz at Berlin Philharmonic-Abend sorgte für einen mitreißenden Clash der Kulturen. Nesui Ertegün wäre von dieser Begegnung von Ost und West sicher begeistert gewesen.Credits:
Recorded live in concert by Klaus Scheuermann at the Berlin Philharmonie (KMS), November 20, 2019 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Cover art by Philip Taaffe, Isfahan (2009), by courtesy of Jablonka Galerie Cologne
Esbjörn Svensson Trio e.s.t. - e.s.t. live in GothenburgCD / Vinyl / digital
Esbjörn Svensson piano Dan Berglund bass Magnus Öström drums
„Endlich ist es Abend. Wir treffen uns normalerweise Backstage. Magnus‘ Trommelstöcke klicken auf seinen Oberschenkeln. Åke spricht über verschiedene Soundsysteme und schimpft über die USA unter Bush. Dan und ich springen auf und ab, um unsere Energien in Schwung zu bringen. Dann gehen wir auf die Bühne, öffnen uns dem Publikum, der Musik. Zeitlos, ohne Programm, ohne feste Reihenfolge der Songs. Wir wollen offen sein für das, was gerade passt. Manchmal fällt mir zunächst nichts ein und es ist frustrierend. Aber am Ende funktionieren die Dinge jedes Mal und so ist es die Sache immer Wert [...], denn wenn alles erst einmal fließt, können wir uns einfach von diesem Fluss treiben lassen. Dann ist es die Musik, die uns trägt und wir lassen sie einfach durch uns hindurch spielen. Es ist fantastisch, fast religiös. Plötzlich können wir hören, wie wir Dinge spielen, die wir noch nie zuvor gespielt haben. Und plötzlich kehrt Farbe in das Leben zurück und auch das Publikum spürt es. Wir und die Zuhörer erleben etwas, dass so nie wieder geschehen wird, sich nicht wiederholen lässt. Manchmal gerät man dennoch in die Versuchung, das, was so gut war, zu wiederholen. Aber dieser Versuch ist fast immer zum Scheitern verurteilt. Jeder Moment ist einzigartig und wir sollten glücklich sein, ihn zu erleben. Jeder neue Abend ist ein Geschenk, das auf uns wartet. Und, ganz egal, wie gut gestern war – es ist fantastisch, die Vergangenheit zu vergessen und einfach im Hier und Jetzt zu sein.“
- Esbjörn Svensson (aus "Sommar" im schwedischen Radio)
Am 10. Oktober 2001 spielte das Esbjörn Svensson Trio ein Konzert im Konzerthaus des schwedischen Göteborg. Im Nachgang wird Svensson dieses immer wieder als eines der besten bezeichnen, die das Trio je gespielt hat. Der Abend, dessen Mitschnitt nun auf „e.s.t live in Gothenburg“ erstmals als Album erscheint, war einer jener Glücksmomente, wie Svensson sie beschrieb. Ein Konzert, in dem alles fließt, sich die Energien von Musikern und Zuhörern gegenseitig befeuern, in dem die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation verschwimmen, Melodien sich nahtlos aus den Themen in die Soli fortsetzen. Mit einer Band, die inzwischen zu einer absoluten Einheit verschmolzen ist und der die Stücke lediglich als Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Weg dienen, dessen Ziel lange offen bleibt und auf dem man jeden Schritt zusammen auskostet. Esbjörn Svensson, Dan Berglund und Magnus Öström erforschen, weiten und umspielen auf „e.s.t. live in Gothenburg“ das Repertoire der damals erschienenen Alben „From Gagarin´s Point of View“ und „Good Morning Susie Soho“, die den Grundstein für eine so eindrucksvolle, wie in ihrem Ausgang tragische Geschichte des europäischen Jazz legten. e.s.t. ist auf dem besten Weg, zur vielleicht wichtigsten europäischen Jazzband der Nullerjahre zu werden. So, wie später die Hallen und Festivals größer werden, wird auch die Musik von e.s.t. rauschhafter, rockiger, ostinater. „e.s.t. live in Gothenburg“ dokumentiert, eingefangen von Toningenieur Åke Linton, dem heimlichen vierten Bandmitglied, auf faszinierende Weise den Übergang des akustischen Jazztrios e.s.t. zu einem Phänomen. Einem, das dem Jazz in den kommenden zehn Jahren neue Impulse und eine ebenso neue, junge Hörerschaft bescheren wird. Zeigen die beiden bislang erschienenen Livealben „e.s.t. live in Hamburg“ und „e.s.t. live in London“ eher den Sound der großen Hallen, dokumentiert „e.s.t. live in Gothenburg“ den seinerzeit noch filigraneren, akustischeren, stellenweise fast schwerelosen von Jazz und Klassik geprägten Live-Sound des Trios. Und erste Rock- und Elektro-Anleihen, die, vor allem in der zweiten Konzerthälfte gen Zukunft weisen.
Auf „e.s.t. live in Gothenburg“ hört man, was Svensson meint, wenn er von der Magie des Moments spricht. Die Liveversionen der Stücke entfernen sich weit von den Studiofassungen. In langen Kollektiv-Improvisationen und unbegleiteten Solopassagen entsteht ganz neue, ungehörte Musik, scheinbar mühelos, ohne Brüche, mit weiten dynamischen Bögen, in einem Ensemble-Sound und Groove, der bis heute seinesgleichen sucht. Eine Musik, in der Jazz mehr als eine Haltung hörbar wird, als eine bestimmte Ästhetik oder ein spezifisches Vokabular. Dieses ist nur eines von vielen Elementen, die das große Ganze bilden. Genau wie europäische Klassik, Rock, Drum’n’Bass, Minimal Music, Indie und vieles mehr.
Der Impuls, den e.s.t. dem Jazz, insbesondere aus Europa, und dem Klaviertrio verliehen hat, wirkt bis heute nach. Die Begeisterung für die Musik der Band ist ungebrochen. Es mag nach einem Allgemeinplatz klingen, aber Esbjörn Svensson ist durch seine Musik in der Tat unsterblich geworden. Durch seine Aufnahmen, die heute so frisch und aufregend klingen, als seien sie gerade erst entstanden. Und durch seinen Einfluss, den er, direkt oder indirekt, bis heute auf den Jazz und besonders das Jazz-Pianotrio ausübt. „e.s.t. live in Gothenburg“ zeigt mit Originalität, Wucht, Raffinesse, Fantasie und Spielwitz, warum.
Haffner - Wollny - Landgren - Danielsson - 4 Wheel Drive LiveCD / Vinyl / digital
Nils Landgren trombone & vocals Michael Wollny piano Lars Danielsson bass & cello Wolfgang Haffner drums „Zu viert im Jazz-Olymp“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung über das Studioalbum 4 Wheel Drive und das ZDF Heute Journal berichtete über „vier erste-Liga-Jazzer mit reiner Spielfreude und Lust an guter Popmusik“. Vier Monate in Folge thronte das Album auf dem Podium der offiziellen Deutschen Jazz-Charts, jetzt erscheint die Live-Version:Nils Landgren, Michael Wollny, Wolfgang Haffner und Lars Danielsson - jeder hätte wohl auch alleine die Konzerthäuser vom Prinzregententheater München über die Alte Oper Frankfurt bis hin zur Berliner Philharmonie im Rahmen der Karten Jahnke „ACT JazzNights-Tour“ füllen können. Die Vereinigung dieser vier zu einer „Supergroup“ entfacht aber nicht nur Vorfreude, sondern ruft auch hohe Erwartungen hervor, die Gipfeltreffen nicht automatisch erfüllen können. Große Kunst ist eben kein theoretisches Planspiel, sondern erweist sich erst in der Praxis... Dass es diesmal funktionierte, kann man auf „4 Wheel Drive Live“ nachhören.
Nach zehn Stationen endete die Deutschlandreise am 19. April 2019 im ausverkauften Theaterhaus Stuttgart. Thomas Staiber von der Stuttgarter Zeitung resümierte: „Das Konzert übertraf alle Erwartungen. Denn die Vier agierten dicht und reagierten mit traumwandlerischem Verständnis, jeder von ihnen hatte den Freiraum, den er benötigt, um sich improvisatorisch voll entfalten zu können. […] Wie sich der musikalische Vierzylinder mit seinem Allradantrieb im schroffen Ge-lände des Jazz und angenehmen Pop-Gefilden zurechtfand, war sensationell. […] Die Höhenflüge dieser außergewöhnlichen Jazzmusiker entfachten wahre Begeisterungsstürme.“„Die Band ist auf der Tour immer besser geworden“ konstatierte Produzent Siggi Loch und liefert damit die Erklärung, dem Studioalbum eine Live-Version folgen zu lassen. Denn die Eigenkompositionen und ausgewählten Coverversionen von Popstars wie Sting und Phil Collins bekamen auf der Bühne eine ganz neue Wendung. Wie auch Oliver Hochkeppel von der Süddeutschen Zeitung nach dem München-Konzert begeistert feststellte: „Da ergaben diese Songs, […] eben genau die weiße Fläche, auf der Jazzmusiker dieses Kalibers die schönsten Gemälde malen. […] Wer sieht, wie jeder in Sekundenbruchteilen Ideen der anderen aufgreift und neue kreiert, der begreift die Musik als schönste aller Sprachen. Wer müde kommt, wird von den wilden, rasanten und druckvollen Passagen belebt. Und so richtig zeigt sich die besondere Gabe dieser Vier bei den Pausen, den ganz ruhig eingestreuten Gedanken, den filigranen Pianissimo-Tönen, dem Streicheln der Instrumente.“
Wenn all dies zusammen kommt, dann erlebt man einen dieser besonderen Konzertabende wie er auf „4 Wheel Drive Live“ dokumentiert und dank dieses Mitschnitts nun unvergesslich ist. Credits:
Recorded live in concert at Theaterhaus Jazztage Stuttgart by Adrian von Ripka, April 19, 2019 Mixed and mastered by Adrian von Ripka at Bauer Studios Ludwigsburg, Germany Produced by the artists Executive Producer: Siggi Loch
Jazz at Berlin Philharmonic IX: PannonicaCD / digital
Iiro Rantala piano & leader Dan Berglund bass Anton Eger drums Angelika Niescier alto saxophone Ernie Watts tenor saxophone Charenée Wade vocals Manchmal sind es nur Momente, die ein Leben für immer verändern. So auch jenes der jüdischen Baroness und Millionenerbin Pannonica (Nica) de Koenigswarter (1913 - 1988), geborene Rothschild. Als diese auf einer Reise nach New York Thelonious Monks „Round Midnight“ hört, ist sie derart gefangen von der Musik, dass sie Anfang der 50er Jahre ihre europäische Heimat und all den Glamour ihres bisherigen Daseins zurücklässt und zu einer der größten Förderinnen des amerikanischen Jazz wird.
Auch das Leben des Musikproduzenten Siggi Loch nahm durch ein solches Erweckungserlebnis eine entscheidende Wende: Im Alter von nur 15 Jahren hört er ein Konzert von Sidney Bechet und beschließt, sein Leben fortan dem Jazz zu widmen. Ein Entschluss, der, besonders seit der Gründung von ACT 1992, tiefe Fußspuren in der europäischen Geschichte dieser Musik hinterlassen hat.
Es ist diese Seelenverwandtschaft, die Siggi Loch dazu animierte, Pannonica am 6. Februar 2019, dreißig Jahre nach ihrem Tod, einen ganzen Abend in der seit 2012 von ihm kuratierten Reihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ zu widmen. Im Mittelpunkt stehen Stücke von Musikern, welche die „Jazz-Baronin“ über viele Jahre mit Geld, Unterkunft, Rat und Freundschaft unterstützt hat und die ihr oft zum Dank eigene Kompositionen widmeten: Thelonious Monk, Horace Silver, Bud Powell und Sonny Rollins.
Musiker aus fünf Nationen wirkten an dem Abend mit: Die Leitung übernahm der finnische Pianist Iiro Rantala, ein Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne. Er bildet zusammen mit Bassist Dan Berglund aus Schweden und dem norwegischen Schlagzeuger Anton Eger das musikalische Fundament. Dazu kommen drei herausragende Solisten: Der amerikanische Saxofonist Ernie Watts, der selbst noch mit Thelonious Monk auf der Bühne stand, die deutsche Saxofonistin Angelika Niescier und die New Yorker Sängerin Charenée Wade. Zusammen legen sie eindrucksvoll Zeugnis davon ab, dass Momente nicht nur Biografien verändern können, sondern auch die Kraft haben, Kontinente, Kulturen und Zeiten zu überstrahlen.Credits:
Recorded live in concert by Klaus Scheuermann, at the Berlin Philharmonie (KMS), February 6, 2019 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Curated and produced by Siggi Loch Produced by Siggi Loch
Emile Parisien Quintet - Sfumato live in MarciacCD / DVD / digital
Emile Parisien soprano saxophone Joachim Kühn piano Manu Codjia guitar Simon Tailleu double bass Mário Costa drums Guests: Wynton Marsalis trumpet Vincent Peirani accordion Michel Portal clarinet Der französische Sopransaxofonist Emile Parisien zählt zu den aktuell meistbeachteten europäischen Jazzmusikern der letzten Jahre. Mit drei Alben in drei Jahren („Belle Epoque“ 2014 / „Spezial Snack“ 2015 / „Sfumato“ 2016) und im Alter von nur 35 Jahren hat sich Parisien in atemberaubendem Tempo an die Weltspitze seines Instruments gespielt und macht klar: Europa hat einen neuen Jazz-Star.2017 war DAS Jahr für Emile Parisien. Kein Jazzkünstler wurde in seinem Heimatland und auch über dessen Grenzen hinaus derart prominent ausgezeichnet, kaum ein europäischer Jazzmusiker spielte so häufig auf den großen Jazzfestivals und in den renommierten Konzertsälen. Und Parisien gilt inzwischen weithin als der wichtigste Innovator und prägnanteste Stilist des Sopransaxofons.Die Jazz thing brachte es auf den Punkt: „Wahnsinn, in welch kurzer Zeit sich Emile Parisien zu einem der einflussreichsten Musiker Frankreichs mauserte. ‚Sfumato‘ heißt das aktuelle Album des 34-Jährigen, der als Sopransaxofonist in seiner Generation weltweit keine Konkurrenz zu fürchten braucht. Das Werk wird seinen Donnerhall-Ruf noch weiter festigen.“ Und so kam es: Das französische Jazz Magazine und das deutsche Musikmagazin Stereo wählten die Aufnahme „Sfumato“ zum Album des Jahres. Kurz darauf erhielt Emile Parisien mit dem Victoires du Jazz, dem Jazz-Ableger des wichtigsten französischen Musikpreises, die Auszeichnung für das Album des Jahres. In Deutschland wurde er als bester Saxofonist des Jahres international mit dem ECHO Jazz ausgezeichnet. Und zum Jahresabschluss krönt das Jazz Magazine Emile Parisien zum Künstler 2017. Deutschlandfunk Kultur nannte ihn einen „Superstar der Jazzszene in Frankreich.“ Fono Forum konstatiert: „Emile Parisien ist ein Fackelträger, der seinen magischen Sound des Sopransaxofons weiterträgt – in der Nachfolge von Sidney Bechet, Johnny Hodges, Steve Lacy, John Coltrane, Wayne Shorter und Evan Parker.“ Der britische Guardian vergab extrem seltene fünf Sterne und schrieb über „Sfumato“: "An exhilarating genre-hop bubbling with captivating remakes of US and European jazz traditions. An exuberant album.“ Und das renommierte französische Magazin Télérama staunt: „Parisiens Einfallsreichtum und Energie sind schlicht atemberaubend.“ Auch live war 2017 für Emile Parisien der bisherige Höhepunkt seiner jungen Karriere. Er spielte an die 150 Konzerte, u.a. auf prominenten Festivals wie Jazz Sous Les Pommiers, Bergen Jazz Festival, Elbjazz, Jazz Baltica, Montreux Jazz Festival, Jazz a Vienne, Umbria Jazz, London Jazz Festival, Rheingau Musik Festival und in den renommiertesten klassischen Häusern wie Philharmonie Essen, Konzerthaus Wien, Elbphilharmonie oder Konzerthaus Berlin. Ein besonderes Highlight war die Residency bei Jazz in Marciac. Dort, wo Parisien einst als Zuschauer seine Begeisterung für den Jazz entdeckte, war er als Artist in Residence eingeladen. Unvergesslich und nun auf CD & DVD verewigt: Parisiens Sfumato-Konzert am 8. August 2017. Hier wurde sein Quintett um prominente Gäste erweitert: US-Trompetenstar Wynton Marsalis, die französische Jazzlegende Michel Portal und Parisiens Alter Ego und langjähriger Duopartner Vincent Peirani. Vielschichtig, innovativ und experimentierfreudig, spannungsgeladen und eruptiv, aber doch fest auf dem Boden des Jazz verankert, strotzt „Sfumato live in Marciac“ vor Spielwitz und Improvisationsabenteuern. Und ist somit ein eindringliches Plädoyer für die Magie des live gespielten Jazz.Credits:
Recorded live in concert by Nicolas Djemane at Jazz in Marciac on August 8th, 2017 Mixed by Boris Darley in April 2017 Mastering by Klaus Scheuermann Produced by Emile Parisien Video editing by Alice Fave & Nicolas Lecart Cameras: Florence Pradalier, Cedric Alliot, Ugo Gillino & Mathias Touzeris Audiovisual director: Jean Marc Birraux DVD authoring by Platin Media Productions Cover art by Chen Ruo Bing, untitled, 2016, ACT Art Collection
Tonbruket - Live SalvationCD / digital
Dan Berglund double bass Johan Lindström guitar, pedal steel Martin Hederos piano, synthesizers, violin Andreas Werliin drums Ein Konzert-Erlebnis, das dokumentiert werden musste… Tonbruket legen ein fulminantes Livealbum vor: „Live Salvation“ zeigt das schwedische Quartett in einer Dynamik, wie es ihre Studioaufnahmen kaum vermochten: von einer träumerischen Folk-Sensibilität über eine verspielte Jazz-Attitüde bis hin zu einem unbarmherzigen Rock-Temperament. „Die Interaktionen der Musiker sind perfekt auf einander abgestimmt. Keiner scheint ein Solo zu spielen, während es in Wirklichkeit alle zugleich tun. Das Team ist der Star“, schreibt die Eßlinger Zeitung im begeisterten Nachbericht über das Stuttgarter Tonbruket-Konzert im Jazzclub Bix, das nun auf CD dokumentiert ist. Nach fast einer ganzen Dekade zusammen darf man als Band schon einmal zurückblicken. Im Falle von Tonbruket auf vier viel beachtete Studioalben auf ACT, jedes von ihnen mit dem schwedischen Grammy ausgezeichnet, und unzählige Tourneen – all das in unveränderter Besetzung. Keine Selbstverständlichkeit auch in der schwedischen Musikszene. Doch Dan Berglund, Johan Lindström, Martin Hederos und Andreas Werliin sind über all die Jahre miteinander zu einer Einheit zusammengewachsen, die groovt wie eine perfekt geölte Maschine (Tonbruket heißt auf Deutsch: Klangfabrik) und doch zu ungeahnt poetischer Leichtigkeit fähig ist. „Salvation“, das heißt so viel wie Seelenheil. Diese vier Schweden spielen nicht bloß, weil sie es schon immer getan haben, weil sie sich schon in Teenager-Jahren in Punkbands ausgetobt haben und Musik studiert haben. Sie treten auf, weil es ihr ein und alles ist, weil davon ihre physische wie psychische Gesundheit abhängt. Schon der Bandgründung 2009 durch Dan Berglund und Johan Lindström ging ein traumatisches Erlebnis voraus: der plötzliche Tod des Pianisten Esbjörn Svensson am 14. Juni 2008, Berglunds bis dahin engsten musikalischem Vertrautem, der die Erfolgsgeschichte des Trios e.s.t. jäh stoppte. Wer Tonbruket einmal bei einem Konzert erlebt hat, hat bereits eine Ahnung davon, was ihn auf diesem Album erwartet. Fast alle Songs sind deutlich länger als die bis ins feinste Detail ausgetüftelten Studioversionen, und nehmen sich Zeit für Soli, die so songdienlich sind, dass sie sich nie wie Soli anfühlen. Bei einem Tonbruket Gig mag man sich zurücklehnen und die Augen schließen, um sich ganz den wundersam träumerischen Klängen hinzugeben, und wird im nächsten Moment von einem erbarmungslosen Sound attackiert, der mit Progressive nur sehr unzureichend beschrieben ist. Avantgarde-Folk trifft auf psychedelischen Jazz trifft auf Progressiver Rock. „Wie die Musiker akustische und elektrische Instrumente verweben, ist allerfeinstes Kunsthandwerk“, schrieb der Stern. Tonbruket spielten in Stuttgart Musik ihrer letzten drei Alben und fügen jedem dieser acht Songs eine besondere Live-Note hinzu. Dem erdenschweren „Dig It To The End“ verleiht das swingende Honky-Tonk-Piano von Martin Hederos unerwartete Beschwingtheit. „Nightmusic“ ist mit zwölf Minuten gar fast doppelt so lang wie zuvor, in den langen Keyboard-Passagen zeigen Tonbruket eine Pink-Floyd-artige Verspieltheit, die wiederum in Bass-Soli von Bandgründer Dan Berglund münden, begleitet von der geisterhaft raschelnden Percussion Andreas Werliins. Zum Abschluss bietet das 14-minütige „Vinegar Heart“ einen sagenhaften Trip, der vom Abgrund in lichte Höhen führt. Und wieder zurück. Was mit dubbigen Noise-Momenten beginnt, wird mit der jaulenden Pedal-Steel-Gitarre von Johan Lindström zu einer sanftmütigen Reise durch die Appalachen. Wie es die Kölnische Rundschau einmal in einer Konzertkritik treffend schrieb: „Ein Abenteuertrip durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Passt in keine Schublade – und macht Spaß.“Credits:
Recorded live in concert by Åke Linton at Bix Jazzclub Stuttgart, November 17, 2016 Mixed by Tonbruket and Anton Sundell at Studio Bruket Mastered by Henrik Jonsson at Masters of audio * from the album Forevergreens, ACT 9811-2 ** from the album Nubium Swimtrip, ACT 9558-2 *** from the album Dig it to the end, ACT 9026-2 Produced by Tonbruket Cover art by Jesper Waldersten: Salvation, 2017 with the kind permission of the artist
Richie Beirach & Gregor Huebner - Live at Birdland New YorkCD / digital
Richie Beirach piano Gregor Huebner violin Randy Brecker trumpet George Mraz bass Billy Hart drums Happy Birthday Richie Beirach und Gregor Huebner!
„Live at Birdland New York“ ist kein gewöhnliches Album. Es ist vielmehr eine Hommage an zwei bedeutende Lebensleistungen und ein doppeltes Geburtstagsgeschenk: Der amerikanische Pianist Richie Beirach wird am 23. Mai 70 Jahre alt, der deutsche Geiger Gregor Huebner am selben Tag 50. Über 20 Jahre währt bereits die musikalische Partnerschaft der beiden, die zugleich auch ein Stück ACT-Geschichte ist: Ihre im Trio mit George Mraz zwischen 1999 und 2003 entstandene Trilogie „Round About Bártok“, „Round About Federico Mompou“ und „Round About Monteverdi“ ist eine wegweisende Beschäftigung mit klassischen Komponisten aus der Sicht des Jazz, lange bevor dies zu einem Trend wurde.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Richie Beirach zu den bedeutendsten Pianisten der Jazzgeschichte gehört – als einer der Pioniere stiloffener, auf die Klassik zurückgreifender Improvisation, sowie als einer der energetischsten Tastenvirtuosen. In Brooklyn geboren, hatte er klassischen Unterricht bei James Palmieri, bevor er mit 20 an das legendäre Berklee College of Music nach Boston ging, wo er unter anderem bei Margaret Chaloff und Charlie Mariano studierte. Seine breite Ausbildung schloss er in den Siebzigern mit einem Kompositionsstudium an der Manhattan School of Music ab. Parallel dazu wurde er gemeinsam mit Dave Holland und Jack DeJohnette Mitglied der Band von Stan Getz. Die großen Namen des Modern Jazz begleiteten ihn fortan, darunter auch Chet Baker. Von 1973 bis 1976 gehörte er zur Band „Lookout Farm“ des Saxofonisten Dave Liebman, mit dem er danach immer wieder zusammenarbeiten sollte. 1976 debütierte er mit seiner ersten eigenen Band „Eon“, ein Jahr später mit seinem ersten Soloalbum „Hubris“. Von 1981 bis 1991 war er Gründungsmitglied von „Quest“, einem der wichtigsten Ensembles seiner Zeit, in dem auch seine langjährigen Wegbegleiter Billy Hart am Schlagzeug und George Mraz am Bass mitwirkten. Diese beiden spielten dann auch in den zwei eigenen Trios, auf die sich Beirach von Mitte der Neunziger an konzentrierte. Zum langlebigeren stieß 1996 ein junger Geiger, der zu seinem wohl wichtigsten Begleiter wurde: Gregor Huebner.
Der Stuttgarter Gregor Huebner studierte klassische Violine in seiner Heimatstadt und in Wien, bevor er zu einem Klavier- und Kompositionsstudium an der Manhattan School of Music nach New York übersiedelte und den Jazz für sich entdeckte. Als einer der wenigen Deutschen schaffte er den Durchbruch in der heißumkämpften amerikanischen Szene und blieb dort, um mit Größen wie John Patitucci, Mark Feldman, Uri Caine, Joe Zawinul oder Diane Reeves zu spielen. Huebners Alleinstellungsmerkmal und das verbindende Element zu Beirach ist seine Fähigkeit, „die Sprache beider Welten, die der Klassik und des Jazz, auf geniale Weise zu verstehen" (Süddeutsche Zeitung).
Von der unersättlichen Neugier und Improvisationslust, die Beirach und Hübner verbinden, ihrer Liebe zur Rhythmik, aber auch zum Spiel mit klassischen Formen, legt „Live at Birdland New York“ ein beredtes Zeugnis ab. Das mitreißende Konzert mit den ebenfalls fulminant aufspielenden Altmeistern Randy Brecker, George Mraz und Billy Hart ist Bestandsaufnahme und Querschnitt ihrer langjährigen Zusammenarbeit: Neben der Jam Session-artigen Interpretation des Standards „You Don’t Know What Love Is“, Huebners ruhig pulsierendem, sich bombastisch steigernden „African Heartbeat“, dem Beirach-Klassiker „Elm“ oder John Coltranes Bebop grundierte Improvisationsvorlage von „Transition“, standen natürlich auch zwei Klassik-Bearbeitungen auf dem Programm: „Around Bartók Bagatelle #4“, das in die jazzaffine Rhythmik und Harmonik des titelgebenden Musik-Revolutionärs eintaucht, und die feinsinnige, melodramatische und swingende Version der „Siciliana“ von Johann Sebastian Bach.
„Live at Birdland New York“ ist Dokument der langjährigen und intensiven Zusammenarbeit zweier Meister. Es ist zugleich aber auch ein Statement, dass die amerikanische Pianokoryphäe Richie Beirach kein altes Eisen, sondern lebendige Jazz-Gegenwart ist.Credits:
Recorded by Tyler McDiarmid live at Birdland New York, August 25 & 26, 2012 Mixed and mastered by Klaus Scheuermann Produced by the artists Cover art by Philip Taaffe Flowers, 1995, ACT Art Collection
Jazz at Berlin Philharmonic VII - Piano NightCD / Vinyl / digital
Leszek Możdżer piano, Fender Rhodes on Summertime Iiro Rantala piano Michael Wollny piano All three play Fender Rhodes, in turn, on La Fiesta „Drei Männer, drei Flügel, ein Gefühl - Jazz“: So fasste das ZDF heute journal den Pianogipfel vom 31. Mai des vergangenen Jahres im ausverkauften großen Saal der Berliner Philharmonie zusammen, der nun exklusiv auf Vinyl nachzuerleben ist. Und ging hymnisch ins Detail: „Iiro Rantala, Leszek Możdżer, Michael Wollny - jeder Einzelne eine Klasse für sich. Spielen sie zusammen, wird es magisch.“ Ein Erlebnis mit Déjà-vu-Charakter, denn diese drei Größen des Jazzpianos hatten drei Jahre zuvor, im Dezember 2012, bereits den fulminanten Startschuss für die von Siggi Loch kuratierte Konzertreihe „Jazz at Berlin Philharmonic“ im berühmten Klassiktempel der Hauptstadt gegeben.Mit Leszek Możdżer, Iiro Rantala und Michael Wollny traten nun also zum zweiten Mal drei herausragende, vielfach preisgekrönte und etablierte Vertreter des europäischen Jazz gemeinsam an. Eine Generation, die ihr Instrument auch klassisch erlernt hat und schon deshalb um die eigene Musiktradition weiß; die auf diesem Weg den Jazz und seine Freiheit kennen und lieben gelernt hat; und die schon wegen ihrer Jugend sozusagen zwangsläufig mit Rock- und Popmusik aufgewachsen ist. Musiker also, die, mit ihren Erfahrungen in allen Genres und Stilen, schlicht „Musik machen“, und dies jenseits spieltechnischer Limits „in the spirit of Jazz“, wie das Credo von ACT lautet.Nach einem guten Dutzend stets ausverkaufter und umjubelter „Jazz at Berlin Philharmonic“-Konzerte, bei denen sie einzeln auch in anderen Konstellationen spielten, war es spannend, zu hören, was sich bei den Dreien seitdem entwickelt hat:Der Finne Iiro Rantala hat nach dem Ende seines 18 Jahre bestehenden, unkonventionellen Trio Töykeät seit 2011 ganz neue Farben in sein Spiel integriert. „Melodien voller Klarheit und Schönheit“, wie es der Stern unlängst festgestellt hat, stehen seitdem im Fokus seiner Kunst.
Die beiden Soloalben „Lost Heroes“ (2011) und „My Working Class Hero“ (2015), seine Hommage zum 75. Geburtstag John Lennons, katapultierte ihn endgültig ins internationale Rampenlicht. Die dort bewiesene künstlerische Aufrichtigkeit, der Respekt vor der Kraft der Melodien und die im Solo liegende Freiheit, das alles bringt Rantala auch hier beispielsweise bei seiner Komposition „Freedom“ zusammen.Seine künstlerische Freiheit hat auch Michael Wollny gefunden, nachdem er zehn Jahre hart dafür gearbeitet hatte. Mit „Weltentraum“ (2014) und „Nachtfahrten“ (2015) aber sprach sich allgemein herum, dass es in Deutschland einen einmaligen Pianisten gibt; einen „vollkommenen Klaviermeister“ (FAZ), der für jedes musikalische Theorem eine eigene, stets überraschende Lösung findet. Wie hier im Duo mit Iiro Rantala bei „White Moon“, ein Stück seines frühen Entdeckers und wichtigsten Lehrers Chris Beier.Bleibt das polnische „Phänomen“ (Süddeutsche Zeitung) Leszek Możdżer, der große Romantiker unter den europäischen Jazzpianisten. Seine „filigran schattierte Virtuosität ist faszinierendes Entertainment ohne Konkurrenz im gegenwärtigen Klavier-Handwerk“, stellte die FAZ fest. Możdżers Fähigkeit, das Leichte mit dem Schweren zu kombinieren, exerziert er bei Jazz at Berlin Philharmonic unübertrefflich vor, beim bildhaften, fast filmmusikalischen „She Said She Was A Painter“.Wenn dann beim großen Finale alle drei gemeinsam unwiderstehlich über George Gershwins „Summertime“ und Chick Coreas „La Fiesta“ improvisieren, dann wird der Geist beschworen, der die „Jazz at Berlin Philharmonic“-Reihe von Anfang an geprägt hat und auch in Zukunft prägen wird: Sich bei außergewöhnlichen Künstler-Begegnungen der Jazztradition zu erinnern und sie individuell nutzbar zu machen für die Gegenwart und für einmalige, einzigartige Konzertmomente.